Mit langen Beinen gegen den Quotentod: „Germany’s Next Topmodel“ auch in Greifswald auf Mädchensuche

Wenn es mit der beruflichen Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern nicht so klappen will, bleibt für einige Mädchen noch Endstation Modelaspirantin bei Heidi Klum. Die mittlerweile unsealige Moderatorin der bereits in siebenter Staffel produzierten Casting-Show Germany’s Next Topmodel plant nämlich, einen achten Teil des in 43 Ländern verkauften Fernsehklons America‘s Next Top Model zu drehen.

Am 17. August startet eine bundesweite Casting-Tour mit mindestens 19 Terminen, auf der das Produktionsteam nach neuen Schönheiten Ausschau hält, die in das schönheitsidealisierte Rezeptionsmuster der deutschen Fernsehrepublik passen. Die Karawane der Modelmacher wird am 18. August auch in Greifswald halten und hier als hypothetische Traumerfüller junger Mädchen auf den Plan treten.

topmodel

Die Teilnahmebedingungen für die Sendung sind dieses Jahr härter denn je, denn die erste Einstiegshürde — die Mindestkörpergröße der Kandidatinnen — wurde um vier Zentimeter hochgeschraubt und beträgt jetzt 1,76 Meter. In Internetforen beklagen die ersten 1,74-Meter-Mädchen diese Änderung und fühlen sich ausgeickst. Aber Hochgeschossenheit allein reicht nicht für die unerreichbare Altersvorsorge: Modelmaße und das Talent zum Posieren werden ebenfalls von den Bewerberinnen verlangt.

Vielleicht werden im kommenden Anlauf deswegen weniger Mädchen als in den Vorjahren versuchen, ihre zumeist unerfüllbaren Träume vom Topmodel in Kollaboration mit der geschäftstüchtigen Heidi Klum zu verwirklichen. Für die gerade erst vergangene  siebente Staffel bewarben sich immerhin 15.711 junge Frauen. Und auch dieses Mal werden die Produzenten sicher genügend junge Menschen auftreiben, die sich — von der massengesellschaftlichen Traumindustrie verführt — vor den Karren der Jury, bestehend aus Heidi Klum und Thomas Rath, spannen lassen. Die zuletzt quotenschwächelnde Show gehört schließlich wieder aus dem Dreck gezogen!

Unter dem voyeuristischen Blick der laufenden Kameras kriegen die jungen Dinger dann unter anderem vom Catwalk-Trainer Jorge Gonzales nochmal das Laufen beigebracht und absolvieren eine Reihe dämlicher Wettstreite. Brauchen wir das wirklich?

Alle bislang bestätigten Termine der Casting-Tour sind hier zu finden.

Fakten: 18.08. | 14 – 20 Uhr | Mercure Hotel

Susanne Wiest kann Kanzlerin!

Was macht eigentlich Susanne Wiest? Man darf beruhigt sein: Die Greifswalderin, deren Petition vor knapp vier Jahren die Idee des bedingunglosen Grundeinkommens (BGE) bundesweit bekannt machte, ist noch immer unterwegs in Sachen Umverteilung.

DIE 10 UHR SHOW

Vor Monaten unternahm sie den Versuch, parallel in mehrere Parteien einzutreten, um die Idee des BGE weiterzuverbreiten. Eine Doppelmitgliedschaft war jedoch allein bei der Piratenpartei möglich, über deren Werk und Werkzeug sie sich angetan äußerte. Ihr jüngster Streich bringt Susanne Wiest ins Fernsehen, denn sie hat es ins Finale der Politainment-Show Ich kann Kanzler! geschafft.

susanne wiest kann kanzlerin(Screenshot zdf.de)

Dieses Format gab es hierzulande schon einmal 2009, für die Wiederauflage in diesem Jahr bewarben sich mehr als 1000 Kandidaten, aus denen die Jury fünfzehn Bewerberinnen für die Vorrunde auswählte. Die Jury, das sind  Oliver Welke (heute-Show), die Moderatorin Maybrit Illner und der Politikberater Michael Spreng.

Vier der fünfzehn Kandidatinnen schafften es anschließend ins Finale, die fünfte wurde mittels eines Online-Votums nach dreiwöchigem „Wahlkampf“ aus den verbliebenen elf Teilnehmenden ausgesucht: Susanne Wiest („Bedingungsloses Grundeinkommen von Allen für Alle“), die mit Abstand die meisten Stimmen auf sich vereinigte und nun beim Kanzler-Casting dabei ist. Was tut man nicht alles für die Sache des Guten?

HARMONIE IST EINE STRATEGIE

Auf ihrem Blog berichtet Susanne Wiest über die zahlreichen Termine, die sie inzwischen absolviert. Das tut sie sehr direkt und es kommt bei ihren Lesern sehr gut an. In harmonischem Wohlfühlsound widerspricht Wiest auch gewohnt bescheiden der Meinung, dass sie sich „durchgesetzt“ hätte und öffnet voller Bürgerbeteilligung die Arme:

„Ich nenne es ja Wahlbewerbung und durchgesetzt habe ich mich auch nicht […] Grundeinkommen und ich und wir alle haben eine Onlineabstimmung gewonnen. Frei, eigenverantwortlich und zusammen. Ich freue mich.“

Ich kann Kanzler! erscheint ausschließlich online, nur das Finale wird am 1. Mai im TV gezeigt. Letzte Woche kam ein Fernsehteam, um ein kurzes  Portrait für die Sendung zu produzieren. Die „klassische Homestory“ habe sie abgelehnt — die Aufnahmen entstanden statt in ihrer Wohnung und bei der Arbeit an der Ostsee, im Utkiek und in einem Blumenladen.

STÜRMT DAS SCHLOSS! 

Am ersten Mai wird Susanne Wiest gegen die vier anderen Finalisten Hans Bulach, Allison Jones, Leslie Pumm und Berthold Wagner antreten. In der Show soll sich dann entscheiden, wer mit rhetorischen Fähigkeiten, politischem Wissen und klaren inhaltlichen Positionen zu überzeugen weiß — wer eben Kanzler könnte und wie das dann aussehen soll.

Susanne Wiest hat sich für die Teilnahme an der Sendung beworben, um die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens so weit wie möglich zu streuen. Ob und wie ihr das gelingt, wird sich zeigen; dass sie nicht zuletzt wegen ihres Charismas viele Menschen begeistern und motivieren kann, bewiesen unzählige ihrer Auftritte für das  Grundeinkommen.

Die erhoffte Breitenwirkung ist bislang allerdings noch überschaubar: um in der Online-Wahl gegen die anderen zehn verbliebenen Kandidaten zu gewinnen, reichten ihr schon 1462 Stimmen. So richtig massenmedial wird es also nur am Dienstag und kurz darauf in den Medienseiten und Feuilletons. Gestürmt wird das Schloss also  nicht — ist ja auch alles nur Fernsehen und das hält genau davon ab.

Fakten: 01.05. | 22.15 Uhr | ZDF
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  • mehr über den Wettbewerb und die anderen Kandidatinnen auf kanzler.zdf.de
  • Blog von Susanne Wiest
  • Im Gespräch mit Susanne Wiest (Fleischervorstadt-Blog, 24.09.2009)

Miss Greifswald aus Torgelow

Heute berichtete die Ostsee Zeitung von den diesjährigen Wahlen zur Miss Greifswald. Überraschenderweise kommt die gewählte Miss Greifswald überhaupt nicht aus der Hansestadt, sondern wird zum Töten in Torgelow ausgebildet. Die Zweitplazierte lebt in Süderholz und die dritte Siegerin in Gützkow.

miss greifswald

Angesichts dieser Sachlage plädiere ich dafür, diese fragwürdige Auszeichnung in Miss Vorpommern zu ändern. Unlogisch wirkt allerdings die Tatsache, dass sich die drei Siegerinnen dadurch zur Teilnahme an der Wahl zur Miss Mecklenburg-Vorpommern qualifiziert haben. Folgt man dieser kruden Logik, so hätte sich die diesjährige Siegerin auch bei den libanesischen Miss-Wahlen anmelden können um dann später im Erfolgsfall für die Wahl zur Miss World anzutreten.