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Archive for the ‘Pop am Wochenende’ Category

Pop am Wochenende: Feine Sahne Fischfilet “Mit Dir”

Sunday, January 20th, 2013

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden. 

Feine Sahne Fischfilet drehten nochmal am Rad und veröffentlichten heute ihr zweites Video zum Album Scheitern und Verstehen, das im November 2012 bei Audiolith erschien.

Nachdem die Vorabsingle Komplett im Arsch bis heute bei YouTube beinahe eine Viertelmillion Zugriffe verzeichnete, das Album inzwischen zweimal nachgepresst wurde und auch Tocotronic ihre Zuneigung für Feine Sahne Fischfilet zu Protokoll gegeben haben, darf ganz vorsichtig die Frage danach gestellt werden, was da noch kommen soll beziehungsweise im Rahmen einer Subkultur, die ein allergisches Verhältnis zu Geld und dessen Verdienst auszeichnet, überhaupt noch kommen kann.

feine sahne fischfilet video filmstill(Filmstill)

Solange diese Antwort ausbleibt, sind Feine Sahne Fischfilet wohl gut damit beraten, die Sau weiter durchs Dorf zu treiben, um in Zukunft auch ohne die Unterstützung der Marketingexperten vom Innenministerium aus Schwerin erfolgreich Musik zu machen, gehört und gesehen zu werden.

Sehenswert ist in jedem Fall ihr Video zum Song Mit dir, das sich einmal mehr der großen Erzählung von Freundschaft und Zusammenhalt bedient und sich diesem Ideal auch bildsprachlich auf wunderschöne Weise annähert. Ihrer zum Teil ja recht juvenilen Anhängerschaft setzt die Gruppe zwei zärtliche Protagonisten im besten Alter vor die Nase und holt mit ihnen noch zwei weitere Themenfelder an Bord. Der Bezug zur Ostsee darf dann natürlich ebensowenig fehlen wie das Kokettieren mit antifaschistischer Handarbeit.

Video (03:23)

Bei allen Grenzen und Erwartungen ist so ein Video inzwischen ein richtiger Spagat geworden, der im vorliegenden Fall ohne Schmerzen aufgeführt werden kann. Hier muss sich niemand zu arg strecken und nichts und niemand wird überdehnt. Geil abgeliefert!

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Pop am Wochenende: Lumières Claires “point éphémère”

Sunday, January 6th, 2013

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

Ende Dezember des vergangenen Jahres erblickte das Video zu point éphémère das Licht der Netzöffentlichkeit. Das herbstige und wollwarme Stück erschien bereits knapp vier Jahre zuvor auf dem leider einzigen Album der Greifswalder Band Lumières Claires: Please Don’t Focus On My Mistakes. Please Don’t Focus On My Mistakes.

Lumières Claires: ihre Musik ist “Frucht von gesunder Bescheidenheit und nährenden Selbstzweifeln."

Picture 1 of 3

Ganz im Geiste des Albums wurde das Video mit einer Super 8-Kamera aufgenommen und nimmt uns mit in die verlassenen Hallen am südlichen Ryck-Ufer, die gleichsam der Band heute nicht mehr existieren. Die Protagonisten sind bereits vor Ort: der Lesende, die Liebenden, der Existenzialist, die Ballerina und das Kind. Auf halber Strecke des Wegs wird in den Reverse-Mode geschaltet und die verzweifelungstaumelige Zerstörungswut, die sich immer wieder Bahn bricht, verwandelt sich zurück in lämmerne Unschuld. Jedem Ende wohnt ein Zauber inne.

Nachdem Lumières Claires im Herbst 2012 noch eine wohlkompilierte Remix-Version von Please Don’t Focus On My Mistakes. Please Don’t Focus On My Mistakes. veröffentlichten, haben sie mit diesem Video nun endlich auch das letzte Kapitel ihres Projekts würdevoll zum Abschluss gebracht!

Video (04:23)

Mehr Lumières Claires:

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Pop am Wochenende: Feine Sahne Fischfilet “Scheitern und Verstehen”

Monday, October 29th, 2012

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

feine sahne fischfilet(Foto: Ole Olé)

Vom ländlichen Raum auf den Titel der taz — was im letzten Monat mit der Band Feine Sahne Fischfilet geschehen ist, hatte wohl niemand auf dem Schirm gehabt. In knapp zwei Wochen wird das neue Album Scheitern und Verstehen beim Hamburger Elektro-Indie-Label Audiolith erscheinen, doch schon jetzt steht fest, dass Feine Sahne Fischfilet mit dieser Veröffentlichung einen unheimlich großen Schritt nach vorne gegangen sind.

AMTLICH GEPRÜFT: DIE GEFÄHRLICHSTE BAND VORPOMMERNS (more…)

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Pop am Wochenende: Feine Sahne Fischfilet “Komplett im Arsch”

Sunday, September 30th, 2012

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

Die erste gute Nachricht: Die in und um Greifswald herum verwurzelte Band Feine Sahne Fischfilet bringt im November ihr neues Album raus. Die zweite gute Nachricht: Die Band hat heute ihr erstes offizielles Video zur ausgekoppelten Single Komplett im Arsch veröffentlicht. Die dritte gute Nachricht: Sie sind jetzt bei Audiolith. Aber der Reihe nach.

FISCHFILET BEI DER FRITTENBUDE

Anfang August legte das nimmermüde Knaben-Sextett eine fast ausnahmslose Konzertpause ein und tauchte für eine Woche in einem Hamburger Studio unter, um Scheitern und Verstehen aufzunehmen. Das inzwischen dritte Album der Band wird beim Elektro-Knarz-Punk-Label Audiolith erscheinen — neben populären Künstlern wie Egotronic, Frittenbude, Saalschutz, Bratze oder Supershirt.

audiolith logo

Das Video zur ausgekoppelten Single Komplett im Arsch, die am 12. Oktober erscheinen wird, wurde heute stolz veröffentlicht. Es führt in eine dieser Arten vorpommerscher Provinz, die nur mit wenigen Pros ausgestattet sind und wo sich das Aufwachsen für Jugendliche problematisch gestalten kann.

Alles andere hätte beim Drehbuch ihres ersten offiziellen Videos auch überrascht, denn nicht zuletzt der eigenen Jugenderfahrungen wegen, haben Feine Sahne Fischfilet auf einzigartige Weise eine Schnellstraße zwischen sich und dem ländlichen Raum eingerichtet, die sie seit Jahren in beide  Richtungen herunterrasen.

SCHEITERN UND VERSTEHEN

feine sahne fisch filet scheitern und verstehen coverDass Feine Sahne Fischfilet keine Band elaborierter Worte, sondern engagierter Taten sind, ist inzwischen bekannt — diesen Eindruck bestätigt nicht nur ihr fortwährendes politisches Engagement, sondern auch der Titel des vorveröffentlichten Stücks Komplett im Arsch.

Das Video wirkt beinahe wie ein Remake des deutschen Spätadoleszenten-Films Schule (2000) — Blubbern, Bier und Badesee inklusive. Dem zweifelnden Protagonisten dämmert’s spätestens in der Schlussszene, wenn Feine Sahne Fischfilet im grellen Licht der brennenden Bengalos eine Garage unsicher machen und vor einem begeisterten Freundespublikum die Provinz sprichwörtlich rocken. Mit genügend Pfefferminz wird jeder hier zum Prinz!

(Abbildung: Cover, Amazon)

Komplett im Arsch onkelt in überraschend geruhsamen Mid-Tempo durch die knapp fünf Minuten: trompetenverstärkter Betroffenheitspunk mit größtmöglichem Mitgröhlpotenzial, und das auch noch nach dem siebten Bier — versprochen!

Video (04:53)

Das Album Scheitern und Verstehen wird am 9. November als DigipakCD, Vinyl und Download zum Kauf angeboten. Wie schon beim zweiten Album, als  Supershirt einen Song der Band interpretierten, soll auch dieses von mehreren Remixen begleitet werden, die unter anderem aus einer Greifswalder Sound-Schmiede stammen. Die Veröffentlichung wird dann Dank der neuen Partnerschaft zu Audiolith in Plattenläden und bei Amazon angeboten.

Feine Sahne Fischfilet, ihr seid jetzt sicher komplett im Arsch. Herzlichen Glückwunsch!

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Die Band im Netz:

Feine Sahne Fischfilet kaufen:

Feine Sahne Fischfilet treten am Dienstag, dem 2. Oktober, im ://about blank (Berlin) auf, unter anderem mit Egotronic (Flyer).

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Pop am Wochenende: Lumières Claires – “Please Don’t Focus On My Mistakes. Please Don’t Focus On My Mistakes. Reworks”

Saturday, September 15th, 2012

von Ferdinand Fantastilius

Es gibt Menschen, die rechnen die Produktionszeit ihrer Musik in Stunden, manchmal schon nur Minuten. Und es gibt Menschen, die schrauben Wochen, Monate, Jahre an der Entstehung ihrer Kunstwerke. Beiden — egal also, ob funktionalmusikalisch fokussierter Beatbastelei oder sogenannt analoger, inniger Ewigtüftelei — liegt das Potential zum Zweifeln und zum Scheitern inne.

MUT ZUM KREATIVEN MAKEL, ODER: FEHLER ALS ANTRIEB

Die Patternschrauber schieben Stunde um Stunde an Effektknöpfen und Filterleveln umher, die Leute mit den echten Instrumenten sinnieren, jammen, eruieren und skizzieren nächtelang am vermeintlich perfekten Song. Und doch will es manchmal nicht gelingen. Irgendwas läuft krumm und schief, es schnurrt und groovt nicht, man kommt nicht richtig rauf auf den Gaul des genial-elementaren Daueraugenblicks — die eigene Idee, die sich im Kopf als zielführende Vision in Form eines anmutigen Einhorns festgesetzt hat, entpuppt sich als lahmer Esel, müde stolpernd, sturhufig herumeiernd, nach einer schöpferischen Rast japsend.

Lumières Claires: ihre Musik ist “Frucht von gesunder Bescheidenheit und nährenden Selbstzweifeln."

Picture 1 of 3

Alle Arten kreativer Odysseen unterliegen letztlich dieser Möglichkeit zum musischen Schiffbruch. Jedoch, dies sind nicht etwa Fehler in irgendeinem System, es ist nichts Falsches daran — es sind die steinernen Hürden, die einen immer irgendwie weitermachen, weiterwuchten, ja manchmal weiterwüten lassen. Und hieraus entstehen sie: die glanzvollen Lichtmomente im Alltag der Irgendwiekunstschaffenden.

HINGABE AN DAS SCHÖNE IM SCHEITERN

Mit dem Leuchten und den vermeintlichen Fehlern beschäftigen sich auch die Lumières Claires. Im Januar 2009 veröffentlichte das lichtvoll benannte Folk-Duo aus Greifswald/Hamburg sein Album Please Don’t Focus On My Mistakes. Please Don’t Focus On My Mistakes. Die darauf enthaltenen zehn Stücke waren das Resultat mehrer Herbste, die böig ins hiesige Flachland fielen. Die Songs durften über Jahre reifen. Man hatte nebenbei schließlich auch andere Dinge zu tun — Studium, Nachtleben, Saufen, maulgusseiserne Hufbeschlagung der eigenen Adoleszenz, all sowas.

In kompletter Eigenregie wurden daheim die wildesten Kabelsalate aufgebaut, um alle Instrumente mit genau diesem Sound aufzunehmen, den die Lumières im Sinn hatten. Hölzern sollte es sein, das oft bemühte Wort der “Knarzigkeit” kann man hier ins Feld führen. Knarzig im Sinne des Geräusches von arbeitendem Holz, wie das Gebälk der Greifswalder Laubenwohnung, in der die Aufnahmen stattfanden. Fehler – wie sie im Albumnamen, mit der Bitte, sich nicht auf sie zu fokussieren, genannt sind – waren, bei allem Perfektionismus, immer immanent und niemals verschwiegen. Gerade die menschgemachten Verschiebungen, Unreinheiten und minimalen Taktausfälle sind es doch, die der Musik ihr Leben geben.

lumieres claires kabel

(Foto: Nico Schruhl)

Die Lumières Claires beschäftigen sich jedoch nicht nur mit Fehlerhaftem beziehungsweise charmantem Stolpern auf musikalischer Ebene – ihre Lieder sind Ausdrücke einer Hingabe an das Schöne im Scheitern, an all die Ungeschicktheiten im Zwischenmenschlichen. Ihre Lieder geben ungesagten und bereuten Worten, zerstreuten Küchentisch-Briefen von der eigenen Ich-Insel, einen musikalischen Umschlag.

Im selbst gefertigten Siebdruck-Cover visualisierte sich das als Sprechblasen, die sich gegenüberstehen, jedoch auch kreuzen, überschneiden, ineinander versinken, sich Stücke von Erinnerung in ihrer Dopplung wiederholbar machen – mit allen impliziten Fehlern.

Der Titel ihres Albums deutet es schon an: ihre Musik ist “Frucht von gesunder Bescheidenheit und nährenden Selbstzweifeln”, wie es in einer Rezension heißt, die unter dem Titel Fehler richtig machen in der Kulturzeitschrift PNG – Persona Non Grata erschien. Die Lumières Claires sind Leuchtende und keine Blender.

FEHLER RICHTIG REINTERPRETIEREN

Nico Schruhl und Christin Schalko feiern die Fehler eben, wie sie fallen. In der Liedfolge des Originals werden die zehn Stücke des Albums nun, drei Jahre später, als Neuinterpretationen auf dem Album Please Don’t Focus On My Mistakes. Please Don’t Focus On My Mistakes. Reworks veröffentlicht.

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Pop am Wochenende: Wider den Prime-Time-Proletismus — Christian Löffler und seine rurale Elektromantik

Sunday, September 2nd, 2012

Eine Musikbesprechung von Ferdinand Fantastilius

kolumne 17vier

“Eins-zwei-drei, jetz’ mache’ wa ‘n Däschno – umpfz, umpfz, umpf, umpf”- schon vor 20 Jahren geisterten drollige Verulknudeleien dieses damals noch gar nicht so alten Musik- und Jugendbewegungsstils auf leiernden Mixkassetten durch die Jugendzimmer der Republik. Mittlerweile hat sich Techno tatsächlich zu einer, für jeden Menschen zugänglichen Eins-zwei-drei-aus-dem-Hut-Zauberei entwickelt. Wie jedes jugendkulturelle Phänomen droht auch Techno – als Sammelbegriff für Musik, die mit Mitteln elektronischer Klangerzeugung und kompositorischen Wiederholungsprinzipien angefertigt wird – in den grindigen Fingern des bösen Onkels Mainstream zu veröden.

Die olle Tante Techno ist mittlerweile ja nun auch nicht mehr die jüngste. Eigentlich ist sie längst tot und wird allwochenendlich von ganzen Horden aus Becks-Gold-Buben und puterroten Truthahngesichtern zu Grabe gestampft. Denn “Stampfen” ist das neue Tanzen. In Minimalhausen verabredet man sich nicht zum Tanzen gehen, sondern zum “abstampfen”: Zugekokste Tanzaffen zotteln in Hypnose zum ewig selben Abgespule der Beatport-Hitlisten über den Dancefloor. Kopfnicker-Brieftauben beim Stuhltanz. Wer zuerst “Jawoll!” schreit, fliegt raus!

An den zumeist digitalen Turntables leiern die DJ-Gibbons unter ihren Carharrt-Hoodies an den Jog-Wheels ihrer Steuerpulte herum, vor der Tür bohren die Schutzgorillas aus der Halbwelt ihre grimmigen Wachhaltermienen in die nach Feierei und Sause dürstenden Herzen der Wochenendausflügler, die Schlange stehen für den Einlass in die Parallelwelt des kontrollierten Überschwangs. Zur Party? Zur Party! Techno und Clubkultur sind längst so verwegen, wie aufgebohrte Motoradauspüffe und tätowierte Arschgeweihe – nämlich kaum noch.

TECHNO 2012: ZWISCHEN SPRINGBREAK UND SUBVERSION

Techno als Club- und Ausgehkultur glimmt ca. drei Dekaden nach seiner Initialzündung als duseliger Restglimmer seiner ursprünglichen Freisetzungskraft hedonistischer Ausbruchsimpulse aus dem durchformatierten Arschlochalltag. Vielleicht ist es auch nur ein Innehalten, eine Pause – die technische Innovation hat die Mittel und Methoden der Produktion und Rezeption quasi demokratisiert.

Wie in jeder Demokratie kommt dabei natürlich viel Langeweile und Vollschrott auf. Jeder noch so eingebildete Hobby-Avantgardist und Vollzeit-Redneck kann in gecrackten Mehrspursequencerprogrammen und beknackten Großraumdiscotheken seine nullachtfuffzehn Tracks und seinen Vier-Viertel-Verwegenheitslifestyle zusammenpopeln. Das Aussieben aus der Flut an Freizeitangeboten und musikalischen Veröffentlichungen rund um den Themenkomplex “Techno” ist heutzutage geradezu eine Herausforderung.

electro party

Hier hilft nur, was rar geworden ist: eigene Meinung, interessierte Auseinandersetzung, forschende Fragerei, Gefühlskompetenz. Ausschweifendere Betrachtungen zum Thema Zeitgeist-Techno, dancefloorelle Volksverblödung und das Dauerfeuer der Identitätsstiftungsimpulse, das Tante Techno als Über-Pop-Prinzip auf all die armen leeren Menschenseelen draufballert, Überlegungen zum Spannungsfeld “Techno zwischen Subversion und Springbreak” werden zu einem anderen Zeitpunkt folgen. Vorerst widmen wir uns jedoch der ländlich inspirierten Naturalelektronik des Christian Löffler, der auf erfrischend unaufgeregte Art und Weise jenseits von Jahrmarktminimal und Bloghypeeinereli musiziert.

RURALES FEEL IN PATTERNS GEPINSELT

Christian Löffler (Photo: Sarah Bernhard)Aus den verwiesten Weiten der norddeutschen Provinz kommt nun ein elegantes, geradezu kunstsinniges Album von Christian Löffler. Sein Langspieldebüt, A Forest, ist die logische Schlussfolgerung aus seinen vorangegangenen Arbeiten. Zahlreiche Tracks und EPs ebneten den Weg zu den 12 Stücken des Albums.

Christian Löffler schafft es, das zur leeren Worthülse degenerierte Attribut der “melancholischen Electronica” für sich zu verbuchen. Jeder Dreiviertelhosenproll und jeder dahergescheitelte Hipsterstorch bezeichnet seine feierabendlichen Ableton-Gehversuche als irgendwie housy, lieblich-romantisch und voll verschnuffelt introspektiv. Vieles davon bleibt in Form von visionslosem Presetgefrickel im Stadium des Tutorialtechnos stecken.

(Foto: Sarah Bernhard)

WALDWUMMERNDE GANDALF-GROOVES

Christian Löffler arbeitete immer schon eher abseits des alles abgeilenden Krawalltechnos der provinziellen Großraumdiskotheken. Er hat in den letzten Jahren das geschafft, was viele selbsternannte Producer in Ermangelung von Vision und Willen zum Sound oftmals vernachlässigen: er hat sich einen Trademark-Sound geschaffen. Seine Filter, Effekte und Klangerzeugungs-Plugins sind wohlgewählt und nie Voll-auf-die-Zwölf. Im organischen Zusammenspiel entfalten sie, wie ein Bienenstaat, ihren ästhetischen Sinn und ihre formale Qualität. Kein nervtötender Brummbass oder käsige Hook-Synthesizer krawallen sich in die Ohren der Zuhörenden. (more…)

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Pop am Wochenende: PL8 feat. Ali Baba “Zur Party!”

Sunday, May 6th, 2012

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

EIN BISSCHEN MUNKELN UND RICHTIG INS KLO GREIFEN

Die großen, kurzzeitig durchs Internet getrieben, viralen Selbstläufer stammen normalerweise nicht aus Ostvorpommern. Das könnte sich gerade ändern, denn seit einigen Tagen amüsieren sich Tausende über das Ergebnis eines Demminer Schulprojekts, das der Wahlgreifswalder Ali Baba aka Ali der Rapper aka Das Original aus Schönwalde II gemeinsam mit Schülern einer achten Klasse durchführte.

ali der rapper

Ali Baba, der auch in Greifswald als eine Art Raplehrer arbeitet, nahm mit den Schülern den Song Zur Party auf, der von den ausgehhungrigen Phantasien der Jugend von heute in der nordöstlichen Provinz erzählt. Dazu wurde ein fetzig zusammengeschnittenes Video gedreht und alsbald im Internet veröffentlicht.

Schon wenige Tage danach erfreute sich das Schaffenswerk reger und vor allem unkontrollierbarer Weiterverbreitung und Zugriffszahlen im unteren fünfstelligen Bereich — kein Wunder, denn das Fremdschampotenzial des freizeit-pädagogischen Machwerks ist himmelschreiend. Dagegen nützt dann auch das Löschen des Originals wenig.

Kinder, die in der Provinz Ostvorpommerns aufwachsen müssen, haben ja bekanntlich nicht unbedingt die rosigsten Aussichten auf eine rundum erfüllte, breit inspirierte und wild-romantische Jugend. Dass sie da noch einen Raplehrer benötigen, der nicht mal die unangeschlossene E-Gitarre richtig herum halten kann, darf getrost bezweifelt werden. Wohin wollt ihr? Tsu Party!

Video (02:53)

(Foto: Filmstill)

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*Update*

Die Gitarre wird nicht von Ali Baba falsch gehalten, sondern von einem der beteiligten Schüler. Danke für den korrigierenden Hinweis!

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