Greifswald in Aufruhr nach Entscheidung über Namenspatron Ernst Moritz Arndt

Nach der vielbeachteten Senatsentscheidung für die Trennung vom bisherigen Namenspatron Ernst Moritz Arndt überhitzen sich die Gemüter der Greifswalder Bevölkerung. Verschiedene Akteure kanalisieren den Frust und versuchen, aus der Wut Profit zu schlagen.

„Man sollte sie teeren und Federn und aus der Stadt jagen.“ Sätze wie dieser gehören noch zu den harmloseren Unmutsbekundungen, mit denen aufgebrachte Greifswalder in den letzten Tagen die Entscheidung des Akademischen Senats contra Arndt bei Facebook kommentierten. Nach fast zwanzig Jahre andauernder Debatte, mehreren Abstimmungen im Senat und in der Studierendenschaft brachte die Senatssitzung am Mittwoch, dem 18. Januar, ein ebenso historisches wie überraschendes Ergebnis: Der umstrittene Namenspatron wurde mit deutlicher Mehrheit abgewählt.

Arndtdebatte in Greifswald

„Einer der Täter!“

Was nun folgen soll, ist eine obligatorische Genehmigung des Bildungsministeriums und eine allmähliche Entarndtifizierung der Hochschule. Stichtag dafür ist der 31. Dezember 2022 — fast sechs Jahre Zeit also, um veraltete Visitenkarten, personengebundene Schilder oder Tagungsmappen sukzessiv auszutauschen. Dieser gemächliche Takt soll die Kosten abfedern, die die Umbenennung verursachen wird. Nach Aussage des Kanzlers handelt es sich dabei um einen fünfstelligen Betrag. Soweit der vernünftig klingende Fahrplan.

Was zunächst jedoch folgte, war ein beispielloser Shitstorm. Selten konnte man die Dichte an versierten Historikern, Demokratietheoretikern und Arndt-Kennern so eindrucksvoll spüren wie in diesen Tagen nach der Entscheidung. Nur wenige Minuten nach Bekanntgabe des Ergebnisses begann die kollektive Wutventilation bei Facebook. Die verschiedenen Greifswald-Gruppen füllten sich rasch weiter mit Unverständnis, Nichtwissen und Beschimpfungen, häufig wüster Natur. Diese besondere Atmosphäre des respektlosen Umgangs braute sich bereits wenige Tage vor der Entscheidung  zusammen. Danach gibt es kein Halten mehr. Es werden die Profile studentischer Senatoren verlinkt und ausgewertet. Privatfotos gepostet und allerlei krude Behauptungen aufgestellt: „Einer der ‚Täter‘!“  

Greifswalds erste Fake News 2017

Ganz nebenbei nimmt der Bundestagswahlkampf Fahrt auf. Die zuletzt stark gebeutelte CDU wittert Morgenluft und greift populistisch nach rechts. Die Christkonservativen hatten Arndt als Identitätsstifter schon seit ein paar Wochen auf dem Schirm. Den Antisemiten wollte man nicht der AfD überlassen. Zudem konnte sich Egbert Liskow mit einer kleinen Anfrage an die Landesregierung — von denen stellt er nicht viele — öffentlich als Arndtkümmerer positionieren.

Die AfD reagierte ebenfalls schnell. Der wegen Volksverhetzung verurteilte Holger Arppe, der für die AfD seit Herbst 2016 im Landtag sitzt, war der erste. Er bedauerte die Entscheidung und stellte einen Tag nach der umstrittenen Dresden-Rede von Björn Höcke fest: „Also hat #Höcke doch irgendwie recht.“ Abends legte er nochmal mit einem dieser typischen Bildchen nach: „Die (Ernst Moritz Arndt) Universität Greifswald verrät deutsche Kulturgeschichte“.

ralph Weber AfD
Prof. Dr. Ralph Weber auf einer Demonstration in Stralsund
(Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Endstation Rechts, 2016)

Wenig später wird Ralph Weber, hochschulpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, eine Zahl in Umlauf bringen, die schnell in den oftmals unwürdigen Diskussionen bei Facebook verfängt: 300.000 Euro. So teuer wird nach seiner Schätzung die Umbenennung werden, die Weber „widersinnig“ findet und als „verheerendes Signal“ beschreibt. Wie der Jurist, der bislang nicht als Haushaltsexperte aufgefallen ist, auf diese Zahl kommt, begründet er nicht. Das muss er in postfaktischen Zeiten auch nicht. Die Zahl ist in der Welt, das zählt. Greifswald erlebt die erste Fake News des Jahres. Sie ist zäh und beständig.

Petition, Protestwoche und Demonstration

Indes wurde bei Facebook der Unbill der Hanseaten in einer Gruppe organisiert. Jemand aus dem FFDG-Umfeld hat eine Petition aufgesetzt, die bis dato (Stand Sonntagabend) fast 1400 Mal mitgezeichnet wurde. Die rechte Burschenschaft Markomannia bewirbt eine Protestwoche, die im Februar geplant ist. Anschließend soll eine große Protestdemo stattfinden. Mit derlei Umzügen ist die Erstellerin der zugehörigen Facebook-Veranstaltung bestens vertraut. Petra Albrecht-Kühl organisierte zusammen mit ihrem Ehemann Norbert Kühl die rechten FFDG-Demonstrationen und betreut die Facebook-Seite des Greifswalder Wutbürgerbündnisses.

FFDG-Demo am 24.10.2015 in Greifswald

Hervorgehoben im Vordergrund v.l.n.r. Petra Albrecht-Kühl (FFDG-Organisatorin), Norbert Kühl (FFDG-Sprecher), Martin Ewert (FFDG-Ordner, Gründer der Arndt-Petition)

Rassistische Wutbürger, rechte Burschenschaften, AfD-Abgeordnete und eine CDU, die versucht, von dieser Aufgebrachtheit zu profitieren. Im Überschwang der Enttäuschung über die Arndt-Entscheidung hat sich da ein schauderhaftes Konglomerat zusammengefunden, das durch den Gründer der Petition, der ebenfalls als Ordner an FFDG-Demonstrationen teilgenommen hat, komplettiert wird. Doch die Unzufriedenheit der Greifswalder Bevölkerung hört man nicht nur aus dem konservativ-rechten Spektrum, sie reicht durch fast alle verschiedenen politischen Gefühlszonen bis weit nach links.

Oberbürgermeister Fassbinder entwürdigt nicht sein Amt und bleibt neutral

Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Die Grünen) macht zwar einen politischen Fehler, in dem er einem Bekenntnis zu Arndt aus dem Weg geht und sich nicht öffentlichkeitswirksam den lauten Befürwortern des Namenspatrons anbiedert. Doch dafür bleibt sein Amt unbeschädigt. Ähnlich wie Rektorin Weber hielt sich der Historiker in dieser Debatte vornehm zurück. Nach der Entscheidung teilt er auf zahlreiche Nachfragen unaufgeregt bei Facebook mit, dass die Namensgebung ganz alleine Sache der Universität sei. „Die Stadt hat nichts mitzureden und respektiert das Ergebnis. Die Namensgebung einer Schule ist Sache der Schulkonferenz. Solange die Schulkonferenz den Namen der Schule nicht ändert wird sie weiterhin Arndtschule heißen.“ 

Solche Unaufgeregtheit würde auch einigen anderen gut zu Gesicht stehen — dem CDU-Lautsprecher Axel Hochschild zum Beispiel. Der pumpte die Debatte schon vor der Entscheidung auf und veröffentlichte eine Pressemitteilung, die mit einer schlichten Frage betitelt war: „Hat Herr Dr. Fassbinder keine Meinung zur Namensdebatte an der EMAU?

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Arndt ist eine Chiffre der Ausgrenzung

Um es nochmal klarzustellen: Es ist legitim, am Namenspatron Ernst Moritz Arndt festhalten zu wollen und die Entscheidung des Senats zu kritisieren. Es ist weiterhin natürlich legitim, auf dieses Anliegen öffentlich aufmerksam zu machen und sich im Rahmen gewisser Spielregeln Gehör zu verschaffen. Es ist jedoch in höchstem Maß unanständig, bestimmte Bevölkerungsgruppen auszugrenzen, Gräben zu vertiefen anstatt sie zu überbrücken und Öl ins Feuer zu gießen, wo Vernunft und Klarheit gute Weggefährten wären.

Axel Hochschild ArndtAxel Hochschild ist das offenbar egal. Der Malermeister spielt seit Jahren auf dieser Klaviatur und nimmt in seinen Pressemitteilungen als Stichwortgeber genau das vorweg, was später in aufgepeitschtem Duktus die Atmosphäre in sozialen Netzwerken vergiftet. Arndt wird zu einer Chiffre der Ausgrenzung: Studierende gegen Greifswalder, junge Menschen gegen weniger junge Menschen, höher Gebildete gegen Greifswalder ohne akademische Ausbildung, Greifswalder gegen Zugezogene, erst recht, wenn diese nicht aus den neuen Bundesländern stammen. Gegenüber der Ostsee-Zeitung erklärt er, dass die Bürgerschaft sich nicht in die Hochschulautonomie einmischen wolle, aber dass der Arndt-Beschluss Schaden für die Stadt bedeute und deswegen die Hochschulleitung aufgefordert werden soll, ihren Beschluss zu überdenken. Aber was, wenn nicht Einmischung in die Hochschulautonomie, meint diese Aussage genau?

Um Ernst Moritz Arndt wurde seit fast zwanzig Jahren an der Universität Greifswald gestritten. In insgesamt vier Debatten stiftete der Namenspatron wenig Gemeinschaftsgeist und überzeugte vor allem durch sein hohes Spaltungspotenzial. Es wäre wünschenswert, wenn das durch die Ablegung des Namens überwunden würde. Die Aussichten für eine Versöhnung in der Arndt-Frage sind jedoch gegenwärtig mehr als trüb.

Empfohlene Links zum Thema:

  • Rede der studentischen Senatoren direkt vor der Abstimmung (webMoritz, 22.01.2017)
  • Ernst Moritz Arndt tut nicht gut (Frankfurter Rundschau, 20.01.2017)
  • Diese Entscheidung ist nicht nur gut, sondern überfällig (Die Welt, 19.01.2017)
  • Der Trump des deutschen frühen Nationalismus (NDR, Interview mit dem Historiker Niels Hegewisch, 17.01.2017)

45 Gedanken zu „Greifswald in Aufruhr nach Entscheidung über Namenspatron Ernst Moritz Arndt

  1. Vielen Dank für diesen sehr schönen Beitrag! – Dieser ganze Hass, der erneut gegen Nicht-Greifswalder (im Sinne ius sanguinis) bei Facebook und in der OZ ventiliert wird, übersteigt ja sogar die letzten beiden Debatten. Hier zeigt sich erneut, dass für eine kleine lautstarke Gruppe von schlechtgelaunten Wutbürgern, der proto-völkische Arndt doch der richtige Patron ist. Ich wünsche Greifswald vom Herzen, dass sich die Hysterie in ein paar Wochen wieder abkühlt. In jedem Fall kann sich die Uni jetzt etwas besser international vermarkten. Und ich persönlich werde nun mit (noch) mehr Überzeugung für unsere Alma Mater werben.

  2. Überraschende Mittelungen aus Greifswald. Als jemand, der vor einigen Jahren die studentische Initiative gegen den völkisch-antisemitischen Namenspatron unterstützt hat, gratuliere ich der Senatsmehrheit für ihre Entscheidung. Es wurde auch endlich Zeit, dass sich die Universität von diesem schaurigen Namen trennt.
    Viele Grüße aus Göttingen!

  3. Man hat einer Minderheit die Macht über die Greifswalder Kultur gegeben – dass jetzt eine Einigung unmöglich ist, hätte vorhergesehen werden können. Jetzt demonstrieren die gemäßigten Greifswalder mit rechten Gruppierungen zusammen – das kennen wir ja schon von Pegida. Die linken können stolz auf sich sein, durch ihren Fanatismus haben sie in Greifswald eine Spaltung verursacht, die sie nicht mehr rückgängig machen können.

    1. also entweder bin ich gemäßigter greifswalder oder ich demonstriere mit dem rechten mob. diese entscheidung muss bitte immer noch jede und jeder für sich selber treffen.

      oder sind national ’sozialisten‘ aus ihrer sicht auch linke?!

  4. Nett das sie versuchen mich in irgendeine Ecke zu rücken die ich nicht beziehe weder rechts noch links dazu besteht mein Freundeskreis aus zu vielen Menschen mit denn verschiedensten Gesinnungen aber auch egal hier bei geht es lediglich um Geschichte und darum das viele mehr mitbestimmen wollen über diese Entscheidung da viele es nicht positiv finden. Oder s sind die fast 1500 Menschen die schon unterschrieben haben auch alle rechts nun? Das ist Blödsinn wir sollten uns alle mal an ein Tisch setzen statt uns immer und immer wieder zu beschimpfen. Mfg

    1. Als Angehöriger der Uni möchte ich aber nicht, dass jeder bei Entscheidungen, die meine Uni betreffen, mitreden kann.

      Wo zieht man da außerdem die Grenze? Fühlen sich menschen in Neuenkirchen der Uni nicht mehr verbunden?

  5. Mal ne Frage an den Blogger.
    Könnte man das zweite Foto, auf dem die genannten Personen nicht verpixelt sind, auch komplett unverpixelt zeigen?
    Möchte nur sehen, ob da ein Nachbar von mir mitläuft.

  6. Zum Glück sind nicht alle „Greifswalder“ aufgebracht und „sorgen“ sich um die wichtigste Institution in Greifswald – nationale und internationale Ausstrahlung, Arbeitgeber, Innovationsspender, … – auch bei den vielen anderen Themen, für welche die Universität immer wieder Unterstützung bekommen muss:

    Personal- und Finanzausstattung durch das Land M-V; Freundlichkeit und Mehrsprachigkeit in der Stadt, damit sich alle Einwohner und Gäste – sei es für einen Tag, ein Semester, … oder für immer – hier sehr wohlfühlen bzw. gern wiederkommen.

  7. Habe nach 1/3 aufgehört zu lesen. Dieser Beitrag atmet nicht im Ansatz einen Hauch von Neutralität. Mag sein, dass manche Äußerungen Arnds nicht mehr zeitgemäß sind oder einigen Linksverdrehten nicht ins Weltbild passen. Bin gespannt wie lange Wittenberg noch Lutterstadt bleibt.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar und schade, dass Sie nicht bis zum Schluss durchgehalten haben. Für eine Anmerkung hat Ihre Kraft glücklicherweise noch gereicht,aber über den Text müssen wir auf dieser Grundlage wohl nicht diskutieren.

  8. An die Senatsmitglieder,
    lesen Sie den Kommentar von Götz Aly in der Berliner Zeitung und schämen Sie sich.
    Als nächstes wäre ja dann Martin Luther dran.
    Ulrich Bertel

    1. Warum schämen Sie sich denn nicht mal ein bisschen, hier solche großväterlichen Forderungen ans Schamgefühl zu bedienen und schon wieder Luther ins Spiel zu bringen?
      Luther wäre Angelegenheit der Hochschule in Halle, ist das so schwer zu begreifen?
      Und überhaupt ist dieser Vergleich von Arndt und Luther auf so vielen Ebenen so schief…

    2. Danke für den Hinweis auf den Kommentar von Herr Aly, den ich dann hier gefunden habe:
      http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kolumne-von-goetz-aly-ernst-moritz-arndt-leider-weggesaeubert.71346995-b04a-4eef-9994-d160fb7a8ada.html
      ( Ich schreibe hier zum ersten Mal und weiß nicht, ob der Hausherr Verlinkungen in seiner Kommentarspalte erlaubt. Er möge mir in diesem Fall verzeihen und den Link tilgen.)

      Ich hatte bis eben keine echte Meinung zu der Debatte: nun ja, herrje, ob nun EMAU oder Uni Greifswald – was macht das schon für einen Unterschied? Sagt eh jeder „Uni Greifswald“ im alltäglichen Sprachgebrauch.

      Aber der letzten Absatz des Kommentars von Herrn Aly hat mir die Augen geöffnet: „…sondern uns ihrer als Menschen erinnern, die stets das aus ihrer Sicht Gute wollten – und dabei das Böse mit schufen. “ Genauso sieht es nämlich aus auf dieser Welt: es gibt kein Gut und kein Böse, diese Welt ist mitnichten nur Schwarz-Weiß. Ich spare mir die Stelle mit den unendlichen Grautönen jetzt mal, aber stimmen tut sie ;-). In diesem Widerspruch begründet liegen nämlich die allermeisten ideologischen, kulturellen und religiösen Übel dieser Welt: hier, wir die Guten und dort gegenüber, an welcher Front auch immer, da sind die Bösen.

      Wenn jetzt also ein Gremium von Personen (wobei es mir völlig gleichgültig ist, ob es sich hier um Alteingesessene oder nur zugezogene Greifswalder handelt (m.E. ein völlig überflüssiger Nebenkriegsschauplatz in dieser Debatte) diesen Namen ändert, weil der Namenspatron aufgrund heutiger(!) Political Correctness nicht mehr tragbar ist, dann fühle ich mich aus o.g. Gründen irgendwie bevormundet.

      Und ja, diese Frage müssen sich die Befürworter der Umbenennung (wobei es ja eigentlich nur eine Streichung ist) gefallen lassen: „Wo fängt das an, wo hört das auf?“

      Auf diese Frage hätte ich gern eine ehrliche Antwort. Und wenn es geht, zur Abwechslung mal ganz unaufgeregt, ohne ideologische Scheuklappen und zur Schau gestellte Empörung – wie es in diesen Tagen allerorten zu lesen und zu hören ist…

      1. Die Annahme, dass Arndt jetzt nur wegen seiner Schriften gestrichen wird, ist eigentlich nicht richtig. Die Rede der studentischen Senatoren hat das explizit verneint. Es ist mittlerweile weitgehend akzeptiert, dass Arndt unterschiedlich bewertet werden kann und niemand deswegen automatisch ein schlechter Mensch ist.

        Wichtiger als die Bewertung Arndts wegen seiner Schriften ist die Frage, ob er so oder so als Patron geeignet ist. Ein Namenspatron, der über mehr als zwei Jahrzehnte so großen Widerspruch erfährt, ist aber ungeeignet.

        Mit anderen Worten: Die Ebene der Bewertung hat sich im Laufe der Debatte verschoben. Die Bewertung von Arndt und seinen Schriften ist eher individuell und strittig und genau dieser Umstand ist es, der Arndt als Patron disqualifiziert.

        1. „… Ein Namenspatron, der über mehr als zwei Jahrzehnte so großen Widerspruch erfährt, ist aber ungeeignet.“ – Ich habe keine genaue Kenntnis darüber, wie groß der Widerspruch über mehr als zwanzig Jahre innerhalb der Universität gewesen ist, aber außerhalb habe ich ihn so gut wie gar nicht wargenommen – dafür bin ich in Greifswald zu gut vernetzt und habe mein Ohr sozusagen „an der Masse“.

          Und schenkt man den Presseberichten (über die Jahre hinweg) glauben, dann war es stets eine studentische Minderheit, die ihr Veto gegen Arndt einlegte. Wenn dem so sein sollte (?), dann stellt sich mir die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Und wie bereits in meinem ersten Kommentar gesagt: es geht mir hier nicht um „Alteingesessene vs. zugezogene Greifswalder“.

          Wenn dem so wäre, dass eine kleine Minderheit eine so weitreichende Entscheidung herbeiführen kann, die die Mehrheit nachweislich ablehnt, dann kann ich das nicht gutheißen.
          Und angesichts der Verbissenheit und Härte mit dem die andauerende, nicht nachlassende, Diskussion um diese Entscheidung geführt wird, frage ich mich, ob es nicht besser gewesen, die vorhergehende(n) Entscheidungen zu akzeptieren.

          Es ist mir klar, dass keine Bürgerschaft, keine Partei oder andere Institution sich in Angelegenheiten einer Hochschule einzumischen hat (ein Glück!), aber was wir jetzt erleben, ist eine einmalige Spaltung innerhalb der Stadt, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Nie habe ich Greifswalder aller intelektueller Coleur so abfällig über die Universität im Allgemeinen und ihre Studenten im Speziellen reden gehört.

          1. Hallo,

            ich finde deine Argumente absolut nachvollziehbar, kann mich aber nicht anschließen.

            Deine These ist, dass es eine „kleine Minderheit“ gibt, die Versucht Arndt wegzuputschen. Entscheidend ist immer der Senat. 2009 hat er mit klarer Mehrheit gegen eine Umbenennung gestimmt, 2017 mit einer klaren Mehrheit (24:11 bei einer Enthaltung). Ich glaube jeder der 24 Senatoren war sich der Endgültigkeit seiner Entscheidung bewusst. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Meinung in der Stadt insgesamt eine andere ist, aber das ist einfach nicht der richtige Bewertungsrahmen. Die Greifswalder müssen akzeptieren, dass die Universität unabhängig ist. Die Presseberichte finde ich da übrigens wenig aussagekräftig, es ist doch ganz deutlich, dass die OZ und auch der NDR in dieser Frage Meinung macht und nicht nur berichtet.

            Im Übrigen, und das ist wirklich eine Sache, die mich wütend macht: Die Greifswalder interessieren sich sonst überhaupt nicht für ihre Uni. Die Uni ist für die meisten nur ein Aushängeschild. Wenn es an der Uni Probleme gab, und die Studierenden vielleicht mal die Solidarität der Greifswalder Bevölkerung gebrauchen konnten, sind die Greifswalder doch zu Hause geblieben. Aber jetzt, wo es um so eine oberflächliche Sache wie den Namen der Uni geht, da sind sie alle da. Zu dem Thema hat jeder eine Meinung und da werden dutzende Leserbriefe geschrieben. Man sieht momentan sehr gut, warum Populismus eigentlich so gut funktioniert: Weil sich die Menschen für emotional besetzte Themen einspannen lassen und abschalten, wenn es komplizierter wird.

  9. Eigentlich wollte ich im Frühling in Greifswald Urlaub machen, darauf werde ich nun verzichten und doch wieder lieber in Bayern mein Geld ausgeben, dort ist es besser investiert. Arme Greifswalder, eine Uni in einer Stadt bedeutet immer jede Menge links-grüne Chaoten, deren einziges Ziel die Zerstörung Deutschlands ist .

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich denke, nun haben Sie dem Senat das entscheidende Argument geliefert, seine demokratisch gefällte Entscheidung zu revidieren oder die Universität Greifswald aufzulösen. Ohne Hochschule ginge es Greifswald viel besser und es gäbe auch weniger Chaoten.

      1. Und Sie haben leider (wieder) unrecht: Merkel hat die Entscheidung des Senats erst vor kurzem kritisiert und angemerkt, dass sie „einigermaßen fassungslos“ darüber sei. Es steht niemandem gut zu Gesicht, wenn er reflexhaft und realitätsfremd sofort zu beißen beginnt, wenn das passende Stichwort geliefert wird.

  10. Es ist für mich unfaßbar, wenn Antifa nahe Kreise mit Schmalspur Geschichtskenntnissen seit 2 Jahrzehnten versuchen den Namen der Universität zu streichen. Und jeder, der etwas dagegen hat, von den Zugereisten in die völkisch nationale oder in die links extreme Ecke gestellt wird. Das wird sich die bodenständige Bevölkerung absehbar nicht gefallen lassen. Im 19.Jahrhundert und davor haben sich viele geistige Größen judenkritisch geäußert, Sollen deren Leistungen und Erkenntnisse sowie Namenspatronate nun alle in Frage gestellt werden?
    Diesen Menschen verdanken wir unseren Ruf als Land der Denker und Dichter. Aus den ausgelösten Streitigkeiten über die Hintertür die Aberkennung des Patronat zu fordern ,ist auch sehr unseriös. Man kann doch nicht allen Herren gleichzeitig dienen und damit Karriere machen.
    Sehr schlimm ist ,daß von einer Universität solch ein Spaltpilz unverantwortlich in unser Land getragen wurde ,mit unabsehbaren Folgen für das weitere Zusammenleben. Dafür sind wir 1989 nicht auf die Straße gegangen.

    1. Es ist für mich unfaßbar, wenn Antifa nahe Kreise mit Schmalspur Geschichtskenntnissen seit 2 Jahrzehnten versuchen den Namen der Universität zu streichen. Und jeder, der etwas dagegen hat, von den Zugereisten in die völkisch nationale oder in die links extreme Ecke gestellt wird.

      Also den Akademischen Senat als „Antifa nahen Kreis mit Schmalspur Geschichtskenntnissen“ zu bezeichnen und sich einen Satz später darüber zu mokieren, in eine völkisch-nationale oder linksextreme Ecke (!1?1!) gestellt zu werden, zeugt von einer sehr schizophrenen Wahrnehmung Ihrerseits. Nebenher bemerkt würde ich mich erkundigen, wer in diesem Senat sitzt, bevor ich mich so herablassend über das Geschichtswissen ausgewiesener Experten äußere.

      Mit der Betonung und pauschalen Abwertung von zugereisten Bürgern desavouieren Sie sich und Ihre Wahrnehmungskompetenz für einen Kontext, in dem es um unsachliche, herkunftsspezifische Ressentiments („Westprofessoren!1!) geht. Holen Sie mal tief Luft, Hermann, und lesen Sie sich Ihren Kommentar bitte einmal selbst vor!

  11. Lieber Autor,
    ich finde es gut, wenn sich jemand die Mühe macht, einen lokal angesiedelten Blog zu pflegen. Wollte ich auch schon immer mal, allerdings ist mir der Aufwand doch etwas zu groß. Besonders das Aktualitätsbedürfnis der Leser könnte ich kaum befriedigen. Nun weiß ich nicht, ob Sie den Blog mit journalistischem Anspruch oder eher als Transportmittel Ihrer Meinung betrachten.
    Wenn ich mir diesen Artikel anschaue, wünschte ich mir bei ersterem mehr Neutralität, bei letzterem eine klarere Kenntlichmachung, dass dieser Blog nur Ihre Meinung darstellen soll – vielleicht habe ich es auch übersehen.
    Wenn man kritisiert, sollte man das auch argumentativ fest machen können, deswegen hab ich mir die Mühe gemacht, Ihre Einlassungen durchzugehen, obwohl ich geneigt war beim Lesen schon mittendrin die Flinte ins Korn zu werfen:

    Es beginnt leider schon mit einer gewissen tendenziösen Darstellung. Warum braucht es immer Parteien, die aus irgendetwas Profit schlagen, wenn jemand sauer ist. Dann dürfte ja niemand mehr verärgert sein, weil man ja ständig fürchten müsste, jemand instrumentalisiert das. Das sehe ich nicht ein. Ich sehe mich eher als mündigen Bürger, der seine eigene Meinung durchaus auch faktenbelegt artikulieren möchte, ohne einer Partei, Interessengruppe anzugehören. Das daraus vielleicht Parteien Profit schlagen, ist mir im Moment meiner Meinungsartikulation erstmal schnuppe, da stehe ich für meine Interessen ein und verbiege mich nicht, weil vielleicht Dritte, die ich nicht mag, auch meiner Meinung sind.

    Dann mit dem „Teeren und Federn“ Zitat einzusteigen, halte ich für unseriös, die meisten Kommentatoren haben wohl seriös diskutiert und erfahrungsgemäß nehmen sich beide Lager nichts in unsachlicher Kommunikation, wobei die meisten Diskutanten einigermaßen gesittet versuchen, ihre Standpunkte oder vielleicht auch Meinungen zu artikulieren. Ich halte dieses Zitat also erstmal für Sensationshascherei. Da von der Gegenseite keine derartigen Zitate gebracht wurden, sieht mir das noch dazu sehr nach Tendenz aus, vielleicht sollte das ja auch so sein.

    Ich bin Uni-Angehöriger seit 1989 und von einer 20 Jahre währender Diskussion habe ich nicht’s mitbekommen. Das es diese Diskussion in immer mal wieder aufflammenden Intervallen gab, da stimme ich zu, in der Überzeichnung wie in Ihrem Artikel stimmt das jedoch nicht.

    Ihr Wortspiel Entarndtifizierung ist so weit unter der Gürtellinie, dass ich es nicht weiter kommentieren möchte.

    Zu den Kosten:
    Da kann KEINER einen seriösen Fahrplan aufstellen, wenn der Kanzler sagt, es sei eine 5stellige Summe, dann können das 10 000 bis 99 999 € sein, 80 000 € (Quelle ist die Seite der Arndtbefürworter) sollen es dann wohl werden aber auch 300 000 € geistern (Quelle Weber) herum. Ich halte beides für Hausnummern. Rechnen Sie einfach mal die Anzahl der Gebäude hoch, die neu beschildert werden müssen (ich gehe mit 200 € pro Schild inklusive Herstellung, Ab- und Anmontage aus, dann sind wir bei 100 Gebäuden schon bei 20 000 € (wahrscheinlich hat die Uni mehr Gebäude und wahrscheinlich sind die Kosten in Wirklichkeit auch höher), Grundbucheinträge, Verträge, Notarzeugs – vielleicht wissen Sie was das kostet, sowas ist allgemein sehr teuer, Türschilder, Mappen, Visitenkarten – wenn das 150 000 € kostet, käme das wohl schon hin. Aber meine Schätzung ist wahrscheinlich genauso unseriös wie die des Kanzlers. Von den angesagten 80 000 € kann ich 2 Doktoranden zumindest fast 3 Jahre bezahlen, die machen dann sogar Wissenschaft. Übrigens wird der Uni-Haushalt aus Steuergelder bestritten, wo kommt das Geld eigentlich her und wie lange muß ein normaler Arbeitnehmer 80 000 € Steuern erwirtschaften. Wenn’s nicht das eigene Geld kostet, sind viele immer sehr schnell bei der Hand. Und ob das jetzt als vernünftig zu werten ist, wenn 80 000 € für Namensschilder ausgegeben werden sollen, sei dahingestellt. Wie gesagt, 2 Doktoranden über 3 Jahre wären mir lieber.

    Die Dichte der „Historiker, Demokartietheoretiker und Arndt-Kenner“ scheint auf beiden Seiten wirklich extrem „groß“ zu sein. Da gehe ich mit. Da das aber in der Natur der Sache liegt und für beide Seiten gilt, gleicht sich das vielleicht wieder aus.

    Das Unwort „populistisch“ kann ich allerdings nicht mehr hören, volksnah zu regieren ist Bestandteil der Demokratie, dass sich da Leute wegen eingebildeten Intellekts oft gerne überhöhen, legitimiert noch lange keine höhere Wertigkeit ihrer Meinung, auch wenn mancher das gerne so sähe. Das in Zusammenhang mit der CDU die Antisemitismus-Keule greifen soll, aber keine andere Eigenschaft Arndt’s, ist wiederum tendenziös formuliert. Die lokale CDU hätte auch den Lokalbezug Arndt’s der sich im Kampf gegen die Leibeigenschaft, die Stärkung des Bauernstandes (unsere Region lebte vor 200 Jahren und lebt heute noch zu grossen Teilen von der Landwirtschaft) im Blick haben können, wenn sie sich als Befürworter Arndt s positioniert. Ihre Herstellung des Antisemitenzusammenhanges ist schlicht schäbig. Das Herr Liskow anfragt, ist sein gutes Recht, Ihr Nebensatz ist Polemik.

    Wenn jetzt Leute von der AFD den Arndt stützen wollen, sei ihnen das zugestanden, daraus jetzt aber zu konstruieren, das Arndt deswegen böse ist, ist schon aufgrund des langen Zeitraumes zwischen Arndt und AFD an den Haaren herbeigezogen. Wenn Arndt also 100 Jahre vor den Nationalsozialisten zu seiner Zeit verbreitete antijüdische Gedanken artikuliert hat und Sie das in den AFD Kontext stellen (ich mutmaße wahrscheinlich zu viel, sorry dafür), dann machen Sie genau den gleichen Fehler wie einige „Historiker“!, die Arndt seine Sichtweise auf die Juden vorwerfen. Da selbst Goethe, Luther, Wagner, Humboldt …. antijüdisch diskutierten, ist das nicht besser, es normiert sich aber aus dem geschichtlichen Kontext heraus, weswegen ich diesen formulierten Vorwurf als arg konstruiert ansehe. Ob jemand zu Schaden deswegen gekommen ist, läßt sich heute nicht mehr nachvollziehen, bei den 100 Jahre später an die Macht gekommenen Nazis schon. Und 100 Jahre vor Nazimachtergreifung Arndt als Wegbereiter der Nationalsozialisten und diesbezüglich grundsätzlich als verdächtig zu beurteilen, das würde sich kein ernsthafter Historiker – diesmal ohne Anführungsstriche – erlauben. Wir brauchen uns nur mal erinnern, wie die Medien sich zu den USA positionierten und sich dies in den letzten Wochen binnen kürzester Zeit verändert hat. Das konnte auch keiner ahnen, schon gar nicht 100 Jahre vorher. Oder die Klimaverschlechterung zu Russland binnen 15 Jahren. Ereignisse vor 100 Jahre sind in der Geschichte viel zu lange als ursächlich für eine bestimmte Entwicklung angesehen zu werden. Bestimmte Herrschende hätten dies zwar gerne, ich halte das für Woods.
    Was ich viel zu lang versuche zu sagen: Die AFD instrumentalisiert Arndt vielleicht, aber wenn jemand, den ich nicht mag etwas instrumentalisiert, das ich bei rationaler Betrachtung nicht unbedingt ablehnen muß, dann sollte das für mich kein Grund sein, es doch zu tun. Dann nehme ich die AFD ja plötzlich ernster, als ich eigentlich will, oder?

    Zu den 300 000 € von Herrn Weber, die Zahl ist genauso post-; übrigens eher präfaktisch, es sind ja noch gar keine Daten zu den echten Ausgaben bekannt, wie die Zahl des Kanzlers von 80 000 €, die vielleicht stimmen kann, vielleicht aber auch nicht. Warum glauben Sie der einen offensichtlich mehr als der anderen – ich wittere Tendenz. Ich könnte mich drauf einigen, dass beide Zahlen Fake News sind, wenn Sie auf dem Terminus unbedingt bestehen, sieht dramaturgisch zumindest gewollt aus.

    Zur Petition.
    Auch hier wäre es mir Wurscht, wer die Petition einbringt, wenn sie meine Interessen vertritt. Wenn ich also Arndt Befürworter bin, unterschreibe ich, wenn nicht, unterschreibe ich bei den Gegnern, na und. Da es hier möglich war, die Petition der politischen Mitte zu unterzeichnen, bei der alle Parteien im Boot waren, ging das auch, ist doch super.

    Gesetzt den Fall, es gebe das parteienübergreifendes Arndt-Bündnis nicht. Wenn ich die anderen Ziele der Rechtsrandigen nicht teile, dann bliebe der Kontakt der Petitionsunterzeichnung eine Eintagsfliege, alles andere wäre Ideologie, bar jeder Ratio. Diese vielen Stöckchen, über die der Leser springen oder lieber doch nicht soll, wie rechts, Wutbürger, Rassisten, Rassistische Wutbürger ….. im Zusammenhang mit Arndt erscheinen mir wiederum tendenziös. Das sind doch einfach Nebelbomben, die mit Arndt kaum etwas zu tun haben, aber um Ihrer Artikelüberschrift gerecht zu werden, mußte das wohl sein. Arndt war zu SEINER ZEIT links, ich möchte allerdings dann nicht wissen, wo die anderen alle standen. Heute sieht es ja so aus, als ob rechts neben Arndt gar kein Platz mehr sei.

    Das „Konglomerat“ aus CDU, AFD … hat sich gar nicht zusammengefunden, wie Sie schreiben, das ist pure Propaganda Ihrerseits. Das „Konglomerat“ vertritt in dieser Causa gleiche Interessen, nämlich das der Name der Uni E.M.A. bleibt, aber eben nur hier. Schön, dass der letzte Satz wieder etwas versöhnlicher wurde

    Sie schaffen das aber gleich wieder zunichte zu machen, indem sie diese ANTIFA Nähe von Michael Hein ins Feld führen. Die ANTIFA ist ja nun wirklich einer der undemokratischsten und gewaltbereitesten Haufen der Bundesrepublik. Spätestens hier sind sie unseriös.

    Warum das nicht Anbiedern des OBs an die Befürworter von Arndt ein politischer Fehler sein soll, erschließt sich mir nicht. Ist doch gut, wenn er neutral bleibt. Allerdings nehme ich ihm das nicht ganz ab, es gab einige Fotos, die sehr schnell wieder aus dem Netz getilgt wurden (es war einer der Stadtserver von Greifswald), die ihn sehr den Initiatoren des Namenswechsels zugetan zeigen. Das die Namensgebung allein Sache der Uni sei, darüber kann man geteilter Meinung sein. Rechtlich ist das vielleicht so, moralisch und ethisch – und das sind ja die Grundtugenden, die die Arndtgegner (einige haben übrigens die Rosen vom Rubenowdenkmal geklaut und vor der Mensa wieder abgekippt, ich gebe zu – die Indizienkette ist vielleicht nicht ganz fest) wie eine Monstranz vor sich her tragen – hätte man anders agieren müssen. Und spätestens da hat Frau Weber Anteil an der Eskalation. Als Rektorin der Uni muß ich das politische Gespür dafür aufbringen, was eine derartige Entscheidung für Konsequenzen haben könnte. Ich erinnere nur an das verlorengegangene Deutschland-Stipendium einer Greifswalder Kanzlei für die Studierendenschaft. Damit gibt’s schon mal mindestens einen Link in die Greifswalder Bevölkerung, was Sie ja verneinen. D.h. die Uni sollte es in jedem Fall vermeiden, im luftleeren Raum (im akademischen Elfenbeinturm) zu agieren.

    Arndt als Chiffre der Ausgrenzung, das ist schlicht abenteuerlich. Arndt wollte ein einiges Deutschland, das wollten 1989 auch (fast) alle Bundesbürger und DDR-Bürger. Alle Kleinstaaten zu vereinen ist alles andere als Ausgrenzung, vielleicht sogar der erste Schritt zu einem einigen Europa (zumindest wollte das Herr von Stein so, der mit Arndt in enger Korrespondenz stand). Die Gräbenschaufler sind glaube ich auf beiden Seiten zu verorten. Vielleicht grenzen Politiker auf dem Rücken von Arndt bestimmte Gruppen aus, wer sind die bestimmten Gruppen überhaupt. Ihre Darstellung von Alten vs. Jungen, Uni vs Greifswalder Bürger (dazwischen gibt es nicht die Greifswalder Uni-Beschäftigten, Neugreifswalder vs. Altgreifswalder – man findet bei vielen umstrittenen Fragen diese Einteilungen, das ist rhetorischer Rabulismus, was Sie hier vom Stapel lassen. Das Arndt selbst jetzt eine Chiffre für irgendwas sein soll, der ist längst tot.

    Nochmal, die Hochschule strahlt ins Umland und das Umland unterstützt die und profitiert von der Universität, das ist ein Geben und Nehmen. Und eine kleine Klicke von lautstarken Wortführern, und das weiß ich aus meinen eigenen Seminaren und Vorlesungen, repräsentieren meist nicht die Mehrheit, weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Ich denke, dass 90% einfach ihren Job machen wollen, ob mit oder ohne Arndt. Und wenn eine kleine Klicke von Aktivisten nichts besseres zu tun bereit ist, als sich um den Namen zu streiten, dann sollten diese die 90% nicht zum Beziehen eines Standpunktes zwingen, der nur ein ja und ein nein kennt. Wenn es der Mehrheit nämlich Wurscht ist, dann sollte man alles lassen wie es ist und nicht unnötig Kapazitäten für diesem Mumpitz binden, zeitliche, finanzielle, intellektuelle etc pp.

    Leider finde ich Ihren Beitrag zu grossen Teilen einseitig, tendenziös und auf Kravall bebürstet. Für die Zukunft würde ich mir mehr Gelassenheit, Unaufgeregtheit und Neutralität wünschen.

    und obwohl es kaum etwas zum Stil ihres Artikels tut.
    Ich bin Befürworter des noch gültigen Uni-Namens, Ich sehe einfach keine Notwendigkeit, einen Konflikt heraufzubeschwören, bei dem es nur Verlierer geben kann, die Reputation der Uni, deren Leitung jetzt, ich zitiere „als Geschichtsexorcisten“ dasteht, die Stadt, die offensichtlich nicht mit der Uni redet und umgekehrt, die Studenten, die sich vor einen irrationalen Karren spannen lassen, die Professoren, die sich im Senat lieber mit Buchwochen beschäftigen, bei denen man Lesekreise zu Ernst Moritz Arndt veranstalten könne, statt sich mit den ureigensten Problemen der Uni auseinanderzusetzen (beispielsweise das Abdriften der Uni-Medizin nach Rostock, den Geschäftsführer haben wir ja schon, die Finanzierung grosser Teile der Forschung, die Bezahlung der Rechnungen für Großgeräte in der Grundlagenforschung etc pp.). und Greifswalds Bewohner, die das alles überhaupt nicht verstehen, wie ein wichtiger Politiker und Universitätslehrer, der die deutsche Einigkeit wollte, der gegen die Leibeigenschaft auftrat, der gegen Unterdrückung durch den Franzosen Napoleon und für Freiheit und Demokratie (Paulskirchenparlament) gekämpft hat, aus dem historischen Gedächtnis ihrer Stadt getilgt werden soll. Das Klima ist jetzt nicht besser als vorher, es werden mind. 80 000 € völlig sinnlos verpulvert und ich möchte nicht wissen, wieviele Mann/Frau-Stunden es gekostet hat, sich mit diesem Thema nunmehr zum 4. Mal auseinanderzusetzen und noch hinzukommen, wenn man sich vielleicht wieder damit auseinander setzen muß. Ich halte das ganze für eine typisch verkopfte akademische Elfenbeinturmposse.

    Und vielleicht noch zur demokratischen Legitimation der ganzen Sache.
    Der erweiterte Senat mit den Studenten hat abgestimmt, der enge Senat hätte vorher über die Anträge entscheiden müssen, hat er aber nicht. Das war klar regelwidrig, auch wenn ins Feld geführt wurde, dass das bei vielen Entscheidungen so gemacht wurde, davon wird es nicht richtiger und eigentlich sind dann auch die vorigen Entscheidungen nicht gültig. Wozu gibt es denn eine Geschäftsordnung (Wenn man sich schon hinter Regulären verstecken will).
    Die vorherige Entscheidung pro Arndt stand auf einem viel breiteren Fundament, nämlich dem der Urabstimmung. Um jeglichen Vorwurf von Klüngelwirtschaft zu vermeiden, hätte man das ganz genauso machen sollen. Da mache ich der Uni-Leitung ganz klar fehlendes politisches Gespür zum Vorwurf.

    Was die studentischen Senatoren angeht, kursieren GERÜCHTE an der Universität. Wenn sich jemand faktisch dazu äussert, wäre ich sehr dankbar. Vielleicht kann das ja jemand entkräften, was im Sinne der Transparenz durchaus zu begrüßen würde.

    Gerücht 1 –
    Eine stud. Senatorin hatte längst Ihr Amt niedergelegt, der Nachfolger war aber verhindert oder nicht vor Ort und so ging die amtsniedergelegte Senatorin zur Abstimmung.
    Gerücht 2 –
    Ein stud. Senator schrieb sich extra nochmal zu einem Studium ein, um abstimmen zu können und wäre eigentlich auch nicht mehr im Spiel gewesen.
    Kann jemand weiter helfen? Wenn schon der moralische Zeigefinger immer und immer wieder erhoben wird, dann sollte ich wenigstens selbst nicht auf tönernen Füßen stehen.

    In der ZDF Mediathek gibt es übrigens eine gute populärwissenschaftliche Doku – Napoleon und die Deutschen – Zwischen Freiheit und Repression. Hier wird die Rolle von Arndt während der französischen Besatzung Deutschland beleuchtet, was die Aversion Arndt’s gegen die Franzosen erklärt.

    1. Hallo Jörg,
      Vielen Dank für Ihren Kommentar, der bei mir das Gefühl hinterlässt, dass Sie meinen Text entweder nicht unvoreingenommen genug gelesen oder gründlich missverstanden haben. Gerne kläre ich Ihnen gegenüber, der den Fleischervorstadt-Blog offenbar zum ersten Mal besucht hat, einige Missverständnisse auf.

      Es beginnt leider schon mit einer gewissen tendenziösen Darstellung. Warum braucht es immer Parteien, die aus irgendetwas Profit schlagen, wenn jemand sauer ist.

      Schon gleich zu Beginn wird angemerkt, dass verschiedene Akteure (!) den Frust zu kanalisieren versuchen und aus der Wut Profit zu schlagen möchten. Es geht keineswegs nur um Parteien, wie sich wenige Tage später zeigen sollte. (http://blog.17vier.de/2017/02/06/rechte-arndt-greifswald/)

      Dann mit dem „Teeren und Federn“ Zitat einzusteigen, halte ich für unseriös, die meisten Kommentatoren haben wohl seriös diskutiert und erfahrungsgemäß nehmen sich beide Lager nichts in unsachlicher Kommunikation, wobei die meisten Diskutanten einigermaßen gesittet versuchen, ihre Standpunkte oder vielleicht auch Meinungen zu artikulieren. Ich halte dieses Zitat also erstmal für Sensationshascherei. Da von der Gegenseite keine derartigen Zitate gebracht wurden, sieht mir das noch dazu sehr nach Tendenz aus, vielleicht sollte das ja auch so sein.

      Dies ist kein Artikel über EMA, sondern über die Verrohung der Debattenkultur. Dieser Prozess ließ sich in den Tagen nach der Senatsentscheidung beinahe ausschließlich auf der Seite der Arndt-Befürworter beobachten. Es ist völlig legitim, einem metakommunikativen Text ein Zitat voranzustellen, welches das später beschriebene Problem illustriert. Ich hätte dem gerne etwas Adäquates der Arndt-Gegner gegenübergestellt, habe ich aber nicht gefunden. Auf eine Collage mit weiteren Zitaten habe ich zugunsten anderer Bilder verzichtet, liefere aber gerne ein paar Ausschnitte: http://blog.17vier.de/wp-content/uploads/2017/01/arndt-greifswald-facebook.jpg

      Ich bin Uni-Angehöriger seit 1989 und von einer 20 Jahre währender Diskussion habe ich nicht’s mitbekommen. Das es diese Diskussion in immer mal wieder aufflammenden Intervallen gab, da stimme ich zu, in der Überzeichnung wie in Ihrem Artikel stimmt das jedoch nicht.

      Wenn Sie nichts von den vorangegangenen 3 großen Arndt-Debatten mitbekommen haben, ist das wirklich nicht meine Schuld. Es gab nicht nur eine hochschulöffentliche Auseinandersetzung, sondern über die Debatte wurde natürlich überregional berichtet. Ich erinnere mich z.B. noch gut an einen ZEIT-Artikel, der das Ende der Neunziger Jahre thematisierte. Weiterhin erlebe ich im Umgang mit auswärtigen Wissenschaftlerinnen, dass diese Debatten auch außerhalb Greifswalds in der wissenschaftlichen Community sehr aufmerksam verfolgt wurden. Den Vorwurf, hier etwas zu überzeichnen, weise ich deswegen strikt zurück.

      Ihr Wortspiel Entarndtifizierung ist so weit unter der Gürtellinie, dass ich es nicht weiter kommentieren möchte.

      Offenbar nicht nur Wortspielverderber, sondern auch noch voreingenommen genug, um dieses Bild nur unvollständig zu erfassen. Kleiner Tipp: Es ist nicht so zu verstehen, dass Arndt ein Nazi ist, sondern es geht um den Reinigungsprozess und die damit verbundenen Untiefen, die im historisch aufgemachten Vergleich anklingen. Mann muss nicht über jedes Stöckchen springen, sondern fährt manchmal besser, einfach mal tief durchzuatmen und sich einen Tee zu kochen.

      Da kann KEINER einen seriösen Fahrplan aufstellen, wenn der Kanzler sagt, es sei eine 5stellige Summe, dann können das 10 000 bis 99 999 € sein, 80 000 € (Quelle ist die Seite der Arndtbefürworter) sollen es dann wohl werden aber auch 300 000 € geistern (Quelle Weber) herum. Aber meine Schätzung ist wahrscheinlich genauso unseriös wie die des Kanzlers.

      Mit Verlaub, ich denke, der Kanzler wird da einen etwas besseren Überblick haben als sie oder Herr Weber, der mit seiner Zahl auf die Kosten einer unmittelbar durchgeführten Umbenennung verwies. Der Umbenennungsprozess wird wie im Artikel geschrieben
      allmählich vollzogen. Stichtag dafür ist der 31. Dezember 2022 — fast sechs Jahre Zeit also, um veraltete Visitenkarten, personengebundene Schilder oder Tagungsmappen sukzessiv auszutauschen. Dieser gemächliche Takt soll die Kosten abfedern, die die Umbenennung verursachen wird.

      Als jemand, der mehrere Jahre selbst an der Universität Greifswald gearbeitet hat, finde ich diese Einschätzung sehr realistisch. Nicht nur angesichts der Fluktuation des wissenschaftlichen Personals (Stichwort: Türschilder, Mappen, Visitenkarten), sondern auch aufgrund der Umzüge und Renovierungen, die laufen beziehungsweise anstehen (Stichwort: Grundbucheinträge, Verträge, Notarzeugs). Seien Sie ehrlich: Die Prekarität der Angestelltenverhältnisse reicht längst in den Mittelbau. In den nächsten sechs Jahren werden doch locker die Hälfte ihrer persönlichen Türschilder ausgetauscht.

      Ihre Herstellung des Antisemitenzusammenhanges ist schlicht schäbig.

      Sie hätten das nicht so sehr als CDU-Keule begreifen sollen. Was Arndts Antisemitismus angeht, müssen wir doch wohl nicht mehr streiten, Leibeigenschaft hin oder her, um die geht es nicht. Was Egbert Liskows Kleine Anfrage angeht, erfahren Sie hier mehr: http://blog.17vier.de/2017/02/08/landesregierung-kleine-anfrage-egbert-liskow-arndt/

      Wenn jetzt Leute von der AFD den Arndt stützen wollen, sei ihnen das zugestanden, daraus jetzt aber zu konstruieren, das Arndt deswegen böse ist, ist schon aufgrund des langen Zeitraumes zwischen Arndt und AFD an den Haaren herbeigezogen.

      Das sehe ich genauso. Keine Ahnung, auf was sie sich hier beziehen, meinen Text kann ich in Ihrem Vorwurf nicht erkennen. Ich schiebe es ein weiteres Mal auf mangelnde Unvoreingenommenheit Ihrerseits.

      Diese vielen Stöckchen, über die der Leser springen oder lieber doch nicht soll, wie rechts, Wutbürger, Rassisten, Rassistische Wutbürger ….. im Zusammenhang mit Arndt erscheinen mir wiederum tendenziös. Das sind doch einfach Nebelbomben, die mit Arndt kaum etwas zu tun haben

      Und nochmal: sie lesen voreingenommen. Dieser Artikel handelt nicht von EMA, sondern von einer eskalierten Debatte und politischen Akteuren, die daraus Profit schlagen. Sie hätten am 5.2. und am 12.12. beobachten können, wer dort aufläuft: Wutbürger, Rassisten, rassistische Wutbürger, Identitäre Bewegung, AfD, Junge Alternative Hamburg, lokale Neonazis, rechte Burschenschaften und ca. 5 Greifswalder aus dem bürgerlichen Spektrum, Chapeau, wie Arndt gesagt hätte! Hier finden Sie ein paar mehr Hintergründe dazu: http://blog.17vier.de/2017/02/06/rechte-arndt-greifswald/

      Am 12.12. zeigte sich, dass das national-konservative und rechtsextreme Milieu wunderbar zusammengerückt ist. AfD, Junge Alternative, Identitäre Bewegung, NPD, militante Neonazis, FFDG. Vaterlands- und Deutschlandslied, Beschimpfung von Studierenden und Angehörigen der Universität, Rücktrittsforderung an „Geschäftsführerin Weber“. „Freiheit statt BRD“ und ähnliche Scheußlichkeiten konnten Sie am Sonntag auf dem Markt wahrnehmen. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie doch mal hier: https://www.flickr.com/photos/97583384@N08/albums/72157680165373196/with/32822027586/

      Ich stimme Ihnen in einem Punkt zu: Mit Arndt haben diese Leute wenig zu tun.

      Das „Konglomerat“ aus CDU, AFD … hat sich gar nicht zusammengefunden, wie Sie schreiben, das ist pure Propaganda Ihrerseits. Das „Konglomerat“ vertritt in dieser Causa gleiche Interessen, nämlich das der Name der Uni E.M.A. bleibt, aber eben nur hier.

      Auch hier muss ich Ihnen klar widersprechen. Insbesondere, was AfD und FFDG angeht. Dass nicht alle Arndtfans automatisch rechts sind, sollte durch den folgenden Satz eigentlich klar verständlich formuliert sein: „Doch die Unzufriedenheit der Greifswalder Bevölkerung hört man nicht nur aus dem konservativ-rechten Spektrum, sie reicht durch fast alle verschiedenen politischen Gefühlszonen bis weit nach links.“

      Sie schaffen das aber gleich wieder zunichte zu machen, indem sie diese ANTIFA Nähe von Michael Hein ins Feld führen. Die ANTIFA ist ja nun wirklich einer der undemokratischsten und gewaltbereitesten Haufen der Bundesrepublik. Spätestens hier sind sie unseriös

      Ich habe den Tweet eines früheren Uni-Angehörigen zitiert und niemandes „ANTIFA Nähe“ ins Feld geführt. Der Beitrag wird von insgesamt drei Tweets ergänzt. Auf Ihre wenig seriöse Äußerung zum Wort „Antifa“ will ich nicht lange eingehen. Nur kurz: Man kann „Antifa“ in diesem Kontext als Kürzel für den institutionalisieren und bundesweit organisierten Antifa e.v. verstehen, oder schlicht als Abkürzung für eine grundsätzlich antifaschistische Einstellung.

      Warum das nicht Anbiedern des OBs an die Befürworter von Arndt ein politischer Fehler sein soll, erschließt sich mir nicht.

      Er hätte dann den Multhauf gemacht. Bei der nächsten OB-Wahl hätte ihm das nicht zum Nachteil gereicht.

      Allerdings nehme ich ihm das nicht ganz ab, es gab einige Fotos, die sehr schnell wieder aus dem Netz getilgt wurden (es war einer der Stadtserver von Greifswald), die ihn sehr den Initiatoren des Namenswechsels zugetan zeigen.

      Halten Sie sich fest: Einige von denen sitzen sogar in der Bürgerschaft und haben daher als Kommunalpolitiker miteinander zu tun und besuchen gemeinsam Veranstaltungen. Sie werden allmählich unseriös.

      Arndt als Chiffre der Ausgrenzung, das ist schlicht abenteuerlich. Das Arndt selbst jetzt eine Chiffre für irgendwas sein soll, der ist längst tot.

      Sie haben diesen Satz missverstanden. Natürlich soll nicht Arndt das Label als Ausgrenzer angeheftet werden — wobei, fragen Sie mal einen deutschen Juden oder einen Franzosen! Chiffre ist hier vielmehr literarisch zu verstehen und hat mit Arndt überhaupt nichts zu tun, sondern mit dem, was sich in den letzten Debatten über ihn entwickelte. (Studierende gegen Greifswalder, junge Menschen gegen weniger junge Menschen, höher Gebildete gegen Greifswalder ohne akademische Ausbildung, Greifswalder gegen Zugezogene, erst recht, wenn diese nicht aus den neuen Bundesländern stammen.) Diese Art entgleister Debattenkultur, für die Axel Hochschild als Stichwortgeber fungiert, hat Greifswald bei der vorherigen Arndt-Debatte bis in Prof. Wilhelm Heitmeyers „Deutschen Zustände“ gebracht (Titel des Aufsatzes: „»Politkasper«, »Westprofessoren« und lokale Eliten – Die Debatte um den Namen
      der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald“). Bei der Diskussion über die Diagonalquerung konnten Sie übrigens fast wortgleiche Phrasen und Beschimpfungen nachverfolgen.

      Gerücht 2 –
      Ein stud. Senator schrieb sich extra nochmal zu einem Studium ein, um abstimmen zu können und wäre eigentlich auch nicht mehr im Spiel gewesen.

      So läuft das mit den Gerüchten und ich arbeite unseriös und abenteuerlich, oder? Befragen Sie mal Ihre Studierenden oder Doktoranden, wie Sie die Zeit zwischen Hochschulabschluss und geplanter Aufnahme eines Angestelltenverhältnisses überbrücken. Dass Leute sich nach ihrem Abschluss für ein zweites Studium einschreiben, ist überhaupt nicht ungewöhnlich und ist in diesem Fall auch nicht wegen Arndt passiert. Ich finde das verschwörungstheoretisch. Die Studierenden hätten ihn auch nicht in den Senat wählen müssen. Er hat vorab transparent über seine Position zu EMA informiert.

      Ich habe versucht, Ihren ausgesprochen langen Kommentar in angemessenem Umfang zu beantworten und hoffe, das eine oder andere Missverständnis aufgeklärt zu haben. Leider drängt mich Ihr Kommentar zu der Annahme, dass Sie meinen Text voreingenommen gelesen und reflexhaft krawallig darauf reagiert haben. Für die Zukunft würde ich mir mehr Gelassenheit, Unvoreingenommenheit und eine Textmenge wünschen, deren Beantwortung nicht abendfüllend ist. 😉

      PS: Nach ihren zum Teil unhöflichen Urteilen sei mir nun auch eine kecke und anmaßende Frage gestattet: Sie sind Naturwissenschaftler, oder?

      1. Aber so krawallig hab ich doch gar nicht reagiert, dachte ich, eher hart aber fair. Danke übrigens für Ihre Zeit und den Versuch der Klarstellung zu Gerücht 2 und auch die vielen anderen Entgegnungen.

        Kurz noch zu den 20 Jahren Diskussion: „Intervallartiges Aufflammen“ deckt durchaus n=3 Diskussionen ab, oder ;-), ein Dauerzustand war das nicht, vielleicht für einige Historiker, aber garantiert nicht für die ganz Uni.

        Zur Ausgrenzung, da müssen Sie Juden und Fanzosen von vor 200 Jahren fragen, nicht heute. Aber ich bin sicher, die hatten damals ganz andere Probleme als sich über Ausgrenzung durch Herrn Arndt zu erregen. Ich dachte, ich hätte mich zum Zeitbezug klar geäußert.

        Das Herr Hochschild eher impulsiv reagiert, ist allgemein bekannt, allerdings sind mir ehrliche Leute lieber als diejenigen, die sich hinter der Politischen Korrektheit und Regularien verstecken. Es geht hier um die Sache und nicht die Befindlichkeiten von und mit Herrn Hochschild. Soll heissen: Wenn Herr Hochschild sich äußert, dann sehe ich das als Stimme eines gewählten Volksvertreters, beziehe das in Entscheidungsfindungen ein, und wenn sich vielleicht herausstellt, das es nicht relevant ist, tja sei es drum. Es kommt doch meistens darauf an, was gesagt wird und seltener wie es gesagt wird. Obwohl das falsche „wie“ oft negative Emotionen weckt und vielleicht doch vermieden werden sollte. Mancher ist halt schnippisch und mancher impulsiv und undiplomatisch. So sind die Menschen. Und der Witz ist, besonders einige Individuen der so rationalen Professorenschaft reagieren oft fürchterlich eitel und empfindlich.

        Und gruselig ist das schon, daß die Personalfluktuation der Uni inzwischen zur Folge hat, dass die Hälfte der Mitarbeiter alle 6 Jahre geht. Aber das ist ein komplett anderes Thema …

        So, das war’s erstmal, damit wir nicht wieder lange Fragen und Antworten formulieren müssen, mache ich jetzt Schluß – es war mir ein Anliegen und Vergnügen.

        Ach so, und die Antwort auf ihre kecke Frage: Ja.
        Was mich jetzt aber brennend interessiert, was tut das zur Sache?
        Übrigens bei einer Tasse Tee und einem Glas hervorragenden Rums (2 cl im Whiskeyglas, ein Superaroma) geantwortet und gefragt.

        1. „Zur Ausgrenzung, da müssen Sie Juden und Fanzosen von vor 200 Jahren fragen, nicht heute. Aber ich bin sicher, die hatten damals ganz andere Probleme als sich über Ausgrenzung durch Herrn Arndt zu erregen.“

          Es ist für mich schlicht nicht nachzuvollziehen, wie dieses Argument der historischen Kontextualisierung in einer Redundanz dargebracht wird, die einfach nur zum Haare-raufen ist. Als wäre „Der Jude“ vor 200 Jahren als Projektionsfläche für völkische (Un-) Reinheitsvorstellung das normalste von der Welt gewesen, Antisemitismus und rassistische Tiraden absolut nachvollziehbar und damit – historisch eingeordnet – heute dann irgendwie zu verschmerzen. NEIN! Arndt hat sich mit seinen Vorstellungen zu einem Mitbegründer des biologistischen Antisemitismus (hier liegt nebenbei bemerkt der klare Unterschied zu bspw. Luthers Judenfeindschaft) gemacht, einem Denken, dass bis heute jüdische Menschen rund um den Erdball zur Zielscheibe macht. Bis heute müssen jüdische Einrichtungen, Kindergärten, Schulen durch Polizei und Sicherheitsdienste beschützt werden. Der jüdische Staat ist für Nazis und Fanatiker jeglicher Coleur der Hort des (angeborenen) Bösen, zur Vernichtung freigegeben und Ernst Moritz Arndt hat mit seinen Schriften seinen Beitrag dazu geleistet, dass Leute so ticken und sich von ihresgleichen verstanden fühlen. Und aus diesem Grund haben die Nationalsozialisten ihn zu einem Aushängeschild erkoren. Nicht, weil er fromme Lieder geschrieben hat. Ist das wirklich so schwer zu verstehen? Und nein, sie müssen nicht die Juden und Franzosen von vor 200 Jahren fragen – Antisemitismus und die Feindschaft gegen Völker ist nichts, was mit Arndts wirrem Denken aufgehört hätte, es wirkt bis heute, versetzt bis heute Menschen in Angst, mordet und vernichtet.
          Es ist unwürdig, sich an diesen Namen zu klammern, den man nur mit Beipackzettel tragen kann, den man immer wieder erklären muss und über dieses Erklären immer auch die Menschenfeindlichkeit Arndts gezwungen ist zu relativieren. Biologistischer Antisemitismus und völkischer Nationalismus ist durch nichts zu relativieren. Nicht durch Kirchenlieder, nicht durch Dichtung mit regionalem Bezug, nicht durch einen Sitz in der Paulskirche, nicht durch Pamphlete gegen die Leibeigenschaft oder sonst irgendwas. Die Grundlagen des Denkens, das zu Gaskammern und Massengräbern führte, hat Ernst Moritz Arndt mit gestaltet – daran sollte erinnerte werden. Auf einer Gedenktafel im Hauptgebäude der Universität, die von 1933 bis 2017 seinen Namen trug.

          1. Hallo MEMA,

            schade, dass meine (und offensichtlich auch die) Aussage (vieler anderer) für Sie nicht nachvollziehbar ist. Ich finde es zum Verständnis und für die Bewertung gerade geschichtlicher Aussagen extrem wichtig, den zeitlichen Kontext zu berücksichtigen. Ich habe das auch in meinem vielleicht etwas länglichen Ausführungen schon vorher versucht.

            Im antiken denokratischen Griechenland gab es Sklaverei, wollen Sie deswegen die Demokratie abschaffen? Auch in der Naturwissenschaft ist das Zustandekommen gewisser Hypothesen in ihrer Zeit durchaus verständlich, auch wenn sie sich später als falsch herausstellten. Die damaligen Wissenschaftler sind deswegen nicht gleich Deppen, sie waren ein Kind ihrer Zeit und werden oft noch heute gewürdigt. Übrigens müssten Sie Darwin als schlimmsten Biologisten (was ist an Biologist eigentlich ein Schimpfwort) und Eugeniker darstellen, denn genau auf Teilen der Evolutionstheorie basieren die rassischen Irrungen der Nationalsozialisten. Trotzdem würden Sie sich heute nicht hinstellen und sagen, Darwin gehört aus der Naturwissenschaftsgeschichte getilgt (oder vielleicht doch), weil die Nazis seine Lehre missbrauchten… aber ich schweife ab.

            Ich finde es sehr schade, dass Sie Ihre sehr schablonenhafte Sicht auf Arndt entwickelt haben. Diese Reduktion des Arndt-Bildes auf das Antisemitische (recherchieren Sie vielleicht mal Antisemitismus und Sie werden sehen, dass Arndts Beitrag zu vernachlässigen ist) unter vollständiger Ignoranz aller anderen Facetten seiner Person halte ich für ziemlich eindimensional, sogar ignorant; noch dazu, weil Sie das in vollem Bewusstsein tun. Ferner unterstellen Sie ihm „wirres Denken“, und das verallgemeinert mir dann doch zu sehr.

            Dann klären Sie über den Antisemitismus generell auf, was löblich ist. Ferner hoffe ich, daß Sie mit „ihresgleichen“ sich nicht auf mich bezogen; wenn doch, dann weise ich das zurück. Ich nenne zwar auch Juden Arschlöcher (ohne Kontext nicht zitierfähig!), wenn dies der Wahrheit entspricht. Dies hätte dann aber nichts mit Antisemitismus zu tun sondern eher mit meiner klaren Kommunikation generell (Arschloch wäre dann vielleicht auch nicht genau meine Wortwahl).
            Ich habe mehrere Jahre mit jüdischen Wissenschaftlern eng kooperiert, habe mehrfach Israel besucht und dies entspricht mit der fruchtbarsten Zeit meiner wissenschaftlichen Karriere.

            Und vielleicht sage ich es nochmal, dass Arndts antisemitische Aussagen 100 Jahre nach seinem Tod als Teil der Legitimation der Deutschen Katastrophe interpretiert werden sollen, das glauben Sie doch selber nicht. Eine Kausalität Arndt t0 -> Nationalsozialismus t100y zu postulieren, naja – Schwamm drüber.

            Am Ende Ihres Kommentars rufen Sie nochmals plakativ zur Eindimensionalisierung des Arndt-Bildes auf – Arndt und die Welt sind aber komplexer, auch wenn Sie das gerne anders sehen wollen.

            Ich verbleibe einigermaßen ratlos ob derartiger Simplifizierungen.

            1. Hallo und zunächst danke für die Entgegnung.
              Trotz der geduldigen Ausführungen, kann ich für Ihre Position weiterhin wenig Verständnis aufbringen. Ich werde meine Meinung zu einigen Ihrer Passagen darlegen:

              „Ich finde es zum Verständnis und für die Bewertung gerade geschichtlicher Aussagen extrem wichtig, den zeitlichen Kontext zu berücksichtigen.“

              Das ewige Totschlagargument der Arndt-Befürworter. Setzen wir dem doch mal die Motivation entgegen, mit der Arndt zum Namensgeber der Universität erhoben wurde. Muss die auch historisch kontextualisiert werden? Muss man für Verständnis werben, wenn der damalige Rektor Arndt zu einem Vorbild für das „erwachende“ Deutschland erhob? So nach dem Motto „Das war halt damals so, muss man einfach in seiner Zeit sehen.“ Und wie lange soll das noch Gültigkeit behalten? Zudem: ein Namenspatron, dessen längst untragbaren Aussagen stets erst eine historische Einordnung verlangen, kann kein guter Patron sein. Ein Patron soll versöhnen, Identifikation schaffen, eine Richtung weisen. Nicht zum Streiten und Spalten motivieren. Lesen Sie gern dazu auch nochmal:
              http://blog.17vier.de/2010/03/13/der-kernlose-mythos-ernst-moritz-arndt/
              (Historische Kontextualisierung als Kernelement von geschichtlicher Wissenschaft ist selbstredend nicht zu negieren, kann aber meiner Meinung nach nicht zum Dreh- und Angelpunkt im Streit um ein Hochschulpatronat erhoben werden.)

              „Im antiken denokratischen Griechenland gab es Sklaverei, wollen Sie deswegen die Demokratie abschaffen?“

              Nein, will ich nicht. Dieser polemische Stil ist aber typisch und bezeichnend für die Art, wie die Diskussion um Arndt als Namenspatron immer wieder vonseiten der Bewahrer verwässert werden soll. (In die gleiche Kategorie fallen die Luther/Goethe-Hinweise sowie die Frage, ob nun auch Arndt-Schule und Arndt-Straße umbenannt werden müssen.) Noch vor einigen hundert Jahren war es normal, einen Streit zwischen zwei Menschen durch den Hieb mit Schwert oder Morgenstern zu beenden. Sollen wir das heute auch noch geil finden, nur weil es damals eben so war?
              Es geht doch im Kern um die Frage, ob und warum Arndt als Namensgeber einer HOCHSCHULE tragbar ist. Und wo die kritische Auseinandersetzung bleibt, die einst bei einer Entscheidung zur Beibehaltung des Namens versprochen wurde. Was das jetzt mit dem antiken Griechenland zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Ich mache mir mal Ihren gewollt-naiven Stil an dieser Stelle zueigen und spitze in ähnlichem Duktus mal etwas zu: ‚Joseph Goebbels hat auch Messer und Gabel benutzt. Sollen wir jetzt alle nur noch mit Stäbchen essen???‘

              „Ich nenne zwar auch Juden Arschlöcher (ohne Kontext nicht zitierfähig!), wenn dies der Wahrheit entspricht. Dies hätte dann aber nichts mit Antisemitismus zu tun sondern eher mit meiner klaren Kommunikation generell“

              Wen Sie Arschloch nennen oder auch nicht, bleibt Ihnen überlassen. Sie scheinen sich ja über Antisemitismus informiert zu haben und wissen bestimmt, dass eine persönliche Beleidigung gegenüber eines Menschen jüdischen Glaubens nicht automatisch antisemitisch ist. Diese Dimension wird erst erreicht, wenn der Glaube zum Parameter einer Ungleichwertigkeitsvorstellung gemacht wird. Gar nicht so schwierig zu verstehen, wenn man denn will, oder?

              „Ich habe mehrere Jahre mit jüdischen Wissenschaftlern eng kooperiert, habe mehrfach Israel besucht und dies entspricht mit der fruchtbarsten Zeit meiner wissenschaftlichen Karriere.“

              Wow! Aber was wollen Sie damit jetzt hier sagen?
              (Es gibt Menschen, die Flüchtlingswohnheime anzünden, aber nicht als Rassisten gelten wollen und das mit der Aussage untermauern: „Einige meiner besten Kumpels sind Ausländer.“ Aber das nur nebenbei.)

              „Und vielleicht sage ich es nochmal, dass Arndts antisemitische Aussagen 100 Jahre nach seinem Tod als Teil der Legitimation der Deutschen Katastrophe interpretiert werden sollen, das glauben Sie doch selber nicht.“

              Doch, das glaube ich wohl. Gern zitiere ich Ihnen dazu nochmal aus dem Antrag des Stahlhelm-Verbands zur Aufnahme des Namens:

              „Unsere Universität trägt, indem sie sich den Namen ‚Ernst Moritz Arndt-Universität‘ beilegt, nicht nur eine alte Dankesschuld gegenüber diesem Manne ab, sondern sie bringt auch weithin zum Ausdruck, daß sie in dem nationalen Kampf der Gegenwart in vorderster Front steht, entsprechend der von ihr auch in den letzten Jahren treu gewahrten alten nationalen Tradition.“

              Oder auch Rektor Laag in einer Rede anlässlich der Namensverleihung:

              „Nur wenn wir so denken [wie Arndt], werden wir auch im Sinne des Führers unseres Volkes handeln, der es immer von neuem bezeugt hat, daß für den Aufstieg Deutschlands nicht in erster Linie Wirtschaftsprogramme, Organisationsfragen und äußerliche Dinge entscheiden, sondern daß Deutschland nur dann einer besseren Zukunft entgegengeführt werden kann, wenn eine geistige Erneuerung das Volk erfaßt. Das, was Ernst Moritz Arndt gewollt hat, geht zum guten Teil in unseren Tagen in Erfüllung. Aus seinem Geist heraus lebt nicht zum wenigsten die Gegenwart.“

              Sie können ja jetzt noch argumentieren, dass Ernst Moritz Arndt nicht persönlich den Angriff auf Polen befohlen hat und damit hätten Sie sogar Recht. Er hat nur den Boden bereitet für das, was später erwuchs. Und das ist, was Arndt hat zu zweifelhafter Berühmtheit werden lassen. Nicht seine Gedichte, nicht seine gottesfürchtigen Lieder. Er wurde zum Namenspatron, weil er hetzte, weil er aufstachelte, weil er hasste und sich so quasi den Nazis als Gallionsfigur aufdrängte. Vielleicht kann man das auch einfach mal klar benennen, statt sich ständig an der Nebelkerze der historischen Kontextualisierung festhalten zu wollen. Und nein, das muss eine Universität im 21. Jahrhundert und die in ihr versammelten Menschen nicht mehr ertragen!

                1. Hallo MEMA,
                  Ich habe Ihrem Post faktisch nichts wirklich Neues in einer Argumentation gegen Arndt entnehmen können.

                  Ich möchte auf einige Widersprüche eingehen. Zur Kontextualisierung: sie schreiben
                  nicht negierbar einerseits – Totschlagargument und Nebelkerze andererseits – Sie müssen sich schon entscheiden.

                  Arndt auf Antisemitismus zu reduzieren erscheint mir nach wie vor als das typische Totschlagargument seiner heutigen Gegner, es macht das Leben ja auch einfacher, man muß sich wenigstens nicht mit seinen anderen Facetten beschäftigen, was Sie auch konsequent nicht tun. Der Antisemitismus ist ein gewichiges Argument, aber eben nicht das alleinig im Raum stehende, und weil die geschichtliche Kontextualisierung dieses wichtige Argument etwas weniger schwerwiegend macht, wollen Sie jetzt definieren, dass die Befürworter es nicht benutzen dürfen, das finde ich unlauter.

                  Wer instrumentalisiert Arndt? – die Nazis, die Nachkriegsprofessoren (Begründung des Antrags zur Wiederveleihung des Uni-Namens, Prof. Beyer – übrigens Chemiker), die DDR-\“Kommunisten\“ (ließen den Namen 40 Jahre unangetastet, weil Arndt den produierenden Massen die Leibeigenschaft ersparen wollte), die Unzufriedenen im DDR-System (weil sie Arndt als Vaterlandvereiniger verehrten und somit zum Kontrapunkt des Regimes stilisierten), die lokale Bevölkerung (als Kind der Region, welches überregionale Bedeutung erlangte). Vielleicht taugt Arndt ja doch nicht als Projektionsfläche der Nazizeit? Das sich die politischen Grössen immer das Passende raussuchen scheint geschichtlich normal, Naturwissenschaft wurde in der DDR auch zum \“Aufbau des Sozialismus\“ betrieben. Vorherrschende Ideologien durchziehen zur Zeit ihrer Gültigkeit eben jede Pore des gesellschaftlichen Lebens. Wenn eine Persönlichkeit durch jemanden instrumentalisiert oder mißbraucht wird, dann kann in erster Linie erstmal die Persönlichkeit nichts dafür. Noch dazu, wenn sie weit vor dieser Zeit (und ich sage weit, sogar sehr weit davor) gelebt hat.

                  Was Griechenland und Sklaverei vs. Demokratie, Darwin und Eugenik vs. Evolutionstheorie, was Arndt und Patriotismus vs. Nationalsozialismus – Freitheitsliebe vs. Franzosenhass angeht, habe ich überspitzt, ich finde Ihren Standpunkt trotzdem zu eindimensional. Und dann legen Sie mir diesen ganzen Umbennungskram von Arndt-Schule, Arndt-Straße usw. in den Mund und dass das \“typisch\“e Polemik der \“Armdt Bewahrer\“ sei. Da ich argumentativ offensichtlich eher \“Bewahrer\“ bin, wollen Sie mir hier rhetorisch auch Polemik unterstellen, das greift aber nicht, weil ich mir trotz der ein oder anderen Überspitzung durchaus Mühe gebe, nicht polemisch sondern eher rational zu argumentieren, und wenn Sie meine Ausführungen lesen und ehrlich sind, dann können wir uns vielleicht sogar gemeinsam darauf einigen.

                  Und nochmal, ich verwässere durch andere Blickwinkel durchaus gerne die überfokussierte Sicht auf den antisemitischen Arndt, finde das aber eher legitim und wichtig im Diskurs.

                  Das Schwert und Morgensterngleichnis von vor 100 Jahren greift nicht (1917?, wohl eher vor 1000 Jahren), ich würde nie behaupten, daß man diese archaische Art der Konfliktaustragung in die Jetztzeit herüberretten sollte (warum eigentlich nicht, schick die Regierenden mit Morgenstern und Schwert in den Kampf und wir hätten keine Flüchtlinge); aber ich mutmaße, daß dieses Gleichnis eher auf den Antisemitismus Arndts zutreffen sollte, den will ich aber auch nicht herüberretten, ich will nur, dass man Arndt nicht darauf reduziert, und das ist nicht das Gleiche. (Wenn wir schon beim Mittelalter sind, wir haben ja wieder Pranger, aber das ist eine andere Geschichte, nur damit Sie sehen, dass ich nicht alles toll finde, was mein impulsiver Lieblings-\“Arndt Bewahrer\“ da verzapft hat (lesen Sie meine anderen Posts, da ist das erklärt)).

                  Ich zitiere Sie mal: ‚Joseph Goebbels hat auch Messer und Gabel benutzt. Sollen wir jetzt alle nur noch mit Stäbchen essen???‘ Schön, dass Sie meine Überspitzungen als solche erkannt haben. In die gleiche Kategorie fällt, Arndt wurde von den Nazis mißbraucht, also ist er auch Nazi. Merken Sie was?

                  Als Sie mir jedoch das Wort zu den Juden im Mund rumdrehen wollten und mich noch in den Kontext mit den Asylheimanzündern stellen wollten, da war sie dann wieder, die rhetorische unlautere Keule, geht\’s noch, das ist boshaft.

                  Zu den Reden eines Uni-Rektors von 1933, natürlich waren die nationalsozialistisch, und wenn dieser Mensch nichts wichtigeres im Leben geleistet hat, dann ist er dafür natürlich zu verurteilen, wenn doch natürlich trotzdem, allerdings können Menschen Ihre Schuld auch wieder aufwiegen. So sollte in der Beurteilung von Menschen das Gesamtbild betrachtet werden, die Irrungen und die guten Eingebungen. Und da schlägt das Pendel bei Arndt dann eben doch nicht in das rechte Extrem aus.

                  Zum meinen Abschweifungen (ausschweifend/zügellos bin ich auch gerne, aber nicht hier) in Richtung Biologismus. Den kann man als schlecht ansehen, muß es aber nicht. Es gibt Ableitungen, die politisch ideologisiert zum Faschismus, Sozialdarwinismus …. abdrifteten. Diese Systeme oder Sichtweisen meinten, daß die genetische Komponente das Wesen alleinig bestimmen und bauten darauf Rassenstereotype oder das Recht des Stärkeren auf. Der Witz war, Nazis hatten außer Mendelscher Kreuzungsgenetik keinen Schimmer von der Ausprägung von Merkmalen. Demgegenüber stehen die ebenso eindimensionalen Ansichten vieler Gesellschaftswissenschaftler, dass ausschließlich die kulturelle Prägung für das Wesen von Menschen und Zivilisationen zuständig ist. Komisch, dass es in Waisenhäusern, wo Kinder ohne Eltern aufwachsen, auf verschiedenen Gebieten talentierte Kinder gibt, obwohl alle von den gleichen Erziehern beeinflußt werden oder getrennt lebende eineiige Zwillinge ähnliche Interessen entwickeln. Aber das ist alles nicht Bestandteil dieser Entgegnung. Darum nur soviel – Biologismus ist nicht per se böse, klingt nur so, weil da ein -ismus dran hängt. Wer das wohl war?
                  Das es genetische und somit auch biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen, Menschen und Menschengruppen gibt, ist nicht wegzudiskutieren. Aber das ist ein neues Thema, dass man gerne vertiefen könnte, aber es passt hier nicht her.

                  Fazit.
                  Da ich keine neuen Argumente finden konnte, gibts von mir auch kaum welche. Ich sehe meine Replik eher als oberlehrerhafte Stilkritik. Sie halten sich an Arndts Antisemitismus fest und lassen keine anderen Argumente zu, die Ihre Sichtweise \“verwässern\“ könnten. Ich glaub, das nennt man ideologisch verbohrt oder radikal. Sie versuchen immer wieder Argumente ins Spiel zu bringen, die indirekt auf Arndt abzielen aber nicht Arndt direkt betreffen. Ferner habe ich den Eindruck, Sie versuchen mich zu diffamieren mit ekligen rhetorischen Tricks. Ich mag mich nur noch zu Arndt direkt äußern ohne im Diskurs auf irgendwelchen Metaebenen gezerrt zu werden. Da können wir vielleicht alle noch lernen und unsere Argumente schärfen.

                  Nicht mehr ratlos, eher ein bisschen angenervt.
                  Bin gespannt, ob sich das wieder gibt oder wir im \“Fischer un sin Frau\“ Modus verbleiben. Aber vielleicht passiert ja auch gar nichts mehr.

                  Gute Nacht

                2. Vielen Dank für die lange Entgegnung, die ich gelesen habe, aber – gleich ihrem Standpunkt mir gegenüber – nichts neues entnehmen konnte. Es bleibt beim Bitten um historische Kontextualisierung, ein bisschen Widerrede hier, ein bisschen Standpunktbekräftigung da, völlig unüberraschend die Bemerkung, man hätte keine neuen Gegenargumente entnehmen können. Aber wir bewegen uns nicht zueinander und – mit Verlaub – sind ihre Darstellung absolut nichts bemerkenswertes mehr für mich. Ich habe diese Diskussionen oft geführt und finde es zunehmend schwierig, mich auf einer Ebene mit den Arndt-Freunden auszutoben, die immer nur zum Zwecke hat, den Mythos Arndt noch ein Stückchen mehr aufzublasen.
                  Ein Beispiel: ich verlinke Ihnen Bildungsmaterial zu biologistischem Antisemitismus, Sie danken, nennen den Standpunkt aber eindimensional. Geschenkt.
                  Ich kenne dieses Diskutieren seit der vorletzten Arndt-Debatte, man macht ein paar kleine Zugeständnisse: „Ja, ja, der war schon Antisemit irgendwie“, aber nicht ohne das Fundament mal angraben zu wollen: „Waren ja alle damals irgendwie.“ Wird dann entgegnet, dass Antisemitismus eben damals keineswegs geläufiger Zeitgeist war, dem sich quasi alle unterworfen haben, kommt der nächste Schnipsel um die Ecke, mit dem man versucht Arndt ins rechte Licht zu rücken. Das eigentliche Ziel, nämliche einen reaktionären Namenspatron um jeden Preis gegen links-grüne Bilderstürmer verteidigen zu wollen, bleibt dabei immer gewahrt. Man versteigt sich in Vergleiche und Relativierungen, weiter nichts.
                  Deshalb für Sie und für viele andere nochmal ganz deutlich:

                  Es geht um die Frage, ob eine Universität im 21. Jahrhundert diesen Namen tragen sollte. Und die Antwort dabei ist völlig klar. Nein!
                  Begründen lässt sich dies auf vielen Wegen, einige habe ich oben versucht Ihnen aufzuzeigen. Aber um Gründe geht es ja schon lange nicht mehr. Es geht um Emotionen, um’s Gewinnen, um’s Rechthaben, um Deutungshoheit. Und längst nicht mehr um Deutungshoheit in Bezug auf ein Namenspatronat, sondern um Diskursmacht im öffentlichen Raum. Um Echokammern und das Gefühl, sich von „geschichtsvergessenen Rotznasen mal nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen“ – allein darum dreht es sich seit Wochen in Greifswald. Diese Diskussion wurde vonseiten der Pro-Arndt-Fraktion nie ergebnisoffen geführt. Demokratiedistanz war bisher allen Gruppen, die sich für die Arndt-Bewahrung einsetzten, immanent. Es wurde abgewimmelt, abgewürgt, diffamiert, gehetzt, gespalten, gekreischt und geschmollt. Und dann beklagt, dass einer inhaltlichen Auseinandersetzung (deren Ergebnis ja längst feststeht) aus dem Wege gegangen wird. Es ist himmelschreiend erbärmlich und mittlerweile wünsche ich mir fast, dass der Name bleibt. Auf einem peinlicheren Fundament könnte der Name fast nicht mehr stehen. Und das hat wirklich was denkwürdiges.

                3. Wissen Sie, ich hätte wirklich Interesse gehabt, inhaltlich noch ein bisschen einzusteigen, da ich einige Querverweise von Ihnen tatsächlich ganz anregend fand. Aber Ihr respektloses Fazit hat das für mich persönlich leider zunichte gemacht. Wieso schreiben Sie hier ewig lange Abhandlungen , nur um dann zu erwähnen, neue Argumente ihrerseits wären ja nicht vonnöten. Warum suchen Sie die Diskussion, nur um Ihr Gegenüber dann als „ideologisch verbohrt“ zu bezeichnen. Warum eröffnen Sie abschließend den Vorwurf, ich würde Sie diffamieren wollen mit „rhetorischen Tricks“, bleiben aber jeden Beleg schuldig?
                  Warum müssen Sie nochmal betonen, dass Sie nun „genervt“ sind, nachdem Sie vorher schon „ratlos“ waren? Was bringen Ihnen diese Einlassungen, was soll das?
                  Ich finde es ekelhaft, mit welcher Arroganz da operiert wird. Und dann aber immer schön darum bitten, dass es inhaltlich bleibt. Das Von-oben-herab, das steht nur den Arndt-Bewahrern zu. Die Gegenseite hat zu kriechen.
                  Für mich ist an dieser Stelle Ende. Das können Sie jetzt wieder „radikal“ nennen und in Ihre kleine Vorstellungswelt einbauen, wie es Ihnen passt.
                  Schade!
                  Adieu!

  12. Sie sollten auch zu diesem Kommentar mal Ihre Meinung schreiben oder passen Sie sich wieder an ?
    Übrigends persönliche Diffamierungen gehören nicht in Ihren Blog . Sollten trotz guter Geschichtskenntnisse die Fakten verdreht und zur Meinungsmache mißbraucht oder angepaßt werden , ist das auch ein Betrug an der Öffentlichkeit
    Wenn aus der Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon ein Bild va. 200 Jahre später zur sehr schlimmen Vergangenheit Deutschlands während der Nazizeit zur Vorbereitung der biologischen Vernichtung der Juden abgeleitet wird, zeigt das von einem schlechtem Geschichtsverständnis auch von einem tief verwurzelten Hass auch gegen spätere Generationen welche besonders im Westen dumm gehalten wurden, weil viele große Nazis unbehelligt blieben und gegen kommunistischen Osten gebraucht wurden.

    1. Wo erkennen Sie eine persönliche Diffamierung? Ich habe mich mal eben hier durch die Kommentare gescrollt und dabei stach diesbezüglich nur eine Passage heraus: „Antifa nahe Kreise mit Schmalspur Geschichtskenntnissen “ Na hoppla, entstammt die nicht Ihrer Feder?

      1. Herzlichen Dank für die meist sachlichen Meinungäußerungen, wenn sich sachliche Äußerungen auch oftmals für mich zu trocken lesen…
        Trotz aller Bemühungen verschiedener Schreiber, das Thema sachlich zu behandeln, stellen hier einige (wieder einmal) fest, der gegenüber sei dämlich. Dumm sind immer die anderen. Das erinnert mich an den Irren, der den Irrsinn des ihn behandelnden (Nerven-)Arztes belächelt.
        Herrman,
        Sie rutschen (auch) ab:
        \“zeugt das von einem schlechtem Geschichtsverständnis auch von einem tief verwurzelten Hass auch gegen spätere Generationen welche besonders im Westen dumm gehalten wurden, weil viele große Nazis unbehelligt blieben und gegen kommunistischen Osten gebraucht wurden\“.
        \“viele große Nazis…\“. Darüber könnte man 24 Stunden diskutieren – wenn es nicht so langweilig wäre. Immer dasselbe, hier \“die großen Nazis\“, über die die Verblödungsmedien uns ja (fast) täglich \“aufklären\“… Zustimmend lächeln mußte ich bei \“Generationen welche besonders im Westen dumm gehalten wurden\“, lebe ich doch seit 31.10.1975 in West-Berlin. Meine alten Heimseiten:
        http://www.gustav-rust.de unten die neuen Seiten.

  13. Letzte Antwort,
    Sie haben nicht den Mut, sich zum eigentlichen Thema des MEMA zu äußern, sondern versuchen die Texte anderer Teilnehmer zu interpretieren. Deshalb stehe ich zu meiner Aussage.
    Wir sind leider wieder in die Nähe dessen angekommen, was wir schon ein mal hatten. Nicht die sachliche Aussage oder Fakten gelten , sondern die Interprätation von abhängigen Medien , Interessenvertretern und Karrieristen, wie zu vergangenen Zeiten. Hier in Mecklenburg-Vorpommern gab es ein sehr altes Sprichwort „Gegen ein Fuder Mist kann man nicht anstinken“

  14. Hermann,
    genauso ist es:
    …sondern die Interprätation von abhängigen Medien , Interessenvertretern und Karrieristen, wie zu vergangenen Zeiten. Hier in Mecklenburg-Vorpommern gab es ein sehr altes Sprichwort „Gegen ein Fuder Mist kann man nicht anstinken“
    Danke!
    Gustav Rust

    1. Na wenn Sie beide sich da schon einig sind (und es finden sich dieser Tage ja viele in Greifswald, die es besser wissen als jede*r Expert*in auf diesem Gebiet) dann MUSS es ja einfach stimmen.
      Ihren obigen Ausführungen zum „Dummhalten“ von Bevölkerungsgruppen, der empfundenen Langeweile bei der Thematik Nationalsozialismus und Ihren Annahmen über „Verblödungsmedien“ kann man entnehmen, dass Sie leider nicht zu den hellsten Kerzen im Leuchter gehören und eine Diskussion im akademischen Kontext allenfalls als pöbelnde Zaungäste „bereichern“ könnten.
      Nix für ungut 😉

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