Greifswald in der Wende-Zeit

 Am 13.11. wird die Ausstellung Rückblende – Greifswald in der Wende-Zeit im Koeppenhaus eröffnet werden. Anlässlich der Ausstellungseröffnung wird um 20 Uhr ein Podiumsgespräch mit verschiedenen Akteuren von damals beginnen.

 Angekündigt wird die Teilnahme von Bernd Schröder (ehemaliger Jugenddiakon der Evangelischen Kirche), Dr. Michael Gratz (Germanist an der Universität Greifswald), Torsten ‚Mercy‘ Paape (Alternative Jugendszene), Dr. Rosemarie Poldrack (Anti-Atom-Proteste in Greifswald) und Hinrich Kuessner (Greifswalder Politiker).

Wendezeit Greifswald Jugendliche in der Wachsmannstraße

Thema des Podiumsgespräches wird die Zeit kurz vor und nach dem Mauerfall sein: „Wie werden heute, nach 19 Jahren eines vereinigten Deutschlands, die Ereignisse gesehen? Welche Bedeutung hatte die friedliche Revolution, die Öffnung der Welt, für die Greifswalder seinerzeit und welche heute?“

Die Zeit strotze vital vor Turbulenzen und beherberge die Wurzeln alternativer Greifswalder Jugendkultur, ohne die heutige subkulturelle Zusammenhänge in der Stadt nur ungenügend zu verstehen sind. Dieser Wurzelbau verschwindet aus den Gedächnissen, viele neue Wahlgreifswalder sind sich der jugendkulturellen Relevanz dieser Dekade nicht bewusst, bzw. werden diese Erfahrungen kaum bewusst gemacht.Ehemaliges AJZ in Greifswald

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Im kommenden Februar wird sich die Räumung des AJZ am Karl-Marx-Platz 19 zum zehnten Mal jähren; einst florierten auf einer Art alternativen Vergnügungsmeile drei mehr oder minder selbstverwaltete Jugendzentren. In der Wachsmannstraße werden derzeit die Baulücken, die an die vergangenen nächtlichen Auseinandersetzungen und Straßenschlachten erinnerten, mit schicken Neubauten gefüllt. Wer wird sich daran später noch erinnern?

Reste einer Straßenschlacht in Greifswald

Der Likedeeler aus Greifswald

An dieser Stelle möchte ich nochmal ausdrücklich auf die mit Abstand beste Ausgabe des inzwischen verstorbenen Zeitungsprojektes Likedeeler hinweisen. In der vorletzten 18. Ausgabe der lokalen Zeitstreitschrift wurde die Geschichte Greifswalder Subkultur nachgezeichnet. Die Lektüre dieser einzigartigen Sammlung sollte Pflicht sein für jene, die sich hier selbst in alternativen Kreisen bewegen.

Thematisch bietet das Heft einen Rundumschlag auf 76 Seiten: Hausbesetzungen, Straßenschlachten, Café Pariser, AJZ, Monoblock und WSB70. Außerdem noch das leidige Thema Burschenschaften. Der Likedeeler ist inzwischen eingestellt, die Netzressourcen funktionieren aber noch und so läßt sich die Zeitung hier als pdf herunterladen.

Fotos aus dem Zeitfenster 1987 – 1992

Das Podiumsgespräch findet anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung statt, die vom 13.November bis zum 23. Januar in der Galerie des Koeppenhauses beheimatet sein wird:

Anlässlich des Jahrestags des Mauerfalls möchte auch das Literaturzentrum (im Kleinen) zurück blicken – mit Hilfe von Fotografien, die Greifswalder und ehemalige Greifswalder in der Zeit zwischen 1987 und 1992 von und in ihrer Stadt gemacht haben. Anhand dieser soll in Ausschnitten gezeigt werden, wie und in welcher Form sich die Stadt – ihr Erscheinungsbild, das gesellschaftliche Leben sowie ihre Menschen – aufgrund des gesellschaftlichen Umbruchs gewandelt hat.

Domstraße Ecke Fleischerstraße in Greifswald

Die Ausstellung ist von Dienstag bis Samstag in der Zeit von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Fakten:

  • 13.11. | 20 Uhr | Koeppenhaus | Eintritt frei (Podiumsgespräch)
  • 13.11. – 23.01. | Di-Sa 14-18 Uhr | Galerie Koeppenhaus (Fotoausstellung)

(Bilder: Likedeeler und Frank Züge)

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4 Gedanken zu „Greifswald in der Wende-Zeit

  1. Danke für den Hinweis auf die Likedeelerausgabe! Sehr cool, was über die subkulturelle Nachwendezeit zu erfahren. Für mich als Spätgeborenen zumindest.

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