Pop am Wochenende: verschnibbt & zugenäht „harvest gloom“

verschnibbt und zugenaeht harvest gloomLetzte Woche, am Tag zwischen Donald Trumps außergewöhnlichem Wahlsieg und dem alljährlichen Beginn der Karnevalszeit, veröffentlichte das DJ-Duo verschnibbt & zugenäht ein neues Set.

Mit dem fast zweieinhalbstündigen harvest gloom wollen die beiden Klangathleten den schrillen Tönen der Gegenwart tiefere Frequenzen entgegenmischen und offerieren einen kurzweiligen Ausweg aus der allgemeinen Bredouille. Oder um es mit den Worten der beiden Tekknoten auf den Punkt zu bringen: „Lisa Simpson, vier Jahre nur noch — wir zählen auf Dich!“

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

Nicht alle Flaschen im Schrank — ROSA und Jack Daniel’s

Der Whiskey Jack Daniel’s steht nicht nur für hochprozentigen Rachenbrand, sondern auch für die werbewirksame Unterstützung sogenannter Freidenker, zu denen jetzt auch die ROSA WG mit ihrem Schrank gehört.

„Supporter of the Independent“ heißt das Stichwort, mit dem die meistverkaufte amerikanische Whiskeymarke werbewirksame Botschafter sucht, um die Reichweite zu erhöhen und am Profil der eigenen Marke zu arbeiten — astreines Brandy-Branding sozusagen.

schrank greifswald jack danielsKreative Einfälle, mit denen sich Leute beim konzerneigenen Freidenker-Programm („Feuer und Flamme für deine Ideen“) bewerben, werden mit einer einmaligen Finanzierung unterstützt. Um diese Förderung bemühten sich vor einiger Zeit auch die Technoheads der Rosa WG, die den kleinsten Floor ihres inzwischen leider geschlossenen Clubs mobil machen und auf Reisen schicken wollten: „Wer braucht schon mehrere Dancefloors, wenn man bereits auf einem halben den ganzen Spaß hat?“ „Nicht alle Flaschen im Schrank — ROSA und Jack Daniel’s“ weiterlesen

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150 Elektrofans demonstrierten für Clubkultur

Ungeachtet des unbeständigen und regnerischen Wetters versammelten sich am Sonnabendnachmittag knapp einhundert Personen am Karl-Marx-Platz, um von dort aus mit einer Technoparade durch Greifswald zu ziehen und für den Erhalt von Clubkultur in Greifswald zu demonstrieren. Die DJs Verschnibbt & Zugenäht und Schaule, die auf der Ladefläche eines LKWs auflegten und von dort aus den feierfreudigen Demonstrierenden Zucker gaben, besorgten dabei mit wummernden Beats die nötige Aufmerksamkeit — zu überhören war dieser Umzug wahrlich nicht! „150 Elektrofans demonstrierten für Clubkultur“ weiterlesen

RoSa geht auf die Straße und demonstriert für Clubkultur

Die RoSa WG verlässt ihr Wohnzimmer und geht morgen Nachmittag gemeinsam mit ihren Stammgästen auf die Straße, um dort auf die vorzeitige und überraschende Schließung des erst im April eröffneten Elektro-Clubs aufmerksam zu machen.

DIE LETZTE AFTERHOUR HAT GESCHLAGEN 

Plakatausschnitt zur Demo von RoSa in GreifswaldDie RoSa WG, ein Amüsierbetrieb, der sich bestens auf elektronische Musik versteht, fand im früheren Wittcall-Gebäude in der Bahnhofstraße ein temporäres Domizil. Ende Mai wurde dem Betreiber, der im Vertrauen auf eine bis zum Gebäudeabriss beschränkte Zwischennutzung in den Club investierte, überraschend gekündigt. Womöglich ist der blutjunge Elektroclub zwischen die Fronten geraten, die seit Anfang Juni zwischen dem Vermieter, der auf diesem Areal gerne ein Einkaufszentrum errichtet sähe und einer Bürgerinitiative, die den Plänen des Investors kritisch gegenübersteht, verlaufen. Auf jeden Fall ist erstmal vorläufig Schluss mit Techno — die letzte Afterhour hat geschlagen! „RoSa geht auf die Straße und demonstriert für Clubkultur“ weiterlesen

Pop am Wochenende: Philipp Priebe forscht auf seinem Debütalbum „The Being of the Beautiful“ nach dem Wesen des Schönen

Eine Musikbesprechung von Ferdinand Fantastilius

Wer schon länger als einen Bachelor in Greifswald weilt und in den letzten Jahren auf dem discohousigen Ohr nicht komplett taub war, wird seinen Namen sicher irgendwoher kennen. Mit seinen Live-Sets bespielte Philipp Priebe in ausgewählter Seltenheit diverse Orte des örtlichen Techno-Nachtlebens, hier und da erschienen von ihm angefertigte Remixe zu Stücken anderer Leute auf verschiedenen Ton(daten)trägern und als DJ Matula beschallte er vor geraumer Zeit gar die Indie-Diskotheken der Stadt. Jetzt veröffentlicht Priebe sein erstes Deep-House-Album.

Philipp Priebe

TRANSZENDENTALE RINNSALE: MELANCHO-HOUSE IM FLUSS

The Being of the Beautiful erscheint am 12. Mai 2014 beim japanischen Label IL Y A. Im Spätherbst 2013 tourte Philipp Priebe hierzu passend mit seinen neuen Stücken bereits im Labelland, nun erscheint das Langspieldebüt des Wahlgreifswalders endlich in den Plattenläden und auf digitalen Vertriebswegen. Ähnlich wie Christian Löffler auf seinem vor eineinhalb Jahren in Usedomer Abgeschiedenheit aufgenommenen Album A Forest (Rezension) zieht auch Philipp Priebe inspirierende Impulse aus der hiesigen Landschaftslage nah am Wasser. Die elf Stücke des Albums tragen ein Gespür für Weite und den Hang zur Fließwassermetaphorik in sich. Alles plätschert und pritschelt hier organisch um eine eigene Idee von House-Musik — mal wie algiger Süßwasserstrudel, mal smooth wie in bassige Buchten laufende Ozeankämme. „Pop am Wochenende: Philipp Priebe forscht auf seinem Debütalbum „The Being of the Beautiful“ nach dem Wesen des Schönen“ weiterlesen

Holi Shit: Festival der Farben in Greifswald

Greifswalder dürfen sich am kommenden Pfingstsonntag einer ganz besonderen Veranstaltung erfreuen, denn das erste Holi, das diese Stadt erleben muss, steht ins Haus und lädt dazu ein, gemeinsam mit vielen Jugendlichen auf einem Elektro-Open-Air das mühsam Ersparte, das sonst immer so knapp ist, zu verpulvern.

CURRYWURST UND TATSCH MAHAL

Holis kommen eigentlich aus Indien und sind dort eine spirituelle Angelegenheit; Holi ist ein wegen seiner Farbfreude berühmtes Frühlingsfest, das dort bereits im März gefeiert wurde. Als kultureller Import ist diese Feierlichkeit nun inzwischen auch in Europa angekommen und wurde hier sehr erfolgreich zu einem regelrechten Hype sommerlicher Freiluftveranstaltungen mit Currywurst und Tatsch Mahal aufgebaut — junge Menschen hören Musik und bewerfen sich dabei mit gefärbtem Maismehl. Ist das nicht schön?

Holi Greifswald (Flyer)

Wer noch nie auf einem indischen Holi zugegen war, kann höchstens mutmaßen, wie wenig der hierzulande zelebrierte Flash of Colours mit der Tradition der ursprünglich mehrtägigen Frühlingsfeten zu tun hat. Fest steht jedoch, dass die beliebten Holis heilige Kühe sind, die es zu melken gilt — zumindest aus finanzieller Sicht. Im Fall der für Pfingstsonntag geplanten Farbschlacht halten zwei brandenburgische Veranstalter die Zitzen der prall gefüllten Euter fest in ihren Händen und drücken, was das Zeug hält.

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Holi muss ein profitables Geschäft sein, denn sonst würden die beiden vermutlich nicht am gleichen Tag ein zweites Holi im Süden von Potsdam organisieren, auf dessen Line-up mit DJ Emerson und Drauf & Dran fast die Hälfte der in Greifswald auflegenden DJs stehen. Verdient wird bei diesem Open Air nicht nur allein mit dem für hiesige Verhältnisse und im Vergleich zu den dargebotenen Inhalten relativ hohen Eintrittspreis von 15 Euro, sondern vor allem mit der cleveren Vermarktung notwendiger Zusatzartikel — was will man schließlich bei einer Farbschlacht ohne die notwendige Munition? Und die gibt es am Sonntag für 2 Euro pro Farbbeutel zum Freundschaftspreis!

ATEMSCHUTZMASKEN UND MUTTIZETTEL

Wer sich beim Ticketkauf ein Upgrade gegönnt hat, kriegt für lächerliche 29,70 Euro nicht nur acht dieser voll verrückten Farbbeutel, sondern auch noch ein weißes T-Shirt obendrauf — denn erst darauf entfalten die Farben ihre ganze Wirkung. Das dabei verwendete Farbpulver soll zwar ungiftig und hautverträglich sein, jedoch wird Asthmatikern, Allergikern und Kontaktlinsenträgern von den Veranstaltern empfohlen, auf der Party Mund- und Augenschutz zu tragen. Das sieht nicht nur besonders cool aus, sondern bringt auch noch ein bisschen Geld in die Kasse, denn die genannten Risikogruppen können Schutzbrillen und Atemschutzmasken auf dem Gelände erwerben. „Holi Shit: Festival der Farben in Greifswald“ weiterlesen