Pop am Wochenende: Al-Haca „Inevitable“

Dreizehn Jahre nach der Veröffentlichung von Al-Hacas Debütalbum „Inevitable“ wird die Dub-Downbeat-Dancehall-Platte des Greifswalder Soundsystems nun zum kostenlosen Download angeboten.

Al-Hacas Inevitable wurde 2003 beim britischen Electronica/Dub-Label Different Drummer Records von Rockers Hi-Fi veröffentlicht. Fünfzehn Stücke, beziehungsweise Tunes, wie man zu sagen pflegt, fanden auf dem ausgereiften Debütalbum des nordöstlichsten Dub-Satelliten Deutschlands Platz. Zahlreiche Features renommierter wie kontrovers diskutierter Künstler, allen voran die Kooperation mit dem jamaikanischen Dancehall-Sänger Sizzla, sorgten für einen facettenreichen Sound, der dem in den Neunziger Jahren gegründeten Al-Haca-Soundsystem eine für seine Greifswalder Herkunft ungewöhnliche Weltgereistheit bescherte.

al-haca inevitable

Minimalistische Electronica, satte Dubbässe und viel Düsternis dominieren die Atmosphäre von Inevitable, auf der sich neben Sizzla unter anderem Ras MC Tweed, Farda P (beide Rockers Hi-Fi), RQM, He-Man oder Mr. Dead verewigten — Künstler, an deren zurückliegende Auftritte in Greifswald sich ausgehwillige Hansestädter gerne zurückerinnern, sei es im einst besetzten AJZ am Karl-Marx-Platz oder bei den legendären M-Partys in der Mensa. Inevitable ist über weite Strecken clubuntauglich, kaum tanzbar, und auch für die Easy-Listening-Lounge eine absolute Fehlbesetzung. Doch die kongeniale Musikkollage bringt die dichten Rauchsäulen einer stickigen Sommernacht in Bewegung und hält aufmerksamen Zuhörerinnen unzählige Details und Überraschungen bereit, die sich erst nach vielen Umdrehungen auf dem Plattenteller erschließen.

Seit gut zwei Wochen kann die Platte, die nach wie vor als CD erhältlich ist und auch in rarer Vinyl-Auflage Sammlerherzen höher schlagen lässt, kostenlos heruntergeladen werden — eine Möglichkeit, von der man unbedingt Gebrauch machen sollte!

Die Reihe “Pop am Wochenende” versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

Im Gespräch mit Schorsch Kamerun

Martin Hiller umrundet und interviewt Schorsch Kamerun

Wer erinnert sich nicht an sie, an dieses marottenbehaftete Verpuppungsstadium im Leben: die Jugend. Diese Zeit, in der man ungestüm durchs Leben stolpert, hormonell bedingt sonderbare Gerüche ausstößt und nassforsch, bestenfalls unertappt, Unsinn verzapft, für den man auf der langen Mittelstrecke des müßigen Erwachsenseins zukünftig keine Zeit mehr zu haben droht. In der Jugend lotet sich so ein Menschsein aus, indem es sich in verschiedenartige Bezüge zur Welt setzt.

Wer aufmerksam gelesen hat und mit offenen Sinnen durch die Welt wankt, wird gemerkt haben: das ist alles nichts Jugendspezifisches. Sogar diejenigen, die noch mittendrin stecken und durch ihre aktuell-akute Jugend wie durch eine Geisterbahn torkeln, in der man aus Versehen die Baulampen angelassen hat, ahnen, dass man auch nach der Adoleszenz viel Unsinn, Unfug und Unnötiges macht — dann jedoch mit mehr Auswirkungen und weniger Unrechtsbewusstsein. Weil alle heutzutage am liebsten für immer jung sein wollen, sind Erwachsene heute so eine Art schlecht geupdatete Versionen von Jugendlichen. Kindsgeister, hineingepresst in Erwachsenenkostüme wie schlecht ausgelüftete Schlafsäcke. Die Werbe- und Marketingspatzen kreischen es fortwährend von den Dächern: Der süße Vogel Jugend solle heutzutage endlos währen und wer nicht jugendlich ist, ist ein espritloser Trottel. Schlussendlich stolpern sich die Menschen durch dieses Überangebot an Identitätsmöglichkeiten; ziel- und ortlos durch die zur endlosen Zähe gedehnte Dauerjuvenilität mäandernd.

Gegenkulturgespräche in der Brathähnchenhitze

Schorsch Kamerun entlehnt den Titel seines ersten Romans Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens einem Lied, das er vor zwanzig Jahren veröffentlichte. Das passt ganz prima, denn um die Jugend geht es in dem Buch auch. Verklausuliert in einer Reihe von Protagonisten und einer Erzählung, die am „Bimmelsdorfer Strand“ beginnt, flicht Kamerun hier unschwer erkennbar seine eigene Biografie hinein. Vom Timmendorfer Strand verschlug es ihn in den Achtzigern nach Hamburg, wo er als Mitbegründer des Golden Pudel Clubs auch heute noch seine Füße in der Subkultur hat.

schorsch kamerun interview

Beim Gespräch im Café-Garten des Koeppenhauses

Am 24. Juni stellte Schorsch Kamerun seinen Debütroman im Koeppenhaus vor. Aus dem Buch las er dabei kaum, vielmehr präsentierte sich die Veranstaltung im Rahmen der Koeppentage als heitere Plauderei zwischen Prof. Eckhard Schumacher und dem Autor. Was an diesem titelgebenden Ausspruch mit der Jugend so Stichhaltiges dran ist und inwiefern diese — speziell in Kameruns eigener Vita — mit den Ideen des Punk korreliert, darüber habe ich mit Schorsch Kamerun vor seiner Lesung, in der Brathähnchenhitze im Café-Garten des Koeppenhauses, gesprochen. „Jugend“ und „Punk“ spielen in dem Buch zwei große Rollen. Schorsch lässt sich trotzdem ungern auf diese Begriffe und schon gar nicht auf eine Patenonkelschaft seinerseits verhaften. Trotzdem kreist das Buch um genau diese Themen und öffnet Türen zu den dort angedrahteten Diskursen um Jungsein, Identitätssuche und Gegenkultur: Dinge, die heutzutage weniger klar definiert zu sein scheinen, als vor 40 Jahren – als Punk noch jugendlich war. „Im Gespräch mit Schorsch Kamerun“ weiterlesen

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Pop am Wochenende: Artur und Band „Es scheint wahr zu sein“

Neues Video, fast frisches Album und momentan auf Tour: Dieser Tage machen die Greifswalder Schmachtrocker Artur und Band von sich reden. 

Zeile für Zeile heißt das Debütalbum von Artur und Band, das zwar schon im Herbst 2015 herauskam, über das aber irgendwie erst jetzt geredet beziehungsweise geschrieben wird. Die Formation um den aus Demmin stammenden Pianisten, Sänger und Songwriter Artur Apinyan sind seit 2012 in stetig wachsender Besetzung im Greifswalder Kulturbetrieb unterwegs und verspricht frische deutschsprachige Rockmusik, die sie in bewährter und aus den Neunzigerjahren wohlvertrauter Instrumentierung (Piano, Gesang, Schlagzeug, Bass, Gitarre, Saxofon) revitalisiert.

artur und band greifswald

(Foto: Artur und Band)

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Lesung mit Thomas Meinecke: „Arbeitstitel Sex“

Der Münchener Popautor Thomas Meinecke ist wieder da und liest im Rahmen eines Workshops aus seinem derzeit entstehenden Roman Arbeitstitel Sex.

Im Rahmen des wissenschaftlichen Workshops Schreibweisen der Gegenwart: Pop, Blogs, Social Media, der am Montag im Krupp-Kolleg stattfindet, liest Thomas Meinecke im Sótano am Marktplatz aus seinem neuen Romanmanuskript, das den „Arbeitstitel Sex“ trägt. Die Moderation des sich anschließenden Autorengesprächs übernimmt Prof. Eckhard Schumacher.

thomas meinecke greifswald (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2012)

Der 1955 in Hamburg geborene Thomas Meinecke war von 1978 bis 1986 Mitherausgeber und Redakteur des Avantgarde-Fanzines Mode & Verzweiflung. Später schrieb er Kolumnen für die ZEIT und veröffentlichte mehrere Romane, unter anderem Tomboy (1998), Jungfrau (2008) und Lookalikes (2011) im Suhrkamp Verlag. Doch Thomas Meinecke schreibt nicht nur, sondern ist auch musikalisch umtriebig und hat mit seiner 1980 gegründeten Band Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.) und als Solomusiker mehr als zwei Dutzend Platten aufgenommen. Wer in den vergangenen Jahren die Radiosendung Zündfunk Nachtmix (BR 2) verfolgte oder dann und wann auf dem Hoffest der Germanistik weilte, konnte den unter anderem mit dem Düsseldorfer Literaturpreis ausgezeichneten Thomas Meinecke in Greifswald auch schon als DJ erleben.

Fakten: 13.07. | 19 Uhr | Sótano (Markt 3) | frei

Pop am Wochenende: Feine Sahne Fischfilet agitieren Rock am Ring

Feine Sahne Fischfilet haben den Schritt vom Loitzer Humpapunk zu Lieberbergs Rock am Ring geschafft. Beim 30-jährigen Jubiläum des Rockfestivals lieferte die Band gestern vor tausenden Zuschauern geil ab.

feine sahne fischfilet rock am ring(Foto: Feine Sahne Fischfilet via Facebook)

“Das, was wir machen, ist keine Kunst! Das, was wir machen, ist nicht für die Galerie, nicht für die Glasvitrine. Das, was wir machen, soll eine Art Werkzeug sein, um unserer Wut gegenüber Rassisten, Sexisten, Homophobie und Staat eine Stimme zu geben! Wir wollen für unsere Träume, unsere Utopien weiter kämpfen.“ Mit dieser vielzitierten Aussage beschrieben Feine Sahne Fischfilet einmal ihre musikalische Mission. „Pop am Wochenende: Feine Sahne Fischfilet agitieren Rock am Ring“ weiterlesen

Kool Savas — Märtyrer im Greifswalder Media Markt

Am Montag kommt Kool Savas für einen ganz exklusiven Auftritt nach Greifswald! Der in Aachen geborene Berliner legte in den vergangenen 15 Jahren eine steile Karriere vom Tellerwäscher zum Pimplegionär hin und gilt als einer der einflussreichsten Vertreter des deutschen (Battle-)Raps. Er reist morgen in die Hansestadt Greifswald, um dort im örtlichen Media Markt die Werbetrommel für sein am Freitag veröffentlichtes Album Märtyrer zu rühren.

Kool Savas Märtyrer(Veranstaltungsbild Facebook)

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