Holi Shit: Festival der Farben in Greifswald

Greifswalder dürfen sich am kommenden Pfingstsonntag einer ganz besonderen Veranstaltung erfreuen, denn das erste Holi, das diese Stadt erleben muss, steht ins Haus und lädt dazu ein, gemeinsam mit vielen Jugendlichen auf einem Elektro-Open-Air das mühsam Ersparte, das sonst immer so knapp ist, zu verpulvern.

CURRYWURST UND TATSCH MAHAL

Holis kommen eigentlich aus Indien und sind dort eine spirituelle Angelegenheit; Holi ist ein wegen seiner Farbfreude berühmtes Frühlingsfest, das dort bereits im März gefeiert wurde. Als kultureller Import ist diese Feierlichkeit nun inzwischen auch in Europa angekommen und wurde hier sehr erfolgreich zu einem regelrechten Hype sommerlicher Freiluftveranstaltungen mit Currywurst und Tatsch Mahal aufgebaut — junge Menschen hören Musik und bewerfen sich dabei mit gefärbtem Maismehl. Ist das nicht schön?

Holi Greifswald (Flyer)

Wer noch nie auf einem indischen Holi zugegen war, kann höchstens mutmaßen, wie wenig der hierzulande zelebrierte Flash of Colours mit der Tradition der ursprünglich mehrtägigen Frühlingsfeten zu tun hat. Fest steht jedoch, dass die beliebten Holis heilige Kühe sind, die es zu melken gilt — zumindest aus finanzieller Sicht. Im Fall der für Pfingstsonntag geplanten Farbschlacht halten zwei brandenburgische Veranstalter die Zitzen der prall gefüllten Euter fest in ihren Händen und drücken, was das Zeug hält.

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Holi muss ein profitables Geschäft sein, denn sonst würden die beiden vermutlich nicht am gleichen Tag ein zweites Holi im Süden von Potsdam organisieren, auf dessen Line-up mit DJ Emerson und Drauf & Dran fast die Hälfte der in Greifswald auflegenden DJs stehen. Verdient wird bei diesem Open Air nicht nur allein mit dem für hiesige Verhältnisse und im Vergleich zu den dargebotenen Inhalten relativ hohen Eintrittspreis von 15 Euro, sondern vor allem mit der cleveren Vermarktung notwendiger Zusatzartikel — was will man schließlich bei einer Farbschlacht ohne die notwendige Munition? Und die gibt es am Sonntag für 2 Euro pro Farbbeutel zum Freundschaftspreis!

ATEMSCHUTZMASKEN UND MUTTIZETTEL

Wer sich beim Ticketkauf ein Upgrade gegönnt hat, kriegt für lächerliche 29,70 Euro nicht nur acht dieser voll verrückten Farbbeutel, sondern auch noch ein weißes T-Shirt obendrauf — denn erst darauf entfalten die Farben ihre ganze Wirkung. Das dabei verwendete Farbpulver soll zwar ungiftig und hautverträglich sein, jedoch wird Asthmatikern, Allergikern und Kontaktlinsenträgern von den Veranstaltern empfohlen, auf der Party Mund- und Augenschutz zu tragen. Das sieht nicht nur besonders cool aus, sondern bringt auch noch ein bisschen Geld in die Kasse, denn die genannten Risikogruppen können Schutzbrillen und Atemschutzmasken auf dem Gelände erwerben.

Die Veranstalter rechnen am Sonntag mit mindestens 2000 Besuchern, bei Facebook haben indes bereits über 4000 Personen ihr Erscheinen angekündigt. Dort betrifft die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage den sogenannten Muttizettel, mit dem nichtvolljährige Gäste das elterliche Einverständnis dieses einzigartigen Partybesuchs belegen können.

Wer plant, seinen Pfingstsonntag in dementsprechend juveniler Gesellschaft zu verbringen und sich in das mit Elektro beschallte, indische Folkloristan zu begeben, sollte wenigstens so klug sein, eine Regenjacke einzupacken, damit das zweifelhafte Vergnügen nicht von den angekündigten Niederschlägen getrübt wird.

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12 Gedanken zu „Holi Shit: Festival der Farben in Greifswald

      1. Wo soll dieser Ort sein?! Hafen fällt da schon mal aus. Auch die „Festspielwiese“ im Süden der Stadt macht auf mich nicht den Eindruck so viele Besucher aufnehmen zu können. Ich halte die Zahl für ’n‘ Marketingtrick… Höchstens 500 Besucher an Pfingsten! Die Studies werden doch alle nach Hause fahren…

        1. Bäckerwiesen. Und ich habe gehört, dass schon 3000 Tickets verkauft worden sein sollen. Ich denke mal, dass da sehr viele Leute extra für nach Greifswald fahren. Dazu kommen noch wahnsinnig viele Gäste, für die das Thema Muttizettel von zentraler Bedeutung ist…

  1. Pingback: arbium
    1. Ja, man betatscht sich da mit den currywurstigen Händen. Muss ich jetzt von dir als Leser enttäuscht sein, weil du mir solche Wissenslücken unterstellst oder wolltest du diesen kleinen Spaß nicht verstehen? 🙂

  2. Na, ob da nicht dieses schöne, nicht als Lebensmittel zugelassene Maismehl von genmanipuliertem Mais zum Einsatz kommt?
    Na dann mal Prost.
    Und die Mehlpampe sickert dann samt völlig ungefährlicher Farbe ins Erdreich.

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