Wechsel bei der Ostsee-Zeitung: Greifswald hat eine neue Redaktionsleiterin

Jetzt ist es offiziell: Katharina Degrassi ist ab sofort Leiterin der Greifswalder OZ-Redaktion. Sie löst damit ihren Vorgänger Benjamin Fischer ab, der seit dem 1. Februar als geschäftsführender Redakteur in der Rostocker Hauptzentrale arbeitet.

katharina degrassi oz (Foto: webMoritz)

Degrassi hat nach Fischers Beförderung die kommissarische Leitung der Redaktion übernommen. Die geborene Neubrandenburgerin studierte Journalistik und Europäische Arbeitsmarktpolitik in Bremen und begann ihre redaktionelle Laufbahn als Volontärin bei der Ostsee-Zeitung in Greifswalder, ehe sie die Rügener Ausgabe als Leiterin der Redaktion in Bergen verantwortete. 2011 kehrte die jetzt 32jährige wieder nach Greifswald zurück und arbeitete seitdem als feste Redakteurin. Insider gingen nach dem Weggang Benjamin Fischers davon aus, dass Degrassi die Leitung fest übernehmen wird.

Wer ungern enttäuscht wird, sollte sich besser keine Gedanken über eine spürbare Veränderung der Arbeitsweisen in der Bachstraße machen. Trotzdem und gerade weil die Hoffnung zuletzt stirbt, sei der einstigen OZ-Society-Reporterin Degrassi an dieser Stelle natürlich viel Erfolg für die zukünftige Gestaltung der Ostsee-Zeitung Greifswald gewünscht.

Wechsel bei der Ostsee-Zeitung: Redaktionsleiter Benjamin Fischer zieht weiter

Nach nicht einmal zwei Jahren findet ein erneuter Wechsel der Redaktionsleitung in Greifswald statt. Ihr bisheriger Leiter, der 32-jährige Benjamin Fischer, arbeitet seit heute in der Chefredaktion der Ostsee-Zeitung als geschäftsführender Redakteur.

Fischer löste am 1. März 2010 Reinhard Amler, den langjährigen Redaktionsleiter, in Greifswald ab.  Bereits seit 2001 schrieb der gebürtige Karlsburger für die Zeitung, studierte hierorts Politikwissenschaften und begann 2007 ein Volontariat bei der OZ. Seine Aufgabe in der Greifswalder Redaktion war 2010 zu Beginn seiner Leitungstätigkeit relativ klar abgesteckt: “Fischer soll die Umstrukturierung der Redaktion und die Online-Aktivitäten weiter voranbringen”.

GEPLANTE UMSTRUKTURIERUNG GESCHEITERT – ONLINE-AKTIVITÄTEN NOCH IMMER KAUM ERKENNBAR

Von der Erreichung dieses Ziels ist heute allerdings nicht viel zu sehen. Der Online-Auftritt der Ostsee-Zeitung kann nach wie vor nicht mit dem anderer Regionalzeitungen mithalten.

oz benjamin fischer Abgesehen von einigen wenigen Großveranstaltungen — wie zum Beispiel den Blockaden gegen den NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2011, bei denen die Lokalredaktion einen Ticker anbot — oder einigen Online-Umfragen zu kommunalpolitischen Themen, waren leider keine neuen Impulse erkennbar, die von einer neuen, zeitgemäßeren Weichenstellung zeugen.

(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Wurde der Greifswalder Redaktion unter der Ägide Reinhard Amlers immer wieder eine Nähe zur CDU unterstellt, so hat sich der Wind gedreht — Kritiker des Redaktionsleiters bemängelten in den vergangenen 23 Monaten einen regierungsergebenen Schmusekurs gegenüber der SPD und verwiesen dabei auch auf Fischers private Nähe zu der Partei. Unabhängig von Fischers ehelichen Bindungen und den Sehnsüchten der Kritiker, die Arbeit des Redaktionleiters als parteinah erklären zu können, hat sich die Greifswalder Ausgabe der Ostsee-Zeitung in den beiden vergangenen Jahren gewandelt.

PRESSEMITTEILUNGEN UND AGENTURMELDUNG HABEN EINEN FESTEN PLATZ IM BLATT

Sie ist heute krawalliger denn je und ihr Skandalhunger erscheint manchmal unstillbar. Die Lust an der Schlagzeile ist nach wie vor sehr groß. Pressemitteilungen und Agenturmeldungen, die als solche nicht gekennzeichnet werden, machen inzwischen leider einen festen Bestandteil der Ostsee-Zeitung aus, exemplarisch sei auf einen Artikel über das Caspar-David-Friedrich-Zentrum verwiesen.

oz neuer inhALTAndere Texte wurden im Wortlaut und ohne Hinweis auf fremde Urheberschaft aus der Wikipedia übernommen. Als im Dezember 2010 ein älterer Meinungsartikel aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung übernommen wurde, schaffte man es mit dieser Glanzleistung sogar in den BILD-Blog. Mit diesem Beitrag endete aber konsequenterweise die freie OZ-Mitarbeiterschaft des dafür verantwortlichen Autors.

Wer auch immer zur neuen Redaktionsleiterin gekürt wird — zu viele Hoffnungen auf einen radikalen Kurswechsel sollten nicht gehegt werden. Der alte Kutter wirkt trotz der relativ kleinen Redaktion einfach zu behäbig. Ihrem alten Kapitän, der nun befördert wurde und den Schettino machte, muss man dazu eigentlich gratulieren.

Bis die Personalentscheidung über Fischers Nachfolge getroffen wurde, übernimmt Society-Reporterin Katharina Degrassi die kommissarische Leitung der Greifswalder Lokalredaktion.
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Eine kritische und dauerhafte Auseinandersetzung mit der Ostsee-Zeitung findet auf dem gleichnamigen Watchblog statt.

Peinlich: OZ kopiert beim Fleischervorstadt-Blog

Am vergangenen Wochenende durfte man auf die Greifswalder Ausgabe der Ostsee-Zeitung gespannt sein, wurde doch am Vortag angekündigt, über die Grazer Immobiliengeschäfte des Petruswerk/Avila-Gruppe zu berichten. Einen Tag später wurde in der Lokalzeitung der von Katharina Degrassi geschriebene Artikel veröffentlicht – im wesentlichen eine stark gekürzte Zusammenfassung des Beitrags Die Greifswalder Einkaufstour des Immobilienmagnaten Douglas Fernando, der hier bereits am 8. Feburar erschien.

QUELLE: TAGESZEITUNG

Bis dahin gibt es an der Arbeit der Redaktion wenig auszusetzen, doch Katharina Degrassi verzichtet wohlweislich auf eine genaue Quellenangabe und gibt an, dass “zahlreiche Greifswalder Internetblogs” über das Thema berichtet hätten. Da strenggenommen genau ein ausführlicher Beitrag zu diesem Thema auf exakt einem Blog erschienen ist, hätte diese Quelle konkretisiert werden müssen, oder um es mit den Worten des OZ-Watchbloggers Ulrich Meyke zu sagen: “Das wäre auch genauso, als übernähme jemand etwas aus der OZ, schriebe es etwas um und darunter: Quelle: Tageszeitung“.

Den Originalbeitrag hat Degrassi wohl gründlich studiert, denn es kommt noch besser: Der Artikel ist mit einer Grafik bebildert, die es in verblüffend ähnlicher Machart ebenfalls bereits vier Tage zuvor schon gab – als Teil des auf dem Fleischervorstadt-Blog veröffentlichten Beitrags.

Ostsee Zeitung Plagiat

LIEGT ES AN DER BORNIERTHEIT DES HAUSES?

Warum sich Degrassi so großzügig bedient und dann einer Angabe ihrer Quelle schuldig bleibt, ist reine Spekulation. Mitunter ist sie der arroganten Borniertheit des Hauses anheimgefallen, die immer dann zutage tritt, wenn die Redaktion ihre journalistische Arbeit schönredet oder sogar rechtfertigen muss. Benjamin Fischer, ihr Leiter, versprach einen neuen Lokaljournalismus in Greifswald etablieren zu wollen, an den sich einige hier offenbar erst gewöhnen müssten.

ostsee zeitung lügtAber wer will sich überhaupt an eine Zeitung gewöhnen, die in nicht endenwollender Kontinuität nicht als solche gekennzeichnete Pressemitteilungen veröffentlicht, Artikel aus renomierteren Zeitungen ohne Angaben der Urheberschaft kopiert und sich inzwischen auch immer großzügiger im Netz bedient, seien es die Komplettübernahme ganzer Passagen bei Wikipedia oder eben ein Fall wie der vorliegende.

(Foto: S.Schmidt)

LINKGEIZ & SILVERSURFER

Vielleicht ist das Verhalten der Redaktion sogar als Miniaturpuzzleteil eines Rückzugsgefechtes zu verstehen, denn die holzmedialen  Journalistinnen sind seit Jahren mit einer fortwährend wachsenden Zahl von Informationsangeboten im Netz konfrontiert und empfinden diese Entwicklung mitunter als so große Bedrohung, dass sie so wenig wie möglich darauf hinweisen möchten. In der Netzsprache wird ein vergleichbares Verhalten mit dem Wort Linkgeiz beschrieben.

Am Ende steckt in dieser Haltung die Befürchtung davor, dass auch die Leserinnen der Ostsee-Zeitung immer zahlreicher das Internet für sich entdecken. Ein Großteil ihrer Leserschaft gehört schon kraft ihres Alters zu den Silversurfern – der schnellstwachsenden Gruppe im Netz.

Auch Greifswalder Blogosphäre wird inzwischen von – überwiegend männlichen – Usern jenseits der 50er-Marke mitgestaltet, die sich zum Beispiel auf dem Blog der Grünen austoben oder eigene Präsenzen pflegen, wie Jost Aé. Aus dessen Feder stammte auch ein Artikel, den die Ostsee-Zeitung vor einigen Wochen übernahm und der ausnahmsweise mit Quellenangabe veröffentlicht wurde.