Intern: Schottland, ein kurzer Urlaubsrückblick

Unter mechanischem Quietschen hält der überfüllte Zug am Greifswalder Bahnhof und bringt mich nach einem kurzen Hauptstadt-Zwischenstopp aus meinem Schottland-Urlaub zurück an den Bodden. Bevor hier der neumediale Tagesbetrieb nahtlos weitergeht, soll an dieser Stelle noch einmal kurz zurückgeschaut werden.

Für zwei Wochen verließ ich das europäische Festland, um einen Staat zu bereisen, in dem die Schafpopulation die der menschlichen Einwohner um den Faktor 10 übersteigt. Ausgerüstet mit Rucksack, Zelt und Kochausrüstung, standen die Zeichen auf Autarkie und nach einem kurzen Ankunftsaufenthalt in Glasgow sollte es auch sehr bald ins Freie gehen; das zu suchen, was ich schon auf so vielen Bildern vor der Reise bestaunte.

Tolkinsche Landschaften in den Highlands

Der erste Halt wurde in den Highlands, genauer in der Gegend des Tals Glen Coe gemacht. Schroffe Berglandschaften, die sich majestätisch über das saftige Grün erhoben, Wasserfälle und Bäche, Heidekraut und Farnwiesen, die ungebremst wuchsen, erinnerten an die Schauplätze der Romane Tolkiens. Seltsam und inzwischen auch beinahe vertraut, wenn man als Flachländer vom Rausch der Bergwelt gefangengenommen wird.

Auf der Nebelinsel Skye

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Jeder Ortswechsel ging mit ungemeinen Veränderungen der zu bestaunenden Landschaftsformen einher. Der Wanderung in den Highlands folgte ein Fußmarsch auf Skye. Einst von den Wikingern als Nebelinsel bezeichnet, wussten hier steil abfallende Küsten und düstere Bergseen zu beeindrucken. Schon jetzt zeichnete sich ein Problem ab, das die weitere Reise begleiten sollte. Ein massives — der Reisezeit geschuldetes — Aufkommen stechender Insekten. Sie waren Legion.

Midgies, kleiner als Mücken und zumeist in großen Schwärmen auftretend, machten das Pausieren unmöglich. Jedes Rasten wurde zur Qual. Das ist gut für ein schnelles Vorankommen, aber schlecht für die notwendige Nahrungszubereitung am Nachtlager. Dagegen helfen nur Sturm, Bewegung oder Insektennetze am Zelt. Ein kurzes Abflauen der Attacken besorgte auch die englische Bodylotion skin so soft, doch wirkliche Ruhe vor den unruhigen Geistern gab es nirgendwo. Sparsamkeit und das Bemühen, Würde zu wahren, hielten davon ab, sich einen entsprechenden Moskitohut zu beschaffen, wie es hier und da vorwiegend englische Reisende vormachten.

Auf den äußeren Hebriden

Stürmisch ging es auf dem Eiland Berneray zu, das zu den äußeren Hebriden zählt. Türkisblaue Badestrände, flaches und grasbewachsenes Land und Schafe, soweit das Auge reicht. An einigen Buchten dösen Seehunde in der Sonne, so sie für einen Augenblick das fanale Wolkentreiben zwischen grau und dunkelgrau durchbrechen kann. Im Hostel am Ende der Welt hat sich zufällig eine an Kauzigkeit nur schwer zu überbietende Gruppe unterschiedlichster Charaktere zusammengefunden, ein starker und böiger Sturm schenkte einen halben Tag Frieden in der Angelegenheit mit den Midgies. Eine Qualitätsprüfung des Zeltes unter schwerster Belastung gab es als besonders furchteinflössende Dreingabe.

Fusionismus auf Harris

Mit der Fähre erreichte ich schließlich die durch ihren Tweed berühmt gewordene Insel Harris, die sich vor allem durch ihre Abschüssigkeit und ihre Moorlandschaften auszeichnete. Hier öffnete das im großartigen Buch Cool Camping Scotland zum famosesten Zeltort Schottland gekürte Blackhouse Camping Tor und Tür und erweiterte den Horizont der Reisenden.

Gemüsebeete, frisch gebackenes Brot, Hühner, deren Eier sofort ihren Weg in die Pfannen der Gäste fanden, ein Labyrinth aus Wegen in der so unwirtlichen Gegend, liebevollstes Interieur aus den Schätzen der Inselumgebung. Ein Reaktor der Harmonie, ganz ohne die zeltplatztypischen Regeln, Hinweise und Verbotsschilder. Campingplatz gewordenes Fusion. Naja, zumindest im Mikroformat.

Später, es ist schon Abend, kehrt man nach Glasgow zurück und weiß noch immer nicht die Frage zu beantworten, ob rückblickend der tägliche Regen oder die Midgies zum dringlicheren Problem wuchsen. Sicher  ist nur, dass es diese Störungen wert war und ich eher früher als später in die Highlands zurückkehren werde, gu deibhinn!

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8 Gedanken zu „Intern: Schottland, ein kurzer Urlaubsrückblick

  1. Ah, herrlich! Die Midgies haben mich nie belästigt, da ich nur öfter als Tagesausflügler im Glen Coe und auf Skye war 🙂 Soweit ich weiß, ist August aber auch die schlimmste Zeit dafür und der Juli ist da besser geeignet, auch vom Wetter her. Aber als Student kann man sich das ja nicht immer aussuchen….

    Und ja, Schottlang macht süchtig!

  2. Ich bin ja zum Glück kein Student mehr. Die beste Reisezeit seien übrigens die Monate April und Oktober. Der Golfstrom sorgt für ganzjährige Milde, hier und da wuchsen sogar ein paar Palmen. Die Midgies kämen wohl Mitte Juni und verschwänden im September wieder.

  3. Willkommen zurück – hoffentlich gut erholt und neu motiviert! Danke für diesen Blog und herzlichen Gruß aus der Nachbarschaft – CM

  4. Den Midges ist es eigentlich egal wann sie dich zu fassen bekommen und leider hilft bei mir keins der bekannten Mittel außer Wind 😉
    Schottland ist einfach geil.

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