Fleischervorstadt-Blog http://blog.17vier.de Lokales aus Greifswald Fri, 17 Apr 2015 07:57:06 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=4.1.1 Kunstpause: “Zwei Männer – ein Meer” im Pommerschen Landesmuseum http://blog.17vier.de/2015/04/17/kunstpause-zwei-maenner-ein-meer-im-pommerschen-landesmuseum/ http://blog.17vier.de/2015/04/17/kunstpause-zwei-maenner-ein-meer-im-pommerschen-landesmuseum/#comments Fri, 17 Apr 2015 07:10:40 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41608 Weiterlesen ]]> Gastbeitrag von Maria-Friederike Schulze

Zwei Männer - ein MeerMan kommt fast nicht drum herum: Die passend zu den ausgestellten Werken meerblaue farbintensive Werbekampagne zur Ausstellung Zwei Männer – ein Meer überschwemmt Greifswald in ähnlicher Weise, wie es 2007 die Feininger-Sonderausstellung mit ihren gestalteten Bierdeckeln und Stadtbussen tat. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die aktuelle Sonderausstellung, in der bis zum 28. Juni ausgewählte Werke der deutschen Expressionisten Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff in Greifswald präsentiert werden.

Das Drumherum

Ergänzt wird die Ausstellung zu den beiden Brücke-Künstlern durch ein umfangreiches Begleitprogramm, für das verschiedene (lokale) Akteure und Institutionen ins Boot geholt wurden. Neben unzähligen thematischen Führungen und Vorträgen, unter anderem von zwei Pechstein-Enkeln, werden auch von Studierenden des Caspar-David-Friedrich-Instituts produzierte Audio-Guides angeboten.

Sonderausstellung: Zwei Männer ein Meer

In Kooperation mit dem Institut für Deutsche Philologie finden Lesungen statt und sowohl das Kino auf Segeln als auch der Filmclub Casablanca konnten als Partner gewonnen werden. Ein bisheriger Höhepunkt war sicherlich die Lesung mit dem Deutschen Buchpreisträger Lutz Seiler, über die in der vergangenen Woche wortreich auf dem Fleischervorstadt-Blog berichtet wurde. Auch Schülerinnen und Schüler der Stadt wurden direkt in die Vorbereitungen der Ausstellung mit einbezogen: Innerhalb der Ausstellungsräume, die sehr umfangreich mit Informationsmaterial ausgestattet sind und zum Selbststudium einladen, wurde im Obergeschoss eine Art interaktiver Zeitstrahl-Tisch eingerichtet, der von Schülerinnen und Schülern des Humboldt-Gymnasiums gestaltet wurde und einige originelle Daten und Fakten parat hält.

Tischzeitstrahl im Pommerschen Landesmusem

Aber auch alle anderen dürfen mitmachen: Innerhalb der Ausstellung lädt die offene Werkstatt, deren farbenfrohe Wände ebenfalls in einem Schülerprojekt entstanden sind, kleine und große Gäste an verschiedenen Stationen zum Gestalten, Malen, Zeichnen, Stempeln, Texten und Verweilen ein. Unter dem Motto „Mein Meer – starke Bilder von der Ostsee“ können eigene Ostsee-Fotografien eingesendet werden; ausgewählte Arbeiten werden im Museum präsentiert und begleiten die Ausstellung. Für eine derart umfassende Kooperation, Vernetzung und Öffnung gebührt den Macherinnen ein großes Lob, nicht zuletzt, weil damit möglichst viele unterschiedliche Besuchergruppen zur Teilhabe an kultureller Bildung im Museum ermuntert werden.

Offene Werkstatt im Pommerschen Landesmusem

Mehr Schein als Sein?

Das Begleitprogramm findet sein Ende jedoch nicht in Vermittlungs- und Kreativangeboten, sondern wird mit ergänzenden kulinarischen Einfällen lokaler Restaurants gekrönt: Fischbrötchen und Expressionismus-Törtchen im Museum sind sicherlich Ansichtssache – zumindest aber haben sie den Beigeschmack der zunehmend zu beobachtenden und scheinbar unumgänglichen Eventisierung von Kunst- und Kultur, bei der die Grenzen zwischen Inszenierung und Vermarktung zu verschwimmen drohen. Doch diese heikle Klippe umschifft das Pommersche Landesmuseum dann aber in letzter Sekunde: Was die Fischbrötchen anbelangt, so kann Kuratorin Birte Frenssen vor Pechsteins Gemälde Ein Hecht und anderen Werken überzeugend darlegen, dass Angeln und Malen mehr gemeinsam haben, als man denkt – und so bekommt der kombinierte Genuss schließlich doch seine Berechtigung.

Vor allem aber hält der Inhalt der Ausstellung, was die umfangreich inszenierte Verpackung verspricht: Es ist schon eine beachtliche Leistung, eine so umfassende Sammlung an expressionistischen Gemälden, Zeichnungen und Drucken, aber auch privaten Bildern und Postkarten Max Pechsteins und Karl Schmidt-Rottluffs hier in Greifswald zu präsentieren. Ausgehend von Pechsteins Sonnenuntergang (1926), welcher bereits Teil der Dauerausstellung in der Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums war, wurden die Werke, seit das Berliner Brücke-Museum 2011 seine Unterstützung zusagte, über mehrere Jahre aus verschiedenen Sammlungen zusammengetragen.

Das Darin — die Bilder

Diese Bilder allein sind Grund genug, sich Zeit für einen Museumsbesuch zu gönnen; nicht nur wegen ihrer stilgeschichtlichen Relevanz, sondern schon aufgrund ihrer beeindruckenden Farbintensität, die kein Digital- oder Printmedium je wiedergeben kann – auch der qualitativ hochwertige Ausstellungskatalog muss leider aufgrund seiner raffinierten Falttechnik ohne großformatige Abbildungen auskommen.

Die ausgestellten Originale zeigen exemplarisch die Bandbreite typischer Gestaltungsmittel der Künstlergruppe Die Brücke, die sich 1905 in Dresden gründete und später nach Berlin umsiedelte. Unter dem von Gründungsmitglied Ernst-Ludwig Kirchner formulierten Motto: „Als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen draengt“ entstand ein eigener Stil, der die Entwicklungen der Moderne mit prägte. In Anlehnung an das große Vorbild van Gogh, ist es vor allem der Drang nach Ablösung vom realistischen Vorbild hin zum Ausdruck subjektiver Empfindungen und Emotionen, der die Bildgestaltung bestimmt. So gehören expressiv gesteigerte, nach Autonomie strebende Farben, starke Kontraste und der sichtbare Pinselduktus ebenso zu den Markenzeichen der Brücke-Künstler wie die Reduzierung der Formen auf das Wesentliche und der Verzicht auf traditionelle Regeln der Perspektive oder der Proportionen.

Ausstellung "Zwei Männer -- ein Meer"Bilder wie Schmidt-Rotluffs Spiegelnder See (1936) weisen den Weg hin zur Abstraktion. Auch die Auseinandersetzung mit der Kunst von Naturvölkern, die schon Gaugin inspirierte, schlägt sich erkennbar in den ausgestellten Malereien, Holzschnitten und den kleinen Steinskulpturen Schmidt-Rottluffs nieder. Gäste, die sich kunsthistorisch weniger bewandert fühlen, brauchen jedoch keine Berührungsängste zu haben, denn was in der Ausstellung präsentiert wird, ist nicht nur der Expressionismus der Brücke-Künstler, sondern auch die Liebe der beiden Maler zum Meer, zum Angeln und zur Ruhe der Pommerschen Abgeschiedenheit gegenüber der hektischen Großstadt.

Der Ausklang

Dieser Ruhe wird auch im Pommerschen Landesmuseum Raum gegeben: Etwas versteckt über der offenen Werkstatt lädt dort eine von Lucas Treise mit visuellen Farbklängen unterlegte Soundcollage des Klangperlentauchers Martin Hiller zum Luftholen nach der Begegnung mit der farbintensiven Malerei ein. Nebenan kann meditativ in Sand gekritzelt werden – Entschleunigung pur, die sonst häufig zu kurz kommt, auch in einer Kleinstadt.

Installation im Pommersches Landesmuseum Mit der Sonderausstellung Zwei Männer – ein Meer ist dem pommerschen Landesmuseum eine sehr interessante und mit Liebe zum Detail aufbereitete Ausstellung gelungen, die nicht nur durch die Werke an sich, sondern auch durch ihre museumspädagogischen Angebote überzeugt.

Öffnungszeiten:

  • Dienstag bis Sonntag (Nov.-April: 10-17 Uhr, Mai-Okt. 10-18 Uhr)
  • Sonderöffnungszeiten im Rahmen der Sonderausstellung: siehe Begleitprogramm
  • Eintritt: 7/5,50 EUR (erm.), Familienkarte 15 Euro
  • Sparkassenkunden und Bahncard-Inhaber zahlen den ermäßigten Preis (Nachweis erforderlich)

__________________________

Maria-Friederike Schulze ist Kunstlehrerin und betreibt den Fachblog kunst-unterrichten.de. Sie hat bis 2009 an der Universität Greifswald Kunst und Englisch studiert.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/04/17/kunstpause-zwei-maenner-ein-meer-im-pommerschen-landesmuseum/feed/ 0
Und misch’ die da oben richtig auf. Zum Tode von Günter Grass http://blog.17vier.de/2015/04/13/nachruf-guenter-grass/ http://blog.17vier.de/2015/04/13/nachruf-guenter-grass/#comments Mon, 13 Apr 2015 13:19:33 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41594 Weiterlesen ]]> Lieber Günter Grass, in großer Dankbarkeit und tiefer Trauer denken wir heute an Dich. Ohne Deine Initiative und langjährige Unterstützung gäbe es das Koeppenhaus nicht. Mach’s gut — und misch die da oben richtig auf… 

Am 23. Juni 1906 wird Wolfgang Koeppen in der Bahnhofstraße 4 geboren. Als im Jahr 1999 die Hanse- und Universitätsstadt das Haus erwirbt und aufgrund der hohen Sanierungskosten nur ein Abriss geboten scheint, berichten die Lübecker Nachrichten auf ihrer Kulturseite von dem desolaten Zustand des Hauses. Glücklicherweise nimmt auch Nobelpreisträger Günter Grass Notiz von dieser Meldung. Ebenso wie sein Schriftstellerkollege Peter Rühmkorf, schätzt Günter Grass Wolfgang Koeppen als einen bedeutenden deutschen Romancier der Nachkriegszeit. Sie gründen die Wolfgang- Koeppen-Stiftung, um die Erinnerung an den Schriftsteller und sein Werk wachzuhalten. In Gerhard Schröder finden beide einen weiteren Prominenten, der sich für die Sicherung und den Erhalt von Koeppens Geburtshaus stark macht. Bund und Land renovieren das Haus und im November 2002 beziehen die neuen Mieter, das Literaturzentrum Vorpommern und das Wolfgang-Koeppen-Archiv, das so genannte “Koeppenhaus”.

Günter Grass Greifswald(Foto: Literaturzentrum Vorpommern)

Seit über 12 Jahren betreibt das Literaturzentrum mit rund 100 Veranstaltungen das Koeppenhaus und wird bei der Ausrichtung der jährlichen “Greifswalder Koeppentage” zu Ehren des Autors Wolfgang Koeppen durch die Wolfgang-Koeppen-Stiftung ebenso unterstützt, wie 2006 bei einer bundesweiten Petition zum Erhalt des Hauses, nachdem die Fördermittel gekürzt werden sollten. 2011 konnten wir Günter Grass zuletzt bei den Koeppentagen in Greifswald begrüßen als Teilnehmer der Diskussion “Jeder ist Lobbyist. Das Spannungsverhältnis von Interessen und Demokratie”.

Unser Dank gilt Günter Grass für die jahrelange großzügige Unterstützung und Begleitung der Arbeit im Koeppenhaus. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau, seiner Familie und seinen Wegbegleitern.

Literaturzentrum Vorpommern im Koeppenhaus, Greifswald, 13.04.2015

]]>
http://blog.17vier.de/2015/04/13/nachruf-guenter-grass/feed/ 0
Podiumsdiskussion über bezahlbaren Wohnraum in Greifswald http://blog.17vier.de/2015/04/10/podiumsdiskussion-wohnraum-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/04/10/podiumsdiskussion-wohnraum-greifswald/#comments Fri, 10 Apr 2015 09:43:29 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41436 Weiterlesen ]]> Bei der Podiumsdiskussion über Wohnraum und Mieten in Greifswald werden sich heute Abend die Diskutanten keinen Zentimeter schenken! Das kündigt nicht etwa das vor kurzem gegründete Aktionsbündnis bezahlbarer Wohnraum für Greifswald (Facebook) an, das zu der Veranstaltung im Bürgerschaftssaal des Rathauses einlädt, sondern lässt sich vielmehr zwischen den Zeilen einer Eilmeldung von Axel Hochschild, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands und wichtigster Mann politischer Realsatire in der Hansestadt, herauslesen.

“Der Wohnungsmarkt ist keine Spielwiese für selbsternannte sozialistische Jungpolitiker!” (Axel Hochschild, CDU)

hochschild fck szlsms

(Montage: Fleischervorstadt-Blog)

Der Kommunalpolitiker, für dessen Partei es in den vergangenen Monaten in Greifswald nicht so gut gelaufen ist — nach verlorener Bürgerschaftsmehrheit und -präsidentschaft drohen jetzt schlimmstenfalls auch noch die Posten des Oberbürgermeisters und des ersten Dezernenten abhandenzukommen — meldete sich noch gestern Nacht mit einer Pressemitteilung auf die ihm eigene Art zu Wort: Das Aktionbündnis würde private Vermieter, Genossenschaftler, “ja selbst unsere WVG” diskreditieren und ihnen pauschal unterstellen, zu Lasten der Mieter Riesengewinne einzufahren.

Dabei würden die Organisatoren des Aktionsbündnisses suggerieren, dass es in Greifswald keinen bezahlbaren Wohnraum gäbe: “Sie appellieren an die niedrigsten Gefühle, an Neid und Missgunst! Ihnen geht es nicht um unsere Heimatstadt und unsere Bürger.“ Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Nein, geht es nicht! „Eine sozialistische Planwirtschaft und ein sozialistisches Wohnungsbauprogramm wird es mit uns nicht geben!“, wie Axel Hochschild in seinem Kommuniqué beruhigend abschließt.

oz-wvg-greifswald600(Schlagzeilen der Ostsee-Zeitung von 2012 und 2013 über die Bilanzen der WVG) 

Das Aktionsbündnis erklärt in seiner Einladung, dass die Mieten in Greifswald seit Jahren steigen würden und sich in der Hansestadt die Mietspirale sehr schnell nach oben bewegen würde, im bundesweiten Vergleich wohlgemerkt. Auf der offenen Podiumsdiskussion, zu der unter anderem Andre Bleckmann (FDP), Oberbürgermeisterkandidat Stefan Fassbinder (Grüne), Jörn Kasbohm (Die Linke), Milos Rodatos (Piratenpartei), Michael Steiger (Alternative Liste) und Erik von Malottki (SPD) angekündigt werden, sollen mit allen Interessierten Maßnahmen diskutiert werden, mit denen man den Anstieg der Mieten und der Knappheit von Wohnraum entgegensteuern kann.

  • Der Wohnungsmarkt ist keine Spielwiese für selbsternannte sozialistische Jungpolitiker! (CDU Greifswald, 09.04.2015)

Fakten: 10.04. | 18 Uhr | Rathaus

]]>
http://blog.17vier.de/2015/04/10/podiumsdiskussion-wohnraum-greifswald/feed/ 20
Lutz Seiler liest im Pommerschen Landesmuseum aus “Kruso” http://blog.17vier.de/2015/04/09/lutz-seiler-kruso-landesmuseum/ http://blog.17vier.de/2015/04/09/lutz-seiler-kruso-landesmuseum/#comments Thu, 09 Apr 2015 13:45:35 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41406 Weiterlesen ]]> Am 08. April las Lutz Seiler aus seinem, von Beifall und der Krönung mit dem Deutschen Buchpreis umspülten, ersten Roman „Kruso“ im Pommerschen Landesmuseum. Kulisse und Rahmen war die derzeit dort laufende Ausstellung Zwei Männer — ein Meer: Pechstein und Schmidt-Rottluff an der Ostsee.

Lutz Seiler im LandesmuseumNahe liegt es allemal: die Ausstellung zeigt Werke der beiden Expressionisten, die mit ihrer malerischen Liebe zum Meer einen ähnlich zwingenden Bezug zur Ostsee haben, wie auch der im kleinen Kosmos der Saisonkräfte Hiddensees angesiedelte Roman Kruso. Nicht zuletzt basiert Seilers Buch, in seiner Bezugnahme zu Robinson Crusoe, im Kern auch auf der Beziehung zwischen zwei Menschen – dort: Freitag und Robinson, hier: der Protagonist Ed und sein Freund Kruso.

Ein Leseerlebnisbericht von Martin Hiller

Die von Prof. Dr. Eckhard Schumacher moderierte Lesung bot ebenso dem eingeweihten, wie auch dem in der Sache dieses Romans noch unbelesenen Publikum auf- und anschlussreiche Einblicke. In zwei Blöcken, an die sich jeweils eine Interviewsituation mit Prof. Schumacher anschloss, las Lutz Seiler erst aus dem Anfang, dann aus dem hinteren Teil des Buches. Aus dem von ihm so genannten „Hauptteil“ las er nicht. Das tat dem Bann, den seine dichte Sprache auslöst, keinerlei Abbruch.

Kruso ist so ein Buch, das einen in seinem Umfangreichtum – gesotten in Recherche, Erfahrung und schriftstellerischem Handwerk – für eine gute Weile einnimmt, sich in die Welt des Lesers hineinwirkt und jene im Licht seines literarischen Tons neu glänzen lässt. Ein Buch, in dem es sich ein gutes Leseleben führen lässt, dessen metaphernreiche Sprache einem mit der Zeit heimlich auch auf die eigene Zunge schleicht. Ein Roman, der mehr ist, als nur eine genüssliche Insellektüre auf dem Nachttischchen. Man muss sich hier erlauben, zu sagen: ein Roman wie eine Insel.

Künstler, Punks und Steilküstenschlenderer

Kruso faltet sein Geschehen über knapp 500 Seiten auf der Insel Hiddensee auf. Hiddensee – das ist die Insel der Tagestouristen, Steilküstenschlenderer und vom Inselwetter ganz wonnig gewordenen Gaststätteneinkehrer. Dieses sanddornsatte Eiland mit der Form eines Seepferdchens war zu DDR-Zeiten aber auch Künstlerkolonie und Sommerresidenz der Republik-Punks, die halbnackt und besoffen ums Strandfeuer kajohlten. Am obersten Ostrand der Republik, mit der weiten See unterm Kinn und dem gegenüberliegenden Dänemark vor der Nase, schlug auch damals schon das Fernweh zwei Gänge höher in der Brust – war es auf dem Festland doch eher verhältnismäßig eingezäumt. Ein süßer Duft von Aufbruch und eine milde Ahnung von Anarchie umflort auch heute noch die Verheißung dieser, wenn nicht gar jeder Insel.

Lutz Seiler und Eckhard Schumacher im Pommerschen Landesmuseum-hiller600

Einen meiner schönsten Urlaube verbrachte ich auf Hiddensee: Grippekrank und mit Fieber zwar (im Leuchtturmwärterquartier), zu nichts in der Lage, aber doch ohne schlimmere Nöte – während draußen der Herbstniesel eine, nur der Nebensaison eigene, regnerische Ruhe über das abendliche Schnattern im nahegelegenen Vogelschutzgebiet ausbreitete. Danach war ich für eine gute Weile erstmal wieder gesund.

Weggehen als Vorgehen

Auch der Protagonist in Kruso durchwandert im ersten Verlauf des Romans, wenn man so will, eine Art der Gesundung. Jedenfalls wenn man die Sehnsucht als Krankheit und den Aufbruch und das Ausbrechen aus den Verhältnissen (ob nun politisch oder innerlich) als den ersten, leisen Schritt zur Linderung sieht. Es geht um die alte Fregatte Sehnsucht, die hinter der Brust ihre Segel auftakelt und mal stärkeren, mal spärlicheren Winden ausgesetzt ist. Es geht um ein Sehnen und Suchen nach Freiheit. Als typischer Roman der Wendezeit, der seine Charaktere in ein Wechselbad von Gefühlen und Möglichkeiten aufbrechender Grenzen wirft, möchte Kruso jedoch nicht gelesen werden.

Zuvorderst geht es hier um das flüchtige Gefühl von innerer Freiheit – einen Zustand des Gelöstseins, den auch die wackersten Herzen nicht auf Dauer festhalten können, dem es deshalb ständig gilt, ein bisschen nachzureisen — ein Woandershingehen ist also nicht verkehrt. Der Reiz des Abenteuers liegt zu einem gerüttelten Maß ja auch im schlicht Andersartigen, Nicht-Alltäglichen, am Verlassen allzu oft gelatschter Pfade. Gleich das ganze Festland hinter sich zu lassen ist – was das eigene Weggehen betrifft – hierbei ein denkbar konsequentes Vorgehen.

Robinsonade und Entwicklungsroman

Seilers Kruso setzt im Jahr 1989 ein. Der Protagonist Edgar Bendler, kurz Ed, verlässt die Stadt Halle und landet – für einige Nächte ohne Unterkunft, am Strand unterm Dornbusch nächtigend – auf der Insel Hiddensee. Hier beginnt diese Robinsonade. Dann spült es Ed langsam in die innere Welt dieser Insel. Als Leser strömt und plätschert man mit. Der Aussteiger Ed trifft als Saisonarbeiter in der Waldgaststätte „Zum Klausner“ auf weitere Inselbewohner und beginnt mit einem von ihnen, Kruso, eine zärtliche Freundschaft.

All dies bildet den besagten „Hauptteil“ dieses Buches, dem es nicht an Vorschusslorbeeren mangelt. Ein milder Hype, ein richtiges Kruso-Kribbeln weht diesem Debutroman von Lutz Seiler voraus: alle reden davon, manche meinen, es sei ein irgendwie verstiegenes, gar schwieriges Buch, andere heben Seilers handwerkliche Schule in seiner bisher veröffentlichten Lyrik hervor. Man kommt um den Kruso nicht drumrum. Aus den Hemdkragen der Feuilletonisten dampfen Lob und Anerkennung, hinter den Schläfen der Leserkommentareschreiber puckert ein Wechsel von Euphorie und Empörung, über die scheinbar hohe Zutrittsschwelle zur Lektüre dieses liebevollen, vielschichtigen, doch nicht verqueren Aussteigerbuches, das sich auch als Roman der Entwicklung eines Gestrandeten lesen lässt.

Und was machst du so?“ – „Ich les Kruso!“

Mit der Aura eines Abenteuerromans und seinem losen Leitmotiv des Ausbruchs spricht Kruso grundinnerste Begehren an. Schon Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ lebte von diesem Reiz der Geschichte eines schiffbrüchigen Abenteurers – fern von den Zwängen der Verhältnisse des Festlands, paradoxerweise aber doch eingeschlossenen im Meer. Das Schiff, das einem unterm Hintern wegbricht, hat seinen Rumpf am Ende eben doch im Menschen selbst: Man nimmt sich schließlich überall auch selbst mit hin. Defoes Ur-Robinsonade setzt Lutz Seiler ganz bewusst als Bezugspunkt, betont – darauf von Eckhard Schumacher angesprochen – jedoch, dass es sich bei seinem Werk vielmehr um eine „umgekehrte Robinsonade“ handle. In seinem Kruso ist der Protagonist über weite Strecken einer von Vielen in der eingeschworenen Gemeinschaft der auf Hiddensee übersommernden Aussteiger, am Ende jedoch ist er wahrscheinlich allein.
Lutz Seiler liest Kruso in Greifswald

Auch wenn das Setting des Romans im Milieu der Inselindividualisten zuerst überschaubar abgesteckt erscheinen mag: die Komplexität im kleinen Mikrokosmos der Waldgaststätte „Zum Klausner“ und die Sinnlichkeit, die der Autor in ihren Aufbau legt, macht die Lesemöglichkeiten ebenso universeller.

Hier schreibt einer, der weiß, wie man liest.

Lutz Seiler baut und setzt die Welt dieser Übersommerer in seinem Roman in formbewusster Detailliebe zusammen. Hier liegt das schreiberische Geschick Seilers: Jede Ausschweifung in verschlungene Beschreibungen der Inselwelt Hiddensees und der Kellnerwelt des Klausners samt ihrer “Poetik des Abwaschs”, jede weitere Ausstaffierung der Wesenszüge seiner Romanfiguren ist nicht bloße Handwerkshudelei, sondern formt den Vorangang des Buches. Dieser stellt sich als pulsierendes, konzentrisches Ausbreiten des Universums im Klausner dar. Seine Belegschaft schuftet darin wie im Inneren einer schnaubenden Galeere. Der Autor bedient sich in diesen Schilderungen, neben einem unendlichen Fundus an den Dingen der Natur, auch vieler semantischer Äcker aus der Historie, insbesondere der Sklaverei. All das offenbart schließlich aber Momente des Sichbefreiens. Ed arbeitet sich in seinem meditativen Tellerwäschertakt „durch bis auf den stabilen Grund einer wirklichen Erschöpfung“, auf dem er vom Aussteiger endlich wieder zum Aushalter seines eigenen Lebens wird, denn „für diese Stunden fühlte er sich rein, erlöst von sich selbst und seinem Unglück“.

So naheliegend manches Bild hier zuerst erscheinen mag, so kohärent ist am Ende das Wesen dieser Geschichte. Die Sprache ist kunstvoll, der Ort überschaubar, die Struktur manchmal ausufernd, dann wieder prägnant im Timing und seinen Leerstellen. Jeder Charakter bevölkert, belebt und bewirkt diese literarische Welt mit seiner dramaturgischen Chemie. Neben den tapferen Gefährten Ed und Kruso gibt es – den Rittern der Tafelrunde nicht unähnlich – zwei kräftige Hände voll weiterer Charaktere. Auch gibt es einen verwesenden Fuchs, mit dem Ed (Selbst)gespräche führt, dem er sich mit seinen Geheimnissen anvertraut – ein literarischer Kniff Seilers. Und es gibt natürlich das Meer. Seine Symbolkraft erstreckt sich über die komplette Skala vom Drang nach Freiheit bis zum Tod, den manche ereilte, die die Flucht über die Ostsee wagten. Dort schlägt Seilers Roman dann dunklere, aber nicht minder bildreiche Klänge an.

Mikrokosmos im Meer

lutz seiler krusoHier schreibt einer, der weiß, wie man liest. Als Leser fließt man irgendwann durch das Buch. Der sprachliche Bau, das durch die Figur des Kruso hineingewebte Utopistische und manchmal märchenhaft Anmutende, verflüssigen sich zu einem Strom, dem man als Leser gerne in seinem Suchen nach so etwas wie Freiheit folgt. Ob und welche Idee oder Form von Freiheit Ed in Kruso letztlich findet, bleibt am Ende nebenrangig. Denn der Ton von Seilers Sprache macht hier die Musik und der Weg durch die im Lesen breiter werdende Tiefe dieses mächtigen Romans ist das Ziel.

Ob Facetten von Aljoscha Rompe, dem verstorbenen Sänger von Feeling B, Eingang in den Roman gefunden hätten, fragt eine, offensichtlich in den Dingen des DDR-Punk beflissene, Frau aus dem Publikum am Ende der Lesung im Landesmuseum. Lutz Seiler bejaht und die Rede kommt von Rompe, dem Guru der Hiddenseeaussteiger, zu Christian „Flake“ Lorenz, der früher als Grünschnabel bei Feeling B und heute als Teil der kunstsinnigen Groteskrockband Rammstein die Tasteninstrumente bedient. Auch er hat jüngst einen Roman veröffentlicht. Doch das ist eine andere Geschichte. Aber auch sie spielt auf Hiddensee.

(Fotos: Martin Hiller)


_____________

Martin Hiller ist Betreiber eines Do-It-Yourself-Labels (Rakkoon Recordings), Musiker (Huey Walker, The Splendid Ghetto Pipers) und schreibt in unregelmäßigen Abständen unter dem Alias Ferdinand Fantastilius für den Fleischervorstadt-Blog.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/04/09/lutz-seiler-kruso-landesmuseum/feed/ 0
OB-Wahl 2015: Die Wahlwerbespots der beiden Favoriten http://blog.17vier.de/2015/04/08/ob-wahl-2015-wahlwerbespots-analyse/ http://blog.17vier.de/2015/04/08/ob-wahl-2015-wahlwerbespots-analyse/#comments Wed, 08 Apr 2015 15:40:08 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41384 Weiterlesen ]]> Am 26. April wird in Greifswald ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Schon seit Wochen laufen sich die drei Kandidaten Stefan Fassbinder (Grüne), Jörg Hochheim (CDU) und Björn Wieland (Die Partei) für diese Wahl warm und je dichter das Votum rückt, desto emsiger und präsenter werden sie.

die partei bjoern wieland greifswaldMittlerweile glotzen die drei Bewerber allerorten von den Laternenpfählen und selbst auf den großen Online-Plattformen des Bewegtbilds wird man an die bevorstehende Oberbürgermeisterwahl erinnert, zumindest dann, wenn man die Wahlwerbespots von Stefan Fassbinder und Jörg Hochheim anklickt, in denen die beiden Kandidaten über sich und ihre zu verwirklichenden Ziele als Oberbürgermeister sprechen. Beide Filme wurden von Greifswald TV produziert und auf angenehme Weise aus dem gleichen Guss gefertigt, so dass sich niemand auf gegensätzliche Ästhetiken einstellen muss, sondern die Grenzen zwischen beiden Kandidaten auf vielsagende Art verschwimmen, oder doch nicht?

(Foto: Björn Wieland via Facebook) 

Insignien der (Gestaltungs-)Macht: Akte und Bauhelm

“Gemeinsam Greifswalds Zukunft gestalten” möchte CDU-Kandidat Jörg Hochheim, der seit mehr als 20 Jahren in der Stadtverwaltung tätig ist und 2011 zum Dezernenten und stellvertretenden Oberbürgermeister wurde. Der Bratwurstenthusiast und Hobbytänzer wirbt in seinem Wahlwerbespot mit Verwaltungserfahrung und blickt stolz auf die Stadtentwicklung der letzten Jahre zurück. Bildsprachlich wird dabei der Bogen von der Vergangenheit in die Moderne, von der Aktenfresserei zur transparenten Verwaltung geschlagen: Blättert der Dezernent noch anfangs in einer Aktenmappe, so wischt er wenige Augenblicke später gekonnt über sein Tablet. Auch der weiße Bauhelm, der in mehreren Szenen mal mehr, mal weniger subtil zum Einsatz kommt, gehört zu diesen Insignien der Gestaltungsmacht, mit denen dem Publikum unterschwellig vorgeführt wird, wer hier anpackt.

So handfest die Inszenierung auch ist, inhaltlich bleibt die Bewerbung leider relativ schwammig. Befreit man die Vorschläge Hochheims von jenen Phrasen, die zwar modern klingen, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht oder nur kaum mit Inhalt gefüllt wurden — dazu gehören zum Beispiel die “Stärkung des Ehrenamts”, die “zeitgemäßen Konzepte für Stadtentwicklung”, die “transparente Verwaltung”, die “attraktiven Schulen”, die “leistungsfähige Universität”, der “Gedankenaustausch mit Wirtschaft und Universität” oder ganz klassisch: “mehr Bürgerbeteiligung” — dann bleibt relativ wenig des Gesagten übrig, das meiste davon verbleibt unkonkret und angedeutet. Oder können Sie nach dem Ansehen des Videos genauer erklären, mit welchen Mitteln der Oberbürgermeister die “Verbundenheit aller Generationen” fördern will? Zwischen den beiden Polen intergeneratives Wohnprojekt und Seniorenrave ist schließlich viel Platz! Sicher ist deswegen nur eine Sache: Mit Hochheim als Oberbürgermeister wird es auch außerhalb der offiziellen Termine Bürgersprechzeiten geben — das ist doch schon mal was!

Mobilmachung — ein Mann und sein Fahrrad

Was dem Baudezernenten sein Helm, ist dem Grünen sein Fahrrad. Stefan Fassbinder, der gemeinsame Kandidat von Grünen, Linke, SPD und der Piratenpartei, schafft es tatsächlich, dass in fast 40 Prozent des gesamten Films ein Fahrrad zu sehen ist. Wo Hochheim im Sitzen auf das Geschaffene zurückblickt und dabei mal auf einer Parkbank Platz nimmt, dann wieder auf seinem Bürostuhl, aber mehr als die Hälfte des Films sitzend dargestellt wird, dynamisiert der am Pommerschen Landesmuseum angestellte Historiker spürbar und macht deutlich, wer seine Pobacken zusammenkneifen und fest in den Fahrradsattel drücken will.

Mit diesem Veränderungsversprechen bringt sich Fassbinder natürlich in die Bringepflicht, seine Vorhaben zu konkretisieren. Das gelingt ihm zumindest in dem Wahlwerbespot besser als seinem christdemokratischen Rivalen. Auf den Punkt gebracht sind das zum Beispiel die Forderung einer kommunalen Mietpreisbremse und das große Thema “Mobilität für Alle”, das mit einigen konkreten Ideen unterfüttert wird: intelligente Verbindung verschiedener Verkehrsmittel, Ausbau der Radverkehrsachse, Radstation am Bahnhof, Reparatur von Fußwegen. Der Wunsch, “dass wir in unserem Ryck wieder baden können!” klingt zwar ein bisschen nach Leslie Nielsens Vision in der Nackten Kanone 2½, der einen großen Schluck aus einer Toilette trinken wollte, ohne anschließend Ausschlag zu bekommen, aber man wird ja nochmal träumen dürfen!

Note: There is a poll embedded within this post, please visit the site to participate in this post's poll.
Werbung

Podiumsdiskussion zur OB-Wahl

Die Ostsee-Zeitung veranstaltet am Donnerstag, 9. April, um 19 Uhr im St. Spiritus eine Podiumsdiskussion zur OB-Wahl 2015, bei der alle drei Kandidaten Rede und Antwort stehen werden.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/04/08/ob-wahl-2015-wahlwerbespots-analyse/feed/ 9
Vollsperrung: Gützkower Straße wird nächste Woche asphaltiert http://blog.17vier.de/2015/04/07/vollsperrung-guetzkower-strasse/ http://blog.17vier.de/2015/04/07/vollsperrung-guetzkower-strasse/#comments Tue, 07 Apr 2015 17:30:20 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41377 Weiterlesen ]]> Für die nächste Woche wird eine Vollsperrung der Gützkower Straße zwischen Bahnhof- und Burgstraße angekündigt. Grund dafür ist die geplante Asphaltierung der Straße, die nicht nur den zweiten Bauabschnitt betrifft, sondern auch das Aufbringen der fehlenden Deckschicht auf dem ersten Abschnitt zwischen Bahnhof- und Wiesenstraße mit einschließt.

Vollsperrung Baustelle Gützkower Straße Greifswald(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Die Sperrung erfolgt am kommenden Montag (13.04.); eine Woche darauf soll der erste Straßenabschnitt wieder für den Verkehr freigegeben werden. Während dieser Zeit wird es nicht möglich sein, die Gützkower Straße über die Wiesenstraße oder über die Burgstraße zu kreuzen.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/04/07/vollsperrung-guetzkower-strasse/feed/ 0
Anmeldung zum 7. Fleischervorstadt-Flohmarkt hat begonnen: Save the date! http://blog.17vier.de/2015/03/26/anmeldung-zum-7-fleischervorstadt-flohmarkt-hat-begonnen-save-the-date/ http://blog.17vier.de/2015/03/26/anmeldung-zum-7-fleischervorstadt-flohmarkt-hat-begonnen-save-the-date/#comments Thu, 26 Mar 2015 18:40:00 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41368 Weiterlesen ]]> Am 31. Mai wird der diesjährige Fleischervorstadt-Flohmarkt stattfinden und rege Betriebsamkeit ins Quartier tragen. Im vergangenen Jahr verteilten sich mehr als einhundert Stände über das Viertel und hunderte Neugierige und Schnäppchenjäger flanierten durch die Straßen der Fleischervorstadt. In diesem Jahr sollen es noch mehr werden!

Fleischervorstadt-Flohmarkt 2015Alle Bewohner und Bewohnerinnen der Fleischervorstadt sind herzlich dazu eingeladen, von 13 Uhr bis 18 Uhr am Stadtteil-Flohmarkt teilzunehmen, sei es vor der Haustür oder im eigenen Garten. Im Vorfeld der Veranstaltung wird ein Laufplan erstellt und verteilt, auf dem alle angemeldeten Stände verzeichnet sind — irgendwie muss man ja den Überblick behalten. Der Stadtteil-Flohmarkt ist ein Projekt des Quartiersbüros Fleischervorstadt, das seine Arbeit Ende Juni 2014 eingestellt hat. Seit 2013 bemühen sich engagierte Anwohnerinnen darum, gesetzte Impulse des Quartiersmanagements aufzunehmen und zu verstärken, um den Stadtteil zukünftig selbstorganisiert zu beleben. Wie bereits im vergangenen Jahr wird auch der diesjährige Stadtteil-Flohmarkt (Facebook) von den sogenannten „Fleischervorstadt-Gestalten“ organisiert.

Die Anmeldung ist bis zum 3. Mai per E-Mail (Flohmarkt@17vier.de), telefonisch (03834-7735-10 Literaturzentrum) oder persönlich im Café Koeppen — täglich ab 12 Uhr (Bahnhofstraße 4/5) — möglich.

Fakten: 31.5. | 13-18 Uhr | Facebook-Event

]]>
http://blog.17vier.de/2015/03/26/anmeldung-zum-7-fleischervorstadt-flohmarkt-hat-begonnen-save-the-date/feed/ 2
Native Advertisment: Anzeigenblätter verwandeln Titelseiten in Werbeflächen http://blog.17vier.de/2015/03/25/native-advertisment-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/03/25/native-advertisment-greifswald/#comments Wed, 25 Mar 2015 15:46:24 +0000 http://blog.17vier.de/?p=40675 Weiterlesen ]]> Kostenlose Anzeigenzeitschriften sind rätselhafte Medienprodukte, die ihren Lesern kaum inhaltlichen Mehrwert bieten und stattdessen auf Schmusekurs mit regionalen Unternehmen gehen — zumindest, sobald diese Anzeigen schalten. 

In Greifswald gibt es mit dem Stadtgespräch, das vor einer Weile die Besitzerin wechselte und nun vom gleichen Verlag wie das Vorpommern Magazin herausgegeben wird, nur noch zwei klassische Vertreter dieses publizistischen Genres. Beide Zeitschriften ähneln sich sowohl inhaltlich als auch optisch und haben große Mühe, einzuhalten, was ihr hochglänzender Umschlag verspricht.

anzeigenblätter vorpommern magazin greifswald(Auswahl der letzten Titelseiten des Vorpommern Magazins)

Beide Zeitschriften sind anstrengend zu lesen, denn man braucht ein nicht zu unterschätzendes Maß an Medienkompetenz, um zwischen den werblichen Texten, den unveränderten Pressemitteilungen und den (nicht) gekennzeichneten Anzeigen ebenjene wenigen redaktionellen Artikel zu finden, die keine Angebote und Dienstleistungen von Firmen aus der Region thematisieren. Die redaktionellen Texte über regionale Unternehmen sind nicht selten das Beiwerk, mit denen die Anzeigen der präsentierten Firmen in Form gebracht werden. So liegt der Verdacht nahe, dass diese Artikel, bei denen es sich fast immer um Unternehmensporträts handelt, ohne die Anzeigenschaltung der Porträtierten nicht geschrieben worden wären.

Native Advertisment: Stadtgespräch Februar 2015

In der aktuellen Ausgabe des Stadtgesprächs wird fast die gesamte Titelseite der Zeitschrift zur nicht gekennzeichneten Anzeige. Abgebildet ist der PKW eines bekannten Greifswalder Autohauses vor der fotogenen Wiecker Brücke. Vom Rand ragt eine Banderole mit dem Namen und dem Logo des Fahrzeugherstellers in das Bild. Auf der letzten Doppelseite ist schließlich ein Jubeltext über das gleiche Autohaus (“Nutzen Sie die Gelegenheit und entdecken die neuen Modelle bei einer Probefahrt. Das Hanse Autohaus Paentzer berät Sie gerne!”) abgedruckt, der von mehreren großen Fotos und einer — diesmal als solche gekennzeichneten — Anzeige eingerahmt wird.

Die Titelseite zum Werbeplatz machen, dieses Konzept hat sich für den MV-Verlag, der neben dem Stadtgespräch auch das Vorpommern Magazin herausgibt, in der Vergangenheit offenbar bewährt; sei es bei der Zusammenarbeit mit dem Autohaus Paentzer oder der Unternehmensgruppe Medigreif. Anzeigenschaltung gegen Jubeltext — das ist der profitabelste Tauschhandel, den man mit einem kostenlosen Anzeigenmagazin abschließen kann. Schade nur, dass diese Logik schlussendlich auch der Hauptgrund dafür ist, dass gelungene redaktionelle Beiträge wie das Interview mit den beiden Kommunalpolitikerinnen Peter Multhauf und Luisa Heide von so viel Jubel übertönt werden. In Debatten über die ökonomische Zukunft des Online-Journalismus fallen immer wieder die Stichworte “Native Advertising” und “Advertorial” — beide Konzepte, die freilich viel älter als das Internet sind, liegen hier in ihrer ureigensten Form vor.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/03/25/native-advertisment-greifswald/feed/ 1
Getrübtes Trinkwasser in Greifswald – das Solarium kann nichts dafür http://blog.17vier.de/2015/03/24/getruebtes-trinkwasser-greifswald/ http://blog.17vier.de/2015/03/24/getruebtes-trinkwasser-greifswald/#comments Tue, 24 Mar 2015 08:49:01 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41295 Weiterlesen ]]> Gestern Vormittag wurde bei Tiefbauarbeiten in der Heinrich-Heine-Straße eine Hauptversorgungswasserleitung der Stadt beschädigt. Die Trinkwasserversorgung konnte zwar über eine andere Leitung sichergestellt werden, doch durch die “damit einhergehende Umkehrung der Fließrichtung in Teilen des Wasserversorgungsnetzes” seit es punktuell zu einer stark erhöhten Trübung des Trinkwassers gekommen, verursacht durch abgelöste Sedimente.

getruebtes trinkwasser greifswald

Diese Verfärbung sollte gestern unter anderem bei einer jungen Frau für Irritationen sorgen. Nachdem die regelmäßige Besucherin eines Solariums gestern aus ihrer Badewanne stieg, musste sie feststellen, wie die mühsam ergrillte Bräune auf das Badewasser übergegangen ist und ihr Körper im März so käseweiß wie im November war: “Schreck³!!! Dann sah ich in die Wanne. -> alles ab.”

In heller Aufregung befragte die Frau Facebook — genauer: die Mitglieder der Gruppe “Uni Greifswald – Schwarzes Brett”, wie nun mit der Ursache der vornehmen Blässe zu verfahren sei und ob sie deswegen den Betreiber des Solariums auf Schadenersatz verklagen könne. Was man halt so unternimmt, wenn man sich in trübe Gewässer begegeben hat!

Im Internet stand was von einer besonderen Hautkrankheit names “acētum cutis decorāre”. Die Haut kann die Pigmente nicht halten oder so, habs nicht ganz verstanden. Nun meine Fragen. 1. Hat jemand damit Erfahrung? 2. Kann ich den Solariumbetreiber irgendwie belangen oder verklagen (Schadensersatz)? 3. Welche Summe wäre dabei denkbar?

Sonnenklar, das Solarium kann nichts dafür! Und auch die Stadtwerke geben Entwarnung und haben mitgeteilt, dass die Trübung des Wassers nicht gesundheitsgefährdend sei. Es wird darum gebeten, das Wasser kurz ablaufen zu lassen, bis es wieder klar ist. Der Rohrschadenschaden soll so schnell wie möglich repariert werden.

]]>
http://blog.17vier.de/2015/03/24/getruebtes-trinkwasser-greifswald/feed/ 1
Überfall und Entführungsversuch in Greifswald — Polizei bittet um Hinweise *Update* http://blog.17vier.de/2015/03/22/ueberfall-und-entfuehrungsversuch-in-greifswald-polizei-bittet-um-hinweise/ http://blog.17vier.de/2015/03/22/ueberfall-und-entfuehrungsversuch-in-greifswald-polizei-bittet-um-hinweise/#comments Sun, 22 Mar 2015 16:41:52 +0000 http://blog.17vier.de/?p=41199 Weiterlesen ]]> Am Sonnabend wurde gegen 18 Uhr eine Studentin in Greifswald brutal überfallen und wäre beinahe entführt worden. Die Polizei fahndet unter Hochdruck nach dem Täter und bittet um Hinweise aus der Bevölkerung.

Logo Polizei MVEine 29-jährige Studentin ging gegen 18:00 Uhr den Verbindungsweg an den Bahngleisen in Richtung Klein Schönwalde entlang. Ihr folgte ein unbekannter Mann mittleren Alters. Kurz darauf wurde die Studentin von hinten durch den Mann überfallen. Der Täter versuchte das Opfer unter massiver Gewalt in den Kofferraum seines PKW einzusperren. Das Opfer konnte sich dann befreien und weglaufen. Der Täter flüchtete anschließend in unbekannte Richtung.

Das Opfer wurde von einer 66-jährigen Greifswalderin, die der Studentin während ihrer Flucht auf der Straße begegnete, zur Polizei begleitet. In der Notaufnahme des Krankenhauses erfolgte die medizinische Behandlung des 29-jährigen Opfers. Der unbekannte Täter soll mit massiver Gewalt gegen den Hals der Geschädigten vorgegangen sein, die Polizei schätzte die Verletzungen daher als lebensbedrohlich ein. Nach ihrer Behandlung im Klinikum konnte die Studentin inzwischen wieder entlassen werden.

Polizei bittet um Hinweise

Der Überfall wurde im Greifswalder Stadtteil Groß Schönwalde auf einem Verbindungsweg zwischen dem Max-Planck-Institut und der Schönwalder Landstraße verübt. In der Nähe befindet sich die Kleingartenanlage “Einigkeit”. In dieser Kleingartenanlage fuhr zum Tatzeitpunkt ein weißer Pkw. Dessen Fahrer wird dringend gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Weiterhin werden Zeugen gesucht, die zur Tatzeit, etwa gegen 18 Uhr, das Verbrechen beobachtet haben oder Angaben zum Täter und dem von ihm benutzten PKW machen können.

Das Opfer beschreibt den Tatverdächtigen als 25- bis 30-jährigen 30- bis 40-jährigen Deutsch sprechenden Mann, der etwa 1,80m bis 1,85m groß und von normaler Statur ist, blaue Augen hat und einen Dreitagebart trägt. Der mutmaßliche Täter war wahrscheinlich mit einer olivgrünen Fleece-Jacke bekleidet und trug eine Strickmütze. Bei seinem Auto soll es sich um einen blauen PKW mit Fließheck beziehungsweise um einen Kombi handeln.

Hinweise nimmt die Polizei telefonisch (0395/5582-2223), persönlich oder online entgegen.

Update 23.03.15

Die Polizei informiert darüber, dass das Alter des Tatverdächtigen konkretisiert wurde. Der mutmaßliche Täter wird nun auf ein Alter von 30 bis 40 Jahren geschätzt.

  • Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung- Unbekannter Täter überfällt Studentin in Greifswald (Pressemitteilung)
]]>
http://blog.17vier.de/2015/03/22/ueberfall-und-entfuehrungsversuch-in-greifswald-polizei-bittet-um-hinweise/feed/ 0