Susanne Wiest kann Kanzlerin!

Was macht eigentlich Susanne Wiest? Man darf beruhigt sein: Die Greifswalderin, deren Petition vor knapp vier Jahren die Idee des bedingunglosen Grundeinkommens (BGE) bundesweit bekannt machte, ist noch immer unterwegs in Sachen Umverteilung.

DIE 10 UHR SHOW

Vor Monaten unternahm sie den Versuch, parallel in mehrere Parteien einzutreten, um die Idee des BGE weiterzuverbreiten. Eine Doppelmitgliedschaft war jedoch allein bei der Piratenpartei möglich, über deren Werk und Werkzeug sie sich angetan äußerte. Ihr jüngster Streich bringt Susanne Wiest ins Fernsehen, denn sie hat es ins Finale der Politainment-Show Ich kann Kanzler! geschafft.

susanne wiest kann kanzlerin(Screenshot zdf.de)

Dieses Format gab es hierzulande schon einmal 2009, für die Wiederauflage in diesem Jahr bewarben sich mehr als 1000 Kandidaten, aus denen die Jury fünfzehn Bewerberinnen für die Vorrunde auswählte. Die Jury, das sind  Oliver Welke (heute-Show), die Moderatorin Maybrit Illner und der Politikberater Michael Spreng.

Vier der fünfzehn Kandidatinnen schafften es anschließend ins Finale, die fünfte wurde mittels eines Online-Votums nach dreiwöchigem „Wahlkampf“ aus den verbliebenen elf Teilnehmenden ausgesucht: Susanne Wiest („Bedingungsloses Grundeinkommen von Allen für Alle“), die mit Abstand die meisten Stimmen auf sich vereinigte und nun beim Kanzler-Casting dabei ist. Was tut man nicht alles für die Sache des Guten?

HARMONIE IST EINE STRATEGIE

Auf ihrem Blog berichtet Susanne Wiest über die zahlreichen Termine, die sie inzwischen absolviert. Das tut sie sehr direkt und es kommt bei ihren Lesern sehr gut an. In harmonischem Wohlfühlsound widerspricht Wiest auch gewohnt bescheiden der Meinung, dass sie sich „durchgesetzt“ hätte und öffnet voller Bürgerbeteilligung die Arme:

„Ich nenne es ja Wahlbewerbung und durchgesetzt habe ich mich auch nicht […] Grundeinkommen und ich und wir alle haben eine Onlineabstimmung gewonnen. Frei, eigenverantwortlich und zusammen. Ich freue mich.“

Ich kann Kanzler! erscheint ausschließlich online, nur das Finale wird am 1. Mai im TV gezeigt. Letzte Woche kam ein Fernsehteam, um ein kurzes  Portrait für die Sendung zu produzieren. Die „klassische Homestory“ habe sie abgelehnt — die Aufnahmen entstanden statt in ihrer Wohnung und bei der Arbeit an der Ostsee, im Utkiek und in einem Blumenladen.

STÜRMT DAS SCHLOSS! 

Am ersten Mai wird Susanne Wiest gegen die vier anderen Finalisten Hans Bulach, Allison Jones, Leslie Pumm und Berthold Wagner antreten. In der Show soll sich dann entscheiden, wer mit rhetorischen Fähigkeiten, politischem Wissen und klaren inhaltlichen Positionen zu überzeugen weiß — wer eben Kanzler könnte und wie das dann aussehen soll.

Susanne Wiest hat sich für die Teilnahme an der Sendung beworben, um die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens so weit wie möglich zu streuen. Ob und wie ihr das gelingt, wird sich zeigen; dass sie nicht zuletzt wegen ihres Charismas viele Menschen begeistern und motivieren kann, bewiesen unzählige ihrer Auftritte für das  Grundeinkommen.

Die erhoffte Breitenwirkung ist bislang allerdings noch überschaubar: um in der Online-Wahl gegen die anderen zehn verbliebenen Kandidaten zu gewinnen, reichten ihr schon 1462 Stimmen. So richtig massenmedial wird es also nur am Dienstag und kurz darauf in den Medienseiten und Feuilletons. Gestürmt wird das Schloss also  nicht — ist ja auch alles nur Fernsehen und das hält genau davon ab.

Fakten: 01.05. | 22.15 Uhr | ZDF
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  • mehr über den Wettbewerb und die anderen Kandidatinnen auf kanzler.zdf.de
  • Blog von Susanne Wiest
  • Im Gespräch mit Susanne Wiest (Fleischervorstadt-Blog, 24.09.2009)

9 Gedanken zu „Susanne Wiest kann Kanzlerin!

  1. Stimmt, es gibt immer Besseres zu tun als in die Röhre zu gucken und trotzdem guckt die Masse halt gern in die Röhre.

    Es war schon immer ok, wenn die Platt(e)form TV genutzt wird, um bestimmte Interessen zu verbreiten. Deshalb wünsche ich Frau Wiest viel Glück für die kostenfreie Wahlwerbung. Vielleicht bringts ja sogar was – mehr als nichts bringts auf jeden Fall.

    @Jockel:
    Die Teilüberschriften sind super gewählt – sehr sinnbildlich*! 😉

    *
    DIE 10 UHR SHOW

    … Ich klatsche für die 10 Uhr Show Applaus,
    für Kandidat Nummer drei …

    HARMONIE IST EINE STRATEGIE

    … Als wir wiederum nicht wussten
    Was zu tun wohin sich wenden …

    STÜRMT DAS SCHLOSS!

    … Teilt das durstige Meer
    Treibt das Irrsal bis hierher …

  2. Irgendwie komisch, dass hier niemand das BGE diskutiert. Kann man sich doch eigentlich nur freuen, wenn die Idee weiter publiziert wird…Diskussion kann doch nicht schaden.

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