Fleischervorstadt-Blog http://blog.17vier.de Lokales aus Greifswald Mon, 06 Jul 2015 11:15:33 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.2 Stadtimpuls: Nachtflohmarkt im Zirkuszelt http://blog.17vier.de/2015/07/03/nachtflohmarkt-im-zirkuszelt/ http://blog.17vier.de/2015/07/03/nachtflohmarkt-im-zirkuszelt/#comments Fri, 03 Jul 2015 09:40:17 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42809 Weiterlesen ]]> Verkloppen und Zuschlagen heißt heute Abend die Devise beim Stadtimpuls-Festival: Es ist Nachtflohmarkt im Zirkuszelt. Angesagt wird dieses Spektakel vom IKUWO und den Stadtgestalten Fleischervorstadt, die die bewährten Konzepte Nacht- und. Stadtteilflohmarkt zusammenbringen und unter einem gemeinsamen Zeltdach präsentieren.

stadtimpuls nachtflohmarkt(Foto: Freifunk Greifswald via Facebook)

Das Zirkuszelt wird in einen großen Basar verwandelt, der ab 20 Uhr zu einer abendlichen Schnäppchenjagd einlädt. An etwa 30 Ständen warten schrullige Skurrilitäten, Nützliches für Nichtsnutze und traumhafter Trödel bei bester Kaufhausmusik auf neue Besitzer. Wurst, Bier, Musik — das ganze Programm eben, das man sich an einem hochsommerlichen Freitagabend auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

Fakten: 03.07. | 20 Uhr | Stadtimpuls (Stralsunder Str. 10) | frei

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“Bartleby – Eine Geschichte von der Wall Street” am Theater Vorpommern http://blog.17vier.de/2015/06/30/bartleby-eine-geschichte-von-der-wall-street-am-theater-vorpommern/ http://blog.17vier.de/2015/06/30/bartleby-eine-geschichte-von-der-wall-street-am-theater-vorpommern/#comments Tue, 30 Jun 2015 14:43:04 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42766 Weiterlesen ]]> Der in den Niederlanden geborene und an der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch” in Berlin diplomierte Regisseur Marc Wortel hat in einer spartenübergreifenden Inszenierung Herman Melvilles Bartleby, der Schreiber auf die Bühne gebracht. Der berühmte Stoff um einen Hilfsarbeiter in einer Anwaltskanzlei hatte am 30. Mai Premiere auf der Greifswalder Bühne des Theater Vorpommerns.

Eine Theaterkritik von Martin Hiller

“Ich möchte lieber nicht” (Bartleby, 1853)

Der Plot dieses Stücks mit dem Untertitel “Eine Geschichte von der Wall Street” ist leicht erzählt: es geht um einen jungen Mann namens Bartleby, der ein Anstellungsverhältnis als Kopist in der Kanzlei eines angesehenen New Yorker Anwalts antritt. Anfangs leistet er gute Dienste, nach und nach lässt er seine Tätigkeiten und schlussendlich auch sich selbst jedoch liegen und macht mit seiner passiven Verweigerung alle anderen wahnsinnig oder zwingt sie zumindest zur Auseinandersetzung mit sich und ihrem Gegenüber.

bartleby theater vorpommern greifswald

Läuft bei ihm: Bartleby, dargestellt von Stefano Fossat

Bartlebys ganz und gar betonungslos vorgetragenes “Ich möchte lieber nicht” erscheint simpel und schlüssig, macht ihn und sein Wesen dabei aber doch ungreifbar und ihn selbst schier unangreifbar. Dieser harmlos wirkende Mann mit den hängenden Schultern und dem leeren Blick — mit minimalen Mitteln herrlich weltentrückt gespielt von Stefano Fossat — ist keine Blaupause des gleichgültigen Hängertypen, der dumpf durchs Leben eiert; ebenso wenig das Paradebeispiel eines Paroli bietenden Trotzkopfs.

Bartleby begehrt nicht auf. Bartleby jammert, zetert und entrüstet sich nicht. Bartleby reckt die Faust nicht zur Revolte. Bartleby läuft nicht Sturm, er steht meistenteils einfach nur stumm und unbeteiligt herum — den Kopf in Träumereien hinterm Dienststubenfenster versunken. Wenn Bartleby etwas sagt, dann: “Ich möchte lieber nicht”. Dieser Formulierung — so forderungslos sie auch ist — lässt sich wenig entgegnen. Ein höfliches Bitten, ein harscher Befehlston, ein verzweifeltes Flehen — alles perlt ab an dem Kokon, den Bartleby mit dieser Aussage um sich spannt. Bartlebys passiver Widerstand ist so einfach wie eindeutig: er möchte lieber nicht und entkoppelt sich damit vom Gefüge und den Gepflogenheiten der (Arbeits)Welt. Man kann schließlich Niemanden zum Möchten zwingen.

“Don’t cry – work” (Rainald Goetz, 1983)

Da ist einer, der in stoischem Gleichmut sagt: “Ich möchte lieber nicht”. Einer, der sich mehr und mehr verflüchtigt. Da ist einer, der zurücktritt — in eine Art vorwillentliches Milieu, in dem nichts drängt, in dem die Welt auch ohne eigenes Zutun existiert. Tendenziell philosophische Fragen schwingen hier mit: Was möchte man eigentlich? Wieso sollte man etwas möchten? Und warum möchten manche, dass man so und so und nicht so und andersrum etwas möchten soll? Möchte man denn immerzu etwas möchten müssen? Ich möchte, also bin ich? Bartleby scheint sich derlei Fragen nicht zu stellen, er trägt keinen Konflikt innerer Zerrissenheit aus. Bei ihm ist alles ganz einfach: er möchte lieber nicht.

bartleby theater vorpommern-greifswald

Arbeiterpuppen an erbarmungsloser Mechanik. Im Hintergrund zermürbendes Nachdenken über Bartleby.

Wie bringt man diese innere und äußere Reglosigkeit der Figur Bartlebys nun szenisch ins Rollen? Hierbei findet die Drehbühne des Theaters eine sinnvolle Anwendung: auf ihr und um sie herum sind die Protagonisten geradezu planetenartig angeordnet. In der Mitte weilt der namenlose Advokat (dargestellt vom Bariton-Solisten Thomas Rettensteiner), vorn wird die Bühne rechts und links von zwei animatronischen Puppenspielertischen flankiert; bedient werden sie von zwei weiteren Hilfsarbeitern — das Theater Handgemenge agiert hier gleichermaßen als Puppen- und Schauspieler. Tief im Bühnenhinteren steht Bartleby mit dem Rücken zum Publikum an seinem Arbeitsplatz. Sein in Teilnahmslosigkeit schwelgendes Gesicht wird uns in scharf kontrastierten, groß in die Bühnenflucht geworfenen Videoprojektionen dargereicht.

“Wo bleibt der Mensch, wo darf er ausruhen” (Die Lassie Singers, 1996)

Zu Beginn ist alles noch in Ordnung: der Anwalt singt und erzählt großmännisch aus dem Zentrum der Bühne heraus — dort steht sein mächtiger Schreibtisch, dort ist der Mittelpunkt seiner Welt. Ruft er Bartleby, so tänzelt dieser anfangs noch dienstbewusst und nahezu beschwingt heran. Irgendwann, ohne ersichtlichen Grund — wir ahnen es — möchte Bartleby dann jedoch lieber nicht.

Bartleby bringt die Angestellten im Apparat des Juristenhauses mit seinem scheinbaren Phlegma zur Weißglut. Die ganze Anwaltsanstalt fragt sich: Warum rührt der Kerl sich nicht, wieso funktioniert der nicht, wie bringt man so einen wieder zur Räson? Wie kriegt man den wieder normal hingebogen? Dass die sogenannte Normalität nur eine Frage von Definition und der Spiegelung an einer Gegennormalität ist, beginnen die Protagonisten im Laufe des Stücks immerhin zu ahnen. Während Bartleby mehr und mehr aus der Gesellschaft und schließlich aus dem Leben schwindet, reift in den anderen Protagonisten, besonders im Chef, ein Wandel — sie finden letztlich näher zu sich selbst.

“Arbeit ist Arbeit” (Diametral, 2013)

bartleby theater vorpommern inszenierung greifswald

Bartleby (Stefano Fossat) und der Anwalt (Thomas Rettensteiner)

Den Anwalt haut es aus dem Schoße seiner Welt. Nachdenklich umkreist er seinen Schreibtisch. In einer Art Traumsequenz sieht man Bartleby nun im Zentrum der Drehbühne kreiselnd. In einer beschwörerisch wirkenden Tanzchoreographie schickt er wehende Impulse in Richtung Anwalt, der am Rand der Szenerie in choralen Anrufungen einen Draht zu Bartleby zu finden versucht.

Der Anwalt singt und ruft nun auch in das Publikum hinein, als wäre dort — von den aufgereihten Theatergästen — noch irgendwie eine Idee zu holen, wie man der Gemütslage Bartlebys näher rücken könnte. Thomas Rettensteiner gibt der Figur des Kanzleileiters eine Form von Sanftmut, die immer mehr in Verständnis und letztlich Sorge um den Verweigernden erwächst. Denn so einfach ist es eben doch nicht: Nicht er, als gutgestellter Chef der Kanzlei, als hohes Tier in der New Yorker Gesellschaft, ist hier der fiese Oberbonze, an dem sich Bartlebys Haltung — oder eben: die Abwesenheit jeglicher Haltung — reibt und damit der Diskurs über Sinn und Unsinn von Arbeit und Abplackerei offenbar wird. Der Kanzleichef selbst steht für einen aufgeklärten Menschen von “einigermaßen humaner Gemütsart”, wie Melville selbst im Programmheft des Theaters zitiert wird.

“Just Do It” (Turnschuhhersteller, 1988)

Vielmehr sind es die anderen Kopisten, die in ihrem eifrigen Gerödel an den endlos kritzelnden Schreibtischen das Groteske im Abreiten der Arbeit deutlich machen. Diesen beiden Figuren und ihrer inneren Grobschlächtigkeit widmet die Inszenierung in Schlüsselszenen einen eigenen, beklemmend kleinen Raum dicht am Publikum — der Bühnenvorhang wird kurzerhand heruntergelassen und so eine andere, auch eine Meta-Ebene geschaffen. Vor ihm stehen sie wie Rummelkasper eines schiefschrötigen Varieté-Theaters: sabbernd mit Zitronen im Mund. Sie kichern, krähen, kalauern und schlagen sich schließlich wiehernd die Köpfe an der Wand ein. Sie leiden und zerbröckeln an Bartlebys Gleichgültigkeit am meisten. Sie sind das Sinnbild für das Zermahlenwerden des Individuums in der Mühle stumpfer Arbeit im Rhythmus des oft berufenen Turbokapitalismus. Auf ihren Pullovern steht der allbekannte Slogan eines Turnschuhherstellers: “Just Do It”.

bartleby theater vorpommern-greifswald

Stefan Wey und Peter Müller (Theater Handgemenge) als groteske Kopisten

Melville veröffentlichte seinen Bartleby in der Mitte des 19. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der das Kopieren von Dokumenten zwar noch von Kopistenhand geschah, die Arbeit —  besonders jene an der Wall Street — jedoch schon zunehmend abstrakt war: Der Mensch stellte sich in den Dienst der Sache eines Betriebs; die Entfremdung des Einzelnen von der Arbeit und ihrer Auswirkung begann. Arbeiten bedeutete hier mehr und mehr das Herumwirtschaften mit Dokumenten und Wertpapieren, mit nicht greifbaren Gütern. Die Arbeitsstelle im Büro wird zur Arbeitszelle (zuhause dann die Fress- und Schlafzelle). Auch heute fragt man sich: Wo bleibt der Mensch dabei? Bartleby nimmt am Getriebe des Alltags mit all seinen Belangen nicht mehr teil. Das verleiht ihm eine pfundige Portion Souveränität, doch handelt es sich nicht um revolutionären Esprit, der ihn umweht. Hier ist einer, der allem entsagt — nicht in erster Linie aktiv als Wunsch, Wille und Protest sondern… man weiß es eben nicht so genau.

“Fallende Blätter wollen nichts mehr” (Element of Crime, 2001)

Genau diese Leerstelle gibt dem ebenso einfachen, wie grundsätzlichen Stoff von Herman Melville Raum zur Bearbeitung. Für die Bühne setzt Marc Wortel das Stück als kammerspielerische Verquickung von Elementen der Oper, des Balletts und des Puppentheaters um. Letzteres präsentiert sich in Gestalt jener Stockpuppen, die an eine erbarmungslose Mechanik rotierender Räder und Riemen gedockt sind, von der zwei große, laufbandartige, mit Einhängevorrichtungen versehene Hauptriemen bis hoch in den Bühnenhimmel reichen. Dorthin, in das Außerhalb der Anwaltskanzlei, werden die von den emsigen Schreibern angefertigten und in die vorgesehenen Vorrichtungen eingehängten Kopien hinauf getragen und rieseln am Ende dann doch wieder sinn- und eigenschaftslos herunter wie welke Blüten, die lieber doch nicht mehr an ihrem Baum zu hängen möchten scheinen — eine schlichte, aber schöne und kräftige Metapher für das Streben nach Höherem, Sinnvollerem als dieser Kopierarbeit einerseits, für vergebene Müh und sisyphoshaftes Weitergewurschtel andererseits. Plastischer kann der milde Wirbel, den Bartlebys Antriebslosigkeit in der Kanzlei verursacht, kaum dargestellt werden. Im Publikum regt dieser sachte, symbolsatte Blätterregen, der auch irgendwie Gleichnis für eine geheime Schönheit im sinnlosen Herunterrieseln eines Lebens im Alltag ist, zu einem leisen und betörten “Aahhh” an.

bartleby theater vorpommern-greifswald

Getanzte Verweigerung und rufende Sinnsuche (Stefano Fossat und Thomas Rettensteiner)

Der Komponist Daniel Schellongowski besorgte eine vielschichtige, aber nie aufdringliche Palette von Musik, Liedern und Sounds, um die Geschehnisse klanglich auszuleuchten. Die Musik ist hier weit mehr als das orchestrale Fundament für das baritönende Solieren Thomas Rettensteiners. Die Klänge erzählen die Handlung mit. Ab und an schimmert ein Hang zu den emanzipatorischen Dissonanzen der Neuen Musik durch, einem Steckenpferd des Absolventen der Universität der Künste in Berlin. Wenn der Anwalt ins Grübeln gerät und damit ein gutes Stück sich selbst und dem Kern seiner gedanklichen Welt näher kommt, öffnet sich die Musik zu einer flüchtigen, schwebenden Flächenhaftigkeit. Im Lauf der Probenarbeit versah das Team diese Passagen mit dem Begriff “Äther”, so Schellongowski.

“Es ist alles so sinnlos” (Christiane Rösinger, 2010)

Im nächsten Moment entzwirbelt sich aus diesen gewichtig im Raum stehenden Klängen wieder ein energetisches Flattern und das schrille Kopisten-Duo startet wieder seinen Slapstick. Die erhabenen Momente in der Musik sind ganz bewusst den Auftritten des Anwalts und seinen inneren Dialogen vorbehalten. Als in den Dingen des Rechts und der Menschlichkeit gewandter Mann, stimmt es ihn melancholisch, Bartleby dabei Zuzusehen, wie er sich via Verweigerung vom Menschsein loslöst.

bartleby theater vorpommern greifswald

Melancholie und Menschlichkeit: Der Anwalt trägt den regungslosen Bartleby

“Ich möchte lieber nicht” (Bartleby, 1853)

Es ist so einfach wie es klingt: Bartleby möchte lieber nicht. Mit seinem Rückzug in das Nichtmöchten ist Bartleby auch heutzutage hyperaktuell. Viele Menschen möchten immer viel. Menschen möchten gemocht werden, Menschen möchten sich selbst mögen und Menschen möchten im besten Falle ihre gottverdammte Arbeit mögen. Bei all diesem Mögenmöchten verlieren allzu viele jedoch eines aus dem Blickfeld: eine Art innere Mitte, einen Zustand in dem das Möchten nicht der Motor, sondern bestenfalls das Reiseziel ist. Man muss schon wissen, was man will — ein blindwütiges Möchten hilft keinem weiter. Bartleby hat diesen Weitblick fürs Wesentliche. Er möchte deshalb konsequenterweise lieber gar nicht.

Er begibt sich mit dieser Abkopplung auch in einen Zustand des Ganzbeisichseins, in dem lästige Lebenshilfen wie Verstand, Pflicht und Einsicht in die Notwendigkeit, ihre Arbeit noch nicht zu verrichten begonnen haben, in dem der Geist vom Möchten noch nicht umgerannt wurde. In Bartleby glimmt wahrscheinlich diese heilsame Leere der Ausgeglichenheit, die der Mensch — ob in den Mühlen von Broterwerbsarbeit rotierend oder nicht — gern mittels Meditation, Hobbykeller oder Drogen zu erreichen versucht. Friedlich sieht Bartleby jedenfalls aus, wie er schlussendlich da liegt: zusammengesunken und allem entschwunden.

Informationen zum Stück

Bartleby – Eine Geschichte von der Wall Street

Oper von Marc Wortel (Libretto) und Daniel Schellongowski (Musik)
nach Hermann Melville

Inszenierung: Marc Wortel a.G.
Bühnenbild und Puppenbau: Christian Werdin a.G.
Komposition und Musikproduktion: Daniel Schellongowski a.G.
kompositorische Mitarbeit: Damian Scholl a.G.
Kostüme: Renske Kraakman a.G.
Video, Sound: Peter Müller a.G.

in Kooperation mit dem Theater Handgemenge

Nächste Vorstellung: 20. September (Stralsund)

Infos und Karten: Theater Vorpommern

(Fotos: MuTphoto)

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Martin Hiller ist Betreiber eines Do-It-Yourself-Labels (Rakkoon Recordings), Musiker (Huey Walker, The Kanadagans) und schreibt in unregelmäßigen Abständen unter dem Alias Ferdinand Fantastilius für den Fleischervorstadt-Blog.

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Stellenausschreibungen: Streikbrecher bei der Post werden http://blog.17vier.de/2015/06/28/poststreik-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/06/28/poststreik-greifswald/#comments Sun, 28 Jun 2015 15:33:56 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42734 Weiterlesen ]]> In diesem Jahr konnte man schon ein beträchtliches Maß an Arbeitskampferfahrung sammeln — wer nicht zur Berufsgruppe der Lokführer, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Flughafenkontrolleure, Piloten oder Postzusteller gehört, wenigstens passiv. In Greifswald sucht die Post inzwischen Streikbrecher.

Dieser Tage ist der Post-Streik in aller Munde. Ver.di hat den unbefristeten Arbeitskampf unlängst ausgeweitet und vorgestern weitere Beschäftigte dazu aufgerufen, ihre Arbeit ruhen zu lassen. Die Brief- und Paketzustellung erlahmt — inzwischen sollen sich bundesweit etwa 32.500 Beschäftigte der Deutschen Post AG im unbefristeten Streik befinden. Die Angestellten wehren sich mit ihrem Arbeitskampf gegen die Gründung 49 regionaler Paketgesellschaften (DHL Delivery GmbHs), bei denen bereits 6000 Paketboten arbeiten, die nicht mehr nach dem Haustarif der Post, sondern nach den Tarifen der Logistikbranche entlohnt werden.

poststreik 2015(Foto: Opposition24 via Flickr, CC BY 2.0)

Die Gewerkschaft möchte mit dem Streik unter anderem erreichen, dass auch für diese ausgelagerten Angestellten der Haustarifvertrag gilt. Die Post lehnt diese Forderung ab, weil sie Arbeitsplätze gefährde und keine Wachstumsperspektive böte: “Nur durch eine dauerhaft wettbewerbsfähige Lohnstruktur können wir uns auch zukünftig erfolgreich am Markt behaupten.” Die Androhung unbefristeter Streiks sei unverhältnismäßig und destruktiv; zudem würden Mitarbeiter zum Streik aufgerufen, die nicht von den Regionalgesellschaften betroffen seien.

Die Folgen des Streiks sind beträchtlich und für alle mehr oder weniger schmerzlich spürbar. Dieser Schmerz zeichnet einen wirksamen Arbeitskampf aus und er wird erfahrbarer, je weiter sich der Streik aus der Fabrik entfernt und in relevante Sektoren des öffentlichen Lebens eindringt. Die Post greift gegen die gewerkschaftlichen Zustellungsermüdungen nun auch vor Ort zu Antikörpern und sucht in der Jobbörse des AStA händeringend nach Streikbrechern in Greifswald, um die postalische Grundversorgung der Bevölkerung abzusichern und den Arbeitskampf möglichst lange auszuhalten.

jobs arbeitFür das Zustellen von Brief- und Paketsendungen sind Volljährige ohne Gewissensbisse, dafür aber mit Fahrerlaubnis und einwandfreiem Führungszeugnis gefragt, die kundenorientiert auftreten wollen und der hohen Belastung, die dieser Beruf mit sich bringt, gewachsen sind. Für die Arbeit, die nur unregelmäßig an einzelnen Tagen geleistet werden kann, bezahlt die Post einen Stundenlohn von 11,18 Euro. Ein längerfristiges Angestelltenverhältnis dürfte hingegen kaum zu erwarten sein — zumindest nicht zum Haustarif.

Das Inserat wurde inzwischen entfernt.

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Gedenkveranstaltung für getöteten Obdachlosen Klaus-Dieter Gerecke http://blog.17vier.de/2015/06/24/klaus-dieter-gerecke-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/06/24/klaus-dieter-gerecke-greifswald/#comments Wed, 24 Jun 2015 08:59:34 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42359 Weiterlesen ]]> Vor fünfzehn Jahren wurde Klaus-Dieter Gerecke in der Gützkower Straße von drei neonazistischen Jugendlichen in den Tod geprügelt. Zum 15. Todestag des Obdachlosen findet heute eine Gedenkveranstaltung am damaligen Tatort statt.

Der damals 47-Jährige wurde in der Nacht vom 23. zum 24. Juni 2000 in der Gützkower Straße von den drei Jugendlichen so schwer verprügelt, dass er schließlich an den massiven Schädel-, Gesichts- und Rippenverletzungen, die er dabei erlitten hatte, verstarb. Heute erinnert an Gerecke nur noch eine Gedenkplatte, deren Inschrift fast vollständig verblichen ist.

Gedenkstein Klaus Dieter Gerecke(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Die Initiative “Uni ohne Nazis Greifswald” ruft alle Greifswalder und Greifswalderinnen, die Universität, den Bürgermeister, Vereine, Initiativen, Gruppen, Bündnisse, Parteien und sonstige Zusammenschlüsse der Stadt dazu auf, heute um 18 Uhr zum Gedenken an Klaus-Dieter Gerecke in der Gützkowerstraße auf. Ähnlich wie bei Eckard Rütz müsse auch das Gedenken an Klaus-Dieter Gerecke aufrechterhalten, die neonazistische Gesinnung der Täter eindeutig genannt und die bisherige Greifswalder Gedenkpolitik kritisch betrachtet werden.

Fakten: 24.06. | 18 Uhr | Gützkower Str. 38

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Greifswalder Koeppentage 2015 http://blog.17vier.de/2015/06/23/koeppentage-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/06/23/koeppentage-greifswald/#comments Tue, 23 Jun 2015 10:03:25 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42703 Weiterlesen ]]> Vor genau 109 Jahren wurde Wolfgang Koeppen in Greifswald geboren. Mit den Koeppentagen erinnert ein jährlich stattfindendes Literaturfestival an Leben und Werk des Schriftstellers, der zu einem der bedeutendsten Romanciers der deutschen Nachkriegsliteratur werden sollte.

Unter dem Titel „Der geborene Leser, für den ich mich halte…“ präsentiert das Koeppenhaus anlässlich der diesjährigen Koeppentage vom 23. Juni bis zum 1. Juli ein wohlkuratiertes Programm. Dazu gehören zwei Ausstellungseröffnungen, Lesungen und Gesprächsrunden mit zeitgenössischen Autoren wie Judith Schalansky und Hans-Ulrich Treichel, ein Vortrag mit dem Leiter des Günter Grass Hauses in Lübeck und eine literarische Friedhofsführung.

koeppentage greifswald 2015 Die Koeppentage beginnen am Dienstagabend um 19 Uhr mit einer Ausstellungseröffnung des Wolfgang-Koeppen-Archivs der Universität Greifswald, die Einblicke in das passionierte, nicht auf den Bereich der Literatur beschränkte Leserleben Wolfgang Koeppens gewährt und anhand von Fundstücken aus seiner vielseitigen Privatbibliothek aufzeigt, wie Rezeption und Produktion von Literatur bei Koeppen ineinander übergehen. Eine thematische Einführung liefern Philip Koch und Archivleiter Prof. Eckhard Schumacher.

Schumacher hat zusammen mit Katharina Krüger die Koeppen-Ausgabe der literaturwissenschaftlichen Fachzeitschrift TEXT+KRITIK herausgegeben. Beide Herausgebenden werden den “Abend für Wolfgang Koeppen” moderieren, der im Anschluss an die Ausstellungseröffnung um 20 Uhr beginnen wird. Als Gäste werden Raimund Fellinger, langjähriger Cheflektor im Suhrkamp Verlag, und die ebenfalls wie Koeppen in Greifswald geborene Schriftstellerin Judith Schalansky (Der Hals der Giraffe) angekündigt. Die Autorin wird einen Text lesen, in dem sie sich und ihr Schreiben in ein Verhältnis zu Koeppen setzt. In der darauf folgenden Gesprächsrunde wird Koeppen als Schriftsteller, Briefautor und Leser vorgestellt.

Judith Schalansky Greifswald Judith Schalansky (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2015)

“Lesen mit Koeppen” heißt die Devise, wenn die beiden Schauspieler Christian Holm und Katja Klemt am Mittwoch jene Autoren in Auszügen vorstellen werden, denen Koeppen besonders nahe stand. Die beiden routinierten wie beliebten Tresenlesenden werden dabei Werke von Gustave Flaubert, Frank Kafka und James Joyce in den Fokus nehmen: “Wer mit Koeppen Flauberts November liest, Kafka als ‘ein Gefühl, ein Herzschlag’ wahrnimmt, den Beschreibungen unglücklicher Poetenleben folgt, der liest Bücher fortan anders, ist berührt von einem Leben im Ästhetischen und angesteckt von der Poetisierung der Welt.
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Ohne die Initiative und langjährige Unterstützung des im April 2015 verstorbenen Nobelpreisträgers Günter Grass gäbe es heute vermutlich kein Koeppenhaus in Greifswald. An den Autoren erinnert Freund und Wegbegleiter Jörg-Philipp Thomsa, der das Günter Grass-Hauses in Lübeck leitet. Er wird am Donnerstag einen Vortrag über die Herausforderungen halten, vor denen Kuratoren stehen, wenn es darum geht, das umfangreiche Werk von Günter Grass aus sechs Jahrzehnten in begrenzten Räumlichkeiten darzustellen. Am Sonnabend findet eine Führung mit der Kunsthistorikerin Anja Kretschmer über den Alten Friedhof zur Grabstelle von Maria und Emilie Koeppen mit einer kurzen Lesung aus Wolfgang Koeppens Erzählung Jugend statt.

Die Koeppentage enden am 1. Juli mit einer Lesung und anschließender Gesprächsrunde anlässlich der Edition von Wolfgang Koeppens Roman Der Tod in Rom im Rahmen der Werkausgabe im Suhrkamp Verlag. Auf dem Podium werden Hans-Ulrich Treichel (Schriftsteller und Herausgeber der Werkausgabe) und Raimund Fellinger (Cheflektor Suhrkamp) Platz nehmen; auch dieser Abend wird von Katharina Krüger und Eckhard Schumacher moderiert.

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Ausgelockt — Universität Greifswald wirbt mit neuem Slogan um Studierende http://blog.17vier.de/2015/06/18/universitaet-greifswald-slogan/ http://blog.17vier.de/2015/06/18/universitaet-greifswald-slogan/#comments Thu, 18 Jun 2015 16:48:41 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42504 Weiterlesen ]]> “Wissen lockt. Seit 1456.” Die maximal verdichtete Werbebotschaft der Universität Greifswald ist seit Ende Mai Geschichte. Die Hochschule wird demnächst mit einem neuen Slogan und überarbeiteter Kampagne um Studierende werben.

1528 Vorschläge sollen eingegangen sein, als im März nach einem neuen Slogan für die Universität Greifswald gefragt wurde, mit dem eine frische Werbekampagne für ein Studium in der Hansestadt gestartet werden soll. Das inzwischen etwas in die Jahre gekommene “Wissen lockt” hat offenbar an Glanz verloren und wird nun wegaktualisiert. Die alten Zöpfe kommen ab und womöglich verblasst damit auch irgendwann die Erinnerung an eine der peinlichsten Plakatserien, die es an der Universität Greifswald jemals gegeben hat.

plakat uni greifswald institutioneller sexismus(Plakat zur 550 Jahrfeier der Universität Greifswald 2006, ein weiteres Motiv findet man hier, Fotos: Fleischervorstadt-Blog)

Fairerweise muss zu dieser Serie ergänzt werden, dass die Kampagne, deren Sexismus sich nur noch mit größter Mühe überbieten lässt, noch aus der Zeit vor der 2008 erfolgten Amtsübernahme des aktuellen Pressesprechers, Jan Meßerschmidt, stammt. Heute, knapp zehn Jahre später, steht der Greifswalder Alma Mater mit Prof. Dr. Johanna Eleonore Weber eine Rektorin vor und eine vergleichbare Kampagne wäre nur schwer vorstellbar.

Kurze Wege, lange Nächte, müder Blick

Doch zurück zu den Slogans. Beim Vorschlag “Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Erweitert Horizonte” reichte es nur für den dritten Platz. Zweitplatziert war die Idee von Moritz Peters, der in Greifswald seinen Master in Organisationskommunikation macht: “Die Stadt ist unser Campus”. Den Ideenwettbewerb hat schließlich der Slogan von Carsten Gutsche gewonnen: “Lange Tradition. Kurze Wege. Weiter Blick”. Der aus Hannover stammende Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht erklärte dazu: „Lange Tradition auf kurzen Wegen enthält zunächst das Offensichtliche. Alte Uni in kleiner Stadt. Greifswald und insbesondere auch die Uni macht aber mehr aus: Die Tradition der kurzen Wege, das Gespräch mit dem Prof nach der Vorlesung, die bekannten Gesichter im Prüfungsamt, das schnelle Einleben nach dem Studienbeginn“

slogan universität greifswald (Plakatvorschlag: Fleischervorstadt-Blog)

Rektorin Weber begründete die Auswahl des Wahlspruchs, der nun dreimal so viele Zeichen wie sein Vorgänger zählt und mit dem demnächst großflächig in einer Hamburger S-Bahn für ein Studium in Greifswald geworben werden soll, ähnlich: „Wir haben uns für diesen Slogan entschieden, da er kurz und einprägsam ist. Er betont Aspekte, durch die sich die Universität Greifswald auszeichnet: Tradition, Nähe, Weite. Der ‚Weite Blick‘ steht dabei nicht nur für die Lage am Meer, sondern auch für das wissenschaftliche Streben nach Erkenntnis.“

Wenn die Idee schon nicht mehr glänzt, sollte es wenigstens die Verpackung tun

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Doch die Universität wird nicht nur in der Hamburger S-Bahn um neue Studierende buhlen; in den kommenden Wochen werden aus den übrigen 1527 Vorschlägen weitere Slogans ausgewählt, die auf Postkarten, Plakaten und ähnlichen Reklameprodukten die Werbetrommel für ein Studium in Greifswald rühren sollen. Heute, wo man den Studienstandort Greifswald nicht mehr so einfach wie früher mit seinem exzellenten Betreuungsverhältnis, den exotischen Nischenfächern und einem wenigstens mittelfristig abgesicherten Lehrbetrieb bewerben kann, muss man sich eben etwas einfallen lassen — und wenn die Idee schon nicht mehr glänzt, dann sollte es zumindest die Verpackung tun.

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Tag der Wissenschaft an der Universität Greifswald http://blog.17vier.de/2015/06/11/tag-der-wissenschaft-2015-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/06/11/tag-der-wissenschaft-2015-greifswald/#comments Thu, 11 Jun 2015 21:46:22 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42476 Weiterlesen ]]> Am Sonnabend öffnen sich die Türen der Universität Greifswald zum “Tag der Wissenschaft”. Neugierige Besucherinnen dürfen sich auf zahlreiche Vorträge und Führungen durch die Alma Mater gefasst machen. 

tag der wissenschaft greifswaldIm Audimax werden fünf Hörsäle von Forschenden bespielt, die in populärwissenschaftlichen Vorträgen ihre Projekte und Ergebnisse aufbereiten und vorstellen. Die Vorlesungen finden parallel statt, ein bisschen wie ein Rockfestival also, jedoch mit Bildungsinhalten und nur von 13-16 Uhr — Diskursrock auf Wohnzimmerlautstärke sozusagen.

Die Themen reichen dabei von Krankenhauskeimen oder der kognitiven Entwicklung von Kindern über leuchtende Tiefseefische, dem “Verhältnis von Vertrauen und Medien in einer digitalen Welt” bis zu Ernährungsmedizin. Wer Prof. Eckhard Schumachers Vortrag “Über Fakt und Fiktion: Wolfgang Koeppens Jugend” bei der “Universität im Rathaus” verpasst hat, erhält am Sonnabend die Gelegenheit, sich eingehender mit Koeppens Beziehung zu Greifswald zu beschäftigen.

tag der wissenschaft universität greifswald programm

Führungen werden durch die Aula, den Karzer, die Sternwarte, das Wolfgang-Koeppen-Haus sowie den Botanischen Garten in der Münterstraße angeboten. Auf dem Universitätsinnenhof wird ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit verschiedenen universitären Institutionen und Vereinen angeboten, die sich dort vorstellen und Einblick in ihre Arbeit gewähren. So können Interessierte zum Beispiel einen Roboter programmieren und naturwissenschaftliche Experimente bestaunen. Ein Kinderprogramm wird auf dem Innenhof ebenfalls angeboten. Der Tag der Wissenschaft endet um 17 Uhr mit einem Konzert des Greifswalder Pop-Jazz-Duos Lege&Lena.

Programm am Tag der Wissenschaft

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Stadtimpuls zelebriert vier Wochen lang die Energie des Ehrenamts http://blog.17vier.de/2015/06/11/stadtimpuls-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/06/11/stadtimpuls-greifswald/#comments Thu, 11 Jun 2015 21:08:25 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42616 Weiterlesen ]]> Am Freitag beginnt das Ehrenamtsfestival Stadtimpuls. Ehrenamtsfestival? Was zunächst nach einem ziemlich drögen Keks klingt, verheißt einen wunderbaren Sommerbeginn in Greifswald, wie ein Blick in das Programmheft und hinter die Kulissen des Spektakels zeigt, das die nächsten vier Wochen auf dem Straze-Grundstück stattfinden wird.

Ein Zirkuszelt im Hinterland der Straze, das einen Monat lang von einem breiten Zusammenschluss aus der Greifswalder Vereins- und Initiativenlandschaft mit Konzerten, Lesungen, Filmen, Workshops, Familienprogrammen und sehr viel Theater bespielt wird. Stadtimpuls, dieser mehrdeutige Titel weckt bei manchen vielleicht noch leise Erinnerungen an ein gleichnamiges Festival, das 2005 in ähnlicher Mission von Greifswalder Vereinen am Museumshafen auf die Beine gestellt wurde, um auf ihr gesellschaftliches Engagement und auch auf die damit verbundenen Probleme aufmerksam zu machen.

stadtimpuls-2015-greifswald600(Foto: Freifunk Greifswald via Facebook)

Jan Holten (StuThe), seit jeher ein Wunderwutzi des Greifswalder Kulturbetriebs, gehörte schon damals vor zehn Jahren zu den Auslösern des ersten Stadtimpuls. Dessen diesjährige Neuauflage initiierte der Theaterenthusiast nun maßgeblich. Heute stellt Holten fest, dass zwar ein Generationswechsel in der Stadt stattgefunden habe, die Probleme aber die gleichen geblieben seien: „Stellen und Fördergelder werden bei fortschreitendem Sparkurs gestrichen und nicht selten sind gerade geschaffenen sozialen Räume — insbesondere für Jugendliche — von eklatant hohen Mietkosten oder sogar Kündigungen bedroht“.

stadtimpuls greifswald 2015

Kultur braucht Raum, Greifswald braucht Kultur. Das alles ist leider nicht so neu. Dass hingegen ein 360 Quadratmeter großes Zirkuszelt hinter der Straze steht, das in den kommenden vier Wochen zum Pilgerziel hunderter Kulturhungerleider werden wird, ist hingegen mindestens ungewöhnlich. Saskia Schniete (Straze, Kunstwerkstätten) ist von der Idee mit dem Zirkuszelt überzeugt: „Wir wollen gemeinsam zeigen, was für eine wichtige Arbeit Ehrenamtliche täglich für die Sozialkultur unserer Stadt leisten. Das geht nur mit einer großen Aktion.”

Wie groß diese Aktion nun geworden ist, die innerhalb weniger Monate mit großem Eifer, geballter Kompetenz und einer großzügigen Schippe Selbstverheizung aus dem Boden gestampft wurde, zeigt das Programmheft: Vom 12. Juni bis zum 5. Juli bietet Stadtimpuls Ausstellungen, Workshops, Lesungen, Theater, Partys, Konzerte, Filme und vieles mehr. Das “regionale Theatertreffen” des Landesverbands Spiel und Theater wird dort ebenso stattfinden wie die Fête de la Musique, deren große Bühne dieses Jahr ins Zirkuszelt verlegt wird.

Zur Eröffnung des Stadtimpuls wird dort am Freitagabend das israelisch-ivorisch-amerikanisch-deutsche Sextett Django Lassi spielen, das sich seit zehn Jahren quer durch Europa swingt und dabei sowohl auf Jazzfestivals als auch auf der Fusion brilliert. Tanzbarer Gypsy-Swing mit unüberhörbaren Anspielungen auf den Jazz Manouche und Django Reinhardt, der das Zirkuszelt ganz bestimmt zum Beben bringen wird!

Am Sonnabend geht es dann mit einem Begegnungsfest weiter, das den Austausch und die Vernetzung mit geflüchteten Menschen fördern soll. Am Sonntag wird der kanadische Film My Winnipeg gezeigt, am Montag stehen faire Textilien, Upcycling und eine Kleidertauschbörse auf der Tagesordnung. Am Dienstag werden mit Solarenergie betriebene Fahrzeuge gebaut und es findet ein Radio-Workshop statt. Das Greifswalder DIY-Label Rakkoon Recordings holt mit der Ambient-Avantgarde-Band Air Cushion Finish experimentelle Livemusik auf die Bühne und verwandelt das Zirkuszelt in eine wohlklingende Waschbärhöhle, ehe die Hörspielnacht zum Zurücklehnen animiert. Diese Aufzählung könnte jetzt noch etliche Absätze so weitergehen, daher sei an dieser Stelle auf das komplette Stadtimpuls-Programm verwiesen, das online abrufbar ist.

Das Zelt ist errichtet, der Sommer steht vor der Tür und dank der Freifunker gibt es nun sogar Internet auf dem Gelände. Stadtimpuls, was willst du mehr?

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Universität Greifswald vergibt Genderpreis für wissenschaftliche Arbeiten http://blog.17vier.de/2015/06/09/universitaet-greifswald-vergibt-genderpreis-fuer-wissenschaftliche-arbeiten/ http://blog.17vier.de/2015/06/09/universitaet-greifswald-vergibt-genderpreis-fuer-wissenschaftliche-arbeiten/#comments Tue, 09 Jun 2015 19:37:53 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42256 Weiterlesen ]]> Seit 2006 zeichnen das Rektorat und die Senatsgleichstellungskommission der Universität Greifswald jährlich eine wissenschaftliche Arbeit aus, in der die Geschlechterperspektive in besonderer Weise Berücksichtung findet. Bis 2014 hieß die mit 500 Euro dotierte Ehrung “Universitätspreis”, seit diesem Jahr wird sie als “Genderpreis” ausgeschrieben.

Im vergangenen Jahr wurde die Auszeichnung gleich an zwei wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die beide im Rahmen des Ersten Staatsexamens für das Lehramt an Gymnasien verfasst wurden und die Senatsgleichstellungskommission durch ihre “wissenschaftlich fundierte und innovative Herangehensweise” beeindruckt haben.

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v.l.n.r.: Rektorin Prof. Johanna Eleonore Weber, die beiden Preisträgerinnen 2014 Annalaura Meißner und Tina Gutjahr, Prof. Dr. Sylvia Stracke, Ruth Terodde, (Foto: Jan Meßerschmidt, 2014)

Die Preisträgerin des vergangenen Jahres, Tina Gutjahr, analysierte in Die sprachliche Darstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit im Schulbuch das stereotype Frauenbild der DDR. Annalaura Meißner, die zweite Gewinnerin des Universitätspreises 2014, verknüpfte in ihrer Arbeit Sudlerinnen — Marketenderinnen — Landknechtshuren. Wirkungsfelder von Frauen in der Lagergesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts Geschlechter- und Militärgeschichte miteinander.

Für den Genderpreis 2015 können aktuelle wissenschaftliche Abschluss- und Promotionsarbeiten aus allen Fakultäten der Universität Greifswald einschließlich der Universitätsmedizin eingereicht werden. Um teilzunehmen zu können, muss die Arbeit bis zum 19. Juni sowohl in gebundener Form als auch als PDF-Dokument an das Büro der Zentralen Gleichstellungsbeauftragten der Universität Greifswald geschickt werden.

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Pop am Wochenende: Feine Sahne Fischfilet agitieren Rock am Ring http://blog.17vier.de/2015/06/07/feine-sahne-fischfilet-rock-am-ring/ http://blog.17vier.de/2015/06/07/feine-sahne-fischfilet-rock-am-ring/#comments Sun, 07 Jun 2015 17:53:44 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42571 Weiterlesen ]]> Feine Sahne Fischfilet haben den Schritt vom Loitzer Humpapunk zu Lieberbergs Rock am Ring geschafft. Beim 30-jährigen Jubiläum des Rockfestivals lieferte die Band gestern vor tausenden Zuschauern geil ab.

feine sahne fischfilet rock am ring(Foto: Feine Sahne Fischfilet via Facebook)

“Das, was wir machen, ist keine Kunst! Das, was wir machen, ist nicht für die Galerie, nicht für die Glasvitrine. Das, was wir machen, soll eine Art Werkzeug sein, um unserer Wut gegenüber Rassisten, Sexisten, Homophobie und Staat eine Stimme zu geben! Wir wollen für unsere Träume, unsere Utopien weiter kämpfen.” Mit dieser vielzitierten Aussage beschrieben Feine Sahne Fischfilet einmal ihre musikalische Mission.

Die Band hat sich damals vermutlich noch nicht vorstellen können, dass dieser Stimme einige Jahre später beim Rock am Ring, einem der größten deutschen Rockfestivals, tausende Zuschauer zuhören würden, live übertragen vom ARD-Spartenkanal EinsPlus. Man könnte gewissermaßen von Staatsfeinden im Staatsfernsehen sprechen, denn die Band wird seit mehreren Jahren in den Berichten des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommerns ob ihrer vermeintlichen Ablehnung staatlicher Behörden erwähnt.

Feine Sahne Fischfilet haben in ihrer relativ jungen Karriere nun eigentlich fast alles erreicht, was im Bereich zwischen Kunst und Agitation im ersten Moment vorstellbar ist. Ein Film mit Sänger Jan “Monchi” Gorkow soll bereits in Planung sein. Bis der produziert ist, warten wir gespannt auf die Veröffentlichung von Gorkows erstem Roman Kein Erbarmen in Jarmen, dem alsbald eine bei Audiolith verlegte Bandbiographie (Mit Pfefferminz zum Bühnenprinz) folgen wird, ehe es nach einem mehrjährigen Sabbatical daran geht, über die Reunion nachzudenken. Hut ab!

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

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