Kleinode an die Freunde: „Einhundert smarte Tipps für alle Lebenslagen“

Heute erscheint im Buchhaus „Vier & Sause“ das charmante Büchlein „Einhundert“, eine Liebeserklärung an uns und unsere Fähigkeiten.

„Lies und lächle!“, so endet der kurzgefasste Klappentext von „Einhundert Tipps für alle Lebenslagen“. Das ist der der Auftrag dieser Weisheitensammlung aus Greifswalder Feder, die heute, am 17.07. um 17.07 Uhr im frisch gegründeten Buchhaus Vier & Sause erscheint. Erste Arbeitsthese beim Lesen: Wer diese Ratschläge befolgt, erspart sich und seiner sozialen Umgebung einigen Ärger und weiß andere Momente dagegen besser zu nutzen.Einhundert smarte Tipps für alle Lebenslagen

„Kann Spuren von Vernunft, Humor und Herzenswärme enthalten“

Gesammelte Tipps fürs Leben? Klingt nicht nur unspektakulär, sondern auch verdächtig missionarisch. Auf „Einhundert“ trifft dankbarerweise beides nicht zu. Das Büchlein hält hundert Bauernregeln für die zwischenmenschliche Feldarbeit bereit. Erdacht und gesammelt von Marian Kummerow. Der Greifswalder hat Lebenserfahrung und die Freude am Zwischenmenschlichen auf jeweils nur wenig mehr als hundert Zeichen komprimiert. Kaum einer dieser Tipps ist dabei also länger als ein Tweet. Den verbleibenden Raum füllen die Illustrationen von Anne Schreiber und Sven Laubig. Das ist wichtig zu wissen, denn „Einhundert“ ist auch eine illustratorische Arbeit.

Das Gesamtwerk erscheint als handliches Büchlein. Dieses Format geht auf. Mit einem Augenzwinkern zwischen den Bildern und Worten führt „Einhundert“ durch Szenen des Alltags und ermuntert zu Dialog und Wohlfühlverhalten im Sinne eines Verhaltens, das andere sich wohlfühlen macht. Schlussstriche sollten nicht mit dem Bleistift gezogen werden, Ärzte sollte man tunlichst nicht belügen („Nie!“) und Türen wurden nicht umsonst erfunden, also geh‘, wenn du nicht bist, wo du sein willst! 

Leseprobe: Einhundert smarte Tipps für alle Lebenslagen„Einhundert“ ist ein Kleinod an die Freunde, ein Link in die liebevoll gestaltete Vergnüglichkeit, ein zukunftslustvoller Impulsgeber. Arbeitsthese bestätigt. Lies und lächle!

Marian Kummerow, „Einhundert smarte Tipps für alle Lebenslagen“, Illustration: Anne Schreiber & Sven Laubig, 1. Auflage, Greifswald 2017, Buchhaus Vier & Sause, ISBN 987-3-00-056-433-8

Greifswalder Literaturfrühling: Wie eine BBC-Sendung die DDR herausforderte

Die BBC ließ über 25 Jahre lang anonyme Zuschriften von DDR-Bürgern verlesen. Einige Autoren wurden dafür gnadenlos von der Stasi verfolgt — darunter auch ein Junge aus Greifswald.

Im Rahmen des 4. Greifswalder Literaturfrühlings findet heute Abend im Koeppenhaus eine Lesung mit der Autorin Susanne Schädlich statt. Die 1965 in Jena geborene Schriftstellerin verließ als Kind 1977 mit ihrer Familie die DDR, da ihr Vater, Hans Joachim Schädlich, ebenfalls Schriftsteller, dort nicht mehr ungehindert arbeiten konnte. Die neue Heimat war fremder als gedacht, und der lange Arm der Stasi sollte die Familie bis in den Westen verfolgen.

Susanne Schädlich DDR BBC

Vor etwa zwei Wochen erschien Schädlichs Buch „Briefe ohne Unterschrift. Wie eine BBC-Sendung die DDR herausforderte“. Darin erzählt Schädlich die Geschichte der gleichnamigen BBC-Rundfunksendung, die ab 1949 über 25 Jahre lang jeden Freitag ausgestrahlt wurde. In dem Format wurden anonym zugesandte Briefe von DDR-Bürgern verlesen, die mit ihren zu Papier gebrachten Schilderungen, Fragen und Gedanken ein hohes persönliches Risiko eingingen. Schädlich stieß auf diese Zeitdokumente und erzählt nun von dieser Facette des zivilen Ungehorsams gegen die DDR-Führung. Sie möchte mit ihrem Buch den mutigen Absendern ein Denkmal setzen, die der gnadenlosen Nachverfolgung durch die Stasi zum Opfer fielen. Unter ihnen ist Karl-Heinz Borchardt, ein Junge aus Greifswald, der nach wie vor in der Hansestadt lebt und heute Abend ebenfalls auf dem Podium sitzen wird.

Die Lesung findet in Kooperation mit der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR (BStU) Außenstelle Rostock statt. Das anschließende Gespräch zwischen Schädlich und Borchardt wird von deren Leiter, Volker Höffer, moderiert.

Fakten: 07.04. | 20 Uhr | Koeppenhaus | 6/4 EUR

(Foto: Susanne Schleyer)

Reklame

Fallada-Festival: Literarischer Rundumschlag zum 70.

Anlässlich des 70. Todestags des in Greifswald geborenen Schriftstellers Hans Fallada findet an diesem Wochenende das gleichnamige Literaturfestival statt.  

Bedeutende Söhne der Stadt erleben derzeit in Greifswald eine ungewohnte Renaissance. Ob sich dieses neuentdeckte Interesse nur auf einen in Groß Schoritz geborenen Heimatdichter beschränkt oder das Interesse für hiesige Autoren darüber hinausgeht, wird sich an diesem Wochenende beim Fallada-Festival zeigen. 

Fallada-Festival in Greifswald

Zehn Veranstaltungen laden zu einer Beschäftigung mit dem großartigsten Schriftsteller aus der Fleischervorstadt ein. Die meisten finden in seinem Geburtshaus in der Steinstraße — dem Falladahaus — statt. Dort ist unter anderem Achim Ditzen, Falladas Sohn, zu Gast. Er wird aus den Briefen seines Vaters lesen. Bei weiteren Lesungen kann man Hannes Rittig (Jeder stirbt für sich allein) und Jan Holten (Der Trinker) erleben. Vorträge über Fallada steuern Prof. Dr. Eckard Schumacher, Dr. Roland Ulrich (beide Universität Greifswald) und Stefan Knüppel (Fallada-Museum Carvitz) bei.  „Fallada-Festival: Literarischer Rundumschlag zum 70.“ weiterlesen

Lesung: Abwärts!

Zwei Tage vor der Landtagswahl lädt das Fallada-Haus zu einer politischen Lesung der Literaturzeitschrift Abwärts! ein.

Literatur muss kein zeitlos schöner Sinnentwurfslieferant sein, sondern kann sich auch aktuell, direkt, kritisch und politisch auf die Gegenwart beziehen. „Heiß“ soll sie sein, wie es in den Worten der Einladung zu der politischen Lesung heißt. Vorgetragen werden dort Texte des Berliner Herausgeberinnen-Kollektivs der Literaturzeitschrift Abwärts!, das aus Katja Horn, Robert Mießner, Bert Papenfuß, Alexander Pehlemann, Kai Pohl, Stefan Ret, Kristin Schulz, Hugo Velarde und Karsten Wildanger besteht.

lesung abwaerts greifswald

Die derzeitigen politischen Entwicklungen seien beängstigend. Gegen das Erstarken rechter Positionen müsse ein Zeichen gesetzt werden. Und noch eins. Und noch eins. Auch in der Kunst. Anlässlich der anstehenden Landtagswahlen bringt das Herausgeberinnen-Kollektiv ein Sonderheft zum Thema AfD heraus. In der Hoffnung, der AfD wenigstens „das ein oder andere Prozent abzuluchsen“, versammeln die Autoren in ihrer Septemberausgabe „Pamphlete, Kommentare, Tiraden, Essays, Gedichte, Karikaturen und andere Explosivstoffe“. Es liest Christiane Kiesow.

Fakten: 02.09. | 20 Uhr | Fallada-Haus (Steinstr. 48) | frei

Thomas Hettche erhält Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis 2016

Der Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis der Universitäts- und Hansestadt Greifswald wird in diesem Jahr dem Schriftsteller Thomas Hettche verliehen.

Seit 1998 verleiht die Stadt Greifswald alle zwei Jahre den mit 5.000 Euro dotierten Wolfgang-Koeppen-Preis. Mit der Auszeichnung wird ein literarisches Wirken gewürdigt, „das in ähnlicher Weise wie das Werk Wolfgang Koeppens dem unvollendeten Projekt der literarischen Moderne verbunden, seiner Zeitgenossenschaft eingedenk bleibt und nicht zuletzt in seiner sozialen Sensibilität dem Werk Koeppens vergleichbar ist.“ Die Prämierten werden von der vorherigen Preisträgerin vorgeschlagen. Im Fall Hettches war das der Schriftsteller Karl-Heinz Ott.

Thomas Hettche Koeppenpreis

(Foto: © Stiftung Schloss Leuk/Thomas Andenmatten)

„Thomas Hettche erhält Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis 2016“ weiterlesen

Lesung: Christopher Dietrich und sein satirischer MV-Reiseführer „Unendliche Weiten“

Am Mittwoch stellt der Kabarettist Christopher Dietrich sein satirisches Heimatbuch Mecklenburg-Vorpommern & Ostsee: Unendliche Weiten im Koeppenhaus vor.

Christopher Dietrich gewinnt seine Inspiration und die Ideen für seine Texte auf Wanderungen durch mecklenburgische Landschaften und vorpommersche Dörfer. Der studierte Germanist und mehrfach ausgezeichnete Kabarettist (Dietrich & Raab) veröffentlichte im Juli einen satirischen Reiseführer über Mecklenburg-Vorpommern, den er dem Greifswalder Publikum im Koeppenhaus am Mittwochabend mit einer ebenso bissigen wie amüsanten Mischung aus Kabarettprogramm und Lesung präsentieren wird.

cover christopher dietrich
(Coverausschnitt)

In Unendliche Weiten* (2015), einem rasanten Roadtrip durch das nordöstlichste Bundesland der Republik, führt der Rostocker Kabarettist sein Publikum auf der Suche nach einem Nachfolge-Slogan für die „M-V tut gut“-Kampagne zu „allen wichtigen und vielen unwichtigen Orten Mecklenburg-Vorpommerns“ und versucht zu beweisen, dass seine Heimat mehr als Fischbrötchen und Plattenbau zu bieten hat. Eingebettet in die Geschichte um den wortkargen Fremdenführer Lutz Borchert und einen übereifrigen Mitarbeiter des Ministeriums, porträtiert Christopher Dietrich das tapfere Bundesland, „in dem morgens die Sonne auf- und abends die Werft untergeht.“

(*Amazon)

Fakten: 02.09. | 20 Uhr | Koeppenhaus | 5/3 EUR