EPO #5: Westsahara-Konflikt

Die Entwicklungspolitischen Tage gehen in die zweite Woche. Heute Abend wird im Rahmen eines Vortrags der Westsahara-Konflikt behandelt.

UNZÄHLIGE SAHARAUIS VERSCHWANDEN IN MAROKKANISCHE GEFÄNGNISSE

Diese Auseinandersetzung wurzelt in der spanischen Kolonisierung des Gebiets zwischen Marokko und Mauretanien. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts bildete sich dort die sozialistische Befreiungsbewegung Frente Polisario, die sich anfangs gegen die spanische Besatzung erhob und später die Demokratische Arabische Republik Sahara ausrief. Dem schlossen sich jahrzehntelange Auseinandersetzungen mit der marokkanischen Regierung an, in deren Folge bis in die späten neunziger Jahre unzählige saharauische Aktivisten in  den Foltergefängnissen des benachbarten Königreichs verschwanden.

Noch heute ist der Großteil des phosphatreichen Gebiets von Marokko besetzt. Die Polisario wird von Algerien unterstützt, was in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden nordafrikanischen Staaten führte, die bis zum Austritt Marokkos aus der Organisation für Afrikanische Einheit (dem Vorläufer der Afrikanischen Union) reichten.

marokko sidi ifni (Foto: privat)

PROJEKTGRUPPENZIEL: JUGENDZENTRUM INS FLÜCHTLINGSLAGER

Die aus Berlin stammende Projektgruppe Westsahara, die heute Abend im IKUWO zugegen sein wird, arbeitet daran, dass der ungelöste  Westsaharakonflikt nicht in Vergessenheit gerät und ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wird. Sie verwirklichte in Berlin, Straßburg und Ausserd, einem der vier Flüchtlingslager in Algerien, trinationale Jugendbegegnungen und verfolgt das Ziel, ein Jugendzentrum aufzubauen.

Die vollständige Auflistung aller EPO-Veranstaltungen ist im Programmheft (pdf-Dokument, 2,4 MB) der Entwicklungspolitischen Tage zu finden.

Fakten: 14.11. | 20 Uhr | IKUWO | frei

Intern: Urlaubsbetrieb #3

Bevor die kommende Herbstsaison losgeht und in Greifswald der Tanz der Schlaflosen beginnt, verschwinde ich nochmal in eine sehr kurze Erholungspause und schöpfe unter anderem im heißgeliebten Marrakesch Energie für die nächsten Monate.

marrakesch marokko(Foto: privat)

Bis zu meiner Rückkehr steht der Fleischervorstadt-Blog aber nicht still, stattdessen werden in meiner Abwesenheit noch einige vorproduzierte Beiträge veröffentlicht. Für die Moderation der Kommentare hat sich dankbarerweise eine Urlaubsvertretung gefunden und so bleibt mir nicht mehr zu sagen, als allen ein paar wunderbare Tage in Greifswald zu wünschen. Ich bin dann mal raus!

Nachrichten aus dem Maghreb #7

hoher atlasKommt alles anders als man denkt. Statt in Marrakesch auf unsere Freunde zu warten, entschlossen wir uns kurzerhand zu einer weiteren Stippvisite am Atlantik.

Dort verweilten nur einen Tag und bestiegen dann den Mietwagen der befreundeten Boddenstädter.

Die Reise im eigenen Fahrzeug bot ein eigenes Erleben, mobil, flexibel und eine gute Portion autarker. Die Wüstenpläne wurden verworfen, aber wir überquerten im Kleinwagen auf einer abgelegenen und kaum frequentierten Piste den Hohen Atlas; ein grandioses Erlebnis!

ait benhaddouTags darauf erkundeten wir das Ksar Ait Benhaddou, das zweite von der UNESCO geschützte Kulturgut. Dieser Ort war Kulisse für unzählige Filmproduktionen, Gladiator war wohl die berühmteste unter ihnen.

Nach zwei Tagen Marrakesch sind wir am Ende unserer kleinen Nordafrika-Expedition angelangt. Gestern Abend sind wir verspätet in Deutschland gelandet und werden morgen in die geliebte Hansestadt zurückkehren. Dort ist in der Zwischenzeit einiges passiert; genug Stoff also für die nächsten Tage und Wochen. In diesem Sinne soll dieses kurze Reise-Logbuch an dieser Stelle enden. Ab morgen wird der Fleischervorstadt-Blog wieder in gewohntem Gewand erscheinen: polemisch, politisch, positioniert!

Greifswalder Stadtplan von Falk

Nachrichten aus dem Maghreb #6

Nachdem die letzten Worte während eines Hagelschauers aus der kleinen Stadt Azilal verschickt wurden, haben wir in der vergangenen Woche wieder einiges erlebt, viele Orte gesehen und uns vor allem an der Ruhe im Tal Aït Bouguemez gelabt.

Dorthin ist die westliche Kultur bisher erst zögerlich vorgedrungen, die im Entstehen begriffene Piste wird das zukünftig ändern — betrüblich.  Während einer Wanderung konnten wir die Gipfel des Bergmassives M-Goun sehen. Sie waren schneebedeckt. Diese Bergformationen sind an ihrer höchsten Stelle nur knapp einhundert Meter kleiner als der Djebel Toubkal, aber für eine Erklimmung des Gipfels wären neben einer gehörigen Portion Motivation auch Steigeisen von Nöten.

Nachdem wir die Gegend ausgiebig erkundet haben — in der französischen Entsprechung heißt es das Tal der Glücklichen und das traf auch weitestgehend auf seine Bewohner zu — sind wir nach Ouzoud gefahren.

Dort befindet sich ein Magnet für Touristen aus dem In- und Ausland. Wassermassen stürzen in drei Stufen über einhundert Meter in die Tiefe, am Fuße der Wasserfälle tummeln sich einige Berberaffen. Auf der Rückfahrt wurden wir des Sammeltaxis verwiesen und während der Fahrt an die Luft gesetzt. Sowas erlebt man nicht jeden Tag! Ursache des spontanen Zwischenstopps war eine unlautere Nachverhandlung des Fahrpreises, herrlich. Nun sind wir wieder in Marrakesch und werden morgen auf bereits genannte Greifswalder Abgesandtschaft treffen und nochmal Richtung Sahara reisen.

Vielleicht noch eine abschließende Bemerkung: nach einem zweistündigen Spaziergang sind wir mit mehreren Dosen Bier und einer Flasche Wein ins Hotel zurückgekehrt. Wie gut das erste Bier nach fünf Wochen doch schmeckt!

Greifswalder Stadtplan von Falk

Nachrichten aus dem Maghreb #5

Nach mehreren Tagen ohne Lebenszeichen tauchen wir nun wieder auf. Vorab eine Hiobsbotschaft: der kleine Adapter, der uns ermächtigte, Bilder und Videos vom Mobiltelefon auf die hiesigen Computer zu lotsen, ist verlustig gegangen. Daher wird es in den letzten Kurzberichten unserer Reiseaktivitäten kein Bildmaterial, zumindest kein eigenes geben.

Das schmerzt besonders angesichts der Tatsache, das unsere dreitägige Wanderung von Imlil nach Setti Fatma das bisher reizvollste war, das Marokko für uns bieten konnte. Die Strecke hatte es in sich, jeden Tag waren wir mindestens sieben Stunden mit dem gesamten Gepäck unterwegs.

Dabei haben wir auch wieder etliche Höhenmeter absolviert. Der Tizi N Tachedirt, jener Pass, den es zu überqueren galt, liegt auf etwa 3200 Metern über dem Meeresspiegel. Während des Aufstiegs lernten wir den sympathischen Neurologen Peter aus dem niederländischen Utrecht kennen, der uns den Rest der Wanderung begleiten sollte.

Landschaftlich bot diese Gegend einen krassen Kontrast zu anderen in Südmarokko: Pinien- und Kieferwälder, Walnuss- und Granatapfelbäume flankierten Wege und Pfade, die mich vielerorts an die tschechischen Mittelgebirge erinnerten. Überhaupt scheine ich als alter Hanseat eine große Begeisterung für den Bergsport in mir zu entdecken. Die wanderfreudige Sozialisation meines Elternhauses hat offensichtlich den Boden gut bestellt.

Wir passierten Dörfer, die im Winter völlig abgeschnitten sind und in denen allmählich die Bevorratung begann. Das frische Quellwasser des Hochgebirges stellte eine schmackhafte wie kostenlose Abwechslung zu dem in Flaschen verkauften Wasser dar, das wir andernorts erwerben. Aus den kleinen Quellen wuchs mit abnehmender Höhe erst ein Bach, dann ein Fluss. Zu gezählten zweiunddreißig Flussüberquerungen gezwungen, erprobten wir unsere Fähigkeiten im Weitspringen mit Rucksack und später im Durchwaten des reißenden Gewässers. Die Landschaft glich dabei eher den Rocky Mountains denn einem Nationalpark in Nordafrika.

Danach sind wir direkt nach Marrakesch zurück, um uns aufzuwärmen. In den Bergen war es doch teilweise empfindlich kalt.

Nachdem wir uns die letzten beiden Tage in Imni-Ifri, dem Ort neben der vor Millionen von Jahren geschaffenen, mächtigen Naturbrücke, aufgehalten haben, sind wir heute abermals in die Berge gereist. Ein anderes Tal wird uns hier beschäftigen, bevor wir uns wahrscheinlich in Marrakesch mit einer kleinen Delegation aus Greifswald treffen werden, um gemeinsam und mit einem noch zu mietenden Leihwagen die Straße der Kasbahs zu erkunden und schließlich nach Merzouga, an den Rand der Sahara, fahren werden. Aber das ist an dieser Stelle noch Zukunftsmusik.

Abschließend noch mein Apell, die morgige Wahl auf keinen Fall zu verpassen und die Erststimme in eine Idee zum Hierbleiben zu investieren!