Fleischervorstadt-Blog http://blog.17vier.de Lokales aus Greifswald Tue, 28 Jul 2015 15:32:10 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.2 Fünf Fragen an Tapir-Schöpfer Kai-Uwe Makowski http://blog.17vier.de/2015/07/28/fuenf-fragen-an-tapir-schoepfer-kai-uwe-makowski/ http://blog.17vier.de/2015/07/28/fuenf-fragen-an-tapir-schoepfer-kai-uwe-makowski/#comments Tue, 28 Jul 2015 10:40:20 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43172 Weiterlesen ]]> Ein satirischer Cartoon aus dem Sommerkalender des Moritz Magazins erregte in dieser Woche wegen der klischeehaften Darstellung von Griechen und Rumänen die Gemüter. Zeichner Kai-Uwe Makowski, der den Tapir seit 1998 auf die studentischen Medien loslässt, nimmt in einem schriftlichen Interview Stellung dazu und redet über die Grenzen von Satire, ertrunkene Flüchtlinge, geistige Kleingärtner, die Empörungsmaschinerie Internet und über Markus Söder.

FVB: Kai-Uwe Makowski, gegenwärtig braut sich ein bundesweiter Shitstorm wegen einer Ihrer Tapir-Cartoons zusammen, der als rassistisch kritisiert wird. Sie sorgen nicht zum ersten Mal mit einer Zeichnung für Unmut. Gibt es etwas, das Satire nicht darf? Und wer entscheidet, was Satire darf? Die Satiriker? Die Leser? Die Herausgeber? Das Grundgesetz?

KUM: Satire darf alles. Über Grenzfälle entscheidet das Bundesamt für Satire in Bonn.

Gibt es für Sie als Cartoonisten Tabus? Wäre für Sie beispielsweise denkbar, im nächsten Moritz einen Cartoon über im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge zu veröffentlichen, oder fänden Sie das pietätlos?

tapir greifswaldDie ertrunkenen oder noch zu ertränkenden Flüchtlinge sind ein ganz hervorragendes Thema. Gerade hierüber ist die Empörung in der bundesdeutschen Öffentlichkeit nämlich viel zu gering. Sind ja nur ein paar Afrikaner. Ein knackiger Cartoon, in dem der Tapir den organisierten Mittelmeertransport von Flüchtlingen anpackt und wie jeder gute Geschäftsmann 20% Schwund aufgrund “höherer Gewalt und äußerer Umstände” mit einberechnet, würde die Gleichgültigkeit des gemeinen Deutschen ganz hervorragend beleuchten.

Und bevor jetzt jemand anfängt mit “Ich bin gegen das Ertrinken von Flüchtlingen.”: Die Flüchtlinge ertrinken ja nicht zum Spaß. Die Ursachen von Flucht und Vertreibung sind vielfältig. Nicht zuletzt die menschenverachtende Politik unserer Regierung, welche durch die überwiegende Mehrheit der Deutschen immer wieder ins Amt gehoben wird, ist an der Misere schuld. Die Leute müssen aus ihrer Lethargie mal rauskommen und Parteien wählen, die eine vernünftige Flüchtlingspolitik betreiben.

Wie steht es mit Ihrer publizistischen Verantwortung? Ist die Reproduktion medial aufgebauter Klischees steuerflüchtiger Griechen und arbeitsscheuer Rumänen in Zeiten der Griechenland-Krise und wohlgepflegter Ressentiments gegenüber Flüchtlingen aus Südosteuropa nicht grob fahrlässig?

Ich bin ja kein Journalist. Als Produzent feinster Satire ist es sogar meine Pflicht, diese Klischees (von wem auch immer sie aufgebaut werden) aufzugreifen, zu überspitzen, sie aus dem Zusammenhang zu reißen und meinen Lesern zu servieren. Wem das schmeckt, der kommt wieder für mehr. Wer keinen Gefallen daran hat, kehrt wieder zu Hanni und Nanni zurück.

je suis tapir(Je-Suis-Motiv, das sich unter Fans derzeit auf Facebook verbreitet)

Sie schrieben einmal in einem Kommentar – damals warfen Ihnen Kritiker Antisemitismus vor –, dass Sie in ihrem Cartoon einen Köder ausgelegt hätten, um diese geistigen Kleingärtner zu entlarven. Sitzen die Gärtner gerade eher am Stammtisch oder beugen Sie sich über ihre Tastaturen, um sich über den jüngsten Tapir zu echauffieren?

Ich frequentiere keine Stammtische und kenne niemanden, der an solchen teilnimmt. Insofern ist meine Qualifikation für Aussagen über Stammtischtäter gering. Habe letztens Interviews mit Besuchern einer Festzeltveranstaltung der CSU gehört. Da fragte ich mich, wie viel Bier man trinken muss, um den Söder gut zu finden. Die fanden alle den Söder gut. Voll die Paralleldimension. Und ich komme ursprünglich aus Bayern, bevor jemand fragt. So in etwa stelle ich mir Stammtische vor. Aber wie gesagt, zu echten Stammtischen kann ich nichts sagen.

Ich konnte jetzt allerdings einige Erfahrungen mit der Empörungsmaschinerie des Internets sammeln. Hier kann ich mit Sicherheit sagen: Mit dem Internet ist es wie mit der Sonne. Die scheint auch noch auf den größten Volldepp. Und dass es im Netz von geistigen Schmalspurfahrern nicht gerade wenige gibt, das kommt doch für keinen von uns wirklich überraschend.
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Haben Sie vor der Veröffentlichung dieses Tapirs (Respekt) mit so viel Wirbel gerechnet?

Die Veröffentlichung des Cartoons erzeugte exakt Null Wirbel. Die erfolgte nämlich vor einigen Monaten. Die Chefredaktion des Moritz-Magazins hatte nichts zu beanstanden. Der Kalender erscheint, soweit ich weiß, in einer Auflage von mehreren Tausend Stück und wurde im April kostenlos an Studierende in Greifswald verteilt. Es gab meines Wissens keine Reaktion hierauf. Ich habe den Cartoon im April auf der Facebookseite vom Tapir online gestellt. Er sammelte bis heute 38 Likes und einen Kommentar. Der Kommentar war “tststs“. Dass die Diskussion jetzt aufflammt, kommt überraschend, freut mich aber sehr. Ist ja mein Ziel, die Leute wachzurütteln. Wenn da nur ein “tststs“ kommt, war es einfach noch nicht genug.

Vielen Dank.

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#Tapirgate: Greifswalder Satire-Comic löst bundesweiten Shitstorm aus http://blog.17vier.de/2015/07/28/tapir-greifswald-satire/ http://blog.17vier.de/2015/07/28/tapir-greifswald-satire/#comments Tue, 28 Jul 2015 10:19:54 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43134 Weiterlesen ]]> Der Tapir-Cartoon aus dem aktuellen Moritz-Sommerkalender sorgt für einen bundesweiten Shitstorm und Diskussionen über die Frage, ob diese Zeichnung nun satirische Kunst oder schlichtweg Rassismus ist.

Kurz nach dem islamistisch motivierten Terroranschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris konnte man sich in den sozialen Netzwerken vor den Verteidigern der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit kaum retten. Plötzlich waren alle Charlie Hebdo, trauerten um die Opfer und bekannten sich im Taumel der schrecklichen Ereignisse mehr oder weniger bedingungslos zur Freiheit der Satire. Ob die meisten von ihnen bis dahin überhaupt jemals eine Hebdo-Karikatur gesehen haben, bleibt anzuzweifeln.

je suis tapir(Dieses neue Je-Suis-Motiv verbreitet sich derzeit dezent unter Tapirfans auf Facebook)

Respekt? Steuern zahlende Griechen und arbeitende Rumänen

Auch im Sommerkalender des Moritz lässt sich ein Cartoon bewundern: Der Tapir — ein berühmt wie berüchtigter Comic mit inzwischen beinahe zwanzigjähriger Publikationstradition. Dem schwerfälligen Rüsseltier mit den oft schwer verdaulichen Einstellungen gehört eine feste Seite, und zwar nicht die Witzseite, wie der mutmaßliche Auslöser des Shitstorms vermutete, sondern die Tapir-Seite — ein Raum für die satirischen Zeichnungen Kai-Uwe Makowskis. Der Tapir teilt in viele Richtungen aus und musste dafür auch schon kräftig einstecken. Einzelne Cartoons seien antisemitisch, islamophob und nun auch noch rassistisch. Der aktuelle Tapir trägt den Titel Respekt und ist in wenigen Worten erzählt: Ein Gentechniker, dem die Heilung von Krebs nicht Herausforderung genug ist, verrät, dass er Griechen erschaffen wollte, die ihre Steuern bezahlen. Nachdem er mit diesem Vorhaben scheiterte, schraubte er seine Ziele etwas herunter und kreierte Rumänen, die arbeiten.

“Gemecker, Gemecker, Gemecker – Ihr seid ja schlimmer als die Juden” (Tapir)

Ist das rassistisch? Keine Frage, natürlich ist diese stereotype Zuschreibung, sind diese Zeichnung gewordenen Klischees rassistisch — Hate Paint gewissermaßen; und in Zeiten der sozialen Krise in Griechenland und einem nationalchauvinistischen Backlash mit wütenden deutschen Horden vor Flüchtlingsheimen ist das zudem auch noch echt fahrlässig.

Dabei ist der Tapir — so trefflich sich mit Respekt auch die neuste Veröffentlichung Thilo Sarrazins, Björn Höckes oder Horst Seehofers illustrieren ließe — kein sich wiederholender Einzelfall im Sinne eines “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen”. Im Gegenteil: Der Tapir plappert zwar seit 18 Jahren ohne Unterlass und Rücksichtnahme, zeigt dschihadistische Moslems, schreibt von jammernden Juden oder klärt über den Spaghetti essenden Italiener mit seinem Faible für minderjährige Prostituierte auf, doch passiert das zumeist einerseits mit doppeltem Boden und andererseits auf einem dezidiert satirischen Sendeplatz. Das ist der große Unterschied zwischen der Erregung, die der frühere Pressesprecher der Universität Greifswald, Edmund von Pechmann, einst mit seinen “auschwitzartigen Duschbaracken” auslöste und einer Erregung, die als reine Reflexhandlung funktioniert, aber den publizistischen Kontext weitestgehend außer Acht lässt.

Die Moritz-Redaktion hat in vorauseilendem Gehorsam auf den sich ankündigenden Shitstorm reagiert und bittet in einer Stellungnahme alle, die sich von dem Comic verletzt fühlen, um Entschuldigung. Man distanziere sich “ausdrücklich von jeglichem Inhalt, der andere Menschen in ihrer Herkunft diskriminiert” und kündigt an, zukünftig “satirische Inhalte besonders im Blick behalten und darauf [zu] achten, dass sie den schmalen Grat zur Geschmacklosigkeit nicht noch einmal überschreiten, ohne die spitze Zunge zu verlieren.” Schneller lässt sich eine künftige redaktionelle Selbstbeschränkung kaum verbriefen und unklarer kann eine Redaktion die schwammigen Grenzen satirischer Inhalte auch nicht markieren. Denn wer entscheidet darüber, wo der Rahmen des Möglichen endet und die Sphäre des Geschmacklosen beginnt? Für Tapirschöpfer Makowski liegt die Antwort auf der Hand: “Satire darf alles. Über Grenzfälle entscheidet das Bundesamt für Satire in Bonn.”
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Ein Tapir ohne die Überwindung dieser konstruierten Grenzen, das ist leider auch ein Tapir ohne Erika Steinbach, ohne Silvio Berlusconi, ohne Terroristen, ohne Massenvernichtungswaffen, ohne Nazis, ohne Uiguren, ohne somalische Piraten, ohne Türken, ohne Libyer, ohne UNO, ohne Europa und schließlich auch ohne die zahlreichen Probleme und Widersprüche, die wie ein Netz unter viele Pointen gespannt sind und als doppelter Boden dienen. Schuld hat natürlich — wie immer — das Internet, in dem ein Tweet, der einen Comic aus seinem angestammten kontextuellen Rahmen entrückt, ausreicht, um dem Tapir auf einer Welle der Empörung Beine zu machen. Für die Deutung, dass Respekt gar nichts über Rumänen oder Griechen erzählt, sondern vielmehr das hierzulande an Stammtischen und in Redaktionsbüros konstruierte Bild ebendieser Bevölkerungen spiegelt, blieb angesichts des aufziehenden Sturms leider wenig Raum.

Satire aushalten und nicht auf pietätvollere Inhalte zu achten, um niemanden vor den Kopf zu stoßen: Das ist doch die Lehre aus dem Anschlag auf Charlie Hebdo! So genüsslich, wie man die undichte Stelle im Vatikan aushalten darf (Titanic), muss man dann auch Geschmacklosigkeiten wie den Anus des Propheten (Charlie Hebdo) oder die müden und zuweilen auch rassistischen Pointen des Greifswalder Tapirs ertragen. Ich wünsche mir, dass die größten Verteidiger der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit sich im Sommer noch an die Protestbildchen mit den zerbrochenen Bleistiften erinnern könnten, die sie voller Anteilnahme und Empörung am 7. Januar bei Facebook geteilt haben.

Mehr zum Tapir und zu #Tapirgate:

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Frag den Staat: Polizeieinsatz verhinderte doch keine Kriminalitätsbekämpfung http://blog.17vier.de/2015/07/27/polizeieinsatz-stralsunder-frag-den-staat/ http://blog.17vier.de/2015/07/27/polizeieinsatz-stralsunder-frag-den-staat/#comments Mon, 27 Jul 2015 11:02:57 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43117 Weiterlesen ]]> Vor zwei Wochen wurde das traditionelle Sommerhoffest im Haus für Kultur und Bildung (HKB) in der Stralsunder Straße von einem massiven Polizeieinsatz gesprengt, aber nicht aufgelöst. Im Nachgang wurde den Veranstaltern vorgeworfen, dass wegen dieser Polizeiaktion andere Einsätze nicht stattfinden konnten. Diese Aussage stellt sich jetzt als haltlos heraus.

Die Pressemitteilung der Polizei zum mehrstündigen Einsatz beim HKB-Hoffest in der Stralsunder Straße in der Nacht vom 11. Juli zum 12. Juli 2015 schloss mit einer schuldzuweisenden Aussage, die — unhinterfragt wiedergegeben — den Feiernden die Verantwortung dafür zuschiebt, dass aufgrund der Polizeipräsenz bei dieser Veranstaltung andernorts nicht für Recht und Ordnung gesorgt werden konnte: “Auf Grund dieses Einsatzes kam es dazu, dass andere polizeiliche Einsätze nicht oder nicht zeitnah realisiert werden konnten.” Aber um welche Einsätze handelte es sich dabei konkret?

polizeieinsatz stralsunder frag den staat(Foto: privat)

Am 13. Juli wurde auf Grundlage des Landesinformationsfreiheitsgesetzes bzw. des Landesumweltinformationsgesetzes nach einer Liste mit ebensolchen Einsätzen gefragt, die in dieser Nacht “nicht oder nicht zeitnah” ausgeführt werden konnten. Zwölf Tage später wurde die Anfrage tatsächlich durch den Sachbereich Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Neubrandenburg beantwortet. In der Antwort wird kurz erläutert, dass die Einsatzleitstelle im Polizeipräsidium Neubrandenburg für die permanente Beurteilung der Einsatzlage im gesamten Zuständigkeitsbereich verantwortlich ist. Ergeben sich im Rahmen dieser Beurteilung einsatztaktische Schwerpunkte mit einem erhöhten Kräftebedarf, wird in der Einsatzleitstelle eine Entscheidung zum Kräfteeinsatz mit dem Ziel getroffen, den polizeilichen Kräftebedarf am jeweiligen Schwerpunkt bestmöglich zu bedienen. In diesem Zusammenhang sei es zwingend erforderlich, die Abarbeitung der Einsätze priorisiert vorzunehmen.

Bezugnehmend auf den fraglichen Einsatz beim HKB in Greifswald, an dem seitens der Veranstalter unter anderem die Zahl der eingesetzten Polizisten und deren eskalierendes und teilweise gewaltsames Vorgehen sowie die Anwesenheit der Sondereinheit „Mobile Aufklärung Extremismus“ (MAEX) kritisiert wurde, heißt es dabei: “Im Zeitraum der Veranstaltung in Greifswald am 11.07.2015 ist es nicht dazu gekommen, dass Einsätze deren Gefahrenprognose ein sofortiges polizeiliches Handeln erfordern, nicht auch umgehend bedient wurden. Wurde die Sachlage so bewertet, dass eine unmittelbare Gefahr nicht besteht, erfolgte die Abarbeitung erst verzögert bei entsprechender Verfügbarkeit von Kräften. Daraus resultierend hat es sich ergeben, dass Einsätze aufgrund des wegfallenden Anlasses (z. B. Hinweisgeber meldet sich erneut und teilt mit, dass mittlerweile Ruhe eingekehrt ist) nicht mehr wahrgenommen werden mussten.” Es gab also keine Einsätze, deren Gefahren ein sofortiges Handeln erfordert hätten, die aufgrund der Kräftekonzentration in der Stralsunder Straße nicht auch umgehend bedient wurden. Warum aber taucht angesichts dieser Einsatzlage eine derart vorwurfsvolle und irreführende Formulierung in der Pressemitteilung zum Einsatz auf?
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Für die Nachfrage auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes wurde die Plattform Frag den Staat verwendet. Dahinter verbirgt sich ein gemeinnütziges Projekt der Open Knowledge Foundation Deutschland, die sich für offenes Wissen, offene Daten, Transparenz und Partizipation einsetzt. Mit Frag den Staat können auch Laien ohne große Vorkenntnisse Anfragen an Behörden formulieren.

Mehr zu diesem Thema:

  • Polizeieinsatz zur Beseitigung einer Ruhestörung in Greifswald (PM Polizei, 12.07.2015)
  • Unverhältnismäßiger und bedrohlicher Polizeieinsatz gegen friedliches Sommerfest (Gegendarstellung HKB, 13.07.2015)
  • Polizeieinsatz vom 11./12.7. in Greifswald (Frag den Staat)

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Senatsbeschluss: Flüchtlinge als kostenlose Gasthörer an der Universität Greifswald zugelassen http://blog.17vier.de/2015/07/25/fluechtlinge-gasthoerer-uni-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/07/25/fluechtlinge-gasthoerer-uni-greifswald/#comments Sat, 25 Jul 2015 17:10:05 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43103 Weiterlesen ]]> Demnächst können Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis als Gasthörer gebührenfrei Vorlesungen an der Universität Greifswald besuchen.

Auf der vergangenen Sitzung des Akademischen Senats wurde einstimmig eine Änderung der Gebührenordnung beschlossen, um Flüchtlingen mit Aufenthaltserlaubnis die Gasthörergebühr — 50 Euro pro Semester — zu erlassen. Sofern die jeweils verantwortlichen Lehrpersonen der Teilnahme zustimmen, können Flüchtlinge dann voraussichtlich ab dem kommenden Wintersemester gebührenfrei Lehrveranstaltungen an der Universität Greifswald besuchen. Voraussetzung dafür ist eine Aufenthaltsgestattung — der Nachweis, dass in Deutschland ein Asylantrag gestellt worden ist — oder ein Aufenthaltstitel gemäß dem am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Aufenthaltsgesetz. Die Änderung der Gebührenordnung muss jedoch zuvor noch vom Bildungsministerium geprüft werden. Bei einigen Fächern, wie zum Beispiel Zahnmedizin, wird die Teilnahme der Gasthörer aufgrund der begrenzten logistischen Kapazitäten nicht möglich sein. Für andere Studiengänge — allen voran Deutsch als Fremdsprache — liegen bereits mehrere Anfragen von Interessierten vor.

Hoersaal Uni Greifswald (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2012)

Der Antrag geht auf eine Initiative von Studierenden zurück und wurde unter anderem von der studentischen Senatorin Magdalene Majeed initiiert, die die Senatsentscheidung begrüßt: “Diese Änderung ist ein großer Schritt für die Internationalisierung der Universität — ein Schritt in die richtige Richtung, über den wir uns alle sehr freuen. Damit kommen wir auch unseren Grundsätzen einer weltoffenen, internationalen und demokratischen Institution nach. Refugees are welcome!” Auch das Rektorat sieht in der Zulassung von Flüchtlingen als Gasthörer ein öffentliches Interesse. Dadurch würde ein Beitrag zur Integration von Flüchtlingen und gegebenenfalls sogar zur Bindung künftiger Fachkräfte geleistet. “Die Internationalisierung der Universität lebt vom internationalen Austausch, welcher auch durch die Integration von Flüchtlingen auf dem Campusleben entsteht.” Ihre gebührenfreie Zulassung als Gasthörer stärke nicht zuletzt die Willkommenskultur. Nach Ablauf des Sommersemesters 2016 soll geprüft werden, in welchem Umfang von der Möglichkeit der kostenlosen Gasthörerschaft Gebrauch gemacht wurde.

Menschen willkommen zu heißen — darum geht es auch beim “Buddyprogramm”, das die AStA-Co-Referentin für Antirassismus und Integration von Asylsuchenden sowie Flüchtlingen, Jennifer Kahl, kürzlich ins Leben gerufen hat. Ziel dieses Programms ist es, Flüchtlinge mit deutschen Studierenden zusammenzubringen, die ihnen dabei helfen, sich an der Universität zurechtzufinden, und ihnen so den Einstieg in den universitären Alltag erleichtern. Sechs potenzielle Gasthörer und mehrere “Buddies” haben sich bereits angemeldet. AStA-Co-Referentin Kahl sucht bis zum Beginn des Wintersemesters noch mehr engagierte Studierende, die geflüchtete Menschen an der Universität unterstützen möchten. Interessenten werden gebeten, sich per E-Mail zu melden (asta_bildung[at]uni-greifswald.de).

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Deutschlandfunk: Ukrainistik an der Uni Greifswald vor dem Aus? http://blog.17vier.de/2015/07/21/ukrainistik-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/07/21/ukrainistik-greifswald/#comments Tue, 21 Jul 2015 19:34:53 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43082 Weiterlesen ]]> Der Deutschlandfunk berichtete gestern über die prekäre Lage des Instituts für Slawistik und die drohende Schließung der Ukrainistik an der Universität Greifswald. 

Im Zuge der Umsetzung des Landespersonalkonzepts sind besonders die beiden Fachbereiche der Baltistik und der Ukrainistik existenziell bedroht. Mit einer Jubeldemo protestierten Greifswalder Studierende in der vergangenen Woche gegen die geplanten Kürzungsmaßnahmen und forderten das Land, das Rektorat und den Senat dazu auf, Lösungsmöglichkeiten zum Ausgleich der finanziellen Defizite zu entwickeln, um einerseits eine weitere Verschlechterung der Lehrbedingungen, andererseits die drohende Schließung einzelner Institute abzuwenden.

uni greifswald ukrainistik kuerzung dom(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

In dem fünfminütigen Beitrag kommen neben einer Masterstudentin und der Lektorin Vira Makovska auch Bernhard Brehmer, Professor für Slawische Sprachwissenschaft, und Thomas Stamm-Kuhlmann, Dekan der Philosophischen Fakultät, zu Wort. Sie sprechen über die mehr oder minder düsteren Zukunftsaussichten des Instituts, die angesichts der medialen Dauerpräsenz und des spürbaren Mangels ausgewiesener Ukraine-Expertinnen grotesk wirken, aber aufgrund der Sparmaßnahmen als alternativlos dargestellt werden.

Wie es an der Philosophischen Fakultät weitergeht, entscheidet sich möglicherweise am Mittwoch auf der Sitzung des Fakultätsrats, die um 14 Uhr beginnt.

  • Uni Greifswald – Ukrainistik soll gekürzt werden (Deutschlandfunk, 20.07.2015)

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Alles halb so wild: Greifswalder Brunnenfarbe ist ungefährlich http://blog.17vier.de/2015/07/20/gesperrte-brunnen-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/07/20/gesperrte-brunnen-greifswald/#comments Mon, 20 Jul 2015 12:41:37 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43075 Weiterlesen ]]> Die Protestaktion, mit der in der vergangenen Woche in Greifswald auf das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik hingewiesen werden sollte, wurde in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Nun teilt die Stadtverwaltung mit, dass beide Brunnen nicht mit gefährlichen Chemikalien gefärbt wurden.

Rotgefärbtes Wasser, Holzkreuze, aufgeschüttete Erde und eine Stadtverwaltung, die ebendiese Brunnen mit Bauzäunen absperrt und damit der Festung Europas einen metallenen Nachdruck verleiht, zumindest symbolisch. Viele fanden die Protestaktion angemessen und gelungen, andere störten sich daran: Die meisten wegen der Beschädigung öffentlichen Eigentums und einem möglicherweise dadurch entstandenen Schaden in Höhe von 7000 EUR — eine Zahl, die die Stadtverwaltung unmittelbar nach der Aktion prognostizierte und die noch zu hinterfragen ist –, andere kritisierten das Engagment für Flüchtlinge und bezeichneten die Aktivisten in ihren Erregungsbeiträgen auf Facebook ganz selbstverortend als “Brunnenvergifter”.

Fischmarkt Greifswald Brunnen Flüchtlingspolitik(Foto: @fk589)

Wie die Stadtverwaltung heute mitteilt, handelt es sich bei dem Farbstoff, mit dem das Wasser beider Brunnen am Fischmarkt und am Rubenow-Platz gefärbt wurde, um keine gefährliche Chemikalie. Das habe eine unmittelbar nach Entdecken der Tat eingeleitete Laboruntersuchung ergeben. Ein anderes Ergebnis wäre auch nur sehr schwer vorstellbar gewesen. Nach Information des Tiefbau- und Grünflächenamts könne das blutrote Wasser bedenkenlos abgelassen werden. Anschließend würden die Brunnen mit Kärchern gereinigt und die Filter überprüft. Sollte sich zeigen, dass die Filter wieder sauber werden, könnten die Brunnen im Laufe der Woche wieder befüllt und in Betrieb genommen werden.

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Protest gegen deutsche Flüchtlingspolitik lässt Greifswalder Brunnen bluten http://blog.17vier.de/2015/07/16/protest-fluechtlingspolitik-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/07/16/protest-fluechtlingspolitik-greifswald/#comments Thu, 16 Jul 2015 11:55:35 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43058 Weiterlesen ]]> Heute Nacht fanden an mehreren Stellen in Greifswald Aktionen statt, mit denen auf das Sterben tausender Flüchtlinge im Mittelmeer hingewiesen werden sollte. Symbolisch wurde unter anderem das Wasser des Brunnens auf dem Fischmarkt blutrot gefärbt. In einem Bekennerschreiben, das im Folgenden in kompletter Länge wiedergegeben wird, erklären die Aktivistinnen ihre Beweggründe.

Wir haben heute auf öffentlichen Plätzen der Innenstadt und am Greifswalder Hafen Gräber angelegt und das Wasser zweier zentraler Brunnen Rot gefärbt. Mit diesen Aktionen möchten wir Sie auf das durch die Regierung gebilligte, sogar unterstützte Sterben tausender Flüchtlinge im Mittelmeer und eine deutsche Flüchtlingspolitik aufmerksam machen, die aus Abschreckung und Ausgrenzung besteht.

Wer nicht ertrinkt wird eingesperrt

Täglich verlieren Hunderte Menschen an unseren Grenzen ihr Leben. Sie fliehen vor Krieg, Armut, Verfolgung, Hunger, Klimakatastrophen… und sterben bei dem Versuch die militärisch abgeriegelten Grenzen Europas zu überwinden. Sie sterben, weil wir wegsehen, untätig bleiben. „Zynisch ist eine Gesellschaft, die buchstäblich über Leichen stolpern muss, um hoffentlich wahrzunehmen, dass die Flüchtlinge keine statistische Größe sind, sondern Menschen, die ein Recht auf unsere Unterstützung haben.“ (Ines Pohl, taz)

Fischmarkt Greifswald Brunnen Flüchtlingspolitik(Foto: @fk589)

Zynisch ist eine Regierung, die trotzdem am 02.07.2015 mit dem sogenannten Gesetz zur Neuregelung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung das Asylrecht weiter einschränkt. Es unter anderem um einen Kriterienkatalog ergänzt, mit dem Flüchtlinge zukünftig schneller in Abschiebehaft genommen werden können. Wie kann es zu rechtfertigen sein, Menschen ins Gefängnis zu stecken, deren einziges „Verbrechen“ darin besteht, Hoffnung auf ein besseres Leben zu haben. Wir halten das Vorgehen gegen Schutzsuchende sowohl an den Außengrenzen, wie auch im Inland für unmenschlich. Auch mit der Quotenregelung der EU ist nichts erreicht. Es geht nicht darum mehr Menschen in die Verantwortung zu ziehen, denn zeitgleich wird ein Krieg gegen Geflüchtete begonnen, indem nun „Schlepper-Boote“ offiziell zerbombt werden dürfen. Schiffe versenken im europäischen Burggraben, um den Wohlstand der Privilegierten zu sichern. Es handelt sich also um eine Militarisierung des ganzen Mittelmeerraums, während im Inneren Knäste für diejenigen bereitstehen, die es doch noch hierher geschafft haben.

Vielen Dank an SPD und CDU

Nach dem sogenannten „Asylkompromiss“ von 1993, der faktischen Abschaffung des Asylrechts, nach „sicheren Herkunftsstaaten“ und der Dublinverordnung nun erneut ein massiver Einschnitt ins Asylrecht. Das Gesetz zur Neuregelung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung, ermöglicht allen voran durch SPD und CDU/CSU, steht nicht nur in der Tradition von 1993, sondern ist ebenso Teil einer kapitalistischen Verwertungslogik, indem Mensch als „Menschenkapital“ in verwertbar und unnütz unterteilt werden.

Abschließende Worte an die Damen und Herren der CDU/CSU und SPD überlassen wir an dieser Stelle aus gegebenem Anlass anderen: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. (…) Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (aus dem Matthäusevangelium).

Das Bekennerschreiben endet mit einer vollständigen Zitation der Internationalen.

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Jubeldemo feiert Sparsamkeit: Bald keine Universitätsstadt mehr! http://blog.17vier.de/2015/07/14/jubeldemo-brodkorb-universitaetsstadt/ http://blog.17vier.de/2015/07/14/jubeldemo-brodkorb-universitaetsstadt/#comments Tue, 14 Jul 2015 18:09:55 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42794 Weiterlesen ]]> Die Greifswalder Studierendenschaft plant morgen Nachmittag eine Jubeldemo auf dem Rubenowplatz, um den drohenden Verlust des Beinamens der Hansestadt zu feiern und Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) einen warmen Empfang zu bereiten.

Angesichts der drohenden Schließung mehrerer Institute der Philosophischen Fakultät, gegen die die Studierenden der Greifswalder Universität mit ihrer Jubeldemo protestieren, sei der alte neue Leitspruch, “Lange Tradition. Kurze Wege. Weiter Blick.“, eine Farce — nicht mehr lange, und es würde in der Hansestadt mehr Nettos als Institute geben, heißt es in dem Aufruf, der auch vom AStA unterstützt wird. universitätsstadt greifswald

Musikwissenschaften, Baltistik und Slawistik sind existentiell bedroht

Die Studierenden sind gegen die geplanten strukturellen Maßnahmen und fordern das Land, das Rektorat und den Senat dazu auf, Lösungsmöglichkeiten zum Ausgleich der finanziellen Defizite zu entwickeln, um sowohl eine weitere Verschlechterung der Lehrbedingungen als auch die drohende Schließung einzelner Institute abzuwenden. Auf dem heißen Stuhl sollen die Musikwissenschaften und das Institut für Baltistik sitzen; dem Institut für Slawistik sowie dem Fremdsprachen- und Medienzentrum drohen existenzielle Kürzungen, die sich darüber hinaus durch die gesamte Philosophische Fakultät ziehen werden. Auch am Personal der Bibliothek soll im Zuge des Landespersonalkonzepts weiter gespart werden.



Die Jubeldemo wird die um 14 Uhr beginnende Senatssitzung begleiten, zu der auch Landesbildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) erwartet wird. Dort soll die weitere Vorgehensweise debattiert werden. Mit ihrer satirischen Protestaktion wollen die Studierenden allen Verantwortlichen dazu gratulieren, mit ihren Haushaltsmaßnahmen eine dynamische und die Stadt kulturell bereichernde Volluniversität kaputt zu sparen: “Den Titel der Universitätsstadt verliert man ja nicht alle Tage. Da kommt uns auch grade ‘ne Idee für noch ‘nen neuen Slogan: ‘Geil zapfen. Dolle feiern. Lange pennen.’”

Fakten: 15.07. | 13.30 Uhr | Rubenowplatz

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Unverhältnismäßiger und bedrohlicher Polizeieinsatz gegen friedliches Sommerfest http://blog.17vier.de/2015/07/13/polizeieinsatz-gegen-sommerfest-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/07/13/polizeieinsatz-gegen-sommerfest-greifswald/#comments Mon, 13 Jul 2015 08:01:22 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42979 Weiterlesen ]]> Eine Gegendarstellung zur Pressemitteilung der Polizei

Am Samstagnachmittag, dem 11.07., fand in unserer Wohngemeinschaft in der Stralsunder Straße das jährliche Sommerfest mit FreundInnen statt. Es handelte sich dabei um ein privates Sommerfest mit Theatervorstellung, Live-Musik, Buffet, Lagerfeuer und Tanz in friedlicher und gelassener Atmosphäre. Gäste aus ganz Deutschland reisten zum Fest an, um ihre in Greifswald lebenden FreundInnen zu besuchen.

Das Sommerfest steht in langer Tradition und wir, die GastgeberInnen, suchen zu den Nachbarn im Vorfeld stets das Gespräch. Bereits kurz nach 20 Uhr wurden wir das erste Mal von der Polizei aufgefordert, die Lautstärke zu reduzieren. Wir waren überrascht von dem schon zu diesem Zeitpunkt unfreundlichen und harschen Ton. Die erste Band beendete ihr Konzert und es folgte eine Theatervorstellung.

polizeieinsatz greifswald stralsunder strasse Beim zweiten Auftreten der Polizei um ca. 22.30 Uhr hörte die letzte Band sofort auf zu spielen. Musik wurde in einen Innenraum verlegt und in der Lautstärke erheblich reduziert. Die Veranstaltung wurde dennoch sofort als „aufgelöst“ bezeichnet. Ohne Anlass und rechtliche Handhabe versuchten die Beamten zu diesem Zeitpunkt bereits aktiv, unsere Gäste am Betreten des privaten Geländes zu hindern. Unser Kooperationswille und die Gesprächsbereitschaft wurden von der Polizei zunächst abgewiesen. Nur mit vielen guten Worten und dem Appell an den gesunden Menschenverstand der Beamten wurde eine friedliche und damit der Veranstaltung angemessene Gesprächsebene gefunden. Der Wille zur Kooperation mit der Polizei für einen ruhigen Verlauf des Abends wurde erneut bekräftigt. Der gemeinsame Kompromiss erlaubte eine Fortführung des Sommerfestes im bestehenden Rahmen.

Darüber hinaus wurden von unserer Seite der Polizei ein telefonischer Kontakt angeboten, um bei weiteren Beschwerden unkompliziert und schnell die Lautstärke noch weiter zu verringern. Leider nutzte die Polizei dieses Angebot der Kooperation im weiteren Verlauf des Abends nicht. Stattdessen führte ihr Verhalten beim erneuten Erscheinen gegen 1:30 Uhr in unverhältnismäßiger und unnötiger Weise zu einer weiteren Zuspitzung der Situation. Die Beamten wiesen jegliche Kommunikationsversuche ab. Unmittelbar danach verschafften sie sich gewalttätig Zugang zum privaten Bereich.

“Durch die Anwesenheit von mehr als 40 BeamtInnen, Polizeihunden und der Mobilen Aufklärungseinheit Extremismus des polizeilichen Staatsschutzes wurde die unverhältnismäßige Überreaktion der Polizei mehr als deutlich.”

Die Verhältnismäßigkeit der Mittel missachteten die BeamtInnen von Beginn an. Die friedlichen Gäste wurden umgeschubst, fielen über Bänke, andere wurden gegen Wände gestoßen. Auch der Hinweis, dass viele Kinder in dem privaten Bereich bereits schlafen, hinderte die Polizei nicht am gewaltsamen Eindringen. Das aggressive Verhalten führte zu einer angespannten Situation, die leicht hätte eskalieren können. Dem wiederum begegneten wir mit Kompromissbereitschaft. Ungeachtet dessen wurden auf dem privaten Gelände rechtlich fragwürdige Platzverweise an Gäste und Übernachtende ausgesprochen. Angereisten Gästen, die schlafen gehen wollten, wurde mit Gewalt der Zutritt zu ihren Unterkünften verwehrt. Auch der Zugang zum Gelände wurde unseren Gästen durch die Polizei verwehrt.

sommerfest hkb greifswald Insbesondere vor dem Hintergrund eines durchweg friedlichen Sommerfestes und seiner Gäste sowie unseres Kooperationswillens wurde durch die Anwesenheit von mehr als 40 BeamtInnen, Polizeihunden und der Mobilen Aufklärungseinheit Extremismus des polizeilichen Staatsschutzes die unverhältnismäßige Überreaktion der Polizei mehr als deutlich. Zum Zeitpunkt der versuchten Räumung wurde keine Musik mehr gespielt und Gäste unterhielten sich in Gesprächslautstärke auf dem Hof. Nach fast zwei Stunden wurde wahrscheinlich auch der Einsatzleitung die Fragwürdigkeit der Maßnahme bewusst. Die Einsatzleitung und KollegInnen verließen gegen 3:30 Uhr das Gelände, ohne die Veranstaltung zu beenden.

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Der indirekte Vorwurf von Seiten der Polizei, dass durch das Zusammenziehen von Einsatzkräften auf Grund des Sommerfests die Sicherheit in der gesamten Region gefährdet gewesen sei, muss im Zusammenhang des Erlebten zurückgewiesen werden. Die Polizeileitung verhielt sich durch ihre Fehleinschätzung der Lage unprofessionell und unverhältnismäßig. Besonders in der Gewaltanwendung der BeamtInnen sehen wir eine bewusste Missachtung der Sicherheit unserer Gäste.

(Fotos: privat)

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Lesung mit Thomas Meinecke: “Arbeitstitel Sex” http://blog.17vier.de/2015/07/12/thomas-meinecke-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/07/12/thomas-meinecke-greifswald/#comments Sun, 12 Jul 2015 17:13:35 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42934 Weiterlesen ]]> Der Münchener Popautor Thomas Meinecke ist wieder da und liest im Rahmen eines Workshops aus seinem derzeit entstehenden Roman Arbeitstitel Sex.

Im Rahmen des wissenschaftlichen Workshops “Schreibweisen der Gegenwart: Pop, Blogs, Social Media”, der am Montag im Krupp-Kolleg stattfindet, liest Thomas Meinecke im Sótano am Marktplatz aus seinem neuen Romanmanuskript, das den „Arbeitstitel Sex“ trägt. Die Moderation des sich anschließenden Autorengesprächs übernimmt Prof. Eckhard Schumacher.

thomas meinecke greifswald (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2012)

Der 1955 in Hamburg geborene Thomas Meinecke war von 1978 bis 1986 Mitherausgeber und Redakteur des Avantgarde-Fanzines Mode & Verzweiflung. Später schrieb er Kolumnen für die ZEIT und veröffentlichte mehrere Romane, unter anderem Tomboy (1998), Jungfrau (2008) und Lookalikes (2011) im Suhrkamp Verlag. Doch Thomas Meinecke schreibt nicht nur, sondern ist auch musikalisch umtriebig und hat mit seiner 1980 gegründeten Band Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.) und als Solomusiker mehr als zwei Dutzend Platten aufgenommen. Wer in den vergangenen Jahren die Radiosendung Zündfunk Nachtmix (BR 2) verfolgte oder dann und wann auf dem Hoffest der Germanistik weilte, konnte den unter anderem mit dem Düsseldorfer Literaturpreis ausgezeichneten Thomas Meinecke in Greifswald auch schon als DJ erleben.

Fakten: 13.07. | 19 Uhr | Sótano (Markt 3) | frei

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