CDU-Pannenwahlkampf: Verhöhnt uns und interessiert Euch!

Und, ist Ihr Interesse an Politik in den letzten Tagen auch wiedergeweckt worden? Konnte die durch den Wirbel um die vielseits belächelten Plakate der CDU Mecklenburg-Vorpommern freigesetzte Aufmerksamkeit Ihrer politischen Verdrossenheit vorbeugen? Wenn ja, dann seien Sie von Vincent Kokert, seines Zeichens Generalsekretär der CDU M-V, gewarnt: „Das kann nur der Einstieg in eine inhaltliche Auseinandersetzung sein.“

VERHÖHNT UNS!

Gemeinsam mit der Osnabrücker Werbeagentur Hagenhoff entwickelte die CDU ein Wahlkampf-Plakat, das sie wieder in die Diskussion bringen sollte. Herausgekommen ist ein Motiv, auf dem Spitzenkandidat Lorenz Caffier das bildungspolitische Anliegen seiner Partei formelhaft auf den Punkt bringt: C wie Zukunft. Vincent Kokerts Kollege Klaus-Dieter Götz, Geschäftsführer der CDU M-V, bewertete die Kampagne positiv: „Der Slogan ist ein Erfolg. Durch ihn sind wir bei den Menschen im Gespräch.“

Fraglich ist nur, wie über die Christdemokraten gesprochen wird, denn in den vergangenen beiden Tagen verzichtete kaum eine Redaktion darauf, die Werbestrategie der CDU zu verhöhnen. Die Hamburger Morgenpost schrieb vom „Gaga-Motto“, der Befund von taz und NDR fiel legasthenisch aus und auf allen Kanälen amüsiert man sich köstlich über den Fauxpas.

Dieses Plakat sorgte für Spott, bundesweit.

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(Foto: CDU Mecklenburg-Vorpommern)

CDU KÜNDIGT NOCH „WEITERE KNÜLLER“ AN

Einen Honigtopf für Schadenfreudige im Internet richtete alsbald der 19-jährige Schüler Dennis Morhardt mit der Seite c-wie.de ein, auf der er der kollektiven Kreativität Raum gab. Inzwischen sind dort über 23.000 Userbeiträge versammelt. Der Spott bricht sich Bahn und der strategisch-ehrfurchtslose Umgang von Werbetextern und PR-Profis mit der deutschen Orthographie rast mit Karacho gegen die Wand.

Indes kündigte Generalsekretär Vincent Kokert gegenüber dem NDR noch „weitere Knüller“ an, denn die CDU wird bis zur Landtagswahl am 4. September ihre Plakatmotive im Zweiwochentakt wechseln. Raum genug also für den alten Law&Order-Kläffer Caffier und seine Osnabrücker PR-Gang, die Wiedererweckung unseres politischen Interesses voranzutreiben, auf dass wir uns wieder für die Bildungspolitik im Land interessieren mögen.

11 Gedanken zu „CDU-Pannenwahlkampf: Verhöhnt uns und interessiert Euch!

  1. wieder tolle Rechercheleistung. Alle Achtung.
    Ich persönlich finde den Spruch aber Klasse (außer wenn er wirklich von der polnischen Band geklaut wurde). Von den vielen Grünen-Plakaten habe ich nur registriert, dass sie hängen. der Inhalt hat mich überhaupt nicht interessiert. Genauso ging es den NPD-Plakaten in den Dörfern. Aber das CDU-PLakat erregte meine Aufmerksamkeit. und provoziert die Frage: wieso c? Ach so. CDU. (Auf Caffier bin ich aber nicht gekommen, weil „K“ gesprochen)
    Ich glaube zwar nicht, dass Plakate die Wahlmeinung wirklich beeinflussen. Aber wie jede Werbung haben sie die Aufgabe, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Das ist bereits errreicht. Kokert hat recht.

  2. Das mit der polnischen Band war natürlich nur ein Späßchen am Rande: Cukunft haben beim Polenmarkt 2009 in Greifswald gespielt, von einem eigenen Slogan für eine auf den deutschsprachigen Raum begrenzte Tour ist mir nichts zu Ohren gekommen (http://blog.17vier.de/2009/11/27/cukunftsmusik-und-polska-rootz-im-ikuwo/)

    Ich verachte Werbefritzen, die mit Falschschreibung flirten, um Botschaften fester in uns zu verankern. Caffier mochte ich natürlich schon vorher nicht und er hat es prima hingekriegt, dass der Bildungsstandort MV von der Schule bis zur Uni in schlechtem Licht erstrahlt und sich die ganze Nation drüber amüsiert.

    Was die Wahlplakate angeht, so musste ich in hgw bislang noch keine NPD-Poster sehen, Sellerings massive Straßenpräsenz geht mir schon jetzt auf die Nerven, insofern nehme ich die Wahlwerbung der Grünen positiv wahr, weil ich sie unaufdringlicher finde. Meine Stimme geht selbstverständlich an keine dieser Parteien, doch dazu mehr in einem eigenen Wahlwerbe-Beitrag in einem Monat…

  3. Mir gefällts. Besser als die langweiligen Plakate der Pseudo-Grünen oder die Aufhänger vom ewig notgeilen Sellering
    Mal was neues und kreatives,aber die Reaktionen zeigen,dass die Menschen dafür noch nicht bereit sind…schade!

  4. By the way: Cukunft ist jiddisch für Zukunft. Aber das werden Caffier&Co. wohl kaum im leeren Hinterkopf gehabt haben … Der Warschauer Band Cukunft wird die Engführung „Klezmerband“ allerdings auch kaum gerecht, steht sie doch eher in der Traditionslinie der Radical Jewish Culture, wie sie auf John Zorn´s Label Tzdaik propagiert und gepflegt wird. Freie Improvisation trifft jüdische Tradition wäre da vielleicht eine Behelfsformel. Mehr zur Band siehe: http://www.myspace.com/cukunft oder beim äußerst empfehlenswerten Label der Band um Mastermind und Gitarristen Rafal Roginski, deren Mitglieder auch in diversen anderen Projekten mitmischen: Lado ABC / http://www.ladoabc.com

  5. Wenn es das alleinige Ziel der CDU ist die „Diskussion zu eröffnen“ und Aufmerksamkeit zu erregen, dann tun sie mir einfach leid.

    Diese Kampagne ist schlichtweg unpolitisch. Ich will auf Wahlplakaten auch informiert werden. Was sind die Ziele? Wofür oder wogegen richtet sich die Person oder Partei?

    Mich beschleicht eher das Gefühl, dass es auch darum geht nicht anzuecken. Bloß nicht Stellung beziehen, bloß keine inhaltliche Auseinandersetzung. Wie bei einer RTL-Castingshow.

    Die Sellering-Plakate stoßen mir mit ihren Halbsätzen ebenfalls auf. „Und daraus lernen.“ steht dort mitunter- was ist das? Haben die vermeintlich Kreativen der Werbeagenturen ein Problem mit unserer Sprache?

    Die Grünen-Plakate finde ich schon interessanter, dort wird vornehmlich mit Schlagworten gearbeitet, was ich legitim finde, Sie verzichten weitestgehend auf „‚Köpfe“, außer beim Landratskandidaten. Der Comicstil hebt sie von den anderen Parteien ab.

  6. @Pehle:
    Danke für die Ergänzungen. Wie dampfen wir das Genre der Band jetzt noch auf ein bindestrichfreies Wort ein?
    Witzigerweise kamst du in deinem Cukunftsbeitrag für das Polenmarktprogramm 2009 auch nicht ganz ohne ‚Klezmer‘ aus, hast da aber auch schon das zornige Label erwähnt 😛

    „Cukunft spielen Klezmer mit konsequent zeitgenössischem Sound, ähnlich der Radical Jewish Music von John Zorn und seinem Label Tzadik.“

  7. @Erik_M

    Pseudo-Grüne? notgeiler Sellering?
    Man kann ja von der politischen Ausrichtung der jeweiligen denken, was man möchte, aber vielleicht untermauerst du mal, was dich konkret stört.
    und sorry, wenn ich das so unverblümt sage, aber wenn dir dieses Plakat gefällt, hast du wohl nur ein gemindertes Interesse an Politik. Dort werden keine Inhalte transportiert, dort wird nicht um Wähler:innen geworben, dort stellt sich die CDU und Caffier nur selbst zur Schau.
    Derart auf „jugendlich“ gemachte Kampagnen sind peinlich und delegitimieren Demokratie!!

  8. Schade, dass dieses CMS keine direkten Antworten (wie beim Grünen-Blog) erlaubt und auch die E.Mail-benachrichtigung trotz anklicken nicht funktioniert. Im Nachhinein auf Kommentare zu antworten, macht wenig Sinn.

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