Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #33

Nur vier Monate sind hier seit der letzten Kulturschau aufs Greifswalder Wochenende vergangen, nichtsdestotrotz soll diese Serie wieder reaktiviert werden, um ausgehfreudigen Kleinstadtstromern einen Überblick potenzieller Ziele an die Hand zu reichen und Veranstaltungen zu empfehlen, für deren die Besuch die einen zu alt und die anderen noch zu jung sind.

Kurze Wege lange Nächte #33

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Nicht völlig misslungen – „Die Zofen“ am Theater Vorpommern

Eine Theaterkritik von Georg Meier

Plakat Die Zofen Theater Vorpommern

Donnerstagabend, 20 Uhr, Rubenowsaal. Das Publikum sitzt sich auf zwei Tribünen gegenüber, die 46 Plätze sind nicht ausverkauft. In der Mitte eine kreisrunde Bühne, fast eine Kampfarena, an den Seiten zwei überlebensgroße Portraits einer herrschaftlichen Dame. Darunter sitzend jeweils eine Zofe, schlichtes schwarzes Kleid.

(Plakat: Theater Vorpommern)

 SEICHTES UND BELIEBIGES GEDUDEL 

Die Zofen spielen ein Spiel miteinander: Solange ist Claire, Claire ist die gnädige Frau und lässt sich also von sich selbst bedienen. Wer das nicht weiß, der ist verwirrt. Wer ist wer? Weder Programmheft noch Inszenierung helfen weiter. Susanne Kreckel und Josefine Schönbrodt sitzen sich gegenüber, jede hat ein Mikrofon. Wie eine Lesung fängt das Stück an, erst nach und nach spielen sich die beiden in die Figuren hinein.

Das Spiel der beiden sollte jetzt Fahrt aufnehmen, bis nach fast einer Stunde die gnädige Frau auftritt – so suggeriert es der Text, aber es gelingt nur streckenweise. Immer wieder hat man den Eindruck, als ob die Lust am Spiel – einem perversen Spiel voller Verbrechen, verbotener Erotik, wildem Freiheitsdrang und Mordlust – sich nicht recht einstellen will. Liegt es an den Schauspielerinnen? An der Inszenierung? An der lächerlich banalen Beschallung?

die zofen

Die Musik – seichtes und beliebiges Gedudel bis hin zu pseudogregorianischen Mönchsgesängen – hat für mich sicherlich einiges verdorben. Da hätte ich von einer Regisseurin, die sich in ihrer künstlerischen Biographie mit Aribert Reimann und Boris Blacher beschäftigt hat, deutlich mehr erwartet. Die Bühne macht es den Schauspielern auch nicht leicht: Zwei Publikumsgruppen, die beide bespielt werden wollen. Wendet man sich der einen zu, zeigt man der anderen den Rücken.

Immer wieder gelingt das Spiel aber auch. Gerade, wenn die Zofen nach einer wilden Jagd in einem Kreis von Wut und Anmaßung wie von einer fremden Macht in die Mitte der Bühne und zu unerwarteter Nähe und Zärtlichkeit gezogen werden, entstehen eindrucksvolle Momente. „Nicht völlig misslungen – „Die Zofen“ am Theater Vorpommern“ weiterlesen

Pädagogenschelte im Studententheater: Ionescos „Unterrichtsstunde“

Am Mittwochabend findet im Studententheater die vierte und damit vermutlich auch vorletzte Vorstellung der Unterrichtsstunde statt.

die unterrichtsstunde greifswaldDas absurde Stück des französisch-rumänischen Autoren Eugène Ionesco ist bald mehr als ein dreiviertel Jahrhundert alt. Florian Leiffheidt nutzte es als Grundlage für seine Inszenierung, der er eine Frischzellenkur verpasste, wobei er die Vorlage stellenweise aktualisierte.

In der Unterrichtsstunde werden unter anderem Geschlechterrollen verhandelt. Josephine Steinfurth spielt die Schülerin, die Privatunterricht bei einem etwas in die Jahre gekommenen Professor, dargestellt von Dominik Wachsmann, nimmt. Georg Meier spielt das Dienstmädchen. Im Verlauf des Stücks werden die Lehrexperimente des Akademikers immer wirrer und gipfeln schließlich in einem dramatischen Ende.
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Die Stuthe-Inszenierung der satirischen Abrechnung mit dem bildungsbürgerlichen Elitarismus sorgte bislang für positive Kritiken, zum Beispiel von Jost Aé: „[…] fast ohne Mittel, in ärmlicher Räumlichkeit, wurde mimetisches Bedürfnis befriedigt und begeistert aufgenommen. Wenn Akteure und Publikum so verschmelzen zum Ereignis, sind beide gleichermaßen nur zu beglückwünschen.“

Der Regionalsender Greifswald TV hospitierte seinerseits ebenfalls in der Unterrichtsstunde und hat einen kurzen Beitrag zu dem Stück produziert, in dem Dominik Wachsmann und Florian Leiffheidt über das Stück und dessen Inszenierung sprechen.

Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr, die Türen werden bereits eine halbe Stunde vorher geöffnet. Aufgrund des begrenzten Platzangebots wird zu pünktlichem Erscheinen geraten.

(Foto: Josephine Schalau)

Fakten: 05.12. | 20 Uhr | Stuthe (Mehringstr. 48) | 6/4 EUR

Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #31

Die Umgebung kommt mir vor wie in Technicolor / Wenn ich trinke / Glaub mir oder nicht, hier ist Las Vegas für mich / Wenn ich trinke / Ein glitzernder Preis, ein neuer Beweis / Wenn ich trinke / Und ich durchschau was ich will / Und ich genieße es still / Und man lächelt mich an / Ich fühle mich wie ein Mann / Wenn ich trinke / Veracht‘ mich, aber glaube mir / Ich lieb das Leben, das ich führ‘ / Wenn ich trinke*

kurze wege lange nächte

Das Wochenende zeigt sich in Greifswald von seiner abwechslungsreichen Seite und bietet zahlreiche Veranstaltungen im Spannungsfeld von Edukation und Exzess. Eine Übersicht. „Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #31“ weiterlesen

Vollversammlung der Greifswalder Studierenden

Heute Nachmittag findet in der Mensa die Vollversammlung der Greifswalder Studierenden statt. Der AStA ruft zur Teilnahme an dieser Zusammenkunft auf und weist darauf hin, dass mindestens 5 Prozent aller Studierenden dort sein müssen, damit die Vollversammlung beschlussfähig ist.

250.000 EURO FÜR KULTUR UND HOCHSCHULSPORT

Auf der Vollversammlung können Anträge eingebracht werden. Die darauf folgende Diskussion und Abstimmung  unter den Anwesenden gibt den Antragstellenden ein unmittelbares Feedback und verdeutlicht, wie homogen studentische Interessen beschaffen sein können — oder eben auch nicht.

studenten versammlung hgwDie meisten Anträge sind in diesem Antragsbuch (pdf, 340Kb) zusammengefasst, bis zur Versammlung sollen aber noch einige hinzukommen. Zu den wichtigsten gehören die beiden Konzepte zum Hochschulsport und zur studentischen Kultur. Dabei geht es um die Verteilung von 240.000 Euro geht, die durch die Rückzahlung einer rechtswidrig erhobenen Verwaltungsgebühr nun der Studierendenschaft zur Verfügung stehen.

In den Kultursektor sollen immerhin 100.000 Euro fließen. Der Großteil davon, nämlich 55.000 Euro, käme dem Club 9 zugute, dem ein Umzug und die Suche nach einer neuen Spielstätte ins Haus steht. Weiterhin sollen der Kunstzusammenschluss Polly Faber (10.000 Euro), Stuthe (5.800 Euro), der Nightline e.V. (4.000 Euro) sowie der Geographenkeller (2.800 Euro) unterstützt werden. Die verbliebenen 22.400 Euro verbleiben als freie Mittel.

Über den bevorstehenden Umzug des Club 9 berichtete unlängst Greifswald TV:

UNI FORDERT BESCHLUSSFÄHIGKEIT

Im Konzept für den Hochschulsport werden 150.000 Euro verteilt, von denen allein 135.000 Euro in die Sanierung des Rudersporthauses und der Judohalle investiert werden sollen. Damit trüge die Studierendenschaft 50 Prozent beziehungsweise über 60 Prozent der Sanierungskosten — für die fehlende Differenz soll jeweils die Universität aufkommen. Die verbleibenden 15.000 Euro sollen für Anschaffungen ausgegeben werden. 

Verwaltung und Leitung der Universität sollen indes zu verstehen gegeben haben, dass die Konzepte nur abgesegnet würden, wenn eine beschlussfähige Vollversammlung dahinter stünde. Deswegen wird auch in diesem Semester wieder einiges unternommen, um möglichst viele Studierende heute zur Teilnahme an der Vollversammlung zu bewegen, denn am Ende braucht es knapp 600 von ihnen, um beschlussfähig zu sein. So werden ab 14 Uhr alle Lehrveranstaltungen ausfallen, außerdem erhält jede Teilnehmerin einmal freien Eintritt in einen Studentenclub ihrer Wahl. Wenigstens wird nicht mehr mit einem Gewinnspiel für Teilnahme geworben!

Zur Teilnahme an der Vollversammlung wird auch über Facebook geworben. Es wurde eine Veranstaltung erstellt, um möglichst viele immatrikulierte Freunde einzuladen und zum Kommen zu motivieren. Der webMoritz wird live aus der Mensa tickern.

Fakten: 26.06. | 16 Uhr | Mensa am Wall
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  • Basisdemokratie jetzt! – Die Vollversammlung (webMoritz, 24.06.12.)
  • Heute Vollversammlung an der Uni Greifswald (daburna, 26.06.12)

Es ist noch lange nicht vorbei: Extra-Studenten-Vorstellung von Yann & Beatrix

Soll das nun die aber wirklich letzte Aufführung des Stückes Yann & Beatrix werden? Das Ende des von Lukas Goldbach inszenierten Stückes wurde seit dem vergangenen Jahr schon mehrmals angekündigt, doch auch heute Abend werden Katja Klemt und Jan Holten nochmal in ihren Rollen zu erleben sein, und zwar in einer „Extra-Studenten-Vorstellung“.

yann & beatrixSie sind die einzigen beiden Darstellenden im Schauspiel von Carole Fréchette, das zuletzt in der Brasserie Hermann aufgeführt wurden und eine Zweierbeziehung verhandelt.

„Es war einmal eine Frau voll Sehnsucht, aber statt Gefühl bloß eine einsame Wüste im Innern. Ein Aushang „Suche einen Mann, der imstande ist, mich zu interessieren, zu rühren und zu verführen. In dieser Reihenfolge. HOHE BELOHNUNG.“

Und ein Mann, der an nichts mehr glaubt, als an die Zwanzigerscheine, die er als Prämienjäger verdient. Er stellt sich der Prüfung, welche sich zu der Suche nach dem Moment entwickelt, da wirkliche, wahre Liebe entsteht. Es beginnt ein Kampf zwischen Anziehung und Abneigung, Faszination und Verführung, Liebe und Hass. Und inmitten dieses unwirklichen Glücksspiels entsteht fast unmerklich etwas Wahres, Zartes, Echtes, das vielleicht die Angst vor der Liebe überwinden kann. Fast wie im Märchen.“

Der Regionalsender Greifswald TV hat einen kurzen Beitrag dazu mit Aufnahmen aus dem Stück veröffentlicht, aber das ersetzt natürlich nicht den Besuch in den neuen heiligen Hallen des Studententheaters, sondern kann nur Appetit auf mehr machen.

Fakten: 20.06. | 20 Uhr | Stuthe (Mehring-Str. 48) | 4 / 6 EUR (erm.)