Vortrag über digitale Gewalt und die Struktur diskreditierender Online-Diskurse

Heute Abend spricht Prof. Dr. Konstanze Marx im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg über diskreditierende Online-Diskurse und digitale Gewalt in der technisch vermittelten Gegenwart.

Die Deutung und Besetzung des Begriffs Fünfte Gewalt ist nicht eindeutig. Während die einen den spät ergänzten Bürzel der Gewaltenteilung dem organisierten Lobbyismus zuschreiben und dem Mediensystem den Platz der Vierten Gewalt zuweisen, empfinden andere die Rolle der organisierten Interessenvertreter als überbewertet. Professorin Dr. Konstanze Marx, die heute Abend im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg über die Struktur und Funktion diskreditierender Online-Diskurse sprechen wird, stellt ihrem Vortrag die Frage voran, ob nicht mittlerweile die digitale Gewalt der vielen dem Lobbyismus als Fünfte Gewalt den Rang abgelaufen hat.

Konstanze Marx

(Foto: Konstanze Marx)

Professorin Dr. Konstanze Marx (Universität Mannheim) versteht digitale Gewalt im Zeitalter sozialer Medien als diejenige Gewalt, die üblicherweise sprachlich ausgeübt wird und dadurch zu einem linguistischen Forschungsgegenstand wird. Ihr Vortrag basiert auf der qualitativen und quantitativen Analyse von als Shitstorms und HateSpeech deklarierten diskursiven Ereignissen. „Zuschreibungen wie Shitstorm oder HateSpeech erfolgen allerdings oftmals im Diskurs selbst und tendieren zum einen oder anderen Extrem: entweder wird HateSpeech unter dem Deckmantel berechtigter Kritik verharmlost oder konstruktive Kritik wird mit einer Shitstorm-Etikettierung aus dem Diskurs verbannt.“

Um digitale Gewalt in ihrer eindrücklichen Form zu erleben, genügt die gezielte Suche nach feministischen Inhalten im Netz und das Studium der sich daran entzündenden Netzreaktionen eingedenk der dort formulierten Verwünschungen und Vergewaltigungsphantasien trollender Maskulinisten. Ganz tagesaktuell und von lokaler Relevanz sind in diesem Kontext auch zahlreiche Äußerungen von Gegnern der Umbenennung der Universität Greifswald zu verstehen, deren Ablehnung entlang der Grabenlinien Herkunft, Alter, politische Einstellung und Bildung verläuft.

Maskulinismus im Netz

Kommentar auf der Facebookseite des Fleischervorstadt-Blogs nach einem Offenem Brief an den Kontorkeller

Marx ist Professorin für „Linguistik des Deutschen“ am Institut für deutsche Sprache Mannheim und der Universität Mannheim. Sie verantwortet das Projekt „Sprache in den Sozialen Medien“ und ist Leiterin des DFG-Projektes „Journal für Medienlinguistik“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Internetlinguistik, hier insbesondere in der Online-Konfliktgenerierung, Online-Beziehungsetablierung und der digitalen Ethnographie sowie der medienlinguistischen Prävention und der Genderlinguistik. Demnächst veröffentlicht Marx eine Publikation zum Thema Cybermobbing.

Der Vortrag findet in Kooperation mit der Zentralen Gleichstellungsbeauftragten der Universität Greifswald statt, die den Abend auch moderieren wird.

Fakten: 25.04. | 18 Uhr | Krrupp-Kolleg

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