Dokumentation: Die neuen Rechten

Aus aktuellem Anlass sei auf eine Dokumentation von Thomas Riedel und Falko Korth verwiesen, die im März 2010 im Auftrag von Sat1 produziert wurde. Sie begleitete den unsäglichen Fernsehfilm Die Grenze, in dessen Verlauf Mecklenburg-Vorpommern beinahe von verschiedenen Extremisten zerrieben worden wäre.

„WIR MÜSSEN SELBER EINE PARALLELGESELLSCHAFT AUFBAUEN“ (MATTHIAS FISCHER) 

Bei aller berechtigten Kritik am aufgeputschten Zweiteiler ist die Begleitdoku Die Grenze. Gefahr für unser Land dann doch einigermaßen gelungen und führt auf verschiedenen Stationen quer durch Deutschland, von Wunsiedel über Sachsen-Anhalt bis nach Vorpommern und Schwerin. Dabei kommt neben der Journalistin Andrea Röpke, die in wenigen Wochen für eine Lesung nach Greifswald reisen wird, auch der hiesige Experte in Sachen Rechtsextremismus, Günther Hoffmann, zu Wort.

udo pastoers npd

Im Film werden verschiedene Facetten der rechten Bewegung angeschnitten und beleuchtet, das reicht von Demonstrationen und Kinderfesten, Lagern der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ), Rechtsrock-Konzerten und Sonnenwendfeiern bis zum politischen Aschermittwoch, wo Udo Pastörs jene Rede halten soll, der ein Prozess wegen Volksverhetzung folgte. Eine Szene im Film dokumentiert die pastörschen Provokationen im Landtag, dessen unverhohlener Antisemitismus keine Kamerascheu kennt.

RECHTES GEDANKENGUT FÄLLT NICHT VOM HIMMEL, SONDERN WÄCHST AUS UNSERER MITTE

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Die beiden Regisseure greifen häufig auf Archiv- und Fremdmaterial zurück, wie zum Beispiel auf Mo Asumangs Roots Germania oder die unglaublichen Aufnahmen aus Wismar, wo Polizeibeamte am Rande einer linken Demonstration mit gezogenen Schusswaffen versuchen, bewaffnete Neonazis zurückzuhalten. Den wichtigsten Satz des Films steuert Andrea Röpke bei, als sie daran erinnert, dass neonazistisches Gedankengut nicht vom Himmel fällt, sondern aus der Mitte der Gesellschaft herauswächst.

Eine Woche vor der Landtagswahl ist es nicht unwahrscheinlich, dass der NPD erneut der Wiedereinzug in das Schweriner Schloss gelingen kann. Umso wichtiger ist es deswegen, sich mit dem Geist auseinanderzusetzen, der hierzulande in Gestalt der NPD um öffentliche Unterstützung buhlt. Das Leitmotiv für den heutigen Fernsehabend ist damit gefunden: Rotwein und Rieger, Pasta und Pastörs, Täter statt Tatort!

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21 Gedanken zu „Dokumentation: Die neuen Rechten

  1. @Tino: Danke für den Link und den korrigierenden Hinweis. Du hast natürlich Recht: das Zitat stammt von Matthias Fischer und nicht von Udo Pastörs. Ich habe die Zwischenüberschrift korrigiert.

  2. kannteste die noch nich stan? am derbsten find ich, wie man an den gesichtern der nazis sieht, wann die bullen ihre waffen ziehen. da glotzen die echt noch dümmer als sonst ;/

    1. „am derbsten find ich, wie man an den gesichtern der nazis sieht, wann die bullen ihre waffen ziehen.“ Ähhm, versteh ich inhaltlich nicht den satz. also ich kann von den nazi-gesichtern nicht ablesen, wann die Polizei ihre Waffen zieht …
      Diese Verharmlosung „dümmer“ versteh ich auch nicht. Auf mich haben die 4 Nazis viel zu unbeeindruckt (krass?) gewirkt – auch nach Ziehen von 3 Schusswaffen der Polizei (ja 3, am Ende: die Polizeifrau war mit der situation überfordert und hat ihr schussgerät nicht sofort aus’m halfter bekommen) . Absolut fanatisch war der eine breite Nazi sogar, als ob der vorher ein pfund koks genommen hätte – den hat ja überhaupt gar nichts gejuckt!

      Da war jedenfalls überhaupt nichts dummlustiges an dieser Wismar-Sequenz. Ich bin mir auch sicher, es wäre nicht so beherzt ‚antifaschista‘ gebrüllt worden, wenn die so beleidigungswerten „Bullen“
      diese Hardcore-Nazis nicht so schnell/konsequent in die Schranken gewiesen hätten. Jedenfalls kann man mal eine absolut angebrachte Deeskalation der Polizei beobachten und lobend erwähnen.

      Aber sollte sich jeder selbst sein objektives/subjektives
      Urteil über die Bewegtbilder machen: Teil 2, ab 10:30 min.

  3. Na wenn Andrea Röpcke mit von der Partie ist kann den Fernseher/PC gleich abschalten. Nichts gegen Aufklärung über Rechtsextremismus, aber Aufklärung a la DDR-Politunterricht, die selbst vor der Hetze gegenüber Kindern nicht Halt macht, sollte man sich wohl lieber nicht antun.

  4. Gute Doku, absolut sehenswert! Vielen Dank dafür.
    Wer sich mit dem Problem intensiver auseinandersetzt, wird nicht viele Überraschungen erleben. Aber für Leute, die mit Rechtsextremismus noch in erster Linie Springerstiefel und Baseball-Keulen verbinden, hält der Film doch einen gewissen Grad an Erkenntnisgewinn parat.

  5. @ daburna

    Kannst du genauer ausführen, was du meinst? Man kann sich bestimmt über die Ansätze von Frau Röpke streiten, aber schließlich ist sie ja auch Journalistin und keine Wissenschaftlerin. Hetze gegen Kinder hab ich von ihr noch nie vernommen.

    PS: „Hetze“ ist übrigens ein historisch ziemlich belastetes Wort, wozu nicht geringfügig die DDR beigetragen hat

    😉

  6. @daburna: Vorsicht mit dem Politunterricht der DDR! Erstens hieß das Fach Staatsbürgerkunde und zweitens kann ich dabei eine Parallele zu Röpke nicht herstellen. Sie ist umstritten, keine Frage. Aber andererseits beschäftigt sie sich seit Jahren mit dem Thema und ist damit eine der wenigen Expertinnen, um die man meiner Meinung nach kaum herumkommt.

    Empfohlen sei ihr vor wenigen Wochen erschienenes Buch „Mädelsache. Frauen in der Neonazi-Szene“, das sie gemeinsam mit Andreas Speit geschrieben hat und das über die Bundeszentrale für Politische Bildung genauso beziehbar ist, wie „Neonazis in Nadelstreifen. Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft“ vom gleichen Autorenduo.

  7. Warum ist Andrea Röpke „umstritten“?
    Und was war am Staatskundeunterricht (mal jenseits der konkreten Vermittels seitens des jeweiligen Lehrers) inhaltlich bedenklich?

  8. @retmarut: Schön, mal wieder von dir zu lesen!

    In Sachen Röpke: es soll es mal Differenzen und Konflikte zwischen ihr und recherche nord gegeben haben. Mehr weiß ich auch nicht. Umstritten, weil man einwenden kann, dass sie die Neonazis sehr provoziert und mitunter ganz schön unvorsichtig zu agieren scheint.

  9. @ Jockel: Als Journalistin Nazis zu provozieren, ist ja durchaus legitim und lobenswert. In solchen Momenten reden die Damen und Herren Faschopack ja meist Tacheles und demaskieren sich und ihre Parolen damit öffentlich selbst.
    Und die jeweilige potentielle Gefahrenlage muss sie letztlich selbst einschätzen. Ich denke, da haben sie und ihre Kollegen schon einiges an Erfahrung gesammelt.

  10. Zur Hetze gegen Kinder verweise ich auf Frau Röpckes Agitation gegen das siebte Kind einer rechtsextremen Familie in Lalendorf. Von einer „antifaschistischen“ Journalistin wäre mehr als Sippenhaft zu erwarten gewesen.

    Interessant auch, dass Herr Steyer sich mal wieder zu Wort meldet. Aber auch wenn er bald 40 Jahre alt wird und damit fast die DDR „überlebt“, werden seine Äußerungen nicht demokratischer. Denn wer SED-Indoktrination in der DDR gut findet, hat Schwierigkeiten damit zu begründen, warum er Indoktrinationslager der HDJ schlecht findet.

    1. Uuuii – links = rechts!
      Na, da scheint jemand ja weit auf den Holzweg geraten zu sein.
      Vielleicht vor dem Abfeiern von derartigen Totalitarismusthesen mal a) die Klassenlage und b) die politische Grundorientierung der beiden politischen Organisationen analysieren.

      Was am Staatskundeunterricht konkret war denn inhaltlich falsch oder gar verwerflich? Etwa Einführung in die Marxistische Philosophie, in die Politische Ökonomie des Kapitalismus und des Sozialismus sowie in den Wissenschaftlichen Sozialismus??
      Nach 1990 haben all diejenigen, die vorher durch den Staatskundeunterricht gegangen sind, am eigenen Leibe erleben dürfen, dass die Analyse der Politischen Ökonomie des Kapitalismus, die ihnen in der DDR schulisch mit auf den Weg gegeben wurde, vollkommen richtig war/ist. Nun gibt es seit 21 Jahren für sie im realexistierenden Kapitalismus „Reisefreiheit“, billige Bananen, Arbeitslosigkeit und Hartz IV, Wirtschaftskrisen, Angriffskriege – und zudem noch die NPD als legale Wahlpartei. Was für ein gesellschaftlicher „Fortschritt“!!

  11. Es gibt bereits unzählige Dokumentationen zu diesem Thema, und es werden sicherlich noch weitere Unzählige kommen. Inhalt, Ausdruck und Schlussfolgerungen sind immer die Gleichen, nur die Schauplätze ändern sich in den Reportagen.

    Befassen wir uns als Redakteure/ Blogger etc. mit dem Thema, ist es das Gleiche: Gleicher Inhalt, gleicher Ausdruck, gleicher Lösungsansatz, das Ziel unserer Texte ist genau das Gleiche, wie das Ziel dieser Reportagen: Das unentwegte aufzeigen einer Gefahr.

    Doch eines ist jenen Filmen, wie auch unseren Texten, die wir über dieses Thema publizieren, nicht gelungen: Diejenigen, die bereits dieser Gefahr nachlaufen, oder die Gefahr nicht sehen wollen, weil doch der NPD-Kreistagskandidat im vorigen Jahr Herrn Müller in Löcknitz* beim Dach decken geholfen hat, weil er doch beim Dorffest in Löcknitz die Bierbänke kostenlos zur Verfügung gestellt hat, weil doch sein Sohn in Löcknitz mit ein paar Freunden in der Gartenlaube einen Jugendklub hochzieht und damit den Jugendlichen gemeinschaftlichen Freiraum für ihre Lebensgestaltung bietet, weil er eine der vielen Lücken schließt, die die Bundesrepublik nach dem Untergang der DDR gerissen hat. (Und hier ist der Verknüpfungspunkt zur Propaganda der NPD)

    Auch diese Erkenntnis ist nicht neu. Ich will damit nur sagen, dass auf dem Lande die Motivation, NPD zu wählen, eine ganz andere sein dürfte oder kann, als wir es den Wähler_innen unterstellen. Indem wir sie dann als Nazis/ Naziwähler abstempeln, sehen sie sich selbst ins gesellschaftliche Abseits gestellt und sagen in der Konsequenz dann: Ja die NPD hat Recht, das ist keine Demokratie, wenn ich nicht wählen darf, was ich will, denn wenn ich NPD wähle, werde ich öffentlich diffamiert. D.h. den Wähler_innen auf dem Lande ist – gerade weil die NPD auch mit Dingen wie Volksentscheiden, Bildungsförderung, Jugendarbeit, Mindestlohn usw. wirbt und vor allem den Punkt Jugendarbeit aktiv vorlebt – nicht bewusst, dass die NPD definitiv keine demokratische Partei ist. Und dass diese Jugendarbeit auch nur eine Kaderschmiede der NPD ist, ist jenen, die NPD wählen ebenso wenig bewusst.

    Reportagen, die dieses Problem erkennen und thematisieren, gibt es bereits viele. Aber Reportagen, die ein richtiges Lösungskonzept, die also eine Strategie der Entneonazifizierung aufzeigt, oder den Erfolg antifaschistischer Arbeit aufzeigt, gibt es bis jetzt nicht. Irgendwie suggerieren die Reportagen, so gut sie auch gemacht sind, immer den Eindruck der Ohnmacht, des „Ja, so ist das, und nun? Wir müssen was dagegen tun! Was, wissen wir aber auch nicht so richtig.“

    *hier als fiktives Beispiel genannt

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