Wie alte und neue Rechte auf den Arndt-Zug aufspringen

Seitdem der Akademische Senat der Universität Greifswald mit deutlicher Mehrheit für die Abschaffung des umstrittenen Namenspatronats stimmte, buhlen mehrere Bürgerinitiativen um die Unterstützung der Arndtbefürworter. Die sollten bei aller Enttäuschung jedoch aufpassen, nicht unfreiwillig auf einer rechtsextremen Veranstaltung zu landen.

Die Arndt-Debatte zieht sich wie ein Graben durch die Stadt. Nach der Senatsentscheidung gegen den Namenspatron am 18. Januar 2017 wurde die Tiefe dieses Grabens sichtbar. Seitdem kommen die Gemüter nicht zur Ruhe: Die CDU ist bereits von Anfang an auf Wahlkampf programmiert und versucht, sich als Kümmerer um die vorpommersche Identität nicht nur gegenüber der AfD zu exponieren. Ehemalige Professoren schreiben sich die Finger wund und drohen, mit juristischen Schritten gegen die Mehrheitsentscheidung des Senats vorzugehen. Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung platzieren einen Gedenkfindling mit ihrem Logo auf einem Gullideckel vor dem Hauptgebäude.

Gruppenbild nach Aktion der Identitären Bewegung in Greifswald

„Eifrige Handwerker haben sich gestern um den lieben Ernst Moritz Arndt bemüht.
Wir finden es toll, dass sich in unserer modernen und schnellebigen Zeit noch junge Menschen zusammenfinden, um gemeinsam zu tüfteln und zu basteln!
(Text und Montage: Hipster Antifa Greifswald)

Und dann ist da noch die Arndt-Protestwoche. Unter diesem Label findet ein Teil der Veranstaltungen statt, die die Arndtbefürworter in den kommenden Tagen auf die Beine stellen werden. Man muss dazu wissen, dass es derzeit nicht ganz einfach ist, bei den konkurrierenden Arndt-Bürgerinitiativen den Überblick zu behalten. Die zuerst bei Facebook aufgetretene Gruppe („BI Ernst Moritz Arndt Greifswald“) entpuppte sich relativ schnell als hochschul- und heimatpolitischer Arm des rassistischen Wutbürgerbündnisses FFDG. Diese Vorbelastung der Gruppe war offenbar Anlass für die Gründung einer zweiten Bürgerinitiative, „Ernst Moritz Arndt bleibt!“, die sich von der ersten BI distanziert und bemüht ist, die Emotionen ihrer Anhänger in zivilisiertes Engagement zu kanalisieren.

AfD, Identitäre und Chargenwichser

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Ernstival auf dem Rubenowplatz: Are you tired? No, we Arndt!

„Hauptsache der Bass ballert bis nach Paris!“ Mit dem Ernstival und der Besetzung des Rubenowplatzes erreicht die Greifswalder Arndt-Debatte ein neues Level.

Allmählich wird in der Arndt-Debatte der Rubenow überschritten. Jetzt werden nicht mehr nur Rosen niedergelegt, Sondersitzungen der Bürgerschaft abgehalten, Mahnwachen gemimt, Menschenketten geplant und Unterschriften gesammelt — jetzt wird auch noch geravt, als wäre Pommern nicht verloren!

Ernstival Greifswald

Bei Facebook erfährt man mehr über dieses Mega-Event, mit dem der RDCS vom 10.-12. Februar unseren Arndt feiern will. Ist das denn deren Ernst? „Ernstival auf dem Rubenowplatz: Are you tired? No, we Arndt!“ weiterlesen

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Arndt-Debatte: Rektorin Weber mahnt Umbenennungsgegner zur Mäßigung

Am Freitag erscheint ein mehrseitiges Arndt-Spezial der Ostsee-Zeitung. In dieser Beilage wird unter anderem eine Stellungnahme von Prof. Dr. Eleonore Weber veröffentlicht. Darin nimmt die Rektorin der Universität Bezug auf die aus den Fugen geratene Debatte, nennt die Angriffe auf die studentischen Senatsmitglieder ein „fatales Signal“ und mahnt zu Besonnenheit. Die Stellungnahme wird im Folgenden ungekürzt wiedergegeben.

Der Erweiterte Akademische Senat unserer Universität hat mit der hohen Hürde einer Zweidrittel-Mehrheit die Entscheidung getroffen, den Namenszusatz „Ernst-Moritz-Arndt“ abzulegen. Die Debatte über den Namenspatron währt seit langen Jahren und hat in der gebotenen Tiefe und Intensität immer wieder zum Ausdruck gebracht, wie unterschiedlich die Perspektiven sind, aus denen die Persönlichkeit und das Werk von Ernst Moritz Arndt betrachtet werden können. Diese unterschiedlichen Positionen verdienen Respekt.

Rektorin Prof. Dr. Eleonore Weber

Prof. Dr. Eleonore Weber, Rektorin der Universität Greifswald (Foto: Pressestelle)

Wie bei allen strittigen Fragen, die in einer repräsentativen Demokratie von den demokratisch gewählten Gremien zu entscheiden sind, können Beschlüsse nicht alle Interessengruppen gleichermaßen zufriedenstellen. Wir erkennen an, dass manche derjenigen, die sich durch ihr Studium oder ihre Tätigkeit mit unserer Universität eng verbunden fühlen, die Änderung des Namens als einen großen Verlust erleben. „Arndt-Debatte: Rektorin Weber mahnt Umbenennungsgegner zur Mäßigung“ weiterlesen

Greifswald in Aufruhr nach Entscheidung über Namenspatron Ernst Moritz Arndt

Nach der vielbeachteten Senatsentscheidung für die Trennung vom bisherigen Namenspatron Ernst Moritz Arndt überhitzen sich die Gemüter der Greifswalder Bevölkerung. Verschiedene Akteure kanalisieren den Frust und versuchen, aus der Wut Profit zu schlagen.

„Man sollte sie teeren und Federn und aus der Stadt jagen.“ Sätze wie dieser gehören noch zu den harmloseren Unmutsbekundungen, mit denen aufgebrachte Greifswalder in den letzten Tagen die Entscheidung des Akademischen Senats contra Arndt bei Facebook kommentierten. Nach fast zwanzig Jahre andauernder Debatte, mehreren Abstimmungen im Senat und in der Studierendenschaft brachte die Senatssitzung am Mittwoch, dem 18. Januar, ein ebenso historisches wie überraschendes Ergebnis: Der umstrittene Namenspatron wurde mit deutlicher Mehrheit abgewählt.

Arndtdebatte in Greifswald

„Einer der Täter!“

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Eilmeldung: Senat entscheidet gegen Ernst Moritz Arndt

Der akademische Senat der Universität Greifswald hat heute mit 24 Ja-Stimmen für die Ablegung des Namens Ernst-Moritz-Arndt und damit gegen den umstrittenen Namenspatron votiert. Elf Senatsmitglieder stimmen gegen den Antrag, ein Senatsmitglied enthielt sich. Nach vier langwierigen Debatten wird Arndt an der Universität Greifswald Geschichte.

Arndt Abstimmung Greifswald

Weltgereister Ethnomediziner berichtet von indigenen Kulturen

Im Rahmen der Ringvorlesung der Community Medicine berichtet der Ethnomediziner Prof. Roland Garve über rituelle Körperdeformierungen indigener Völker.

Ethnomedizin Greifswald

Der Ethnomediziner Roland Garve begibt sich seit 1985 auf ausgedehnte Forschungsexpeditionen zu indigenen Naturvölkern in Ozeanien, Südamerika, Afrika und Südostasien. Zusammen mit internationalen Menschenrechtsorganisationen setzt er sich für den Erhalt ihrer Kultur und ihres Lebensraumes ein. Sein Hauptinteresse gilt der indigenen Kulturvielfalt Amazoniens und Melanesiens. Im Laufe eines Vierteljahrhunderts besuchte der promovierte Zahnarzt viele unterschiedliche Stammesvölker auf zahlreichen Forschungsreisen in Neuguinea und auf den melanesischen Inseln. Dabei dokumentierte er auch die durch Missionierung, Industrialisierung und Umweltzerstörung schneller voranschreitenden Kulturveränderungen.

Der in Boizenburg geborene Garve kann auf eine eindrucksvolle und bewegte Biografie zurückblicken. Er studierte ab 1976 Zahnmedizin an der Universität Greifswald und erhielt 1981 die Approbation. Bald darauf wurde er bis 1983 wegen Vorbereitungen zur Republikflucht inhaftiert. 1984 wurde der Zahnarzt, der während seiner Haft seine Mithäftlinge behandelte, aus der DDR ausgewiesen. Er promovierte 1986 an der Universität Hamburg und betrieb später eine eigene Praxis, bis er 2010 in den Unruhestand ging. Seit den Achtziger Jahren ist Roland Garve auch als Kameramann, Fotograf und Produzent tätig. Er wurde mit zahlreichen Filmen über Naturvölker, unter anderem für ARD, ZDF, ProSieben, Discovery und Geo-TV, bekannt. Über seine Expeditionen hat der Rüdiger Nehberg des Nordostens mehrere Bücher veröffentlicht.

Fakten: 19.12. | 18 Uhr | HS Nord (Klinikum Neubau, Sauberbruchstr.)