Protest gegen deutsche Flüchtlingspolitik lässt Greifswalder Brunnen bluten

Heute Nacht fanden an mehreren Stellen in Greifswald Aktionen statt, mit denen auf das Sterben tausender Flüchtlinge im Mittelmeer hingewiesen werden sollte. Symbolisch wurde unter anderem das Wasser des Brunnens auf dem Fischmarkt blutrot gefärbt. In einem Bekennerschreiben, das im Folgenden in kompletter Länge wiedergegeben wird, erklären die Aktivistinnen ihre Beweggründe.

Wir haben heute auf öffentlichen Plätzen der Innenstadt und am Greifswalder Hafen Gräber angelegt und das Wasser zweier zentraler Brunnen Rot gefärbt. Mit diesen Aktionen möchten wir Sie auf das durch die Regierung gebilligte, sogar unterstützte Sterben tausender Flüchtlinge im Mittelmeer und eine deutsche Flüchtlingspolitik aufmerksam machen, die aus Abschreckung und Ausgrenzung besteht.

Wer nicht ertrinkt wird eingesperrt

Täglich verlieren Hunderte Menschen an unseren Grenzen ihr Leben. Sie fliehen vor Krieg, Armut, Verfolgung, Hunger, Klimakatastrophen… und sterben bei dem Versuch die militärisch abgeriegelten Grenzen Europas zu überwinden. Sie sterben, weil wir wegsehen, untätig bleiben. „Zynisch ist eine Gesellschaft, die buchstäblich über Leichen stolpern muss, um hoffentlich wahrzunehmen, dass die Flüchtlinge keine statistische Größe sind, sondern Menschen, die ein Recht auf unsere Unterstützung haben.“ (Ines Pohl, taz)

Fischmarkt Greifswald Brunnen Flüchtlingspolitik(Foto: @fk589)

Zynisch ist eine Regierung, die trotzdem am 02.07.2015 mit dem sogenannten Gesetz zur Neuregelung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung das Asylrecht weiter einschränkt. Es unter anderem um einen Kriterienkatalog ergänzt, mit dem Flüchtlinge zukünftig schneller in Abschiebehaft genommen werden können. Wie kann es zu rechtfertigen sein, Menschen ins Gefängnis zu stecken, deren einziges „Verbrechen“ darin besteht, Hoffnung auf ein besseres Leben zu haben. Wir halten das Vorgehen gegen Schutzsuchende sowohl an den Außengrenzen, wie auch im Inland für unmenschlich. Auch mit der Quotenregelung der EU ist nichts erreicht. Es geht nicht darum mehr Menschen in die Verantwortung zu ziehen, denn zeitgleich wird ein Krieg gegen Geflüchtete begonnen, indem nun „Schlepper-Boote“ offiziell zerbombt werden dürfen. Schiffe versenken im europäischen Burggraben, um den Wohlstand der Privilegierten zu sichern. Es handelt sich also um eine Militarisierung des ganzen Mittelmeerraums, während im Inneren Knäste für diejenigen bereitstehen, die es doch noch hierher geschafft haben.

Vielen Dank an SPD und CDU

Nach dem sogenannten „Asylkompromiss“ von 1993, der faktischen Abschaffung des Asylrechts, nach „sicheren Herkunftsstaaten“ und der Dublinverordnung nun erneut ein massiver Einschnitt ins Asylrecht. Das Gesetz zur Neuregelung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung, ermöglicht allen voran durch SPD und CDU/CSU, steht nicht nur in der Tradition von 1993, sondern ist ebenso Teil einer kapitalistischen Verwertungslogik, indem Mensch als „Menschenkapital“ in verwertbar und unnütz unterteilt werden.

Abschließende Worte an die Damen und Herren der CDU/CSU und SPD überlassen wir an dieser Stelle aus gegebenem Anlass anderen: „Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. (…) Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (aus dem Matthäusevangelium).

Das Bekennerschreiben endet mit einer vollständigen Zitation der Internationalen.

17 Gedanken zu „Protest gegen deutsche Flüchtlingspolitik lässt Greifswalder Brunnen bluten

  1. auch schön…..erst mal einen dicken Bauzaun rund rum….macht die Sache noch realitäts- näher….danke Stadt Greifswald.
    hat nicht noch jemand ein ferngesteuertes Kriegsschiff zum drauf rum fahren.

  2. Der Bauzaun kommt von Frontex mit Unterstützung des Bauamtes ich freue mich das die Stadtverwaltung den Protest weiterendwickelt.
    Vielleicht hat jemand noch ein Schlauboot und ein paar Stempel.
    

  3. Lächerliche Nummer, die strafrechtliche Konsequenzen haben wird. Das ist Sachbeschädigung. Für die Reinigungskosten hätte man vielen Menschen helfen können. Danke für nichts ihr unbekannten Aktivisten.

  4. …die strafrechtliche Konsequenzen haben wird…

    Erklär mal bitte, wie die aussehen werden. Wie ich die örtlichen Aktivisten einschätze, ist das vegane und zertifizierte Biotinte. Ich hab zwar nicht vor Ort gesehen, aber auf dem Foto sieht´s nach Wasser ablassen und neu befüllen aus. Jetzt ermittelt sicher der Staatsschutz. Aber auch das ist nur ne Polizei, die mit Wasser kocht. Wie um Himmels Willen soll es denn Konsequenzen geben? Oder ist es das Blut einer geopferten Schafherde. Dann sähe die Sache anders aus. Aber nicht für den oder die Täter. 😉 Der oder die wären dann immer noch unbekannt. Und Ermittlungen gegen unbekannt werden früher oder später eingestellt. Es hat sich nämlich rausgestellt, dass diese oder dieser unbekannt dann einfach nicht zum Gerichtstermin erscheint. Darum lässt man das dann lieber. 😉

    1. Laut OZ ist da 7000 Euro Schaden entstanden. Irgendwas mit dem Filter.

      Ob das wirklich so ist, kann ich natürlich nicht beurteilen.

      1. Diese dubiose Schadensmeldung ist mal wieder inszenierte Dramatik. Sollte wirklich was defekt sein, war es das vermutlich schon vorher. Ist doch kein Neuland so eine Aktion. Vor drei Jahren, Osnabrück
        – da wurde deutlich ‚extremer’ rumgefärbt und was ist dadurch kaputt gegangen? Gar nix.

  5. Während ständig Menschen im Mittelmeer ertrinken müssen, hetzt eine rassistische CDU gegen Flüchtlinge, geht ein im Internet radikalisierter rechter Mob überall mit Pegida auf die Straße und zünden Nazis fast täglich Flüchtlingsunterkünfte an. Und am Stammtisch wird wie schon immer über Flüchtlinge gelästert. Wichtige Aktion!

  6. @FBMri:

    Deinem geballten Brunnenfilterwissen

    Warum dieser hinkende Spott gegen meinen Vergleich mit einer vergleichbaren Aktion?

    Das was wir wissen (sollen) klingt einfach unlogisch: „Die Filter sind mit dem verschmutzten Wasser überfordert und müssen ausgetauscht werden.“ – Aha.

    Das Wasser wurde gefärbt, nicht ‚verschmutzt’. Ein überforderter Filter vom Filtern? Und Brunnenfilter – von denen du mir Kenntnis unterstellst – kosten keine 7.000,– EUR.
    _________________

    Also – wie man so lesen kann gibt’s verschiedene Filtersysteme:
    Typ A: Ein mit Sieben arbeitenden Filter. Das kann von einer Trübung theoretisch nicht ‚überfordert’ oder defekt sein. Denn die Funktion – Grobschmutz zu filtern – wird durch Färbung nicht tangiert.
    Ein Verstopftes Sieb wäre bestimmt „überfordert“, aber es schwammen ja nun keine Gedärme oder Habseeligkeiten im nur künstlich gefärbten Greifswalder Blutbrunnenwasser.

    Typ B: Dieser Filter adsorbiert im Wasser aufgelöste Stoffe (z. B. Lebensmittelfarbe?) mittels Einsatz organischer Substanzen. Entfernt also Trübungen und so.
    Eine super Filtertechnik um die Aktion über kurz oder lang zu bereinigen. Dass die organischen Substanzen mit der Filterung „überfordert“ sein könnten, ist möglich. Aber dass das System gleich den Geist aufgibt ist mehr als unwahrscheinlich. Dann wäre diese Filtertechnik nicht marktfähig.

    Typ C: Kompliziert zu erklären, aber kann das was Typ A und B können. Soll dafür aber auch extrem kostspielig sein.
    _________________

    Das ist kein ‚geballtes Wissen’ sondern wieder nur eine kleine Recherche – dieses Mal zu Filtersystemen. Denn Ahnung habe ich davon genauso wenig wie du oder die OZ, deine primäre Wissens-Instanz.

    Zwei Fragen, die ich mir nun stelle:
    1.) Warum geht in Greifswald – wegen einer friedlichen politischen Aktion – dramatisch teuer was kaputt, aber woanders (in Osnabrück) nicht?
    2.) Um was für ein Filtersystem geht es überhaupt? Und wie konnte diese nicht gerade preisgünstig wirkende Anlage wegen Farbspielerei so einfach den Geist aufgeben?

    Daraus ergeben sich weitere Fragen, die man stellen könnte:
    Soll durch Behauptung eines finanziellen Schadens nicht nur Stimmung gegen die Aktion sondern auch vor weiteren Farbspielen mit Wasser abgeschreckt werden? Wird zur Sicherheit eventuell eine taugliche Filteranlage nur durch ein neues Filtersystem „ausgetauscht“/installiert*, um künftige Aktionen farblos verlaufen zu lassen?

    _________________
    Aber, nein – solch’ Fragen sind überflüssig. Du glaubst erstmal deiner Lokalzeitung und für Hintergrundwissen bei Unklarheit forderst du einen OZ-Leserbrief ein. Hach – wie schön einfach du es hast. Das finde ich irgendwie süß.
    😉
    _________________

    *Und jetzt kommt’s– es ist mit dem ganzen Nichtwissen sogar möglich, davon auszugehen, dass der Brunnen gar keine (teure) Filteranlage hat, aber demnächst eine bekommen soll.
    Kostengünstiges Chloren öffentlicher Brunnen ist nicht unüblich. Wieso ausgerechnet im Rottelaterne-Bundesland M-V nicht kostengünstig gechlort sondern teuer gefiltert wird … komisch.

    Jedenfalls – irgendetwas stimmt da nicht.
    _________________
    – FIN –

    1. Kein Spott, ich meinte das ernst. Wenn du dich da auskennst oder im Zweifelsfall auch nur die richigen Fragen parat hast, dann schreib doch mal an die Lokalredaktion. Mir kommt die Sache auch wenig glaubwürdig vor, aber ich weiß es leider eben auch nicht besser.

  7. Anstatt solche Protestaktionen zu machen, solltet ihr vllt mal dafür Sorgen, dass Menschen nicht fliehen müssen, also prangert nicht die deutsche Flüchtlingspolitik sondern das fremde System an, aber bitte macht es dort vor Ort, damit die Regierungen, Terroristen, was auch immer, wissen das ihr unzufrieden seit.
    Wer kämpft kann verlieren wer nicht kämpft der flüchtet oder so ähnlich…

    1. Warum kann man denn nicht beides machen? Dafür sorgen, dass weniger geflüchtet werden muss und andererseits die Flüchtlinge menschenwürdig behandeln?

    2. Welches “fremde System” ist denn hier gemeint? Dass von Assad in Syrien? Der sog. Islamische Staat? Erdogans Möchtegernkalifat? Warlord-Strukturen in Mittelafrika? Oder soll man einfach in jedes einzelne Bürgerkriegsland, in jede Krisenregion dieser Erde reisen, um dann dort, wo seit Jahren keine öffentliche Meinungsäußerung mehr ungestraft bleibt, für ein Ende der Gewalt zu demonstrieren?
      Dieser Post zeigt einfach nur, dass du scheinbar keine Vorstellung davon hast, wieso Menschen flüchten müssen.
      Einfach gequirlter Geistesdünnschiss, gespickt mit Orthographie auf Fünftklässlerniveau.
      Danke, tschüss!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.