Koeppentage 2016: „Ich versuchte die Stadt“

Am Montag beginnen die Greifswalder Koeppentage, die den 110. Geburtstag des Schriftstellers mit einem wohlkuratierten Programm feiern.

Die Koeppentage sind fester Bestandteil des Greifswalder Kulturrhythmus. Das Literaturfestival, das jährlich rund um den 23. Juni, dem Geburtstag des Schriftstellers und Greifswalder Ehrenbürgers stattfindet, wird in diesem Jahr unter dem inzwischen vielzitierten Motto „Ich versuchte die Stadt“ vom Koeppenhaus präsentiert.

koeppentage 2016 Vom 20. bis zum 29. Juni rücken acht Veranstaltungen Wolfang Koeppen und sein literarisches Werk in den Mittelpunkt. Im Fokus der diesjährigen Koeppentage steht der auf Greifswald bezogene, autobiografische Prosatext Jugend, der von einem jungen Außenseiter erzählt, der in seiner Geburtsstadt Greifswald niemals heimisch wird. Der Außenseiter, der mit dem Makel der Armut und der unehelichen Geburt behaftet, durch die Stadt streift und sich von den argwöhnischen Blicken der Bürger verfolgt wähnt. „In meiner Stadt war ich allein“, urteilt der Junge, feiert Niederlage und Zusammenbruch des Kaiserreiches und denkt an Flucht in die großen Städte und fernen Länder.

„In Greifswald wurde ich geboren, das lässt sich nicht leugnen…“

Die Koeppentage beginnen am Montag mit einer Ausstellungseröffnung im „Münchner Zimmer“, die den Versuch unternimmt, die Entstehungsgeschichte von Jugend zu skizzieren und anhand persönlicher Dokumente aus dem Nachlass des Autors die literarischen Erinnerungen an ein Leben in Greifswald Anfang des 20. Jahrhunderts  anschaulich zu machen. Zu den weiteren empfehlenswerten Veranstaltungen gehört auf jeden Fall die Präsentation der Werkausgabe und der digitalen textgenetischen Edition von Jugend mit der in Greifswald aufgewachsenen Autorin Judith Schalansky, dem Suhrkamp-Lektor Raimund Fellinger, Katharina Krüger, Elisabetta Mengaldo und Eckhard Schumacher. In fast identischer Besetzung sorgte dieses Podium bei den Koeppentagen des letzten Jahres für ungebrochene Erheiterung im Publikum und unter den Vortragenden.

Weiterhin findet eine Lesung mit dem Koeppenpreisträger 2014, Karl-Heinz Ott, statt. Der Autor schlug, wie es die Preisträger dieser Auszeichnung traditionell tun, den nächsten Koeppenpreisträger vor. Er sprach sich dabei für den Schriftsteller Thomas Hettche (Pfaueninsel) aus, dem der Preis am Donnerstag durch Oberbürgermeister Stefan Fassbinder verliehen wird. Am nächsten Freitag darf man sich dann auf die Goldene Zitrone Schorsch Kamerun freuen. Der Musiker, Theaterregisseur und Hörspielautor wird im Koeppenhaus aus seinem autobiographischen Roman Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens lesen, der nach einem mehr als zwanzig Jahre älteren und inzwischen nochmal neu aufgenommenen Song Schorsch Kameruns benannt ist.

Die Koeppentage enden am kommenden Sonnabend mit einem literarischen Rundgang durch Greifswald, bei der unter Federführung von Monika Schneikart (Universität Greifswald) Orte aufgespürt werden, an die in Jugend erinnert wird.

Thomas Hettche erhält Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis 2016

Der Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis der Universitäts- und Hansestadt Greifswald wird in diesem Jahr dem Schriftsteller Thomas Hettche verliehen.

Seit 1998 verleiht die Stadt Greifswald alle zwei Jahre den mit 5.000 Euro dotierten Wolfgang-Koeppen-Preis. Mit der Auszeichnung wird ein literarisches Wirken gewürdigt, „das in ähnlicher Weise wie das Werk Wolfgang Koeppens dem unvollendeten Projekt der literarischen Moderne verbunden, seiner Zeitgenossenschaft eingedenk bleibt und nicht zuletzt in seiner sozialen Sensibilität dem Werk Koeppens vergleichbar ist.“ Die Prämierten werden von der vorherigen Preisträgerin vorgeschlagen. Im Fall Hettches war das der Schriftsteller Karl-Heinz Ott.

Thomas Hettche Koeppenpreis

(Foto: © Stiftung Schloss Leuk/Thomas Andenmatten)

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Greifswalder Koeppentage 2015

Vor genau 109 Jahren wurde Wolfgang Koeppen in Greifswald geboren. Mit den Koeppentagen erinnert ein jährlich stattfindendes Literaturfestival an Leben und Werk des Schriftstellers, der zu einem der bedeutendsten Romanciers der deutschen Nachkriegsliteratur werden sollte.

Unter dem Titel „Der geborene Leser, für den ich mich halte…“ präsentiert das Koeppenhaus anlässlich der diesjährigen Koeppentage vom 23. Juni bis zum 1. Juli ein wohlkuratiertes Programm. Dazu gehören zwei Ausstellungseröffnungen, Lesungen und Gesprächsrunden mit zeitgenössischen Autoren wie Judith Schalansky und Hans-Ulrich Treichel, ein Vortrag mit dem Leiter des Günter Grass Hauses in Lübeck und eine literarische Friedhofsführung.

koeppentage greifswald 2015 Die Koeppentage beginnen am Dienstagabend um 19 Uhr mit einer Ausstellungseröffnung des Wolfgang-Koeppen-Archivs der Universität Greifswald, die Einblicke in das passionierte, nicht auf den Bereich der Literatur beschränkte Leserleben Wolfgang Koeppens gewährt und anhand von Fundstücken aus seiner vielseitigen Privatbibliothek aufzeigt, wie Rezeption und Produktion von Literatur bei Koeppen ineinander übergehen. Eine thematische Einführung liefern Philip Koch und Archivleiter Prof. Eckhard Schumacher.

Schumacher hat zusammen mit Katharina Krüger die Koeppen-Ausgabe der literaturwissenschaftlichen Fachzeitschrift TEXT+KRITIK herausgegeben. Beide Herausgebenden werden den „Abend für Wolfgang Koeppen“ moderieren, der im Anschluss an die Ausstellungseröffnung um 20 Uhr beginnen wird. Als Gäste werden Raimund Fellinger, langjähriger Cheflektor im Suhrkamp Verlag, und die ebenfalls wie Koeppen in Greifswald geborene Schriftstellerin Judith Schalansky (Der Hals der Giraffe) angekündigt. Die Autorin wird einen Text lesen, in dem sie sich und ihr Schreiben in ein Verhältnis zu Koeppen setzt. In der darauf folgenden Gesprächsrunde wird Koeppen als Schriftsteller, Briefautor und Leser vorgestellt.

Judith Schalansky Greifswald Judith Schalansky (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2015)

„Lesen mit Koeppen“ heißt die Devise, wenn die beiden Schauspieler Christian Holm und Katja Klemt am Mittwoch jene Autoren in Auszügen vorstellen werden, denen Koeppen besonders nahe stand. „Greifswalder Koeppentage 2015“ weiterlesen

Tag der Wissenschaft an der Universität Greifswald

Am Sonnabend öffnen sich die Türen der Universität Greifswald zum „Tag der Wissenschaft“. Neugierige Besucherinnen dürfen sich auf zahlreiche Vorträge und Führungen durch die Alma Mater gefasst machen. 

tag der wissenschaft greifswaldIm Audimax werden fünf Hörsäle von Forschenden bespielt, die in populärwissenschaftlichen Vorträgen ihre Projekte und Ergebnisse aufbereiten und vorstellen. Die Vorlesungen finden parallel statt, ein bisschen wie ein Rockfestival also, jedoch mit Bildungsinhalten und nur von 13-16 Uhr — Diskursrock auf Wohnzimmerlautstärke sozusagen.

Die Themen reichen dabei von Krankenhauskeimen oder der kognitiven Entwicklung von Kindern über leuchtende Tiefseefische, dem „Verhältnis von Vertrauen und Medien in einer digitalen Welt“ bis zu Ernährungsmedizin. Wer Prof. Eckhard Schumachers Vortrag „Über Fakt und Fiktion: Wolfgang Koeppens Jugend“ bei der „Universität im Rathaus“ verpasst hat, erhält am Sonnabend die Gelegenheit, sich eingehender mit Koeppens Beziehung zu Greifswald zu beschäftigen. „Tag der Wissenschaft an der Universität Greifswald“ weiterlesen

Und misch‘ die da oben richtig auf. Zum Tode von Günter Grass

Lieber Günter Grass, in großer Dankbarkeit und tiefer Trauer denken wir heute an Dich. Ohne Deine Initiative und langjährige Unterstützung gäbe es das Koeppenhaus nicht. Mach’s gut — und misch die da oben richtig auf… 

Am 23. Juni 1906 wird Wolfgang Koeppen in der Bahnhofstraße 4 geboren. Als im Jahr 1999 die Hanse- und Universitätsstadt das Haus erwirbt und aufgrund der hohen Sanierungskosten nur ein Abriss geboten scheint, berichten die Lübecker Nachrichten auf ihrer Kulturseite von dem desolaten Zustand des Hauses. Glücklicherweise nimmt auch Nobelpreisträger Günter Grass Notiz von dieser Meldung. Ebenso wie sein Schriftstellerkollege Peter Rühmkorf, schätzt Günter Grass Wolfgang Koeppen als einen bedeutenden deutschen Romancier der Nachkriegszeit. Sie gründen die Wolfgang- Koeppen-Stiftung, um die Erinnerung an den Schriftsteller und sein Werk wachzuhalten. In Gerhard Schröder finden beide einen weiteren Prominenten, der sich für die Sicherung und den Erhalt von Koeppens Geburtshaus stark macht. Bund und Land renovieren das Haus und im November 2002 beziehen die neuen Mieter, das Literaturzentrum Vorpommern und das Wolfgang-Koeppen-Archiv, das so genannte „Koeppenhaus“.

Günter Grass Greifswald(Foto: Literaturzentrum Vorpommern)

Seit über 12 Jahren betreibt das Literaturzentrum mit rund 100 Veranstaltungen das Koeppenhaus und wird bei der Ausrichtung der jährlichen „Greifswalder Koeppentage“ zu Ehren des Autors Wolfgang Koeppen durch die Wolfgang-Koeppen-Stiftung ebenso unterstützt, wie 2006 bei einer bundesweiten Petition zum Erhalt des Hauses, nachdem die Fördermittel gekürzt werden sollten. 2011 konnten wir Günter Grass zuletzt bei den Koeppentagen in Greifswald begrüßen als Teilnehmer der Diskussion „Jeder ist Lobbyist. Das Spannungsverhältnis von Interessen und Demokratie“.

Unser Dank gilt Günter Grass für die jahrelange großzügige Unterstützung und Begleitung der Arbeit im Koeppenhaus. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau, seiner Familie und seinen Wegbegleitern.

Literaturzentrum Vorpommern im Koeppenhaus, Greifswald, 13.04.2015

Judith Zander liest in Greifswald

Die verlorene Tochter kehrt zurück. Judith Zander erntete in den vergangenen Monaten viel Beifall für ihr Romandebut Dinge, die wir heute sagten und wurde dafür  schließlich mit dem Preis der Sinecure Landsdorf 2010 ausgezeichnet. Demnächst wird die von 3sat und der FAZ bejubelte Autorin auch in Greifswald lesen.

In der Begründung der Preisverleihung wurde beinahe euphorisch davon geschwärmt, dass Zander „mit ihrem ersten Roman an diese große erzählerische Kraft des Nordens an, die durch Namen wie Uwe Johnson, Wolfgang Koeppen oder auch Brigitte Reimann repräsentiert wird“, anknüpft.

Die junge Autorin wurde 1980 in Anklam geboren und studierte in Greifswald Germanistik, Anglistik sowie Mittlere und Neuere Geschichte. Danach zog es sie an das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig. Inzwischen lebt die Autorin in Berlin. In Dinge, die wir heute sagten erzählt sie:

„von Bresekow, einem verschwiegenen Dorf in Vorpommern, von Heimat und Hölle: Die alte Frau Hanske ist gestorben, und zur Beerdigung treibt es ihre Tochter Ingrid aus dem fernen Irland nach Bresekow zurück.

[aartikel]3423247940:left:fleischervobl-21[/aartikel]Aus ›Mangel an Welt‹ hatte Ingrid ihre Heimat vor Jahren fluchtartig verlassen. Nun ändert ihr Besuch vieles im Dorf, bringt die Bewohner zum Sprechen und wirft, gerade für die Familien Ploetz und Wachlowski, alte und neue Fragen auf – Fragen über ihr derzeitiges Leben und die Verstrickungen von einst.

Bresekow, schon immer eine kleine Welt, eng, abgelegen, von Verfall bedroht, wird hier zum Brennspiegel der Gegenwart. Drei Generationen erzählen mit großer Sprachkraft von Provinz und Alltag, von Freundschaft und Verrat, vom Leben selbst.“

Ein kurzes Videoportrait stellt Judith Zander und ihren Roman vor.

Bei der Lesung handelt es sich um eine Gemeinschaftsveranstaltung des Literaturzentrums Vorpommern und der Buchhandlung Weiland. Aufgrund des zu erwartenden Ansturms empfehle ich dringend, sich vorab eine Karte zu sichern. Der Kartenvorverkauf findet im Café Koeppen, in besagtem Buchladen und in der Greifswalder Stadtinformation statt.

Fakten: 01.10. | 20 Uhr | Koeppen | 5 EUR (3 EUR ermäßigt)