Weckruf an Rex

Ein Gastbeitrag von Mounir Zahran

Dieter Rex, der Besitzer der KAW Hallen, hat einen Wunsch: Ein Einkaufcenter in den Gemäuern der Bahnhofshallen. Wenn alles klappen sollte, wird es 2016 eröffnet werden. Bei manchen Bürgern und Politikern der Stadt fand dieser Gedanke nur wenig Anklang. Offenbar so wenig, dass sich eine Bürgerinitiative gegründet hat, die gegen das Bauvorhaben protestiert. Die Initiative sieht durch das Shoppingcenter die Innenstadt und die Fleischervorstadt gefährdet.

RoSa WG im ehemaligen Witt-Call-Gebäude in Greifswald(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Rex fühlt sich nun bedrängt, anders kann sein Verhalten nicht gedeutet werden. Der RoSa WG wurde vor wenigen Wochen kurzerhand der Mietvertrag im ehemaligen Witt-Call-Gebäude grundlos gekündigt — trotz einer Absprache, die Räume bis zum Anfang der Bauarbeiten nutzen zu dürfen.

Das Greifswald International Students Festival (GrIStuF) stand kurzzeitig ebenfalls auf der Kippe. Den Veranstaltenden des Festivals wurde die zuvor zugesagte Nutzung einer der Hallen für die vom 21. bis zum 28. Juni stattfindenden Feiern der Bahnhofhalle verwehrt. Nur die kurzfristige Vermittlung des Oberbürgermeisters Arthur König (CDU) ermöglichte, die Halle schließlich doch noch zu nutzen. Jedoch steht die RoSa WG immer noch vor dem Aus. Die Betreiber des Clubs sehen ein Weitermachen nach dem Auszug als schwierig an. Grund dafür seien die Schulden, die durch die Arbeiten an dem ehemaligen Witt-Call-Gebäude und vor allem durch eine teure Nutzungsänderung entstanden sind.

Video (03:32)
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Das Aus für die RoSa WG? Einfach so? Wirklich? Für das Greifswalder Nachtleben wäre dies ein Schuss in den Bauch. Jeder, der die Gelegenheit hatte dort zu feiern, sollte den vorherigen Satz nachvollziehen können. Denn die Nächte im Club, die bis in die frühen Morgenstunden gehen — manchmal auch bis in die späten — sind für jeden unvergesslich. Was auch immer der genaue Grund für Rex‘ Handeln sein mag — es kann nicht sein, dass aufgrund eines in Zugzwang geratenen Mannes, in diesem Fall Herr Rex, ganz bewusst andere Parteien unverschuldet Schaden nehmen.

Dieser Beitrag soll weder ein Affront sein, noch eine Aufforderung an den Eigentümer, seine Meinung zu ändern. Nein, er ist vielmehr Bitte und Weckruf zugleich — an eine Person, die bestimmt nicht für das Ende einer der wohl beliebtesten Clubs Greifswalds verantwortlich sein möchte.

Mounir Zahran war bis zum April 2014 Ressorleiter für Hochschulpolitik beim Webmoritz und ist derzeit freier Mitarbeiter bei der Ostsee-Zeitung.

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10 Gedanken zu „Weckruf an Rex

  1. Hat denn auch mal jemand mit Herrn Rex gesprochen?

    Meine Info ist, dass er vor allem die Bahnhofshallen – nahezu einzigartig in Deutschland – erhalten will. Das geht nur mit einer dauerhaften und vollständigen Vermietung oder eben Verkauf und Nutzung als was auch immer. Ohne diese Nutzung würden die Hallen in einigen Jahren als Ruine enden, denn Instandhaltung kostet nunmal.

    Wer also Ideen für eine (vollständige, dauerhafte) Nutzung der Hallen hat kann ja gern mit Herrn Rex sprechen, vermutlich ist ein Supermarkt jedoch die einzige Möglichkeit die Hallen zu erhalten.

    1. vermutlich ist ein Supermarkt jedoch die einzige Möglichkeit die Hallen zu erhalten

      Das glaube ich auch. Die Frage ist nur, wie groß die Gewerbefläche wird, sprich: Supermarkt oder Einkaufszentrum. Die RoSanen haben sich auf die Zwischennutzung eingelassen und auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihr Projekt nur temporärer Natur ist und mit dem Beginn der Bauarbeiten endet. Es wird sie frustrieren, dass sie jetzt so schnell und überraschend gekündigt wurden. Ich denke, dass Mounir Zahran diesen Umstand zu beschreiben versucht, wenn er davon schreibt, dass Rex sich bedrängt fühlt und jetzt vorschnell Tatsachen geschaffen hat.

      P.S.: Von den Instandhaltungsmaßnahmen an den KAW-Hallen konnte ich gestern nichts sehen, was nicht auch in den letzten Jahren schon da war.

      1. Ein Teil des Problems ist mit Sicherheit auch, dass einige übermotivierte Nachwuchspolitiker, diesen temporären Charakter permanent ignorieren. So ne Petition ist ja grundsätzlich eine nette Sache. Aber nachdem GriStuf nach Distanzierung von der BI die Hallen bekommen hat, sollte man sich vielleicht doch fragen, ob man mit einer Petition, die den temporären Charakter mal wieder vertuscht und fröhliche Klassenkampfrethorik in ihrer Beschreibung hat, nicht noch mehr die Fronten verhärtet.

        1. Hallo,

          die BI ist relativ breit aufgestellt und ich nehme an, dass das Vorgehen abgestimmt ist. Das mit den übermotivierten Nachwuchspolitikern dürfte also so nicht haltbar sein.

          Die Sache mit dem GrIStuF fand ich persönlich ziemlich dreckig. Dass der Vermieter seine Machtposition ausnutzt um das Festival dazu zu zwingen die BI schlecht aussehen zu lassen, sollte man aber doch erkennen.

          So oder so wäre für mich auch wichtig, ob die RoSa WG bei der Petition in Kenntnis war oder nicht. Das sicher zu stellen würde ich tatsächlich von der BI erwarten.

          Disclaimer: Der Autor ist Pirat, war aber noch nie bei der BI.

        2. Niemand konnte bislang erklären, warum sich GriStuf von der BI distanzieren musste. Die beiden Sachen haben nichts miteinander zu tun. Dem OB ist mal wieder eine Glanzleistung gelungen. Soll sich der studentische Verein demnächst auch von der Alten Bäckerei distanzieren?

          Das Hauptproblem besteht einfach darin, dass, obwohl Jung und Alt in der ganzen Stadt wollen, dass die KAW-Hallen kulturell genutzt werden, der Eigentümer da ein Projekt im Sinne des Investors realisieren will. Der größtmöglichste Profit steht da im Vordergrund der Kapitalisten. Mit einem anderen Menschenbild kann ich mir das Vorgehen nicht erklären.

          Niemand hat etwas dagegen, einen Teil der Hallen für einen Konsum bzw. für die jüngeren Leser: für eine Kaufhalle zu öffnen. Niemand. Da dann aber Schluss ist, sollte auch Herrn Rex nicht aufregen. Es sei denn, dass er den Hals nicht voll bekommt. Eigentum verpflichtet auch und bringt Verantwortung mit sich, Verantwortung vor allem dem Gemeinwesen gegenüber und nicht sich selbst.

          Was mich wundert: Herr Rex hat ständig und überall seine Gesprächsbereitschaft bekundet. Aber irgendwie gerät es dann in den Gesprächen außer Kontrolle, wobei ich nicht begreife, woran es liegt, wenn nicht der Eigentümer mehr will, als die Bürger wollen.

          Der Punkt mit den Nachwuchspolitikern ist wohl als plumpe Provokation gemeint. Hier gewählte Vertreter der Greifswalder grundlos zu diskreditieren, finde ich nicht in Ordnung. Gibt es für die Anschuldigung auch Belege? Wieso sind gerade Mitglieder der Bürgerinitiative Teil des Problems? Weil sie – wie es sich gehört – einen Impuls aus der Gesellschaft aufgreifen und handeln? Oder sind einfach nur die Greifswalder Bürger ein Teilproblem? Schlimm schlimm, dass es hier auch Einwohner mit eigenen Meinungen gibt.

  2. Mich wundert das doch alles etwas.

    Da ist ein Club, der mit, zumindest meinem Eindruck nach, fragwürdiger legaler Basis aus reinem eigenwirtschaftlichen Interesse betrieben wird. Die Betreiber haben offenbar kein haltbares Wirtschaftskonzept und einen Konflikt mit ihrem Vermieter, aus Gründen, die scheinbar bewusst von wenigstens einer der beiden Parteien nicht öffentlich benannt werden.

    Für mich sieht das wie eine gescheiterte Betriebsniederlassung aus.

    Ich kann nicht nachvollziehen, wie ein wenige Monate alter Club von allen Seiten zur Speerspitze Greifswalder Kultur hochstilisiert wird (Techno und teures Bier… das kann man in HGW auch woanders haben…) und nun die Betreiber nach der Politik rufen sie zu retten und ihre selbst verbockten Fehler auszubügeln. Selbst Landespolitiker werden damit behelligt und der OB zur Pflichtausübung angehalten.
    Und die Sprecher der Bürgerinitiative gegen das Einkaufzentrum, mit der die Betreiber ja überhaupt nichts zu tun haben wollen, stellen sich jetzt als deren Interessenvertreter hin und rufen nach der Empörung der Öffentlichkeit…

    Vielleicht interpretiere ich das alles falsch…
    Aber mich wundert das doch alles etwas.

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