Was wäre wenn?

Tierlieb, bibeltreu, hippiesk oder verwundbar nackt. In ihrem kurzen Film Was wäre wenn…? begibt sich Josephine Steinfurth auf die Spielwiese der Identitäten.

waswarewennVor plüschig-warmem Rot knistert und klackert es erst verhalten, bis sich zur grimmigen Beatcollage das Rollenkarussell zu drehen beginnt. Ein identitäres Stakkato, das die Wandelbarkeit des Außens demonstriert und par excellence in die Beliebigkeit überführt.

Das kurzweilige Video entstand 2009 am Caspar-David-Friedrich-Institut und sollte unbedingt angesehen werden.

Video (01:24)
[youtube 7dfhciqdbNI]

16 Gedanken zu „Was wäre wenn?

  1. Klar, christliche junge Frauen sehen meistens so aus wie aus niveaulosen Sketchen bei „switch“, auch die Bibelausgabe im Festeinband ist immer dabei.
    Demgegenüber ist es für verschleierte (muslimische?) Frauen ganz typisch, dass sie dunkle Augenringe haben, die den hasserfüllten Blick noch stärker wirken lassen….
    Ich kann an dem Filmchen nix finden, vor allem nix künstlerisch anspruchsvolles.
    Und nein, leider sieht man den meisten Frauen nicht an, dass sie unter häuslicher Gewalt leiden müssen.
    Vielleicht bin ich aber auch zu doof, um derart „Spiele“ zu verstehen.

  2. @zorro:
    Wie kommst du denn so plötzlich zur körperlichen Gewalt? Das steht doch einigermaßen dicht hinter den Muslima. Kopftuch hin oder her, nicht jede muslimische Frau wird zuhause kraft ihres Glaubens verkloppt.

    Wie hoch ist eigentlich die Dunkelziffer häuslicher Gewalt in Deutschland, hat da jemand eine zuverlässige Statistik zur Hand?

  3. @zorro: schon mal was von theater und theatralik gehört? erklär‘ mir bitte mal, wie du in so kleinen bruchstücken wirksam bestimmte frauenbilder vermitteln möchtest? soll vielleicht noch ’n schöner langer text daneben stehen? so’n quatsch.
    ich find’s ganz unerträglich, wenn die zensurzeigefinger ganz selbstverständlich auch bei kunst ausgefahren wird.

  4. Also die Augenringe sind schon dick (00:17), können aber auch altersbedingt sein. Denn dann – unter Einbeziehung von Alten – wären schon eine ganze Menge Rollen und Typen abgedeckt. Wenn ich genau hinsehe, erkenne ich sogar zwei Drag Kings.

    Wenn mir das Video nicht so gefiele, würde ich aus künstlerischer Perspektive die Abgenutztheit der Idee kritisieren und aus technischer Perspektive das mitunter nicht geglückte Timing der Schnitte.

    Aber mir gefällts wirklich gut und ich habe es mir inzwischen schon mehrmals angesehen.

  5. @Jockel: Wenn Du als das „Was wäre wenn …“ – Thema als abgenutzte Idee bezeichnest, dann hast Du damit sicherlich recht. Aber die Idee oder das Motiv allein macht ja noch nicht das Kunstwerk aus. Die Umsetzung finde ich schon interessant.Denk‘ nur mal an andere „abgenutzte“ Ideen wie „Liebe“ oder „Tod“. Dafür finden sich auch immer wieder neue interessante Perspektiven.
    Du möchtest doch hoffentlich nicht dieses Video hier vergleichen mit dem hier: http://www.youtube.com/watch?v=r_sVJqhdmJo (ab 5:30min).

  6. @nico

    Ich hoffe, ich lese da keinen angepissten Unterton mit, denn das wäre eine etwas überzogene Reaktion. Ich bin auch wirklich kein Kunstbanause, auch wenn das Video auf mich wirkt, als hätte ich schon hundert mal etwas in der Art gesehn. Aber vielleicht ist das ja auch einfach die „Greifswalder Schule“.
    Den Zensurzeigefinger fahre ich ungern aus (kann Jockel bestätigen), nur finde ich dieses „Spiel“ mit den Klischees ziemlich lahm. Dass Kunst auch immer eine große Angriffsfläche bietet, ist uns ja wohl klar. Nur diesen Religionsaspekt reinzubringen und sich dann auch noch zu verkleiden wie bei Hanni, Nanni und Manni, den bibeltreuen Wollpulliträgern, find ich einfach völlig behämmert. Wirft für mich einfach die Frage auf, ob sich die Künstlerin Christen tatsächlich so vorstellt. Oder Muslima, oder geschlagene Frauen, oder „Hippies“

  7. PS. Danke für den youtube- Link! Ich finde das Video von Michael Jackson um Längen besser, liegt aber zum Großteil sicher auch am Lied (und dem Budget). Jetzt kommen wir wieder zum Kunstaspekt, offene Fragen, Interpretationsspielräume, Verwirrung, lala.
    Für mich ist aber „Don’t matter if you’re black or white“ irgendwie versöhnlicher und befriedigender als „was wäre wenn“ in dieser Form…

  8. Oha. Ich habe das inzwischen locker zehnmal gesehen und war an dieser Stelle immer vom Blick gefesselt, habe nur noch nebenher wahrgenommen, dass etwas mit dem Mund sei und gedacht, da würde Blut rauskommen, daher der Vamp.

    Das blaue Auge macht es aber eindeutig. Aber wieso sollte man die marginalisieren? Mir fehlt ja noch eine Statistik zur häuslichen Gewalt, aber ich würde sehr optimistisch annehmen, dass mindestens 15% aller Frauen damit schon konfrontiert wurden.
    Ein Verzicht auf diese Gruppe würde dann auch wieder als Marginalisierung kritisiert werden können, als Wegschauen vor der – in manchen Fällen – grausamen Realität. Liegt dann nicht in ihrer Einbeziehung der politische Gehalt des Films? Das Nebeneinanderstellen verschiedener und geläufiger Rollenbilder und mittendrin ein Gewaltopfer?
    Völlig neue Perspektive, danke für den Hinweis auf das Veilchen!

  9. Ich glaube zu verstehen, worauf Du hinauswillst. Statistik hab ich jetzt auch nicht zur Hand, aber mein Punkt war ja eigentlich, dass ich es irgendwie oberflächlich finde. (jetzt kann nico wieder kontern und künstlerische Freiheit sowie den begrenzten Raum und die begrenzte Zeit ins Spiel bringen – ist ja auch alles richtig) Nur macht man es sich damit nicht zu einfach. Ich meinte eigentlich genau das Gegenteil von Marginalisierung, nämlich dass man den meisten Frauen eben nicht an der blutigen Lippe und dem blauen Auge ansieht, dass sie daheim verprügelt werden. Und ebenso wenig sieht man Menschen an, welchem Glauben sie sich zugehörig fühlen etc.
    Aber wie sollte man es sonst darstellen… schon klar.

  10. @Zorro: Entschuldige bitte meine vielleicht voreilige Reaktion auf Deinen Kommentar. Kunst sollte unbedingt ein Medium sein, das nicht funktionalisiert wird. Political Correctness darf deswegen auch kein Maßstab sein, den man an Kunst anlegt.
    Vielleicht ging es der Künstlerin ja tatsächlich einfach nur darum, sich vorzustellen, wie es wäre, jemand anderes zu sein oder unter anderen Umständen augewachsen zu sein etc. Wie Du selbst einräumst, legt einem das Medium und die Umsetzung der Idee auch gewisse Grenzen auf und das sollte man schon auch berücksichtigen bei seinem Urteil.
    Ich wüßte dann auch noch gerne, was Du eigentlich mit „nur Greifswalder Schule“ meinst?
    @Jockel: Die kleinen technischen Makel fallen wirklich nicht ins Gewicht.

  11. Ich erinnere mich an ein oder zwei Videocollagen der letzten beiden Insomnale- Ausstellungen, an die ich mich durch diesen Kurzfilm hier stark erinnert fühlte. Die Titel habe ich leider nicht mehr parat. Auch eine Fotostrecke, bei der eine Kunststudentin in alle möglichen „Rollen“ schlüpfte, aber immer in der selben Portraitperspektive aufgenommen wurde, kommt mir in den Sinn. Deshalb kam ich auf „Greifswalder Schule“. Meine ich aber nicht negativ, im Gegenteil!

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