Grillsportvergnügen mit kritischen Juristinnen

Morgen ist der Arbeitskreis Kritischer JuristInnen in Greifswald (AKJ) wieder im KLEX präsent und lädt ab 20 Uhr zum veganen und fair gehandelten Bio-Barbecue auf dem Hof des Jugendzentrums ein. Anschließend soll bei der Soli-Russendisko getanzt werden.

flyer russendiskoÜblicherweise gehören Grillsport und die Organisation von Tanzveranstaltungen nicht zum Kerngeschäft der Jurastudierenden, die sich ihrerseits eben vor allem Fragen der praktischen Anwendung von Recht widmen. Bei den im Dezember 2010 und im Februar 2011 durchgeführten Castor-Transporten ins nahegelegene ZwischenLager Lubmin begleiteten sie als Demo-Beobachterinnen die Proteste dagegen.

RBB-SENDUNG ÜBER DEN AKJ GREIFSWALD

Im Februar wurden sie hierbei vom RBB begleitet, der im Rahmen der Sendung Kowalski trifft Schmidt einen Fünfminüter über den AKJ produzierte und ausstrahlte – ein künstlicher Ausschnitt AKJ-Normalität, der aber eine ungefähre Vorstellung darüber, was diese Gruppe umtreibt, zu vermitteln vermag.

Das Video wurde inzwischen leider entfernt.

Reklame

Die Party beginnt um 22 Uhr und es wird ein Abend mit Balkan, Ska und Folk versprochen.

Fakten: 27.04. | ab 22 Uhr | KLEX | 2 EUR

Das hier interessiert dich vielleicht auch noch:

14 Gedanken zu „Grillsportvergnügen mit kritischen Juristinnen

  1. Au weia, haben die da etwa Lenin auf dem Flyer? Damit ist wohl klar: auch der AKJ ist kommunistisch-marxistisch-leninistisch-bolschewistisch-Stasioffiziers-verseucht und damit zum Abschuss freigegeben. Wann sich wohl Herr Vierkant wieder mit oblatendünnem Halbwissen zu Wort meldet und eine purpur-rote Weltverschwörung wittert…?! Es bleibt spannend.

    Viel Spaß bei der Russendisko!
    Gut, dass es den AKJ gibt!

  2. wenn ich mir das bei wiki betrachte ist das aber schon grenzwertig mit dem lenin. vor allem wenn man anderseits gegen ema als namenspatron ist. das passt nicht zusammen.

    „Lenin förderte und verlangte als Staatschef den Roten Terror im Bürgerkrieg. So ordnete er am 9. August 1918 in einem Schreiben an die Behörden von Nischni-Nowgorod an: „Organisiert umgehend Massenterror, erschießt und deportiert die Hundertschaften von Prostituierten, die die Soldaten in Trunkenbolde verwandeln, genauso wie frühere Offiziere, etc.“[48] Am selben Tag ordnete er gegenüber den Behörden von Pensa die Einrichtung eines Konzentrationslagers an.[49] Lenin legitimierte den Roten Terror als vorübergehend notwendige Maßnahme im Bürgerkrieg, er diene der Verteidigung gegen den Weißen Terror. So erklärte er bereits 1920: „Der Terror wurde uns durch den Terrorismus der Entente aufgezwungen, als die stärksten Mächte der Welt, vor nichts zurückschreckend, mit ihren Horden über uns herfielen. Wir hätten uns keine zwei Tage halten können, wären wir diesen Versuchen der Offiziere und Weißgardisten nicht ohne Erbarmen begegnet und das bedeutet Terror … Wir erklärten, dass sich die Anwendung von Gewalt aus der Aufgabe ergibt, die Ausbeuter, die Gutsbesitzer und Kapitalisten zu unterdrücken; wenn dies getan ist, verzichten wir auf alle außerordentlichen Maßnahmen.“[50] Lenin sah aber keineswegs die Abschaffung des Terrors vor: In einem Brief aus dem Jahre 1922 zur Reform der Justiz äußerte er die Absicht, den Terror rechtlichen Konventionen zu unterwerfen, die Idee ihn abzuschaffen bezeichnete er als Selbsttäuschung.[51]“

  3. @EMA: Jemand, der öffentlich Antisemitismus relativiert und besonders nationale Freunde zur Mahnwache mitschleppt, sollte mal ganz vorsichtig sein in der Bewertung politischer Zusammenhänge!

  4. @EMA & ororz:

    Bleibt mal bitte friedlich, wir sind hier schließlich nicht auf dem webMoritz. Daher ist eine gewisse Zurückhaltung angebracht, zumal mit solchen Poltereien auch nicht unbedingt ein vielfältiger Meinungsmarktplatz generiert wird.

    Grundsätzlich kann ich EMA zustimmen, Lenin ist alles andere als eine famos geeignete Ikone und muss auf jeden Fall mit gehöriger Skepsis betrachtet werden. Andererseits verstehe ich den Lenin-Bezug in diesem Fall nicht als programmatische Ausrichtung des AKJ, sondern vor allem als popkulturelle Ästhetisierung: Das Bild macht sich hervorragend auf diesem Flyer und ähnlich wurde ja (der ebenso streitbare) Onkel Che immer wieder als Verbildlichung benutzt.

  5. @Jockel: ich stimme Dir zu. Nur diese konservative Doppelmoral kotzt mich an. Ich bin niemand, der Lenin glorifiziert oder andere radikale Denker unreflektiert übernimmt.
    Aber jemand, der sich den Namen eines Antisemiten und Hassdichters gibt, sich dafür einsetzt, dass Nationalismus ein erhaltenswertes Gut an einer Uni ist und offen das rassistische Werk Arndts relativiert, sollte in diesem Zusammenhang auf gut deutsch gesagt die Schnauze halten!

  6. Lenin auf dem Plakat passt inhaltlich doch sehr gut. Der Mann war ja nicht nur marxistischer Revolutionär, sondern auch Rechtsanwalt. Zuerst studierte er ab 1887 an der Universität Kasan Jura. Dort wurde er im selben Jahr wegen seiner sozialistischen Gesinnung von der Universität ausgeschlossen und verhaftet. Es folgten 2 Jahre Verbannung – die Lenin u.a. für das Selbststudium marxistischer Literatur nutzte. Da Lenin wegen der Verbannung weder in Russland noch im Ausland sein Jura-Studium an einer Universität weiterführen konnte, bemühte er sich um eine Genehmigung, als Externer an der Universität die Examensprüfung ablegen zu können. Erst im Frühjahr 1890 erhielt er hierfür die Genehmigung. Daheim arbeitete Lenin alleine das gesamte Studienpensum durch und legte 1891 sein juristisches Examen ab. 1892 wurde Lenin Rechtsanwalt und arbeitete erst in Samara und dann ab 1893 in St. Petersburg als marxistischer Anwalt. Es folgte 1895 wieder eine Anklage und 14-monatige Haft wegen der Vorbereitung (!) der Herausgabe einer illegalen sozialistischen Zeitung. 1897 wurde er dann erneut verhaftet und für 3 Jahre nach Südsibieren (Shushinskoje) verbannt. Nach dem Ende der Verbannung ging er ins Ausland, um dort endlich eine russischsprachige marxistische Zeitung herauszubringen, was im zaristischen Russland selbst nicht möglich war. Bis 1917 verbrachte er die meiste Zeit im Exil in Bayern und in der Schweiz als Redakteur der sozialistischen „Iskra“. Der Rest der Geschichte (plombierter Zug, Aprilthesen, Oktoberrevolution, erster sozialistischer Arbeiter- und Bauernstaat, Gründung der Kommunistischen Internationale etc.) dürfte den meisten bekannt sein, also spar ich mir das. [Wobei Leute wie „EMA“ vermutlich an objektiven Infos zur Person Lenin weniger Interesse haben; schließlich müssen sie ja ihr antikommunistisches Weltbild krampfhaft aufrechterhalten. Gerade in der deutschen Geschichte haben Antikommunismus und Antisemitismus ja eine lange, blutige Geschichte, weshalb der Nick-Name EMA eigentlich ganz gut gewählt ist.]

  7. @retmarut, jetzt suchst du doch genauso nach einer rechtfertigung für die nutzung wie es die pro-EMA leute immer gemacht haben.

    ich teile da eher jockels ansicht des ästhetischen. is doch eigentlich fast lächerlich, den genossen mit den großen kopfhörern zu zeigen :).

  8. nachfrage:

    welchen „kopf“ hätte man stattdessen nutzen können, um „russendisko“ zu illustrieren?

    eine zweifellose popularität ist ja voraussetzung und mir fällt grad fast niemand ein, dessen gesicht so populär ist, dass ihn in deutschland genug menschen kennen und der gleichsam „politisch korrekt“ ist.

  9. @fbm:
    Ich finde die Abbildung mit den Kopfhörern keinesfalls lächerlich. Stehen diese doch für technischen Fortschritt, fürs digitale Zeitalter (hier: digitalisierte Musikfiles). Schließlich sind Kommunist_innen ja Verfechter_innen des gesellschaftlichen und technischen Fortschritts.
    Oder wie Lenin es damals wegweisend formulierte: „Kommunismus ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung.“

  10. dann will ich ernsthaft darauf antworten.

    vorab: ich bin keiner von denen, die kommunisten per se verdammen.

    1. dass ein kopfhörer ein symbol für die digitale gesellschaft sein soll, ist interessant. feiern wir also bald 100 jahre digitale gesellschaft?

    2. auch andere gruppen, die sich über gesellschaftliche gesamtmodelle definieren, beanspruchen für sich, gesellschaftlichen und technischen fortschritt zu bezwecken. alles andere wäre ja auch äußerst seltsam.
    du wirst selbstverständlich auch in verschiedenen systemen fortschritt und neue errungenschaften finden können. das bezieht sich auch auf dein eisenstein-beispiel.

    3. kopfhörer ermöglichen absonderung, man isoliert sich weitgehend von den geräuschen der außenwelt und beansprucht die musik für sich allein. dieser individualismus widerspricht meiner ansicht nach eher den grundgedanken des kommunismus.

  11. @ fbm:

    Auf dem Flyer scheint aber Lenin eher den DJ zu machen, also nix mit Vereinzelung.
    Bisher hat die Bourgeoisie den bisher stärksten Fortschritt der Produktivkräfte in der Menschheitsgeschichte ermöglicht, das ist beachtenswert und positiv zu bewerten. Problem ist halt nur, dass deren anarchische Produktionsweise (jede_r wirft munter auf den Markt in der Hoffnung auf Rendite, als Endergebnis gibt es dann die Überproduktionskrise, einige Akteure gehen dabei unter, danach geht das Spiel auf höherer Ebene weiter) mittlerweile zum realen Hemmnis der Produktivkräfte wird. Zudem nehmen die inneren Widersprüche stetig zu. Die objektiven Verhältnisse laufen seit 1917 tendenziell auf ein Ende der bürgerlichen Gesellschaft hinaus. Fraglich ist allerdings, wann auch die subjektiven Verhältnisse (also das Bewusstsein und der Organisationsgrad der beherrschten Klassen) so weit gediehen sind, dass ein entsprechender Übergang vonstatten gehen kann. Erste Versuche hat es ja seit 1871 schon gegeben, aber vermutlich dauert es noch ein ganzes Weilchen. (Wobei: Manchmal geht es unerwartet schnell, siehe französische Revolution, die die feudale Herrlichkeit nachhaltig hinweggefegt hat.)

    Aber genug der abseitigen Diskussionen: Super, dass der AKJ eine nette Party gemacht hat. (Und v.a. gut, dass es den AKJ in Greifswald überhaupt noch/wieder gibt.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.