Hinterhältiger Hackerangriff auf das Theater Vorpommern verursacht PR-Missverständnis

Das Problem dürfte den meisten Leuten, die eine Fanpage bei Facebook betreiben und über einen langen Zeitraum im größten sozialen Netzwerk die Präsenz einer Organisation pflegen, bekannt sein: Irgendwann kommt ein böser Hacker, loggt sich illegal in das Facebook-Konto ein und übernimmt den Account, um zweifelhafte Links zu Viagra zu posten, unseriöse Investitionsmöglichkeiten zu bewerben oder sich zur Personalpolitik des Aufsichtsrates vom Theater Vorpommern zu äußern — was Hacker eben so machen, wenn der Tag lang und der Mate-Kasten nicht leer wird!

Löschner muss gehenGestern wurde nun auch das Theater Vorpommern von einem solchen Angriff heimgesucht. Auf der offiziellen Facebook-Seite tauchte vormittags plötzlich der Eintrag „Intendant Dirk Löschner muss gehen!“ auf, begleitet von einem ebenfalls gestern veröffentlichten Artikel aus der Ostsee-Zeitung („Aufsichtsrat will Chef des Theaters Vorpommern rauswerfen“), der mit dem Foto eines konsterniert dreinblickenden Intendanten illustriert wurde.

Auf die Sympathiebekundungen der eigenen Fans zu dieser Neuigkeit musste nicht lange gewartet werden. Schon nach kurzer Zeit konnte der irritierende Eintrag die ersten Gefällt-mir-Angaben verzeichnen — kein Wunder, denn der Intendant hat es bis heute nicht geschafft, einen Weg in die Herzen seines Publikums zu finden. Im Gegenteil: Viele Greifswalder haben Löschner noch immer nicht die Nichtverlängerungen mehrerer beliebter Mitglieder des Schauspielensembles verziehen, haben auf den versprochenen neuen Wind gewartet, doch statt des herbeigesehnten Orkans kaum mehr als ein laues Lüftchen bekommen. Das Theater scheint noch immer in einer Sinnkrise zu stecken. Und was macht Löschner? Lässt löschen und bei Facebook folgende Erklärung verbreiten:

Liebe Facebook-Freunde,
wir mussten den gestrigen Post entfernen, weil er durch ein illegales Einloggen erfolgte. Der dadurch hervorgerufene Eindruck, es würde sich um einen Post des Theaters Vorpommern handeln, ist unrichtig, wie auch die Aussage „Der Intendant Dirk Löschner muss gehen!“ nicht der Realität entspricht. Durch diesen Löschvorgang wurden eure Kommentare automatisch entfernt, die davon unabhängigen Kommentare sind immer noch einsehbar. Wir bitten um euer Verständnis.
Euer ÖA-Team

(Facebook-Eintrag vom 02.07.2014)

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Dirk Löschner äußerte sich gestern zum kolportierten vorzeitigen Ende seines Arbeitsverhältnisses gegenüber dem Nordkurier vergleichsweise kämpferisch: „Ich möchte weiter hier arbeiten, das Theater Vorpommern leiten und auf jeden Fall versuchen, das Ruder noch einmal umzureißen.“ Wie die Ostsee-Zeitung in ihrem Artikel vom 1. Juli berichtete, wolle der Aufsichtsrat des Theaters Vorpommern die Zusammenarbeit mit seinem Intendanten und Geschäftsführer vorzeitig beenden. Dessen, auf fünf Jahre befristeter, Arbeitsvertrag beinhalte eine Ausstiegsklausel, die es der Theater Vorpommern GmbH ermögliche, das Arbeitsverhältnis schon nach drei Jahren — also zum 31. Juli 2015 — aufzulösen.

Dirk Löschner kam 2012 gemeinsam mit seinem Bruder Sascha Löscher vom Stendaler Theater der Altmark nach Greifswald, wo er in Personalunion die Nachfolge des früheren Intendanten Anton Nekovar und des Geschäftsführers
Hans-Peter Ickrath antrat.

  • Theater-Aufsichtsrat will Intendant Löschner rauswerfen (Ostsee-Zeitung, 01.07.2014)
  • Theater-Intendant will um Job kämpfen (Nordkurier, 02.06.2014)

(Bild: Screenshot der Facebook-Seite)

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4 Gedanken zu „Hinterhältiger Hackerangriff auf das Theater Vorpommern verursacht PR-Missverständnis

  1. Du betreibst diese Seite allein. Hochachtung!!!

    Übrigens erscheinen meine geposteten Beiträge auf der Theater-Facebook-Seite nicht. Nur ich allein kann diese lesen. – So viel zur Ehrlichkeit der Theaterleitung.

  2. Ich find die Diskussion mittlerweile so lächerlich, dass ich mir nichts sehnlicher wünsche, als dass diese Stadt alle ihre kulturellen und geistigen Errungenschaften abschafft und endlich in der provinziellen Bedeutungslosigkeit versinkt, die sie verdient.

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