Fleischervorstadt-Blog http://blog.17vier.de Lokales aus Greifswald Fri, 23 Jan 2015 12:27:54 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.1 Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #44 http://blog.17vier.de/2015/01/23/kurze-wege-lange-naechte-44/ http://blog.17vier.de/2015/01/23/kurze-wege-lange-naechte-44/#comments Fri, 23 Jan 2015 12:16:11 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40335 Eine Rubrik aus dem Tiefschlaf reißen, abbilden, was noch so läuft. Kleinstadtsuffis den Weg zur nächsten Schänke weisen, sich über Gentechnik mokieren. Unter repressiven Verstimmungen leiden. In die Oper mit Einführung gehen und was Greifswald an diesem Wochenende noch so hergibt.

kurze wege lange nächte 43

“Gene, Gelder, Gegenwehr”

Ökoaktivist, Buchautor und Feldbefreier Jörg Bergstedt hält heute Abend im IKUWO einen multimedialen Vortrag über Aufstieg und Fall der agraren Gentechnik in Deutschland. Mit viel Geld, der Power großer Konzerne und einem geberfreundlichen Staat im Rücken startete 1990 das Projekt, die Landwirtschaft weiter dem Diktat von Markt und Macht zu unterwerfen. Die neue Waffe: Gentechnik. Damit schienen Saatgutkontrolle und Patente möglich. Doch schon Mitte der 90er Jahre formierte sich effektiver Widerstand gegen Gentechnik auf bundesdeutschen Äckern: Feldbefreiungen und -besetzungen, Protestaktionen vor Konzernzentralen, investigative Recherchen und viele Veranstaltungen. 2011 wurden die letzten Versuchsfelder in einer spektakulären Aktion zerstört. Konzerte wie Monsanto und BASF kündigten ihren Abgang aus Deutschland an. Seit 2013 wächst keine gentechnisch veränderte Pflanze mehr. Wie gelang das?

Fakten: 23.01. | 20 Uhr | IKUWO | Spende

Russische Kulturtage: Katja Petrowskaja “Vielleicht Esther”

Die 1970 in Kiew geborene Autorin Katja Petrowskaja erhielt 2013 für Vielleicht Esther den Ingeborg-Bachmann-Preis und kommt im Rahmen der Russischen Kulturtage nach Greifswald. Sie wird im Koeppenhaus aus ihrer Erzählung, einer Familiengeschichte im traumatisierten 20. Jahrhundert, lesen.

Hieß sie wirklich Esther, die Großmutter des Vaters, die 1941 im besetzten Kiew allein in der Wohnung der geflohenen Familie zurückblieb? Die jiddischen Worte, die sie vertrauensvoll an die deutschen Soldaten auf der Straße richtete — wer hat sie gehört? Und als die Soldaten die Großmutter erschossen “mit nachlässiger Routine” — wer hat am Fenster gestanden und zugeschaut?

Fakten: 23.01. | 20 Uhr | Koeppen | 5/3 EUR

„1. Greifswalder Soundcheck“ – der Sound der Stadt

Mit dem Greifswalder Soundcheck will man im Sótano am Markt in Zukunft auf Entdeckungsreise durch die hiesige Musikszene gehen. Ähnlich wie beim Bandopen in den goldenen Neunzigern darf man sich auf mehrere Musikprojekte aus Greifswald einstellen.

greifswalder soundcheck

Den Anfang machen die Spacerocker Coala on Caffeine, die Band No Supermans mit Johann Putensen an den Tasten sowie das sommerliche Hip-Hop-Offbeat-Projekt Turtleneck.

Fakten: 23.01. | 21 Uhr | Sótano | 9/6 EUR (erm.)

Indie Never Dies

Indie Never DiesIndie ist tot? Von wegen! Indie never dies ist der Titel einer Partyserie, die seit kurzem im Kontorkeller vonstatten geht. Die Rettung des erkalteten Patienten nehmen Fynn & Fyne sowie Rae East auf ihre Schultern und versprechen “das tanzbare Zeug aus der vollen Indiebandbreite. Indie Indie Indie. So much Indie.”

Mit von der Partie sind die Wasseraktivistinnen von Viva con Agua Greifswald, die mit der Garderobe Geld für neue Projekte sammeln. Rein geht es über die Fritzbar, raus geht’s immer irgendwie!

Fakten: 23.01. | 23 Uhr | Kontorkeller | 3/4 EUR (ab 24 Uhr)

Design-Workshop

Gut ausgeschlafen steht der Teilnahme am Design-Workshop, den GrIStuF gemeinsam mit dem Jugendmedienverband MV (JMMV) an diesem Wochenende organisiert, nichts mehr im Wege. Wer schon immer mal lernen wollte, selbst Flyer oder Plakate zu entwerfen, aber nie wusste, wie man das konkret anstellt, ist hier genau richtig.

Der Workshop findet jeweils am Sonnabend und am Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr im FMZ statt. Eigene Notebooks können mitgebracht werden, sind aber keine Voraussetzung. In dem Workshop wird es um die beiden Adobe-Programme Photoshop und InDesign gehen. Die Teilnahme kostet 10 Euro, Verpflegung wird gestellt. Wer in letzter Minute mitmachen will, sollte sich umgehend anmelden.

Fakten: 24./25.01. | 11-17 Uhr | FMZ (Bahnhofstr. 50) | 10 EUR

CDF-Galerie: Horst Hussel “Traum und Wirklichkeit”

horst-hummel-140In der Caspar-David-Friedrich-Galerie in der Langen Straße wird am Sonnabend eine Ausstellung mit Grafiken von Horst Hussel eröffnet. Zu sehen gibt es eine Auswahl von Arbeiten aus der 2012 erfolgten Schenkung von Christoph Müller an das Schweriner Kupferstichkabinett, die nun auf Reisen in die Geburtsstadt des 1934 in Greifswald geborenen Künstlers Horst Hussel geht, der zu den bedeutendsten Grafikern und Buchkünstlern Deutschlands zählt und zahlreiche Werke der Weltliteratur illustrierte.

Fakten: 24.01. | 11 Uhr | Caspar-David-Friedrich-Galerie | frei

Variante RD: Schultheaterprojekt des Humboldt-Gymnasiums

Zum sechsten Mal in Folge probte die neunte reformpädagogische Montessori-Klasse am Humboldt-Gymnasium unter professioneller Anleitung ein Stück im Unterricht, das später am Theater Vorpommern aufgeführt wird. In diesem Jahr beschäftigen sich die Schülerinnen zum ersten Mal mit dem Genre “Tanztheater” und verbinden unter der künstlerischen Leitung von Katja Maul Tanz, Rhythmus und Schauspiel. Die utopistische Eigenproduktion greift dabei unter anderem auf die Musik von Johann Sebastian Bach, Henry Purcell, dem Gothan Project, Lenny Kravitz, Modeselektor und Apparat zurück.

Nach der Premiere am Sonnabend finden weitere Vorstellungen am kommenden Montag um 11 Uhr und 18 Uhr statt. Karten gibt es im Ticketshop des Theaters.

Fakten: 24.01. | 19.30 Uhr | Theater Vorpommern | ab 6,50 (erm.)

Werbung

Ma’ma Ernst – Real Live TV

Theater gibt es an diesem Wochenende auch bei StuThe, wo das neue Format Real Live TV in die zweite Staffel geht. Vor der inszenierten Glotze mit selbstbestimmbaren Programm darf man Samstagabend in der Mehringstraße einen dramatischen Fernsehabend unter Freunden erleben.

Fakten: 24.01. | 20 Uhr | StuThe | 5/3 EUR (erm.)

Soliparty: Brinkesause mit ordentlich Antirepressiva

Mit einer Soliparty soll Geld für die Verfahren gesammelt werden, die wegen der sechswöchigen Besetzung der Brinkstraße 16/17, die am 20. November von einem Großaufgebot der Polizei geräumt wurde, auf einige Aktivistinnen zukommen. Unter dem Motto LEGO — Bau dir deine Welt, wie sie dir gefällt! bitten die Djanes Captain Planet, Princess, Die heiße Braut, MadGyver, LMZ, Arvid, Shorty und Mollenmutti zum Tanz. Wer hungert, kann vom Versorgungsangebot der anwesenden Vokü Foodconnection ausgiebig Gebrauch machen.

Brinke Soliparty Antirepressiva Klex

Fakten: 24.01. | 21 Uhr | Klex | 3 EUR

Der Freischütz

Wer mit dem Wochenende ganz bildungsbürgerlich abschließen möchte, geht am Sonntag in den Freischütz, mit Einführung! Die Oper von Carl Maria von Weber und Friedrich Kind wurde 1821 uraufgeführt und gilt heute als Inbegriff der deutschen romantischen Oper: “Die Wahl des Sujets und die atmosphärisch verdichteten Klänge der Partitur trafen den Nerv seiner Zeit und ließen das Werk schnell zur Nationaloper avancieren. In ihr fand das junge bürgerliche Deutschland Stimme und Ausdruck. Die Handlung spielt in den Wirren der Nachkriegszeit. Verlust und Entbehrung lassen die Sehnsucht nach Recht und Ordnung übergroß werden. Wie leicht werden in solchen Zeiten Traditionen und Rituale zu Werkzeugen der Ausgrenzung. Es ist nicht alles romantisch im deutschen Wald.”

Zu dieser Oper findet um 15.15 Uhr eine Einführung statt. Karten gibt es im Ticketshop des Theaters.

Fakten: 25.01. | 16 Uhr | Theater Vorpommern | ab 9,50 EUR

_______________________________

Das Foto zu dem voranstehenden Ausschnitt entstand im September 2014 beim hervorragend besuchten “Kino auf Segeln” im Museumshafen, unmittelbar vor der Vorführung des Films “Budapest Hotel”.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/01/23/kurze-wege-lange-naechte-44/feed/ 0
Vernetzungstreffen diskutiert Willkommenskultur für Flüchtlinge in Greifswald http://blog.17vier.de/2015/01/21/willkommenskultur-fluechtlinge/ http://blog.17vier.de/2015/01/21/willkommenskultur-fluechtlinge/#comments Wed, 21 Jan 2015 13:09:47 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40326 Heute Abend lädt die Arbeitsgruppe “Willkommen in Greifswald” zu einem öffentlichen Vernetzungstreffen in den Bürgerschaftssaal des Rathauses ein. Zu dem Treffen, das einerseits einem besseren Kennenlernen aller an Flüchtlingspolitik interessierten Akteure dienen und andererseits eine Plattform darstellen soll, um über Willkommenskultur zu diskutieren und herauszufinden, an welchen Stellen in Greifswald noch Nachholbedarf besteht, sind neben Vereinen, Initiativen und Gruppen auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen.

greifswald markplatz(Fotoausschnitt: Kevin Neitzel)

Angesichts der zu erwartenden Zahl geflüchteter Menschen, die in naher und mittlerer Zukunft auch in Greifswald aufgenommen werden, besteht höchste Dringlichkeit für ein solches Netzwerk. Die Arbeitsgruppe will, dass sich Flüchtlinge in der Hansestadt wohl fühlen. “Gerade in Zeiten von Pegida und Mvgida müsse Greifswald ein Zeichen von Weltoffenheit und Toleranz gegenüber Menschen setzen, die unter schwersten Bedingungen ihre Heimat verlassen mussten”, heißt es in der Einladung.

Die Arbeitsgruppe “Willkommen in Greifswald” begreift sich als parteiunabhängige Initiative. Sie entstand im Oktober 2014 nach einem von der Alternativen Liste Vorpommern-Greifswald initiierten Diskussionsabend.

Fakten: 21.10. | 19 Uhr | Rathaus

]]>
http://blog.17vier.de/2015/01/21/willkommenskultur-fluechtlinge/feed/ 0
EA Greifswald kritisiert Polizei nach Mvgida-Demonstration in Stralsund http://blog.17vier.de/2015/01/20/mvgida-demonstration-stralsund/ http://blog.17vier.de/2015/01/20/mvgida-demonstration-stralsund/#comments Tue, 20 Jan 2015 12:33:46 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40310 Nach den Protesten gegen die zweite Mvgida-Demonstration in Stralsund, an denen sich gestern Abend auch zahlreiche Aktivistinnen aus Greifswald beteiligten, kritisiert der Ermittlungsausschuss (EA) das Vorgehen der Polizei und Schlampereien bei den Ordnungsbehörden.

NPD MV über Pegida Udo Pastörs auf der Mvgida-Demonstration in Stralsund (Foto: Stefan Sauer, dpa, Montage: Fleischervorstadt-Blog)

Mahnwachen gegen Mvgida verboten, weil Anmeldung im Spamordner gelandet sein soll

So seien mehrere Protestmahnwachen im Versammlungsgebiet der Nazis kurzfristig und ersatzlos verboten worden, weil deren rechtzeitige und ordnungsgemäße Anmeldungen nicht zur Kenntnis genommen wurden und im Spamordner des Ordnungsamts gelandet sein sollen, wie der NDR auf Twitter meldete. “Dass mutmaßlich aufgrund von schlichter Schlamperei das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit beschnitten wird und jeglicher Protest gegen die Nazis im Knieper damit verunmöglicht wurde, ist ein Skandal“, kommentierte eine Pressesprecherin des EA Greifswald die peinliche Verwaltungspanne.

In der Pressemitteilung des Greifswalder EA wird auch die Arbeit der Polizei, die gestern mit 500 Einsatzkräften inklusive Wasserwerfern, Hundestaffel und Flutlicht in Stralsund zugegen war, kritisiert. So sollen die Sitzblockaden gegen die Mvgida-Demonstration “aggressiv geräumt” worden sein. Friedliche Gegendemonstranten wurden trotz des kalten Wetters über einen Zeitraum von mehreren Stunden eingekesselt und anschließend einer Identitätsfeststellung unterzogen. Der EA äußert sich besorgt über das “erneute massenhafte Abgreifen von Daten für die polizeilichen Datenbanken” und kritisiert außerdem, “dass die Polizei vielfach Anzeigen wegen des vermeintlichen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot erteilt hat, obwohl bei winterlichen Minustemperaturen das Tragen eines Schals, auch über Mund und Nase, durchaus üblich ist.”
Werbung

Weniger repressiv soll es auf der Seite der teilweise gewaltbereit aufgetretenen Mvgida-Demonstranten, unter die sich wieder zahlreiche Neonazis wie der wegen Volksverhetzung vorbestrafte NPD-Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs gemischt hatten, zugegangen sein. So sollen Kleingruppen wie in der vergangenen Woche die Gelegenheit genutzt haben, aus dem Demonstrationszug heraus tätliche Angriffe auf demonstrierende Mvgida-Gegner zu vollziehen.

Aktivistinnen, die infolge der Proteste gegen die rassistische Mvgida-Demonstration Post von der Polizei bekommen sollten, mögen sich bitte so schnell wie möglich bei den jeweiligen Ortsgruppen der Roten Hilfe (Greifswald oder Rostock) melden, wo ihnen verlässlich und vertrauensvoll geholfen wird.

  • Polizei untergräbt Grundrecht auf Versammlungsfreiheit (EA Greifswald, 20.01.15)
  • Proteste gegen MVGIDA: Post von der Polizei? (Rote Hilfe Greifswald, 20.01.15)
  • Polizeieinsatz anlässlich von Demonstrationen am 19.01.2015 in Stralsund (PM Polizei, 20.01.15)

]]>
http://blog.17vier.de/2015/01/20/mvgida-demonstration-stralsund/feed/ 2
„MV tut gut“ — „Mvgida“ nicht http://blog.17vier.de/2015/01/18/mvgida-stralsund/ http://blog.17vier.de/2015/01/18/mvgida-stralsund/#comments Sun, 18 Jan 2015 18:02:43 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40282 Ein Gastbeitrag von Rosa Gottlieb

Etwa 150 Aktivistinnen aus Greifswald reisten am 12.01. mit Bus, Bahn und Auto zu den Protesten gegen die Mvgida-Demonstration nach Stralsund. Am Treffpunkt „Neuer Markt“ versammelten sich zunächst ca. 200-300 Personen, von denen sich gegen 17.30 Uhr eine Gruppe in Begleitung von Polizeikräften mit dem Ziel in Bewegung setzte, zur ersten Mahnwache am Tribseer Damm — und damit in die Nähe des Mvgida-Versammlungsorts — zu gelangen.

Dort, in Empfang genommen worden von einigen Polizisten, wurden diese angehalten, sich zur angemeldeten Mahnwache zu begeben. Jedoch trafen zur gleichen Zeit die Unterstützerinnen vom Bahnhof ein, sodass man kurzerhand beschloss, die Straßenseite zu wechseln, um sich zusammen gegen die in etwa 100 Metern entfernten „besorgten Bürger“ zu positionieren. Kurz darauf postierte sich die Polizei vor den stehengebliebenen Leuten bei der Mahnwache — vermutlich bestand ein „Solidarisierungsrisiko“. Auch auf der anderen Straßenseite, unweit des Mvgida-Versammlungsorts, bildete sich ein Polizeispalier. Zunächst sollte somit verhindert werden, dass der unmittelbare Blockadepunkt durch weitere Leute gestärkt beziehungsweise unterstützt wird. Mit Bannern und unter Sprechchören (u.a. „Nationalismus raus aus den Köpfen“) begannen die zu diesem Zeitpunkt etwa 200 Gegendemonstranten, auf sich aufmerksam zu machen.

Der bürgerliche Mantel kippt — die geplante Demoroute auch

Allmählich trudelten nun in etwa einhundert Metern Entfernung von der Mahnwache die ersten „besorgte Bürger“ ein, die zum größten Teil aus der Bahnhofsrichtung kamen. Es sammelten sich dort 50-100 Leute und mit ihnen die erste schwarz-rot-goldenen Fahnen. In Anbetracht des Startpunktes war es für einige Mvgida-Interessierte, die aus Richtung Altstadt kamen, unumgänglich, an den Gegendemonstranten vorbeizulaufen. Hierbei kam es zu ersten Provokationen, Beschimpfungen und kleineren Handgreiflichkeiten.

Mvgida Demonstration in Stralsund mit Banner Asylflut(Foto: Endstation Rechts via Flickr)

Um 18:30 Uhr begann schließlich die Demonstration — zumindest für die ersten hundert Meter, denn schnell strömten Gegendemonstranten auf die Straße und blockierten die geplante Route. Polizisten versuchten vergebens, die Blockade zu verhindern. Die zunehmend frustrierten Wutbürger skandierten: „Wir sind das Volk!“ und machten ihrem Unmut Luft. Es kam zu direkten Konfrontationen, bei denen mehrere Ordner der Mvgida-Demonstration sehr aggressiv auftraten. „Ein kräftiger Mann in grauer Jogginghose ist mir aufgefallen. Der hat immer wieder versucht, einige zu schubsen.“ erinnert sich eine Gegendemonstrantin, die sich im vorderen Teil der Blockade aufgehalten hatte, später. Auch die Polizei versuchte, die Protestierenden und ihre Banner zur Seite abzudrängen, die Blockade konnte aber trotzdem aufrechterhalten werden.

Mit Jubelrufen wurden 200 weitere Gegendemonstrierende begrüßt, die aus Richtung Altstadt auf der kompletten Straßenbreite zur Blockade stießen und das Verhältnis der beiden Demonstrationen zuungunsten von Mvgida entscheidend veränderten. Dies musste auch die Polizei einsehen. Versuche der Beamten, den Weg freizumachen, wurden durch die schnell reagierenden und zahlenmäßig inzwischen überlegenen Gegendemonstranten unmöglich gemacht. Die Mvgida-Demonstration wurde schließlich auf eine andere Route umgeleitet.

Der übergriffige Mob und eine Polizei, die zuschaut

Die Gegendemonstranten machten sich auch auf den Weg in diese Richtung. Am Kreisverkehr an der Ecke Frankendamm stießen dann beide Lage — zum Teil ohne Polizeischutz — aufeinander. Da ein großer Teil der Gegendemonstranten noch auf dem Weg war, standen den etwa 300 Mvgida-Anhängern nur wenige Aktivistinnen gegenüber. Dabei kam es zu direkten Übergriffen seitens der Neonazis, in der Folge auch zwei Zivilpolizisten brachial eingriffen und zwei Antifaschistinnen festsetzten.

Video (01:02)

Eine Demonstrantin erzählte: „Statt uns zu filmen und die Hunde festzuhalten, hätten sie mal lieber Eingreifen sollen. Es gab keinen Polizeischutz. Die waren überhaupt nicht auf der Höhe und total überfordert.“ Es gab einige Verletzte bei diesem Aufeinandertreffen. „Zieht euch zurück, die sind in der Überzahl!“ war zu hören. Angesichts der Tritte und Schläge, die zum Teil mit Gegenständen vollzogen wurden, kann man von Glück sprechen, dass es keine Schwerverletzten gab. Auf Höhe des Netto-Discounters am Frankendamm trafen dann weitere Unterstützer ein und es wurde mit Hilfe einer Einkaufswagenkette sowie zwei größeren Mülltonnen eine Blockade errichtet. Auch hier war die Situation relativ undurchsichtig: Einige Neonazis kamen an den Seiten durch, andere setzten auf direkte Konfrontation in der Mitte der Blockade. Man musste seine Augen offen halten, da manchmal nicht klar erkennbar war, wer eigentlich zu welcher Demonstration gehört.

Nach minutenlangen Anspannungen und weiteren Konfrontationen sah dann die Einsatzleitung der Polizei offenbar ein, dass es an diesem Abend kein Durchkommen für Mvgida in Stralsund geben wird. Auch bei der Rückkehr der Demonstration am Hauptbahnhof kam es zu kleineren Zwischenfällen und Provokationen. Die Polizei tat sich schwer damit, an diesem Tag mit der Lage fertig zu werden. Man könnte sogar behaupten, dass es an diesem Abend keine Situation gab, die sie umfänglich unter Kontrolle hatte. Sie waren nicht nur unterbesetzt sondern haben die gesamte Situation unterschätzt.

Mvgida: Altbekannte Neonazis in altbekanntem Stil

Immer wieder gab es direkte Konfrontationen entlang des Demozugs, mehrere Neonazis zeigten den verbotenen Hitlergruß. Einige „besorgte Bürger“ filmten und machten Fotos, andere grinsten und provozierten. Man sah Neonazis, die Kleidung der Marken Thor Steinar und Ansgar Aryan trugen. Einer von ihnen schrie eine Frau an: „Pass auf Mädchen, bald wirst du auch eine Burka tragen müssen!“
Werbung

Im Demonstrationszug der Mvgida marschierten auch zugereiste Neonazis wie der Greifswalder Jura-Student Max B. mit. Der angehende Rechtswissenschaftler lebt in dem Haus der rechten Burschenschaft Rugia, nimmt regelmäßig an landesweiten NPD-Veranstaltungen teil und trat zuletzt bei der Räumung eines besetzten Hauses in der Brinkstraße in Erscheinung, als er – vor den Augen der anwesenden Polizeibeamten – Aktivistinnen mit Pfefferspray bedrohte und schließlich von den Ordnungshütern festgesetzt wurde. Hier zeigt sich ein weiteres Mal, dass aktive Neonazis mehr oder weniger unbehelligt an der Universität studieren und regelmäßig in rechtsextremen Strukturen in Erscheinung treten können, ohne von der übrigen Gesellschaft als solche wahrgenommen zu werden.

#NoMvgida: Rassistische Wutbürger auch in Zukunft stoppen!

Mvgida wurde bei ihrem ersten Auftritt in Stralsund von etwa 500 Menschen erfolgreich blockiert. Nicht nur die Anzahl der Unterstützerinnen, sondern auch die Bereitschaft einiger, sich den um die Islamisierung des Abendlands besorgten Wutbürgern direkt in den Weg zu stellen, waren wichtige Signale dafür, dass man sich in der Sundstadt gegen menschenverachtende Hetze zur Wehr setzt. Die Menschen Mecklenburg-Vorpommerns sollten jetzt an einem Strang ziehen und auch in Zukunft gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße gehen. Öffentliche Einrichtungen, Universitäten, Parteien und alle anderen Gruppen und Organisationen müssen sich deutlich positionieren, denn besonders hier in dieser Region ist es wichtig, eindeutige Zeichen gegen rassistische Hetze zu setzen!

Bus zur Mvgida-Demonstration in Stralsund

(Foto: Rosa Gottlieb)

Mvgida kommt wieder: Schon am 19.01. soll in Stralsund erneut gegen die Islamisierung des Abendlandes demonstriert werden. Zu der einzigen Pegida-Demonstration in Mecklenburg-Vorpommern dürfen am kommenden Montag neben den besorgten Bürgern auch wieder zahlreiche Neonazis und Rechtspopulisten aus dem gesamten Bundesland erwartet werden. Unterdessen mobilisiert das Bündnis Rock gegen rechts Stralsund landesweit zu Protesten gegen die Mvgida-Demonstration und lädt um 17.30 Uhr zur Teilnahme an einer Kundgebung auf dem Neuen Markt ein. Von dort soll später eine Menschenkette entstehen, die die Stralsunder Altstadt symbolisch von den Mvgida-Demonstranten abriegeln soll. Um möglichst vielen Menschen auch aus Greifswald den Protest gegen Mvgida zu ermöglichen, hat das Bündnis Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt! einen kostenlosen Bus organisiert, der um 16.30 Uhr abfahren wird.

Weitere Infos:

Rosa Gottlieb ist Gründungsmitglied der Initiative “Uni ohne Nazis Greifswald“.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/01/18/mvgida-stralsund/feed/ 0
Theater-Stadtprojekt “Klaus” thematisiert Obdachlosenmord in Greifswald http://blog.17vier.de/2015/01/13/theater-stadtprojekt-klaus/ http://blog.17vier.de/2015/01/13/theater-stadtprojekt-klaus/#comments Tue, 13 Jan 2015 13:36:21 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40226 Das Theater Vorpommern sucht Menschen jeden Alters und aus allen sozialen Schichten, um gemeinsam und in einem ergebnisoffenen Prozess das Theater-Stadtprojekt “Klaus” umzusetzen. Das Projekt soll sich mit der Ermordung des Greifswalder Obdachlosen Klaus Dieter Gerecke auseinandersetzen.

Gedenkstein Klaus Dieter Gerecke(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Der damals 47-Jährige wurde in der Nacht vom 23. zum 24. Juni 2000 in der Gützkower Straße von drei Jugendlichen so schwer verprügelt, dass er schließlich an den massiven Schädel-, Gesichts- und Rippenverletzungen, die er dabei erlitten hatte, verstarb. Heute erinnert eine Gedenkplatte, deren verblichene Inschrift kaum mehr lesbar ist, an den vor knapp 15 Jahren ermordeten Obdachlosen.

Mit dem Stadtprojekt „Klaus“ soll das Spielzeitmotto des Theaters Vorpommern — bürgerlIch – noch einmal wörtlich genommen werden, denn hierbei wird die Greifswalder Bevölkerung ausdrücklich dazu aufgefordert, sich einzubringen. Abgesehen vom Premierentermin am 12. Mai steht schon einiges fest: Regie wird die opernale Henriette Sehmsdorf führen, die Dramaturgie übernimmt Katja Pfeiffer und die musikalische Leitung erledigt Thomas Putensen, der sich in der Vergangenheit mehrfach für das Gedenken an die beiden 2000 getöteten Obdachlosen einsetzte und bereits die Musik für das Stück komponiert.

Gemeinsam mit den Greifswalder Bürgerinnen, die an dem Stadt-Theaterprojekt teilnehmen, will man sich auf Spurensuche nach dem Verbrechen begeben, “Rückschau, Umschau und Vorausschau halten und uns gegenseitig befragen, wie es zu einer solchen Untat im Herzen von Greifswald kommen konnte. Welches Gedankengut hat dazu geführt und in welcher Gestalt begegnet uns dieses heute?” Aus den Meinungen und Haltungen der Teilnehmenden soll schließlich der Theaterabend am 12. Mai destilliert werden. Ein erstes Treffen dazu findet heute im Boddenhus statt.

Fakten: 13.01. | 18 Uhr | Boddenhus (Karl-Liebknecht-Ring 1)

]]>
http://blog.17vier.de/2015/01/13/theater-stadtprojekt-klaus/feed/ 0
Messerattacke auf Netto-Mitarbeiter in Greifswald http://blog.17vier.de/2015/01/06/messerattacke-auf-mitarbeiter-eines-supermarktes/ http://blog.17vier.de/2015/01/06/messerattacke-auf-mitarbeiter-eines-supermarktes/#comments Tue, 06 Jan 2015 06:16:17 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40228 Logo Polizei MVWie die Polizei mitteilt, wurde gestern Abend ein Angestellter des Netto-Discounters (ehemals Plus) in der Filiale Anklamer Straße mit einem Messer attackiert.

Ein 36-jähriger Tatverdächtiger soll gegen 19.45 Uhr im Kassenbereich mit einem Taschenmesser auf einen jungen Verkäufer eingestochen haben. Anschließend versuchte der mutmaßliche Täter, in Richtung Innenstadt zu flüchten, konnte jedoch umgehend von der alarmierten Polizei gestellt werden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand wurde der 22-jährige Angestellte durch den Angreifer nicht lebensgefährlich verletzt. Nähere Umstände oder Hintergründe der Tat sind noch nicht bekannt. Polizei und Staatsanwaltschaft haben ihre Ermittlungen aufgenommen.

  • Messerattacke auf Mitarbeiter eines Supermarktes (PM Polizei, 05.01.15)
]]>
http://blog.17vier.de/2015/01/06/messerattacke-auf-mitarbeiter-eines-supermarktes/feed/ 0
Die Greifswalder Sportskanonen des Jahres 2014: Baltic Mariners http://blog.17vier.de/2014/12/26/baseball-baltic-mariners/ http://blog.17vier.de/2014/12/26/baseball-baltic-mariners/#comments Fri, 26 Dec 2014 21:07:38 +0000 http://blog.17vier.de/?p=39005 Junge ostdeutsche Männer, die sich in ihrer Freizeit mit Baseballschlägern bewaffnen, um zusammengerottet ihren Gegnern vernichtende Niederlagen beizubringen, lösen hierorts nicht unbedingt rosige Assoziationen aus und erinnern eher an die rechtsextremen Gewaltexzesse der Neunziger Jahre als an einen Mannschaftssport US-amerikanischer Herkunft.

DIE REHABILITIERUNG DES BASEBALLSCHLÄGERS 

Logo der Baltic Mariners Greifswald

Gänzlich anders hingegen verhält es sich mit den Baltic Mariners — einem Baseball-Team aus Vorpommern, das in der zurückliegenden Saison zum zweiten Mal in Folge den Landestitel der Mecklenburg-Vorpommern Baseball Liga (MVBL) nach Greifswald holte und das sich die hochanerkennende Auszeichnung als Sportskanone in diesem erfolgreichen Jahr wirklich verdient hat. Noch keiner anderen Mannschaft der relativ überschaubaren Baseball-Landesliga glückte zuvor die Verteidigung dieses Titels, um den neben den Vorjahresmeistern der Baltic Mariners auch die Diamonds (Schwerin), die Bucaneros (Rostock), die Vikings (Wismar), die Grizzlys (Rostock) sowie die Lizards II (Lübeck) konkurrierten. Wer das Finalspiel gegen die Schweriner Diamonds, das die Baltic Mariners im September knapp mit 13:12 für sich entscheiden konnten, verpasst hat, kann das auf Youtube nachholen und sich dort selbst von den Qualitäten der Greifswalder Superpitcher überzeugen.

Video (01:56:25)

Keine Frage, die erst 2011 als Baseballverein gegründeten Baltic Mariners, die sich alsbald der Greifswalder Hochschulsportgemeinschaft (HSG) angeschlossen haben, fristen mit ihren etwa 40 Mitgliedern und den beiden Mannschaften (Jugend und Erwachsene) nach wie vor ein Dasein in der Nische. Doch die Trainingseinheiten auf dem Sportplatz im Elisenhain tragen ihre Früchte — sei es bei den Begegungen in der MVBL oder bei Gastpartien wie im niederländischen Utrecht. Take me out to the Ball Game, ihr alten Sportskanonen!

Mehr Baltic Mariners:

Mit dem Titel “Sportskanone des Jahres” werden seit 2010 besonders außergewöhnliche und hervorhebenswerte sportive Leistungen aus Greifswald auf dem Fleischervorstadt-Blog gewürdigt.

]]>
http://blog.17vier.de/2014/12/26/baseball-baltic-mariners/feed/ 1
Hilfsgüter aus MV erreichen Kobanê-Flüchtlinge http://blog.17vier.de/2014/12/23/mv-fur-kobane/ http://blog.17vier.de/2014/12/23/mv-fur-kobane/#comments Tue, 23 Dec 2014 18:12:50 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40126 Im November wurde mit der Aktion “MV für Kobanê” landesweit dazu aufgerufen, Hilfsgüter für die Menschen zu spenden, die im Herbst vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) über die türkische Grenze geflohen sind und seither   unter widrigen Bedingungen in provisorischen Flüchtlingscamps leben müssen.

MV für Kobane

Diesem Aufruf folgten innerhalb kurzer Zeit unzählige Menschen, die die Aktion mit Geld- und Sachspenden unterstützten. Zahlreiche Helfer packten mit an, sortierten, verpackten und verluden Hilfsgüter. Ende der vergangenen Woche erreichte der selbstorganisierte Transport nun die türkische Stadt Suruç, die in kaum 6 Kilometer Entfernung vom noch immer umkämpften Kobanê liegt. Mehr als 20.000 Flüchtlinge sind hier gestrandet, weitere 30.000 Vertriebene sollen in der unmittelbaren Umgebung der Stadt leben.

Die zahlreichen Spenden — darunter Winterkleidung, Verbandsmaterial, Heizkörper und sogar drei Beatmungsgeräte — wurden auf dem 40-Tonner einer türkischen Spedition verstaut, der zusammen mit einem weiteren Hilfstransport aus Hamburg die Reise nach Suruç antrat. 500 Kartons aus Mecklenburg-Vorpommern mit Sachspenden aus Greifswald, Güstrow, Neubrandenburg, Rostock und Stralsund wurden auf diesem Weg in das Rojava Camp gebracht — mehr hat nicht in den LKW gepasst! In Suruç angekommen, wurden die Vertreter der Initiative darum gebeten, allen Menschen zu danken, die diesen Transport ermöglicht haben.

MV für Kobane in der Türkei (Foto mit freundlicher Genehmigung von “MV für Kobanê”)

MV für Kobanê kündigte bereits vor zwei Wochen an, dass dem knapp 3500 Euro teuren Transport ein weiterer folgen wird, mit dem die verbliebenen Hilfsgüter der erfolgreichen Spendenaktion nach Suruç gebracht werden sollen. Aktuelle Informationen dazu sowie weitere Fotos dieser großartigen Aktion sind auf der regelmäßig aktualisierten Facebook-Seite von MV für Kobanê zu finden.

]]>
http://blog.17vier.de/2014/12/23/mv-fur-kobane/feed/ 0
Sanierung im Schneckentempo: Ein Stückchen Gützkower Straße bitte! http://blog.17vier.de/2014/12/22/sanierung-gutzkower-strase-greifswald/ http://blog.17vier.de/2014/12/22/sanierung-gutzkower-strase-greifswald/#comments Mon, 22 Dec 2014 14:12:19 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40102 Minimalfortschritt in der Gützkower Straße: Das Tiefbau- und Grünflächenamt informierte in der vergangenen Woche darüber, dass der Abschnitt zwischen Bahnhofstraße und Wiesenstraße für die Anlieger freigegeben wurde und nun über die Einfahrt aus der Wiesenstraße befahren werden darf — zumindest temporär.

Gützkower Straße Greifswald(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Wer daraus den Schluss zieht, dass damit die Bauarbeiten auf dem seit Februar 2014 gesperrten Abschnitt abgeschlossen seien, liegt leider daneben. So konnten vor dem sibirisch-frostigen Jahresende zwar bereits sogenannte Asphalttrag- und -binderschichten aufgetragen werden, doch für das Ausbringen der Deckschicht seien die Nachttemperaturen zu kalt gewesen, so dass die abschließende Asphaltschicht erst im Frühjahr aufgetragen werden soll — “wenn das Asphaltmischwerk wieder öffnet und es die Temperaturen zulassen.” Immerhin wurde das Pflaster der Gehwege und Parkflächen rechtzeitig erneuert, außerdem funktioniert inzwischen sogar die Straßenbeleuchtung wieder!

Die Sanierungsarbeiten haben die Gützkower Straße inzwischen in eine Dauerbaustelle verwandelt. Wurde im Februar noch angekündigt, dass der erste Abschnitt am 30. Oktober fertiggestellt sei und übergeben werden könne, so zeichnete sich schnell ab, dass dieser Zeitplan nicht zu halten sein würde. Dabei war dieser Planungsschritt von äußeren Faktoren wie überraschendem Extremfrost oder archäologisch wertvollen Entdeckungen im Straßenbett verschont. Trotzdem ist nicht abzusehen, dass vor März dort irgendwas fertiggestellt sein wird. Und in diesem Verzögerungstakt wird es vermutlich auch weitergehen. Mit jedem Monat, der verstreicht, wird es unrealistischer, dass man den für Ende 2015 angekündigten Fertigstellungstermin für das gesamte Sanierungsvorhaben einhalten können wird, zumal auf dem dritten Abschnitt — glücklicherweise — noch nicht mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Die Überwindung der vorab kommunizierten Deadline betrifft nicht nur Anwohnerinnen, Lieferanten und den Durchgangsverkehr durch die Fleischervorstadt, auch die häufig älteren Patienten der hier ansässigen Arztpraxen und die Kunden der Apotheke leiden unter der schlechten Erreichbarkeit.

Die Bauarbeiten werden nun bis zum 5. Januar ruhen; dann soll es auf dem Abschnitt zwischen Wiesenstraße und Burgstraße mit der Neuverlegung der Regenentwässerung und der Umverlegung der Gasleitung einschließlich der Hausanschlüsse sowie dem Einbau der Bordsteine weitergehen. Und dann bricht ja erstmal noch überraschend der Winter ein.

]]>
http://blog.17vier.de/2014/12/22/sanierung-gutzkower-strase-greifswald/feed/ 9
Kurzfilm über Greifswalder Dichterin Sibylla Schwarz feiert Premiere http://blog.17vier.de/2014/12/02/sibylla-schwarz-film-premiere/ http://blog.17vier.de/2014/12/02/sibylla-schwarz-film-premiere/#comments Tue, 02 Dec 2014 07:56:49 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40053 Heute Abend feiert der poetische Kurzfilm Sibylla Back in Town, den Walter Baumgartner, Hedwig Golpon und Lucas Treise in diesem Jahr über das Leben der 1621 in Greifswald geborenen Barockdichterin Sibylla Schwarz drehten, Premiere. Der Film lässt die von der Gymnasiastin Philine Gebhardt gespielte Bürgermeistertochter für einen Tag zurückkehren. Die “pommersche Sappho” lustwandelt in ihrem damaligen Sommeridyll Frätow, besucht ihr Elternhaus in Greifswald, flaniert über den Wall, streift über den Marktplatz und begegnet in der Hansestadt dem modernen Vorpommern.

Filmplakat Sibylla Schwarz(Plakatausschnitt)

In dem Film verliert Sibylla Schwarz keine Worte, stattdessen wurde die Tonspur mit Gedichten, die Greifswalder Schwarz-Expertinnen wie Monika Schneikart oder Michael Gratz eingesprochen haben, unterlegt. Initiator des Projekts ist der emeritierte Literaturprofessor Walter Baumgartner, der mit dem Film auch eine sinnvolle Nutzung des seit Jahren leerstehenden Geburtshauses der Dichterin in der Baderstraße anregen möchte.

Die Bürgermeistertochter Sibylla Schwarz wurde während des Dreißigjährigen Krieges geboren. Dank ihrer privilegierten Herkunft genoss sie mehr Bildung als die meisten ihrer Altersgenossinnen, kannte die römische und griechische Mythologie und übersetzte lateinische Bibeltexte. Nachdem das literarische Vermächtnis der blutjungen Dichterin, die im zarten Alter von nur 17 Jahren sehr früh verstorben ist, lange Zeit unterschätzt wurde, gilt Sibylla Schwarz — nicht zuletzt dank des Interesses angelsächsischer Literaturwissenschaftler — heute als bedeutendste Barockdichterin Pommerns.

Video (01:12)

Die Premiere beginnt heute um 18 Uhr im Pommerschen Landesmuseum und wird von einer Ausstellung über die junge Barockdichterin begleitet, die im Auftrag des Fördervereins Sibylla Schwarz von Dr. Monika Schneikart und Andrea Werner erstellt wurde. Weitere Vorführungen finden am 5.12. um 18 Uhr im Koeppenhaus sowie am 19.12. um 19.30 Uhr im St. Spiritus statt.

Fakten: 02.12. | 18 Uhr | Pommersches Landesmuseum

]]>
http://blog.17vier.de/2014/12/02/sibylla-schwarz-film-premiere/feed/ 0