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Posts Tagged ‘Patriotismus’

Kroos statt klein

Tuesday, July 6th, 2010

Die deutsche Nationalmannschaft wird morgen im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft gegen die spanische Auswahl antreten. Vor und nach dem Spiel wird das Stadtbild wieder von den bis zur Unkenntlichkeit in Flaggen gehüllten Fans und ihren Autos geprägt werden, versprochen. Schwarz-Rot-Golf läßt grüßen.

wm-pickelhaubeDie Hysterie nervt, wie Hysterien eben nerven, und schmerzt mehr als jede Vuvuzela. Der bierselige Patriotismus geht ganz und gar in dem Fußballspektakel auf. Trotzdem gibt es — spätestens, seitdem die letzte afrikanische Mannschaft ausgeschieden ist — gute Gründe, für das deutsche Team zu fiebern.

Insbesondere Mieterinnen der WVG sollten angehalten sein, die Daumen zu drücken. Schließlich ist eine Tochtergesellschaft der Wohnungsverwaltung für die Organisation und Abwicklung des Public Viewings zuständig und steht damit auch in finanzieller Verantwortung.

FREILUFTZAUBER OHNE PUBLIKUM

wm-webcamIm Gegensatz zu den Begegnungen mit deutscher Beteiligung wurde der Freiluftzauber bisher bei den anderen Spielen kaum angenommen. Dies ließ sich ganz hervorragend mit der Webcam des Marktplatzes überprüfen.

Allein der Auftritt der Germanen sorgte jedes Mal für regen Zulauf ihrer Landsmänner und -frauen, die bereitwillig für die öffentliche Fußballschau bezahlten. Kommt die deutsche Mannschaft also ins Finale, werden sich die Verluste der Tochtergesellschaft in Grenzen halten.

tonikroos

Und während der Marktplatz im schwarz-rot-goldenen Flaggenmeer zu ertrinken droht, steht in Südafrika vielleicht ein Sohn dieser Stadt auf dem Platz. Der Mittelfeldspieler Toni Kroos nämlich, der vier Jahre für Hansa Rostock spielte und seit 2006 bei den Münchener Bayern unter Vertrag steht, ist geborener Greifswalder, derzeit an Bayer Leverkusen ausgeliehen, und durfte mit nach Südafrika reisen.

SCHÖNWALDER JUNG IM AUFGEBOT

wappen greifswaldAls originaler Schönwalder Jung spielte er zwischen seinem achten und dreizehnten Lebensjahr für den GSC. Und hiesige Fußballprominenz hat es ja, wenn ich mich recht erinnere, seit den Tagen von Henri Fuchs und Axel Kruse nicht mehr gegeben.

Insofern bleibt Kroos zu wünschen, dass er — entgegen den bisherigen Prognosen — von Beginn der Partie an auf dem Platz steht. Und wenn schon so viele Fußballfanatiker nicht umhin kommen, sich ihren patriotischen Gefühlen hinzugeben, dann bitte doch auf lokalpatriotische Art und Weise und in amtlichem Rot-Weiß. Daran hätten sogar noch die Engländer ihre Freude.

*Update*

Wie mir gerade mitgeteilt wurde, endete Kroos’ Ausleihe am 30.06., danke für die Korrektur.
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Die WM-Pickelhaube

Tuesday, June 27th, 2006

Apropos WM-Besen. Dieses sportliche Modeaccessoire kam mir auf dem Nachhauseweg unter die Augen. Das Deutschlandspiel muß gerade vorüber gewesen sein…

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Wer darf deutsch sein?

Tuesday, May 30th, 2006

Oder: Neulich bei GrIStuF auf dem Greiswalder Markt. Ein internationales Festival und Helfer mit Schlüsselbändern, die sie verdächtig machen. Bei dem Anblick denke ich sofort an die leidigen Patriotismus-Debatten, an das Dritte Reich, an MIA und an die WM.

gristuf deutsch

Kurz und knapp die Frage: Wenn jeder Schwede vor seinem Holzhaus blau-gelb hisst, wenn jeder US-Amerikaner sein Auto mit Stars & Stripes schmückt, wieso dürfen wir – als dritte Generation nach den NS-Verbrechern – nicht auch ein bisschen stolz sein?
Vielleicht ist die WM in diesem Punkt doch gar nicht so übel wie mir bisher schien, überwindet sie doch zumindest für die Zeit des Wettkampfes unsere Patriotismus-Hemmung.

Aber dürfen wir überhaupt deutsch sein? Sollten wir nicht als Konsequenz der Vergangenheit darauf verzichten (müssen) und uns einer anderen Ordnung fügen? Wir könnten uns z.B. als Pommern, Norddeutsche oder Baltiker verstehen (also eher ein regionaler Bezug) oder als (West)-Europäer, Teil der alten Welt oder Weltbüger (also eher eine supranationale Struktur).
Ich für meinen Teil habe spätestens nach einem Auschwitz-Besuch ein gebrochenes Verhältnis zu diesem Land.

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Das WM-Diktat

Thursday, May 11th, 2006

Im Frühjahr des Jahres 2004 machte ich Urlaub im Maghreb, und hielt mich zufällig zu jener Zeit in Marrakesch auf, als das Finale des Afrika-Cup zwischen Marokko und Tunesien in Tunis ausgetragen wurde. Marrakesch war schon zwei Tage vor dem Finale in Aufruhr, und unglaublich viele Menschen machten im Gespräch auf das Spiel aufmerksam. Es sollte eine Großleinwandübertragung geben.

Am Tag des Spiels war die Stadt gehüllt in ein rot-grünes Farbenmeer. Menschen haben sich die Flagge Marokkos auf die Wange gemalt, andere fuhren zu zweit und zu dritt, Fahnen schwenkend, auf Mofas durch die Stadt. Ausgerüstet mit Trillerpfeifen und was man noch so braucht, schwelgten sie in Vorfreude. Es war ein bis dato für mich einzigartiges Gefühl von Patriotismus. Auf der Suche nach der großen Leinwand spähte ich in die unzähligen Straßencafés, um den aktuellen Spielstand zu erfahren.

fußball greifswald

Leider hat Marokko 1:2 verloren. Marrakesch hielt für ungefähr zwei Stunden inne und war wie paralysiert. Läden wurden vorübergehend geschlossen. Nach einiger Zeit schienen die Menschen sich wieder gefangen zu haben. Ein Straßenfest.
Das besondere an dieser Fußballbegeisterung war in meinen Augen, dass sie so massiv von der Bevölkerung getragen wurde, irgendwie richtig organisch. Und Fussball hat ja definitiv das Potential, verschiedenste Menschen zusammenzuführen. Da dürfen sich bei einem Tor Anwalt und Stahlarbeiter in die Arme fallen und auch der Deutsche kann unkritisert unsere Fahnen rausholen.

Eine solche WM-Begeisterung ist aber im Sommer 2006 in Deutschland nicht zu erwarten. Warum nicht? Zum einen gibt es massive Probleme, überhaupt an Karten zu kommen (da gibt es dieses unglückselige Losverfahren, die VIP-Karten und die Nichtübertragbarkeit), zum anderen scheint das Fussballereignis vor den Karren der Ökonomie gespannt zu sein: Weltmeisterbrötchen, Fan-Perücken und Freizeitshirts im WM-Look. Da vergeht der Spaß, und die “Wunder-von-Bern-Fußballromantik” — schade drum.

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Neopatriotismus & Massenkonsum Teil 2

Tuesday, May 9th, 2006

Wie schon im vorherigen Beitrag angedeutet, sollen die nebensportlichen WM-Vorbereitungen dokumentiert werden. Ich ärgere mich ja auch über den Ausverkauf diverser Subkulturen. Zum Beispiel ist es keine Schwierigkeit, nach dreißig Minuten im H&M als nagelneuer Punker das Geschäft zu verlassen. Gerade die Punks erwecken da in mir viel Mitleid. Das Konzept, sich auch optisch in Fundamentalopposition zur Gesellschaft zu positionieren, ist dann überholt, wenn dieser Stil über Nacht modern wird, und Hinz und Kunz genauso rumrennen. Dann fehlt dem Statement einfach mal die Kraft.

wm punk

Letzten Sommer wurde es offensichtlich unter Greifswalder Heranwachsenden zum Trend, sich einen Iro schneiden zu lassen, und jenen dann im Kontrast zur solargebräunten Gesichtshaut zu blondieren. Jetzt reicht ein Haarschnitt nicht mehr zur Opposition. Und zerstörte Kleidung ebensowenig – die gibts für 29,95€ beim schwedischen Modehaus. Ob nun WM-Iro oder schwarz-gelb-rote Rastamütze, die Ursprünglichen tun mir leid. Steckte ich in dieser Klemme, ich würde mir einen Armani-Anzug besorgen.

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Wer ist Deutschland?

Monday, May 8th, 2006

deutschland shirt

Natürlich völlig verspätet diese Frage. Nach der mehr oder weniger verunglückten “Du bist Deutschland!” – Kampagne weigert sich dieses leidige Thema, dank Integrationsdebatte (inklusive den haarsträubenden Boulevardpossen à la Rütli-Schule) und weltmeisterschaftlichem Fieber, beharrlich aus dem Fokus der Massenmedien zu verschwinden. Ich bin die Debatte leid; und Mia finde ich selbstverständlich auch inakzeptabel.

So richtig unangenehm wird es aber, wenn sich eine Form von Neopatriotismus mit Massenkonsum verbindet. Und so beunruhigend aus auch klingen mag: Es wird in den nächsten Wochen und Monaten nicht besser, im Gegenteil! Ein Spaziergang im Supermarkt kann da richtige Adrenalinschübe bewirken.

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