Fleischervorstadt-Blog http://blog.17vier.de Lokales aus Greifswald Thu, 27 Aug 2015 12:05:57 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.2 Verfassungsschutzbericht 2014: Bitte mehr Zivilcourage, aber weniger Protest! http://blog.17vier.de/2015/08/27/verfassungsschutzbericht-2014-bitte-mehr-zivilcourage-aber-weniger-protest/ http://blog.17vier.de/2015/08/27/verfassungsschutzbericht-2014-bitte-mehr-zivilcourage-aber-weniger-protest/#comments Thu, 27 Aug 2015 09:56:41 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43413 Weiterlesen ]]> Im aktuellen Verfassungsschutzbericht zieht das Landesministerium für Inneres und Sport Bilanz über staatsgefährdende Umtriebe in Mecklenburg-Vorpommern. Ein konkreter Bezug zur Hansestadt Greifswald lässt sich darin nicht nur über ein Neonazi-Konzert herstellen, sondern auch über eine Hausbesetzung und zwei mehr oder minder hiesige Bands. 

Die Publikation, die über die wesentlichen Entwicklungen im Bereich des Rechts-, Links- und Ausländerextremismus sowie den islamistischen Extremismus in Mecklenburg-Vorpommern informieren will, fasst die “vielfältigen Gefährdungen” der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zusammen, die “oft nur durch den Verfassungsschutz und unter Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel erkannt werden”. Wie Minister Caffier in einer dazugehörigen Pressemitteilung erklärte, würde die Behörde dadurch zu einem “unverzichtbaren Instrument des demokratischen Rechtsstaates für den Schutz der Bevölkerung“. Doch an Güte und Verlässlichkeit des Berichts bestehen auch in diesem Jahr Zweifel.

verfassungsschutzbericht mv 2014  (Titelbild der Publikation: „Die wehrhafte Demokratie“, Manfred Diekmann, 2009)

“Der Staat allein kann die vielschichtigen Probleme bei der Rechtsextremismusbekämpfung nicht lösen.” (Lorenz Caffier)

Viel Neues gibt die Lektüre des Verfassungsschutzberichts nicht her: Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht gesunken, jedoch ist der Anteil von Gewalttaten angestiegen. Auch die Anzahl fremdenfeindlicher Übergriffe ist höher als 2013. Im Gegensatz zur bundesweit rückläufigen Entwicklung ist die rechtsextremistische Szene in Mecklenburg-Vorpommern stabil geblieben, allerdings hat es erneut szeneinterne Verschiebungen zuungunsten der NPD gegeben. Der rechten Szene werden im Land insgesamt etwa 1400 Personen zugerechnet, von denen die Verfassungsschützer etwa die Hälfte als gewaltorientiert einschätzen.

Die Zahl rechtsextremer Musikveranstaltungen war im vergangenen Jahr zwar rückläufig, doch bei der Verhinderung und Auflösung von Neonazi-Konzerten kam es wiederholt zu Angriffen auf Polizeibeamte. In diesem Zusammenhang wird auch das von einem Großaufgebot der Polizei verhinderte Konzert in Greifswald erwähnt, zu dem sich im November 2014 mehr als 500 Neonazis im Gewerbegebiet Am Gorzberg eingefunden haben. Die Veranstaltung wurde von einem brandenburgischen Kommunalpolitiker der NPD organisiert, der in der rechtsextremen Musikszene des Raums Berlin/Brandenburg eine zentrale Rolle spielen soll und offenbar auch mit dem wegen Körperverletzung verurteilten Neonazi Marcus G. bekannt ist, der an der Greifswalder Universität Politikwissenschaften studiert.

Veranstaltungsort Nazikonzert GreifswaldIn dieser Halle (rechts im Bild) am Gorzberg trafen sich im vergangenen Jahr mehr als 500 Neonazis zu einem Rechtsrock-Konzert (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2014)

Innenminister Caffier betrachtet die fortgesetzten Attacken auf Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern als deutliche Warnzeichen und dürfte so manche Beobachter, die sich noch an die Polizeieinsätze gegen antifaschistische Demonstrationen und Blockaden — beispielsweise in Demmin, Stralsund oder Neubrandenburg — erinnern können, mit der Aussage überraschen, dass es wichtig sei, dass sich alle gesellschaftlichen Kräfte gegen rassistisch motivierte Gewalt stellen: “Der Staat allein kann die vielschichtigen Probleme bei der Rechtsextremismusbekämpfung nicht lösen. Vielmehr kommt es entscheidend auf eine mündige Bürgergesellschaft an, die rassistischen Umtrieben vor Ort Grenzen aufzeigt und die Demokratie kreativ mit Leben erfüllt.” Es wäre wünschenswert, wenn aus dieser Forderung an die Zivilgesellschaft deeskalierende Anweisungen an die Polizeibeamten vor Ort erwüchsen und man zukünftig darauf verzichtete, friedliche Demonstranten bei winterlichen Temperaturen stundenlang einzukesseln oder die angeblich im Spam-Ordner des Ordnungsamts gelandeten Anmeldungen von Mahnwachen zu ignorieren, wie es zuletzt bei den Protesten gegen Mvgida in Stralsund geschehen ist.

polizei hunde demonstration-demminPolizeieinsatz in Demmin (Meme: MdL Johannes Saalfeld via Facebook)

Lektüretipp: Eine profundere Analyse der rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern als der Verfassungsschutzbericht bietet die kostenlose Publikation Gefährlich verankert (2015) von Andrea Röpke.

“Die anarchistische Autonomenszene ist vor allem in den Universitätsstädten Rostock und Greifswald konzentriert.” (Verfassungsschutzbericht 2014)

Der sogenannten linksextremistischen Szene in Mecklenburg-Vorpommern werden im aktuellen Verfassungsschutzbericht etwa 410 Personen zugerechnet. Trotz eines leichten Schwunds von etwa 10 Prozent sollen nach wie vor gewaltbereite “Linksextremisten” den größten Anteil daran ausmachen und für den Anstieg der politisch motivierten Gewaltstraftaten verantwortlich sein, deren quantitatives Niveau 2014 nur knapp von den Rechtsextremen überboten wurde.

Im Unterkapitel zum Aktionsfeld autonomer Freiräume geht es dann ein weiteres Mal dezidiert um Greifswald, konkret um die mehrwöchige Besetzung und spätere Räumung des inzwischen abgerissenen Gebäudeensembles in der Brinkstraße 16/17 im November 2014. In seiner Pressemitteilung erkennt Lorenz Caffier im Verhalten der Besetzenden eine Geisteshaltung, “die grundlegende Prinzipien des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft missachtet und als eine Form der Menschenfeindlichkeit zu bezeichnen ist.” Angeblich sei das Gebäude von den Besetzerinnen mit ausgelegten Fallen so präpariert worden, dass das Leben und die Gesundheit der eingesetzten Beamten gefährdet gewesen sei.

räumung brinke greifswald Bürgerinnen solidarisieren sich mit den menschenfeindlichen Hausbesetzerinnen der Brinkstraße 16/17 (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2014)

Im eigentlichen Verfassungsschutzbericht wird die Räumung, bei der es “im Wesentlichen zu passiven Widerstandshandlungen” kam, weniger dramatisch geschildert. Die Besetzenden kritisierten anschließend das unvorsichtige Vorgehen von Polizei und Bauarbeitern. So wurde unter anderem darauf verzichtet, während des umgehend vollzogenen Teilabrisses die Gasversorgung des Gebäudes abzustellen.
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“In Bezug auf die Punkband “Feine Sahne Fischfilet” hat sich gegenüber den Vorjahren keine Änderung der Rechtslage ergeben.” (Verfassungsschutzbericht 2014)

Der Verfassungsschutz bleibt auch in Sachen antifaschistischer Subkulturförderung alten Prinzipien treu. So kommt auch der aktuelle Bericht nicht ohne die Nennung der inzwischen bundesweit erfolgreichen Band Feine Sahne Fischfilet aus, die zuletzt auf zahlreichen großen Festivals — unter anderem beim Rock am Ring — sowie als Vorband der Toten Hosen auftrat. Im Gegensatz zu den Publikationen der vergangenen drei Jahre verzichtete die Behörde im aktuellen Bericht jedoch auf weitere Details — damit wird der Band erstmals weniger Platz in einem Verfassungsschutzbericht eingeräumt als dem rechtsterroristischen NSU, der 2004 Mehmet Turgut in Rostock ermordete!

Neben Feine Sahne Fischfilet wird auch die Greifswalder Band Tesla Cessna erwähnt, deren LP 10inch revenge! im August 2014 durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde. Die inzwischen nicht mehr aktive Band positionierte sich in ihren Texten nicht nur gegen Neonazis, sondern rief mit relativ robusten Zeilen zum gewaltsamen Widerstand gegen Polizeibeamte auf, weswegen die Erwähnung von Tesla Cessna weder überraschend noch wirklich ungerechtfertigt ist.

Innenminister Caffier will V-Leuten Straftaten zubilligen — Mord bleibt vorerst unerwünscht

Lorenz Caffier hat offenbar weder aus der NSU-Mordserie noch der zweifelhaften Rolle des Verfassungsschutzes gelernt und will weiter am V-Mann-Prinzip festhalten. Wie der NDR heute berichtete, fordert der Innenminister sogar eine Ausweitung der Befugnisse von V-Leuten im Bundesland. Verdeckte Ermittler sollen einem neuen Gesetzentwurf zufolge künftig auch erhebliche Straftaten unbehelligt begehen können. Prinzipiell sollen zwar keine Schwerkriminellen verpflichtet werden können, aber abgesehen von Mördern und Totschlägern seien Ausnahmen möglich. Auf die Verfassungsschutzberichte der kommenden Jahre darf man also gespannt sein.

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Gastbeitrag: Aktuelle Infos zum regionalen Badewasser http://blog.17vier.de/2015/08/26/gastbeitrag-aktuelle-infos-zum-regionalen-badewasser/ http://blog.17vier.de/2015/08/26/gastbeitrag-aktuelle-infos-zum-regionalen-badewasser/#comments Wed, 26 Aug 2015 09:03:52 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43379 Weiterlesen ]]> Ein Gastbeitrag von Daniel Schwandt

Sommer, Sonne, Badezeit. Bei freundlich sommerlichen Temperaturen drängt es auch tief verwurzelte Greifswalder für eine kleine Abkühlung an die Ostsee oder wenigstens an den Ryck.

Was einen am Strand erwartet, weiß man gewöhnlicherweise vom Vortag oder aus langjähriger Erfahrung beim Blick aus dem Fenster. Wer es genauer wissen möchte, ob sich der Weg nach Lubmin, auf die Insel Usedom oder auf die Insel Rügen lohnt, kann vorher einen Blick auf die Internetseiten des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU), des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) oder des Ministeriums für Arbeit, Gleichstellung und Soziales MV werfen. So stellt das StALU für die Küstenabschnitte der offenen Ostsee Wassertemperatur, Wellenhöhe und Wasserstand dar. Detailinformationen (alle 10 Minuten aktualisierte Werte) gibt es weiterhin für Lufttemperatur, Windgeschwindigkeit, Windrichtung, sowie Wellenperiode und -anlaufrichtung.

wasserqualität strand lubmin(Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2012)

Das BSH zeigt stündlich aktualisiert Wassertemperatur sowie Windgeschwindigkeit und -richtung für die westliche Ostsee (bis Polen) an. Für ausgewählte Orte, zum Beispiel Lubmin, Lauterbach, Binz, Kap Arkona, Zinnowitz, werden sogar Vorhersagen für den nächsten Tag angegeben. Über die Badestellen an Ostsee und Bodden sowie im Binnenland informiert das Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales MV. Dabei wir auch auf deren Qualität (insbesondere die bakterielle Belastung) eingegangen.

Für die einzelnen Badestellen — zum Beispiel Strandbad Eldena, Ludwigsburg, Lubmin-Teufelsstein, Riemserort und Binz-Prora — wird eine Kurzbeschreibung des Gewässers mit den standorttypischen Wasserqualitätsbeeinträchtigungen sowie den aktuellen Messwerten der letzten Monate gegeben. Im Bewertungszeitraum 2011–2014 hatten alle dort aufgeführten Badestellen in Greifswald und Umgebung eine “gute Qualität” oder “ausgezeichnete Qualität”. Na dann, viel Spaß beim Baden!

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Bürgerschaft: Einzige Frau der CDU-Fraktion wirft das Handtuch http://blog.17vier.de/2015/08/12/mechthild-thonack-cdu-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/08/12/mechthild-thonack-cdu-greifswald/#comments Wed, 12 Aug 2015 14:03:50 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43350 Weiterlesen ]]> Die Bürgerschaftsfraktion der Greifswalder CDU sitzt nach dem Rückzug von Mechthild Thonack von nun an als reiner Männerverein im Greifswalder Rathaus. 

mechthild thonack cdu greifswald Die Vorsitzende der Ortsteilvertretung Schönwalde II, Mechthild Thonack (CDU), verzichtet mit sofortiger Wirkung auf ihren Sitz in der Greifswalder Bürgerschaft und gibt ihr Mandat ab. Ihr Platz im Greifswalder Stadtparlament wird in Zukunft vom Schauspieler Lutz Jesse — nicht zu verwechseln mit ex-CDU-Mann Gunter Jess (heute AfD) — besetzt werden. Mechthild Thonack saß bis zu ihrer Abberufung Mitte Februar 2015 im Ausschuss für Bildung, Universität, Wissenschaft, ehe sie Sascha Ott (CDU) im Ausschuss für Sport, Soziales und Jugend ablöste. Mit ihrem Rückzug aus der Greifswalder Bürgerschaft verliert die CDU die letzte Frau in den Reihen ihrer Fraktion und tritt im Rathaus fortan — ebenso wie die FDP-Fraktion — als reiner Männerzirkel auf. Insgesamt befinden sich unter den 43 Mitgliedern der Bürgerschaft nach dem niedergelegten Mandat Thonacks nur noch 10 Frauen (23,3%); zum Vergleich: 36,1% betrug der Frauenanteil im Bundestag im Dezember 2014.

Über die Gründe für ihren Rückzug aus der Bürgerschaft kann an dieser Stelle nur spekuliert werden. Das Fass zum Überlaufen brachte womöglich das Abstimmungsverhalten der übrigen Christdemokraten bei der letzten Bürgerschaftssitzung, die gemeinsam mit den Mitgliedern der AfD geschlossen gegen einen Antrag von Ulrich Rose (Alternative Liste) stimmten, der auf die Einsetzung eines städtischen Frauenbeirats abzielte.

bürgerschaft fraktion cdu greifswaldEcht kerlig: die CDU-Fraktion der Greifswalder Bürgerschaft nach dem Ausscheiden Mechthild Thonacks (Fotos: CDU Greifswald)

Thonack, die vor der Kommunalwahl 2009 noch einen Artikel über “‘Frauenpower’ in der CDU” zur Wahlkampfzeitung (PDF, 2,6 MB) beisteuerte und sich mit sieben anderen Frauen für die christdemokratische Sache ablichten ließ, blieb der Bürgerschaftssitzung jedenfalls fern und entkam möglicherweise so einem Abstimmungsdilemma. Mit knapper Mehrheit sprach sich damals schließlich eine Mehrheit der Stimmberechtigten für die Einsetzung eines Frauenbeirats aus.

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20. Greifswalder Ukrainicum “Beyond War and Peace” http://blog.17vier.de/2015/08/09/ukrainicum-greifswald-krupp/ http://blog.17vier.de/2015/08/09/ukrainicum-greifswald-krupp/#comments Sun, 09 Aug 2015 15:41:09 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43333 Weiterlesen ]]> Das diesjährige Ukrainicum der Universität Greifswald und des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs bietet den Teilnehmenden ein zweiwöchiges Programm und steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der dramatischen Geschehnisse in der Ukraine.

Am Montag beginnt zum 20. Mal das Greifswalder Ukrainicum. Die seit 1996 in der Hansestadt stattfindende Sommerschule trägt dieses Jahr den Titel Beyond War and Peace. Conflict, Migration and Civil Society in Contemporary Ukraine und wird in den kommenden zwei Wochen einige hochkarätige Refererierende präsentieren, die zusammen mit den übrigen Teilnehmenden politische und kulturelle Aspekte sowie zivilgesellschaftliche Herausforderungen der aktuellen Veränderungen in der Ukraine diskutieren werden. Zu ihnen zählt zum Beispiel der international renommierte Historiker und Ukrainist Tarik Amar (Columbia University, NYC), der Montagabend zur feierlichen Eröffnung im Wissenschaftskolleg Alfried Krupp einen Vortrag mit dem Titel No Good War: Ukraine and a European Crisis of Meaning halten wird.

ukranicum greifswald 2015 In den darauffolgenden zwei Wochen werden bis zum 22. August weitere öffentliche Vortragsveranstaltungen angeboten, die einem breiten Publikum Einblicke in gegenwärtige wissenschaftliche Debatten rund um die Ukraine ermöglichen sollen. Das Programm wird durch zwei Podiumsdiskussionen ergänzt, die in Kooperation mit dem durch das Institut für Slawistik neu gegründeten Netzwerk zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und Zivilgesellschaft organisiert werden.

Zum diesjährigen Ukrainicum werden 35 Teilnehmende aus 12 verschiedenen Ländern in Greifswald erwartet, darunter Gäste aus China, Italien, Kanada, Polen, Russland, Slowenien und natürlich aus der Ukraine. Neben Studierenden und Doktoranden haben sich auch Experten aus verschiedenen Bereichen für eine Teilnahme entschieden — so sollen sich beispielsweise Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für die Sommerschule angemeldet haben. Sie erwartet ein zweiwöchiges Programm, das neben den erwähnten Vorträgen aus Sprachkursen und zahlreichen Seminaren besteht.

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„Gefährlich verankert“: Andrea Röpke über rechtsextreme Strukturen und neue Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern http://blog.17vier.de/2015/08/07/rechtsextremismus-mv-andrea-roepke/ http://blog.17vier.de/2015/08/07/rechtsextremismus-mv-andrea-roepke/#comments Fri, 07 Aug 2015 10:41:06 +0000 http://blog.17vier.de/?p=42862 Weiterlesen ]]> Rocker, Bürgerwehren, Siedlergemeinschaften, Autonome Nationalisten und neonazistische Firmennetzwerke — Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke analysiert in ihrem neusten Buch die vielseitig ausdifferenzierte rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern.

Die erste Auflage ist bereits restlos vergriffen, so dass sich die SPD-Fraktion des Landtags gezwungen sah, eine zweite Auflage nachzulegen. Gefährlich verankert – Rechtsextreme Graswurzelarbeit, Strategien und neue Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern heißt das Buch, das die freie Journalistin und Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke zusammen mit der sozialdemokratischen Fraktion des Landtags in der ersten Jahreshälfte 2015 publizierte.

andrea roepke gefaehrlich verankert spd rechtsextremismus

Belege liefern, Verbindungen aufzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen warnen

Die SPD ist mit dem neonazistischen Problem — zumindest im Landesparlament — bestens vertraut, schließlich sitzen die Rechtsextremen dort seit 2006 ohne Unterbrechung und haben trotz leichter Verluste bei den letzten Landtagswahlen noch immer ihren einträglichen Fraktionsstatus halten können. Die SPD und zuvorderst Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery fühlen sich verpflichtet, “auf diese gefährlichen Entwicklungen hinzuweisen, Belege zu liefern, Verbindungen aufzuzeigen und vor rassistischen Biedermännern und -frauen zu warnen, die zu Brandstiftern werden.”

In ihrer gut recherchierten Analyse untersucht Andrea Röpke viele Facetten rechtsextremer Bewegungen in Mecklenburg-Vorpommern und geht in den neun Kapiteln auf unterschiedliche Strömungen der Szene ein: Angefangen bei Mischszenen von Neonazis und Rockern mit Kontakten ins Rotlichtmilieu über die rechte Siedlerbewegung, die verbotene Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) und die (Neo-)Artamanen bis zum parlamentarischen Rechtsextremismus im Landtag und der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN). Auch der NSU, die Rechtsrock-Szene, die Autonomen Nationalisten, die Identitäre Bewegung, die AfD Mecklenburg Vorpommern und schließlich die Unterwanderung und Instrumentalisierung der wutbürgerlichen Mvgida-Aufmärsche durch Neonazis werden von Röpke kritisch analysiert und eingeordnet.

Geschichten aus Greifswald

Da Gefährlich verankert auf rechte Szene und rechte Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern fokussiert, überrascht es nicht, dass auch einige Vorfälle aus der Hansestadt Greifswald in diesem Buch auftauchen. Dazu gehören die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Bandidos und Hells Angels, die am helllichten Herrentag 2013 in der Bahnhofstraße aufeinander losgegangen sind, und der Angriff auf ein Hausprojekt, an dem sich auch Mandatsträger der NPD beteiligten. Die verhinderte Schöffenbewerbung des rechtsextremen Politikstudenten Marcus Gutsche, der nur ein halbes Jahr nach seiner Nichtzulassung einen Hochschul- und Kommunalpolitiker am Rande einer Kundgebung der NPD auf dem Greifswalder Marktplatz verletzte, wird ebenso erwähnt wie die Rolle des langjährigen Greifswalder Kaders Frank Klawitter beim NPD-Ordnerdienst und das konspirative Rechtsrock-Konzert mit mutmaßlichem Bezug zum Neonazi-Netzwerk “Blood and Honour” am Gorzberg, zu dem im November 2014 mehr als 500 Neonazis nach Greifswald angereist sind.

Zwei Jahre sollen die Recherchen für Gefährlich verankert gedauert haben. Die Autorin mahnte bei der feierlichen Buchvorstellung in Schwerin, dass es schwieriger werde, Neonazis zu erkennen. Organisierte Menschen mit rassistischem Weltbild tarnten sich durch Normalität innerhalb einer Gesellschaft voller Alltagsressentiments. Das Buch vermittelt einen analytischen Überblick über die vielgestaltige rechte Szene in Mecklenburg-Vorpommern und ist nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Farbfotos eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich mit rechtsextremen Tendenzen und Strukturen im Land auseinandersetzen wollen. Das Buch kann kostenfrei bei der SPD-Landtagsfraktion MV bestellt werden.

Andrea Röpke ist Politologin und freie Journalistin, die seit vielen Jahren zum Thema Rechtsextremismus arbeitet und publiziert. Sie veröffentlichte unter anderem die Bücher Ferien im Führerbunker: Die neonazistische Kindererziehung der “Heimattreuen Deutschen Jugend”* (2007), Neonazis in Nadelstreifen — Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft* (2008), , Mädelssache. Frauen in der Neonazi-Szene* (2011) und Blut und Ehre: Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland* (2013).

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ZEIT im Osten: Stürzt ein Greifswalder Politiker über eine Fußmatte? http://blog.17vier.de/2015/08/06/zeit-im-osten-geifswald-fussmatte/ http://blog.17vier.de/2015/08/06/zeit-im-osten-geifswald-fussmatte/#comments Thu, 06 Aug 2015 08:37:31 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43238 Weiterlesen ]]> Die Wahl des Grünen Stefan Fassbinder zum Greifswalder Oberbürgermeister galt im Mai als kleine Sensation und droht nun, zu einer Provinzposse zu verkommen. Ein Artikel in der ZEIT könnte nun dafür sorgen, dass das Nachwahldebakel nochmal bundesweit Aufmerksamkeit erfährt. 

die-zeitWer die ZEIT abonniert hat, ist heute vielleicht selbst schon über die Fußmatte gestolpert; das wird in Greifswald ja inzwischen zur Mode. Allen anderen bleibt der Weg zum Zeitungskiosk des Vertrauens oder ein Klick rüber zur Online-Abteilung, um einen Blick in die aktuelle Ausgabe zu werfen. ZEIT im Osten widmet sich heute dem präzedenzlosen Dilemma der Greifswalder Oberbürgermeisterwahl, die der Gemeinschaftskandidat Stefan Fassbinder im Mai mit einem winzigen Vorsprung von 15 Stimmen für sich entscheiden konnte.

die zeit greifswald fussmatte Den kurzweiligen Artikel über den Fußmatten-Skandal verfasste Gabriel Kords, der seit Jahren die Kommunalpolitik der Region journalistisch begleitet und die Geschichte für die Leserinnen der ZEIT aufbereitet hat — nicht nur die Geschichte über die Unregelmäßigkeiten bei und die Einsprüche gegen die OB-Wahl, sondern auch jene vom kontinuierlichen Machtverlust der hiesigen Christdemokraten und deren Bemühungen, diesen Trend zu stoppen. In lockerem Ton geht es von Hochschild bis nach Hochheim einmal durch die Greifswalder Kommunalpolitik und zurück.

  • Stürzt darüber ein Politiker? (DIE ZEIT, 06.08.2015)

Apropos hiesige Christdemokraten: Die werden gerade bei Facebook von der Seite “Kann diese Fußmatte mehr Fans haben als die CDU Vorpommern-Greifswald?” gedemütigt — ein echt linkes Ding!

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Sanierung Gützkower Straße: Zweiter Bauabschnitt übergeben http://blog.17vier.de/2015/08/04/sanierung-guetzkower-strasse/ http://blog.17vier.de/2015/08/04/sanierung-guetzkower-strasse/#comments Tue, 04 Aug 2015 10:35:48 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43211 Weiterlesen ]]> Der zweite Bauabschnitt in der Gützkower Straße ist so gut wie fertiggestellt und kann seit Freitag wieder bis zur Burgstraße befahren werden.

Die Sanierung der Gützkower Straße nimmt allmählich Form an. Seit vergangenem Freitag ist nun auch der zweite Abschnitt zwischen Wiesenstraße und Burgstraße wieder für den Verkehr geöffnet und kann bis zur Kreuzung befahren werden. Ganz komplett abgeschlossen sind die Umgestaltungsmaßnahmen auf diesem Teilstück noch nicht — für den Herbst werden noch Baumpflanzungen angekündigt.

burgstraße greifswald baustelle (Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Die Umgestaltung der Gützkower Straße begann im Februar 2014 auf dem ersten Abschnitt zwischen Bahnhofstraße und Wiesenstraße. Das rund 3,6 Millionen Euro teure Bauvorhaben soll Ende 2015 abgeschlossen sein.

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Zwei Studentinnen erhalten Genderpreis der Universität Greifswald http://blog.17vier.de/2015/08/04/zwei-studentinnen-erhalten-genderpreis-der-universitaet-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/08/04/zwei-studentinnen-erhalten-genderpreis-der-universitaet-greifswald/#comments Tue, 04 Aug 2015 09:41:24 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43213 Weiterlesen ]]> Gleich zwei wissenschaftliche Arbeiten wurden gestern mit dem diesjährigen Genderpreis der Universität Greifswald ausgezeichnet. Ihre Autorinnen studieren Rechtswissenschaften und Geschichte.

Seit 2006 werden wissenschaftliche Arbeiten an der Universität Greifswald, die die Geschlechterperspektive in besonderer Weise berücksichtigen, mit einem Preis gewürdigt. Bislang hieß diese Auszeichnung Universitätspreis, in diesem Jahr wurde die mit 500 Euro dotierte Ehrung in “Genderpreis” umbenannt.

genderpreis universität greifswald (Übergabe des Genderpreises 2015 – v.l.n.r.: Prorektor Prof. Micha Werner, Prof. Dr. Sylvia Stracke, Rektorin Prof. Johanna Eleonore Weber, Lydia Krasemann, Sarah Baudis und Ruth Terodde. Foto: Jan Meßerschmidt, Universität Greifswald)

Die Senatsgleichstellungskommission wählte aus zehn “durchweg sehr guten” wissenschaftlichen Arbeiten zwei Seminararbeiten aus, die die Jury gleichermaßen durch die wissenschaftlich fundierte und innovative Herangehensweise beeindruckten. Zu den beiden Preisträgerinnen gehört die Jura-Studentin Sarah Baudis, die sich dem Thema Intersexualität aus rechtswissenschaftlicher Sicht beschäftigt hat: “Bis in die 1990er Jahre war eine gängige medizinische Behandlungspraxis, intersexuell geborene Kinder nach der Geburt zum Mädchen oder Jungen zu operieren, ohne dass die Eltern oder die Kinder über die Intersexualität aufgeklärt wurden. Diese medizinische Behandlungspraxis ist zwar im Wandel, allerdings werden Kinder immer noch aufgrund der elterlichen Einwilligung operiert. Diese Operation stellt jedoch einen massiven Eingriff in die körperliche Integrität und das Persönlichkeitsrechts des Kindes dar. Ein Eingriff, der die weitere Entwicklung des intersexuell geborenen Kindes enorm prägt und vor allem laut meiner Recherchen von Betroffenen stark kritisiert wird.“ Sarah Baudis entwickelte im Rahmen ihrer Seminararbeit einen eigenen Lösungsansatz, welcher den Betroffenen Operationen erst bei Volljährigkeit ermöglichen und andere Personen davon abhalten soll, diese Entscheidungen zu treffen.

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Die zweite Preisträgerin ist die Lehramtsstudentin Lydia Krasemann, die im Rahmen ihres ersten Staatsexamens eine Arbeit über Gisela von Bayern schrieb und darin die Königin Ungarns, eine bislang eher vernachlässigte Frauenfigur der Geschichte, überzeugend in den Kontext des frühen Mittelalters stellte: “Ziel der Arbeit war, sich genauer anzuschauen, welche Verdienste sie bei der Christianisierung Ungarns hatte und welches Schicksal ihr nach der Vertreibung aus Ungarn zu Teil wurde.“

Eingereicht werden konnten aktuelle wissenschaftliche Abschlussarbeiten sowie Promotionsarbeiten aus allen Fakultäten der Universität Greifswald einschließlich der Universitätsmedizin.

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Fünf Fragen an Tapir-Schöpfer Kai-Uwe Makowski http://blog.17vier.de/2015/07/28/fuenf-fragen-an-tapir-schoepfer-kai-uwe-makowski/ http://blog.17vier.de/2015/07/28/fuenf-fragen-an-tapir-schoepfer-kai-uwe-makowski/#comments Tue, 28 Jul 2015 10:40:20 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43172 Weiterlesen ]]> Ein satirischer Cartoon aus dem Sommerkalender des Moritz Magazins erregte in dieser Woche wegen der klischeehaften Darstellung von Griechen und Rumänen die Gemüter. Zeichner Kai-Uwe Makowski, der den Tapir seit 1998 auf die studentischen Medien loslässt, nimmt in einem schriftlichen Interview Stellung dazu und redet über die Grenzen von Satire, ertrunkene Flüchtlinge, geistige Kleingärtner, die Empörungsmaschinerie Internet und über Markus Söder.

FVB: Kai-Uwe Makowski, gegenwärtig braut sich ein bundesweiter Shitstorm wegen einer Ihrer Tapir-Cartoons zusammen, der als rassistisch kritisiert wird. Sie sorgen nicht zum ersten Mal mit einer Zeichnung für Unmut. Gibt es etwas, das Satire nicht darf? Und wer entscheidet, was Satire darf? Die Satiriker? Die Leser? Die Herausgeber? Das Grundgesetz?

KUM: Satire darf alles. Über Grenzfälle entscheidet das Bundesamt für Satire in Bonn.

Gibt es für Sie als Cartoonisten Tabus? Wäre für Sie beispielsweise denkbar, im nächsten Moritz einen Cartoon über im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge zu veröffentlichen, oder fänden Sie das pietätlos?

tapir greifswaldDie ertrunkenen oder noch zu ertränkenden Flüchtlinge sind ein ganz hervorragendes Thema. Gerade hierüber ist die Empörung in der bundesdeutschen Öffentlichkeit nämlich viel zu gering. Sind ja nur ein paar Afrikaner. Ein knackiger Cartoon, in dem der Tapir den organisierten Mittelmeertransport von Flüchtlingen anpackt und wie jeder gute Geschäftsmann 20% Schwund aufgrund “höherer Gewalt und äußerer Umstände” mit einberechnet, würde die Gleichgültigkeit des gemeinen Deutschen ganz hervorragend beleuchten.

Und bevor jetzt jemand anfängt mit “Ich bin gegen das Ertrinken von Flüchtlingen.”: Die Flüchtlinge ertrinken ja nicht zum Spaß. Die Ursachen von Flucht und Vertreibung sind vielfältig. Nicht zuletzt die menschenverachtende Politik unserer Regierung, welche durch die überwiegende Mehrheit der Deutschen immer wieder ins Amt gehoben wird, ist an der Misere schuld. Die Leute müssen aus ihrer Lethargie mal rauskommen und Parteien wählen, die eine vernünftige Flüchtlingspolitik betreiben.

Wie steht es mit Ihrer publizistischen Verantwortung? Ist die Reproduktion medial aufgebauter Klischees steuerflüchtiger Griechen und arbeitsscheuer Rumänen in Zeiten der Griechenland-Krise und wohlgepflegter Ressentiments gegenüber Flüchtlingen aus Südosteuropa nicht grob fahrlässig?

Ich bin ja kein Journalist. Als Produzent feinster Satire ist es sogar meine Pflicht, diese Klischees (von wem auch immer sie aufgebaut werden) aufzugreifen, zu überspitzen, sie aus dem Zusammenhang zu reißen und meinen Lesern zu servieren. Wem das schmeckt, der kommt wieder für mehr. Wer keinen Gefallen daran hat, kehrt wieder zu Hanni und Nanni zurück.

je suis tapir(Je-Suis-Motiv, das sich unter Fans derzeit auf Facebook verbreitet)

Sie schrieben einmal in einem Kommentar – damals warfen Ihnen Kritiker Antisemitismus vor –, dass Sie in ihrem Cartoon einen Köder ausgelegt hätten, um diese geistigen Kleingärtner zu entlarven. Sitzen die Gärtner gerade eher am Stammtisch oder beugen Sie sich über ihre Tastaturen, um sich über den jüngsten Tapir zu echauffieren?

Ich frequentiere keine Stammtische und kenne niemanden, der an solchen teilnimmt. Insofern ist meine Qualifikation für Aussagen über Stammtischtäter gering. Habe letztens Interviews mit Besuchern einer Festzeltveranstaltung der CSU gehört. Da fragte ich mich, wie viel Bier man trinken muss, um den Söder gut zu finden. Die fanden alle den Söder gut. Voll die Paralleldimension. Und ich komme ursprünglich aus Bayern, bevor jemand fragt. So in etwa stelle ich mir Stammtische vor. Aber wie gesagt, zu echten Stammtischen kann ich nichts sagen.

Ich konnte jetzt allerdings einige Erfahrungen mit der Empörungsmaschinerie des Internets sammeln. Hier kann ich mit Sicherheit sagen: Mit dem Internet ist es wie mit der Sonne. Die scheint auch noch auf den größten Volldepp. Und dass es im Netz von geistigen Schmalspurfahrern nicht gerade wenige gibt, das kommt doch für keinen von uns wirklich überraschend.
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Haben Sie vor der Veröffentlichung dieses Tapirs (Respekt) mit so viel Wirbel gerechnet?

Die Veröffentlichung des Cartoons erzeugte exakt Null Wirbel. Die erfolgte nämlich vor einigen Monaten. Die Chefredaktion des Moritz-Magazins hatte nichts zu beanstanden. Der Kalender erscheint, soweit ich weiß, in einer Auflage von mehreren Tausend Stück und wurde im April kostenlos an Studierende in Greifswald verteilt. Es gab meines Wissens keine Reaktion hierauf. Ich habe den Cartoon im April auf der Facebookseite vom Tapir online gestellt. Er sammelte bis heute 38 Likes und einen Kommentar. Der Kommentar war “tststs“. Dass die Diskussion jetzt aufflammt, kommt überraschend, freut mich aber sehr. Ist ja mein Ziel, die Leute wachzurütteln. Wenn da nur ein “tststs“ kommt, war es einfach noch nicht genug.

Vielen Dank.

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#Tapirgate: Greifswalder Satire-Comic löst bundesweiten Shitstorm aus http://blog.17vier.de/2015/07/28/tapir-greifswald-satire/ http://blog.17vier.de/2015/07/28/tapir-greifswald-satire/#comments Tue, 28 Jul 2015 10:19:54 +0000 http://blog.17vier.de/?p=43134 Weiterlesen ]]> Der Tapir-Cartoon aus dem aktuellen Moritz-Sommerkalender sorgt für einen bundesweiten Shitstorm und Diskussionen über die Frage, ob diese Zeichnung nun satirische Kunst oder schlichtweg Rassismus ist.

Kurz nach dem islamistisch motivierten Terroranschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris konnte man sich in den sozialen Netzwerken vor den Verteidigern der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit kaum retten. Plötzlich waren alle Charlie Hebdo, trauerten um die Opfer und bekannten sich im Taumel der schrecklichen Ereignisse mehr oder weniger bedingungslos zur Freiheit der Satire. Ob die meisten von ihnen bis dahin überhaupt jemals eine Hebdo-Karikatur gesehen haben, bleibt anzuzweifeln.

je suis tapir(Dieses neue Je-Suis-Motiv verbreitet sich derzeit dezent unter Tapirfans auf Facebook)

Respekt? Steuern zahlende Griechen und arbeitende Rumänen

Auch im Sommerkalender des Moritz lässt sich ein Cartoon bewundern: Der Tapir — ein berühmt wie berüchtigter Comic mit inzwischen beinahe zwanzigjähriger Publikationstradition. Dem schwerfälligen Rüsseltier mit den oft schwer verdaulichen Einstellungen gehört eine feste Seite, und zwar nicht die Witzseite, wie der mutmaßliche Auslöser des Shitstorms vermutete, sondern die Tapir-Seite — ein Raum für die satirischen Zeichnungen Kai-Uwe Makowskis. Der Tapir teilt in viele Richtungen aus und musste dafür auch schon kräftig einstecken. Einzelne Cartoons seien antisemitisch, islamophob und nun auch noch rassistisch. Der aktuelle Tapir trägt den Titel Respekt und ist in wenigen Worten erzählt: Ein Gentechniker, dem die Heilung von Krebs nicht Herausforderung genug ist, verrät, dass er Griechen erschaffen wollte, die ihre Steuern bezahlen. Nachdem er mit diesem Vorhaben scheiterte, schraubte er seine Ziele etwas herunter und kreierte Rumänen, die arbeiten.

“Gemecker, Gemecker, Gemecker – Ihr seid ja schlimmer als die Juden” (Tapir)

Ist das rassistisch? Keine Frage, natürlich ist diese stereotype Zuschreibung, sind diese Zeichnung gewordenen Klischees rassistisch — Hate Paint gewissermaßen; und in Zeiten der sozialen Krise in Griechenland und einem nationalchauvinistischen Backlash mit wütenden deutschen Horden vor Flüchtlingsheimen ist das zudem auch noch echt fahrlässig.

Dabei ist der Tapir — so trefflich sich mit Respekt auch die neuste Veröffentlichung Thilo Sarrazins, Björn Höckes oder Horst Seehofers illustrieren ließe — kein sich wiederholender Einzelfall im Sinne eines “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen”. Im Gegenteil: Der Tapir plappert zwar seit 18 Jahren ohne Unterlass und Rücksichtnahme, zeigt dschihadistische Moslems, schreibt von jammernden Juden oder klärt über den Spaghetti essenden Italiener mit seinem Faible für minderjährige Prostituierte auf, doch passiert das zumeist einerseits mit doppeltem Boden und andererseits auf einem dezidiert satirischen Sendeplatz. Das ist der große Unterschied zwischen der Erregung, die der frühere Pressesprecher der Universität Greifswald, Edmund von Pechmann, einst mit seinen “auschwitzartigen Duschbaracken” auslöste und einer Erregung, die als reine Reflexhandlung funktioniert, aber den publizistischen Kontext weitestgehend außer Acht lässt.

Die Moritz-Redaktion hat in vorauseilendem Gehorsam auf den sich ankündigenden Shitstorm reagiert und bittet in einer Stellungnahme alle, die sich von dem Comic verletzt fühlen, um Entschuldigung. Man distanziere sich “ausdrücklich von jeglichem Inhalt, der andere Menschen in ihrer Herkunft diskriminiert” und kündigt an, zukünftig “satirische Inhalte besonders im Blick behalten und darauf [zu] achten, dass sie den schmalen Grat zur Geschmacklosigkeit nicht noch einmal überschreiten, ohne die spitze Zunge zu verlieren.” Schneller lässt sich eine künftige redaktionelle Selbstbeschränkung kaum verbriefen und unklarer kann eine Redaktion die schwammigen Grenzen satirischer Inhalte auch nicht markieren. Denn wer entscheidet darüber, wo der Rahmen des Möglichen endet und die Sphäre des Geschmacklosen beginnt? Für Tapirschöpfer Makowski liegt die Antwort auf der Hand: “Satire darf alles. Über Grenzfälle entscheidet das Bundesamt für Satire in Bonn.”

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Ein Tapir ohne die Überwindung dieser konstruierten Grenzen, das ist leider auch ein Tapir ohne Erika Steinbach, ohne Silvio Berlusconi, ohne Terroristen, ohne Massenvernichtungswaffen, ohne Nazis, ohne Uiguren, ohne somalische Piraten, ohne Türken, ohne Libyer, ohne UNO, ohne Europa und schließlich auch ohne die zahlreichen Probleme und Widersprüche, die wie ein Netz unter viele Pointen gespannt sind und als doppelter Boden dienen. Schuld hat natürlich — wie immer — das Internet, in dem ein Tweet, der einen Comic aus seinem angestammten kontextuellen Rahmen entrückt, ausreicht, um dem Tapir auf einer Welle der Empörung Beine zu machen. Für die Deutung, dass Respekt gar nichts über Rumänen oder Griechen erzählt, sondern vielmehr das hierzulande an Stammtischen und in Redaktionsbüros konstruierte Bild ebendieser Bevölkerungen spiegelt, blieb angesichts des aufziehenden Sturms leider wenig Raum.
Satire aushalten und nicht auf pietätvollere Inhalte zu achten, um niemanden vor den Kopf zu stoßen: Das ist doch die Lehre aus dem Anschlag auf Charlie Hebdo! So genüsslich, wie man die undichte Stelle im Vatikan aushalten darf (Titanic), muss man dann auch Geschmacklosigkeiten wie den Anus des Propheten (Charlie Hebdo) oder die müden und zuweilen auch rassistischen Pointen des Greifswalder Tapirs ertragen. Ich wünsche mir, dass die größten Verteidiger der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit sich im Sommer noch an die Protestbildchen mit den zerbrochenen Bleistiften erinnern könnten, die sie voller Anteilnahme und Empörung am 7. Januar bei Facebook geteilt haben.

Mehr zum Tapir und zu #Tapirgate:

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