Peinlich: OZ druckt ungekennzeichnete Agenturmeldung über Caspar-David-Friedrich-Museum

Immer wieder wird die Ostsee-Zeitung dafür kritisiert, Pressemitteilungen ohne deren ausdrückliche Kennzeichnung als solche zu veröffentlichen. Heute schmückte die erste Seite des Greifswalder Lokalteils ein Beitrag über Verzögerungen beim Bau des geplanten Caspar-David-Friedrich-Museums, der einem irgendwie bekannt vorkommt.

Da sowohl der vermeintliche Artikel als auch die Überschrift dieses Beitrags seit zwei Tagen in unterschiedlichen Medien zu finden war – wohlgemerkt mit dem Hinweis darauf, dass es sich dabei um eine Meldung der Nachrichtenagentur dapd handelt – lädt die ungekennzeichnete Version der Ostsee-Zeitung, die den Eindruck einer journalistischen Eigenarbeit suggeriert, zu einer Gegenüberstellung zwischen der Agenturmeldung und dem schließlich in der OZ gedruckten Text ein.

Das Ergebnis verblüfft durch die an Kongruenz grenzende Ähnlichkeit beider Texte:

ostsee zeitung plagiat pressemitteilung

Dabei ist es noch keine zwei Wochen her, dass der BILDblog auf einen anderen von der Greifswalder Redaktion verzapften Plagiatsfall hinwies. Der Greifswalder Redaktionsleiter Benjamin Fischer soll daraufhin vom Chefredakteur der Ostsee-Zeitung  entsprechend gerügt worden sein.

Torsten H., der für die ungewollte Prominenz verantwortliche Redakteur, dessen Artikel beinahe vollständig beim SZ Magazin abgeschrieben war, soll verschiedenen Stimmen zufolge bei der OZ gefeuert worden sein und dort zukünftig nicht mehr schreiben.

Inzwischen lernt man als OZ-Leser jede Mitarbeiterin zu schätzen, die ihre Texte noch selbst verfasst.

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10 Gedanken zu „Peinlich: OZ druckt ungekennzeichnete Agenturmeldung über Caspar-David-Friedrich-Museum

  1. Also, bei aller gerechtfertigter OZ-Kritik (siehe SZ-Magazin): Soweit ich weiß, werden die Agenturen teuer dafür bezahlt, dass sie den Zeitungen diese Art von Inhalten liefern. Dass in diesem Fall halt die Kennzeichnung dapd vergessen wurde – mein Gott, ja, bedauerlich, aber kein Kapitalverbrechen, denke ich.

  2. Kein Kapitalverbrechen aber eine Irreführung der Abonnenten. Es ist auch peinlich oder mindestens ein Armutszeugnis, wenn eine Heimatzeitung sich für die lokale Berichterstattung bei Nachrichtenagenturen bedient. Offenbar hat die UHGW diese Pressemitteilung http://www.mvregio.de/nachrichten_region/hgw/440429.html, die von dapd geringfügig verändert wurde, am 13.12.10 ausgesandt. Die OZ hätte also einen Tag Zeit gehabt die Parteien in der Bürgerschaft und/oder Bürger der Stadt, gerade nach dem Desaster mit dem Technischen Rathaus dürfte es Einwohner und Steuerzahler interessieren, zur Sinnhaftigkeit dieses neuerlichen Prestigeprojektes zu befragen.

  3. Langsam müssten die Jungs und Mädels in der Redaktion echt mal draus lernen, dass kopierte Artikel in Zeiten des Internets unglaublich schnell aufgedeckt werden. Einfach nur peinlich.

  4. Peinlicher geht es wohl nicht: Agenturmeldung über eine EInrichtung aus der eigenen Stadt, diese Meldung dann auch noch 2 Tage alt und in der OZ nicht als Agenturmeldung gekennzeichnet.

    Redakteur_in bei der OZ zu sein, scheint ein recht einfacher Job zu sein mit viel Freizeit.

  5. “Soweit ich weiß, werden die Agenturen teuer dafür bezahlt, dass sie den Zeitungen diese Art von Inhalten liefern. Dass in diesem Fall halt die Kennzeichnung dapd vergessen wurde – mein Gott, ja, bedauerlich, aber kein Kapitalverbrechen, denke ich.”

    Dazu bitte dieses Zitat aus dieser Studie

    http://www.qualitaet-und-vielfalt-sichern.de/debatte/dokumentation_zu_presse-tag_erschienen/data/doku_presse-tag_2009_online.pdf

    nachlesen:

    “Zu den journalistischen Qualitätsstandards gehört
    der Quellennachweis. Das ist ein ganz simpler Indi-
    kator. Damit ist gar nicht gemeint, ob im Beitrag
    genannt wird, von wem man die Information hat,
    sondern, ob man angibt, woher die Gesamtinforma-
    tion ist: Handelt es sich um einen Eigenbeitrag,
    stammt die Information von einer Agentur oder
    anderen Quelle oder wurden Agenturinformatio-
    nen und eigene Informationen verwendet?
    Das überraschende Ergebnis für uns war, dass
    rund in 20 Prozent eine Quellenangabe fehlt.”

    In der OZ waren 16,2 Prozent der Beiträge nicht zuordenbar oder deren Quelle nicht bestimmbar.

    Es ist unfassbar, wie in der OZ und anderen Tagezeitungen täglich gegen die schlichtesten Grundsätze des Journalismus verstoßen wird, wobei es piepegal ist, ob gekauftes oder geschenktes Material kopiert wurde. Das ist zwar kein Kapitalverbrechen, sondern so etwas wie Bestehlen der Leser.

    Übrigens hat die fehlende Kennzeichnung der Beiträge einen einfachen Grund: So ist für den Leser nicht nachvollziehbar, wie wenige Eigenbeiträge er für sein Geld erhält und wie viel Kopiertes, von dem es vieles kostenlos im Netz gibt.

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