Zuversicht am Tag der Befreiung

Die Befreiung Deutschlands vom Faschismus durch die Alliierten jährt sich heute zum nunmehr 65. Mal und bietet somit eine passende Gelegenheit zum Gedenken und Anlass für exaltierte Freudentänze.

„Wer nicht feiert hat verloren!“

Unter dem Motto Wer nicht feiert hat verloren! werden abends im IKUWO die Türen geöffnet und zur Show des Elektro-Polit-Kollektivs School of Zuversicht eingeladen. Der hoffnungsvolle Titel ist umgeben von einem Hauch Genre-Prominenz, denn neben Audiolith-Plemo ist auch DJ Patex mit von der Partie.

Letztere ist bekannt durch ihre musikalische und partnerschaftliche Verzahnung mit dem Hamburger Urgestein (King) Knarf Rellöm (Huah!, Ladies Love Knarf Rellöm, Knarf Rellöm ISM, Knarf Rellöm with the Shi Sha Shellöm, Knarf Rellöm Trinity), zuletzt aufgetreten unter dem klangvollen Namen The Next Big Thing: Knarf Rellöm.

Nach der Show geht es zackig elektronisch weiter mit DJ Headshot (Drum’n‘ Bass, HH) und DJane HaNNaH. Passend zum Grund der Feierlichkeiten sei das Stück Arme kleine Deutsche (AKD) von Knarf Rellöm Trinitys Album Move your ass and your mind will follow (2006) ans Herz gelegt.

Fakten: 08.05. | 21.30 Uhr | IKUWO | 5 EUR

Geht vielleicht noch mehr?

In vergangenen Jahren wurde der Tag der Befreiung auch tagsüber von farbenfroher Ausgelassenheit bestimmt und es ist zu erwarten, dass auch heute wieder etwas besonderes stattfinden wird.

Man munkelt bereits von einer critical mass, von Kulinaria für alle und mobilen Soundsystemen; klingt nach hedonistischem Aktivismus pommerscher Art. Nebenher soll um 15 Uhr das Caspar-David-Friedrich-Denkmal in der Lappstraße offiziell eingeweiht werden. Man darf gespannt sein.

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29 Gedanken zu „Zuversicht am Tag der Befreiung

  1. ich finde es ist wichtig festzuhalten, dass deutschland damals wirklich verloren hat und nicht etwa befreit wurde.
    nazis waren deutsche und deutsche waren nazis. und wenn auch längst nicht jeder treuer gefolgsmann des schreckenregimes gewesen ist, so ist doch festzuhalten, das dieser krieg (sogar bis berlin) von einem ganzen volk mitgetragen wurde, da er ansonsten nicht möglich gewesen wäre.

    wie wahrscheinlich ist es denn, das die masse eine befreiung herbeigesehnt hätte (oder darüber erfeut gewesen wäre), wenn wir die luftschlacht um england oder die um stalingrad gewonnen hätten – und eine deutsche hegemonie über europa sich verfestigt hätte?

    der 9. mai war der tag einer vernichtenden und völlig gerechtfertigten niederlage für die genration unserer großeltern/eltern – aber gewiss kein grund zum feiern. feiern bedeutet für mich immernoch party, saufen und vergessen. passt hier aber nicht zum thema…

  2. natürlich war der 8.mai für die deutschen keine befreiung und sollte das ja auch nicht sein. eine befreiung war er für die menschen die unter der herrschaft der nationalsozialisten und dem deutschen denunziatentum litten. jüdinnen und juden, kommunist_innen, sinti und roma, antifaschist_innen und viele mehr deren existenz die deutschen beenden wollten. unter dem aspekt der zwangsläufigen beendigung des terrors gegen diese menschen ist der 8. mai also schon ein grund zu feiern.
    greifswalder antifaschist_innen und kommunist_innen taten dies gestern und einen ersten kleinen bericht kann mensch sich unter folgendem link durchlesen.

    http://antifahgw.blogsport.de/2010/05/08/8-mai-tag-der-befreiung/

  3. jap, ich kann sowohl jakuul, als auch ilja ehrenburg zustimmen.
    beide haben für mich wichtige thesen gebracht:

    1. der sieg der alliierten war eine befreiung für die opfer des ns.
    2. „unsere“ befreiung war es nicht, denn das regime wurde von einer breiten masse der deutschen bevölkerung mitgetragen und mit durchgeführt und hätte ohne diese beteiligung nicht stattfinden können.

    äußerst sympatischer auftritt der band, gestern.

  4. ja, ich stimme euch beiden vollkommen zu.
    für all die opfer (juden, roma, kommunisten und natürlich die zwangsarbeiter) ist es wahrlich ein grund zum feiern.
    was mich nur nachdenklich stimmte, war der spruch „wer nicht feiert, hat verloren“ welcher impliziert, dass ein nicht-mitfeiern einem eingeständnis einer (gefühlten) niederlage gleichkäme, was wiederum implizieren könnte, das man sich der ns-seite irgendwie verbunden gefühlt haben könnte. vielleicht sehe ich das auch etwas zu eng, aber ich finde diesen implizit-gewerteten feieraufruf, der an ja an ALLE geht, etwas missverständlich formuliert.
    ich will nur nicht, dass quasi dissoziiert wird, wenn es um unsere vergangenheit geht. wir (unsere großeltern & eltern) waren ein tätervolk und haben dadurch eine verantwortung (welche wir jetzt in afghanistan sträflichst vernachlässigen!) alles dafür zu tun, dass unser staat nie wieder die säbel wetzt. gleichzeitig sollten wir (also jetzt unsere junge generation) das ohne eigene schuldgefühle tun. bewusstsein um verantwortung, aber ohne schuld – nicht leicht.
    aber auch besser, als feiern zu gehen und so zu tun, als seien wir alle kommunisten. das waren und sind wir eben nicht (ich spreche hier für die feiergemeinde als gesamtheit gestern abend, nicht für überzeugte anhänger linker ideologie wie ilja). dies würde ich mit dissoziation meinen.
    vielleicht noch ein persönliches beispiel, um das klarer zu machen:
    ich scheiß auf alle nazis! gleichzeitig bin ich sehr traurig, niemals einen opa gehabt zu haben, da beide an der ostfront gefallen sind. ich bin also sehr froh, dass das regime vernichtet wurde, feierstimmung kommt aufgrund der persönlichen involviertheit jedoch nicht auf.

  5. wer nicht feiert hat verloren ist eine deutliche ansage an alle menschen denen am 8. nicht nach feiern zu mute ist. sie wendet sich gegen neonazis, die den tag meist mit hilfe des in den fokusrücken von toten auf deutscher seite und somit per geschichtsverdrehung versuchen als trauertag umzudeuten. sie wendet sich aber auch gegen den vermehrten – leider erfolgreichen – versuch bundesdeutscher rechtskonservativer und patrioten denen ebenfalls nicht so recht nach feiern zu mute ist, den tag nutzen um aller opfer – einschließlich der deutschen, hier auch gerne wehrmachtssoldaten – zu gedenken und somit versuchen geschichtsrelativierung zu betreiben. sie alle verdrängen zu gerne nur das ursache-wirkungsprinzip. die deutschen sind nicht gestorben, weil die britten städte bombadiert oder die sowjets auf dem landweg deutschland von osten her angriffen. sie sind gestorben, weil sie die nationalsozialisten in ihr amt gehoben haben, weil sie trotz oder wegen der offensichtlichkeit der ziele der nationalsozialisten nicht gegen diese opponiert haben. sie sind gestorben, weil die deutsche bevölkerung ohne widerspruch sich dem totalen krieg aufopferten. dein großvater ist genauso teil einer gesellschaft gewesen, die sich nicht wehrte, sondern die mitmachte und somit den krieg und die vernichtung von menschen vorrantrieb.
    natürlich kannst du um deinen opa traurig sein, aber vergiss nicht den geschichtlichen kontext und frage dich ob in diesem zuge das individuelle leid nicht vielleicht hinter dem der tatsächlichen opfer des ns zurückstehen sollte und ob in diesem zuge nicht der 8. doch ein tag des feierns auch für dich sein sollte, weil er nämlich unschuldige menschen vor leuten wie deinem opa rettete.

  6. „[…], weil er nämlich unschuldige menschen vor leuten wie deinem opa rettete.“

    so hart es klingt, es ist dennoch war. das hab auch ich im bezug auf meine großeltern gelernt. was sie im ns erlebt haben, ist NICHTS im vergleich zu den leiden der opfer des ns. im prinzip haben sie bzw ihre eltern es selbst verschuldet. da gibt es ein sehr gutes buch, dass sich damit beschäftigt:

    „Opa war kein Nazi: Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis“
    von Harald Welzer, Sabine Moller und Karoline Tschuggnall

  7. Hallo Ilja,

    das was du in den ersten zwei dritteln schreibst, finde ich richtig. genau so etwas meinte ich auch, als ich „gerechtfertigte niederlage“ schrieb.
    vielleicht nur noch eine kurze anmerkung zu meinem anliegen:
    auch wenn mir in diesem kontext vielleicht nicht nach feiern zumute ist, so ist mir auch keinesfalls nach trauern – falls das so rübergekommen sein sollte. du hast recht – alles was damals verloren wurde, wurde mit gutem grund verloren.

    somit bin ich nicht für feiern und ich bin auch nicht für trauern. ich bin einfach nur eher für eine nachdenkliche reflektion des ganzen, damit man etwas lernt, eine erkenntnis gewinnt oder eine einstellung zu dem ganzen, mit der man persönlich gut klarkommt. diese zusätzliche option sieht „wer nicht feiert hat verloren“ in seinem subtext leider nicht vor, und diese polarisierung hat mich etwas gestört.

    kurz gesagt – ich persönlich finde das feiern dieses geschichtlichen aktes für uns (als nicht-befreite, außer wird sind juden/roma/kommis) genauso wenig angebracht wie das trauern ewiggestriger betonköpfe (als sich latent besiegt-fühlende).

    und das begründe ich mit einer etwas generelleren auffassung von mir, über die man sich gern auch streiten kann. ich finde, das party & kulturelles event (konzert) auf der einen und gedenken und reflektion wichtiger politischer ereignisse auf der anderen seite zwei paar schuhe sind.
    party ist zum entspannen da, dafür das man spass hat und „lebt“. es braucht aber meines erachtens keine politische aussage dafür. ein theaterstück oder eine filmvorführung mit diskussion sind da was anderes. doch wenn man feiert, reflektiert man eben kaum – man trinkt tanzt, hat spaß, sex usw. alles eher basale bedürfnisbefriedigung.

    ich finde einfach beides (politik/ideologie & party) ist häufig inkompatibel und wird in unserer party-gesellschaft viel zu oft miteinander vermischt.
    eine gute party braucht kein politisches statement.
    ebensowenig braucht ein politisches statement oder ereignis eine party.

    das war eigentlich so mein grundanliegen.

  8. scheinbar warst du gestern nicht da oder hast schlichtweg nicht zugehört. natürlich kann mensch feiern und trotzdem einen inhalt transporiteren, so wie gestern geschehen. es wurde ein inhaltlicher redebeitrag zum 8. verlesen und darüber hinaus wurden flyer an die passant_innen verteilt die ringsumstanden oder gingen. also durchaus eine melange aus feiern und inhalt. welches „wir“ du ständig meinst bleibt mir schleierhaft. wenn du das „wir“ als deutsche meinst, dann sry., dein wir bin ich nicht. ich zähle mich nicht zu dem von dir ständig wiederholten deutschen kollektiv und eine menge anderer leute, die da gestern gefeiert haben sehen dies denke ich ähnlich. die menschen die da gestern feierten taten dies aus einem antifaschistischen kontext heraus aus der liebe zu einem freien, guten und angstlosen leben für alle menschen und die millitärische niederschlagung war eben ein wichtiger schritt in richtung diesen wunsches. also durchaus etwas zu feiern. wenn du aus deiner beschränkten deutschen perspektive nicht ausbrechen kannst dann tut es mir leid und trotzdem muss ich dir dann zu gute halten, dass du immerhin anerkennst das für „euch“ deutsche der 8. nichts zu feiern ist.
    erkläre mir mal bitte wieso um alles in der welt du gerne party und politisches statement trennen möchtest. gerade du der doch behauptet hat das du alle nazis hasst. wenn wir nach deiner devise handeln würden, dann bräuchten wir auf partys ja tatsächlich nie wieder neonazis rausschmeißen, sondern könnten schön mit denen feiern, da ein rausschmiss von neonazis ebenfalls einem polit. statement gleichkommt. toll!
    ich zumindest kann nur entspannen, wenn um mich rum nicht irgendwelche leute sind die mir gerne auf toilette in die fresse hauen würden.
    eine party ohne politik ist nicht möglich, denn wir leben nicht im politikleeren raum, politik ohne party ist natürlich möglich aber auf die dauer auch etwas eintönig.
    der 8. mai ist dazu da den helde_innen der allierten zu danken und diese zu feiern. und das ist wohl ein guter grund zu feiern!

  9. du sagst man dürfte an diesem tag nicht den deutschen opfern gedenken, führst aber selber viele deutsche opfer auf, denen man zu gedenken habe. auch antifachisten, juden, kommunisten und viele andere waren deutsche opfer des nationalsozialismus. für mich sind allerdings auch kinder und jugendliche, die 45 während der letzten gefechte verheizt worden sind opfer des nationalsozialismus, auch wenn sie in wehrmachts- und hj-uniformen steckten. eine klare trennung, wem man gedenken sollte ist für mich schlicht und ergreifend nicht nötig.

  10. @flo

    Die Deutschen haben ihre Mitbürger mit den Rassegesetzen zu Juden gemacht und das hieß für sie auch dass Juden nicht deutsch sind.

    Der Punkt zeigt schön den Wahnsinn der Nationalsozialisten und des Antisemitismus zum einen auf, aber auch den des Nationalismus, der noch im Nachinein darauf bestehen will, dass die Mörder doch eigentlich ihresgleichen töteten. Das haben sie in ihrer Denklogik nämlich nicht und diese Denklogik brachte sie zum Töten. Die nachträgliche Wiedereingemeindung der Opfer ins Kollektiv durch den aktuellen Nationalismus sollte man in diesem Sinne auch zurückweisen.

  11. du kannst meinetwegen den deutschen opfern in deinen vier wänden solange hinterher trauern wie du möchtest. im zuge eines öffentlichen gedenkens die deutsche mehrheitsgesellschaft als opfer des ns darzustellen allerdings und diese mit den tatsächlichen von den nationalsozialisten definierten und verfolgten opfergruppen auf eine stufe zu stellen oder gar über sie zu erheben ist jedoch geschichtsrelativierend. die deutsche mehrheitsgesellschaft hat die bomben nur auf den kopf bekommen, weil sie nämlich ohne zu opponieren den totalen krieg mitgemacht hat. und auch schon in der anfangsphase des ns, als widerstand noch eher möglich gewesen wäre, hat sich nichts getan. wie ich bereits anführte haben die deutschen trotz oder wegen des wissens um die vorstellungen der nsdap diese ins amt gehoben und durch ihr nicht-opponieren unterstützt.
    wie parallaxe schon anführte sind die menschen die in den kz´s starben oder auf andere art durch die nazis umgebracht worden nicht wegen ihres möglicherweise deutsch-seins getötet worden. von daher zieht dein versuch auch die „deutschen“ als opfer zu positionieren nicht.
    natürlich ist eine unterteilung der nötigkeit des gedenkens möglich, ganz konkret an der frage wer opfer und wer täter/in war. wie gesagt die mehrheitsgesellschaft hat in dem bewusstsein dessen was geschieht nicht gehandelt und sich somit der mittäter/innenschaft schuldig gemacht. der ns war eine massenbewegung auch wenn er in der neuen, geläuterten, deutschen geschichtsschreibung gerne zu einer diktatur der tausend hitlergetreuen die alle unterjochten umgedeutet wird. der ns hat funktioniert, weil die menschen ihn mehrheitlich wollten, weil er für sie eine einfache antwort war solange sie nicht in das profil der opfer des ns passten. und er hat nur funktioniert, weil millionen deutsche arbeiter/innen und soldaten für ihn ohne widerspruch ihre arbeitskraft und ihr leben gaben.
    kinder zu verheizen in den letzten kriegstagen ist scheiße, gerade wenn diese noch nicht in der lage waren zu reflektieren was sie da tun. aber genau dieses phänomen zeigte einmal mehr wie fanatisch die deutschen noch in den letzten kriegstagen an den ganzen scheiß glaubten und eben nicht gegen den ns waren. wenn menschen bereit sind ihre eignen kinder freiwillig der vernichtung preiszugeben, dann ist dies ein deutliches zeugnis.

  12. hast du eigentlich gelesen was ich geschrieben hab? kommunisten, antifaschisten und kinder sind deutsche opfer der nazis, wieso sollte man sie nicht am 8.5 betrauern? und auch deutsche juden sind selbstverständlich deutsche opfer der nazis, die rassengesetze der nazis sollte man heute eigentlich nicht mehr als deutungsgrundlage nehmen.

    und bei den kindern war wohl weniger die politische haltung der mütter (väter gabs damals eher weniger) entscheidend, sondern vielmehr inwieweit die jweiligen militärischen befehlshaber auf linie waren und sich die kinder geholt haben. man kann es schon ganz gut an greifswald und anklam sehen, in hgw hatten die verantwortlichen genug courage um die stadt entgegen den befehlen zu übergeben, in anklam nicht. der große teil der bevölkerung (frauen, alte und kinder) hatte da wohl eher weniger einfluss drauf.

  13. @ flo du scheinst nicht zu begreifen was bereits von zwei personen geschrieben wurde. das die jüdinnen und juden, kommunist_innen, sinti und roma vllt deutscher staatsangehörigkeit waren tritt im kontext mit dem gedenken an ihre ermordung doch in den hintergrund. sie wurden nicht wegen ihres deutsch-seins, sondern schlicht wegen der rassistischen kategorisierung oder zur brechung ihres widerstandes ermordet. es spielt an dieser stelle keine rolle welche staatsangehörigkeit sie hatten und wir wissen überhaupt nicht ob die angesprochenen sich überhaupt als deutsche definierten. von daher sind sie keine deutschen opfer, der begriff ist irreführend!

  14. es spielt an dieser stelle keine rolle welche staatsangehörigkeit sie hatten und wir wissen überhaupt nicht ob die angesprochenen sich überhaupt als deutsche definierten. von daher sind sie keine deutschen opfer, der begriff ist irreführend!

    Ich sehe den Wert der begrifflichen Präzisierung „deutsche Opfer“ vor allem in der Betonung der Tatsache, dass nicht alle (!) Bürger und Bürgerinnen eines Staates die schrecklichen Verbrechen des Dritten Reiches begingen. Du schreibst es ja selbst:

    wie gesagt die mehrheitsgesellschaft hat in dem bewusstsein dessen was geschieht nicht gehandelt und sich somit der mittäter/innenschaft schuldig gemacht.

    Mehrheit bedeutet nicht Ganzheit!

  15. jo und die die nicht der mehrheitsgesellschaft angehörten, also eben menschen die opponierten oder wegen rassistischer zuschreibungen durch die nzais verfolgt wurden landeten in kz, knästen oder mussten sich jahrelang verstecken. die haben sich nicht an den verbrechen beteiligt, denn die waren ja schließlich opfer der verbrechen. und opfer waren sie nicht weil sie deutsche waren, sondern eben antifaschist_innen, menschen mit behinderungen, jüdinnen und juden, sinti und roma, sozialist_innen und kommunist_innen.

  16. die opfer werden sich bei dem was sie von ihren deutschen peinigern erfahren haben kaum mehr gerne als deutsche tituliert haben.
    sie waren nicht opfer als angehörige der deutschen volksgemeinschaft, denn sie waren niemals angehörige dieser volksgemeinschaft und eben deshalb wurden sie verfolgt. die deutsche volksgemeinschaft schloss expliziet genau diese menschen aus.

  17. @ilja:
    Fahre doch mal nach Auschwitz und besuche die Gedenkstätte. Dort wirst du Räumlichkeiten finden, die von einzelnen Nationen aufgebaut wurden und eine jeweils eigene Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus offerieren.
    Wie dir sicher bekannt ist, unterscheiden sich die Schicksale niederländischer und polnischer Opfer, eine genauere Unterscheidung zwischen ihnen kann daher äußerst sinnhaft sein.
    Und so sollte man es auch in meinen Augen mit den deutschen Opfern des Faschismus halten.

  18. Selbstverständlich waren die deutschen Opfer vor 1933 deutsche Staatsbürger.
    Und die deutsche Kulturlandschaft war zuvor nicht schlecht angesehen, denk doch mal an die Zwanziger Jahre, da war Berlin die drittgrößte Metropole der Welt. Es gab eine schillernde Homo-Szene und einen internationalen Erlebnistourismus in die Hauptstadt. Daneben reisten unglaublich viele Intellektuelle und Künster nach Berlin, nicht zuletzt, weil die Lebenserhaltungskosten vergleichsweise niedrig waren.

  19. ab 1933 gehörten die von den nationalsozialisten verfolgten nicht mehr zur von den nazis konstruierten deutschen volksgemeinschaft. diese volksgemeinschaft definierte sich gerade dadurch, dass sie sich von bestimmten menschen abgrenzt, diese also ausgrenzte. die merkmale dieser menschen wurden dann mittels rassistischer zuschreibungen festgeklopft und schließlich wurden die deportiert, auf die diese von den nazis festgelegten merkmale angeblich zutrafen.
    es ist natürlich richtig, dass es diese nationalen ausstellungen in auschwitz gibt und sie sind ein zeichen dafür, dass es denn verschiedenen staaten anliegen ist die erinnerungen wach zu halten. nur vergisst du eine wichtige komponente, die nationenausstellungen sind den überfallenen nationen zugedacht, und nicht der täternation.
    und nocheinmal die deutschen jüdinnen und juden wurden nicht vergast weil sie deutsche waren, sondern weil sie jüdinnen und juden waren. also ist es irreführend hier von deutschen opfern zu sprechen. jüdische opfer deutscher staatsangehörigkeit ja aber keine deutschen opfer.

  20. die deutschen jüdinnen und juden wurden nicht vergast weil sie deutsche waren, sondern weil sie jüdinnen und juden waren

    Das Auschwitz-Beispiel sollte dir aufzeigen, dass es aus analytischen Gründen sinnhaft ist, zwischen unterschiedlichen Staatsbürgerschaften zu unterscheiden. Auch polnische Juden wurden nicht ermordet, weil sie Polen waren.

    Ich finde die staatsbürgerliche Kategorie sehr hilfreich und werde auch zukünftig an ihr festhalten.

  21. ich fasse es nicht, dass selbst hier in der kommentarspalte zum 8. mai das leid der deutschen zum thema wird. wollt ihr (wer auch immer sich jetzt angesprochen fühlt) etwa wirklich sagen, dass die juden und jüdinnen deutscher nationalität tatsächlich deutsche opfer(!) sind, von einem krieg, der von deutschen(!) geführt wurde?! und wollt ihr wirklich sagen, dass ihr, die ihr euch vermutlich auch noch als deutsch versteht, um diese opfer als deutsche trauern müsst? sie wurden als juden und jüdinnen vergast, nicht als deutsche.
    ich hab eher das gefühl, dass diesen menschen jetzt wieder die deutsche nationalität zugesprochen wird, damit arme deutsche wieder am 8. mai ihrem opferstatus fröhnen und rumtrauern können. die armen deutschen! opfer ihrer selbst.

  22. Liebe Caro,
    lies dir bitte nochmal die Kommentare durch. In meinen Augen hat Ilja, der mit seiner antideutschen Einstellung schon andere Diskussionen auf diesem Blog – ich sage mal – belebte, die Opferdiskussion in der Form begonnen, wie du sie als unnötig empfindest.

    Ich für meinen Teil trauere um alle Opfer des NS, ganz gleich, ob sie die deutsche, polnische oder niederländische Staatsbürgerschaft hatten, ganz gleich, ob sie als Juden, Kommunisten, Homosexuelle etc. verfolgt wurden. Ich trauere dabei nicht als Deutscher, weil meine Staatsangehörigkeit kein großes Gewicht für meine Identität hat.

    Opfer meint hier eben gerade nicht, Wehrmachtssoldaten oder ähnliche Mitstreiter (auf die ich deinen Kommentar beziehe) sondern Opfer des NS mit deutscher Staatsangehörigkeit. Das ist bitte nicht zu vermischen mit der von rechts eingeführten Opferdiskussion um gefallene Soldaten etc, hier gehts um andere Schicksale.

    Da ich wie schon weiter oben eingeführt, Staatsangehörigkeit als analytische Kategorie verwende, sind all jene Opfer deutscher Staatsangehörigkeit für mich und mein Verständnis auch deutsche Opfer.

  23. dann verstehe ich immernoch nich, warum das kein tag des feierns ist, wenn doch auch deutsche vom leid befreit wurden.

    und wieso nur, muss denn immer betont werden, dass es auch deutsche opfer gab, wenn es um den 8. mai geht? wer spricht es denn ab, dass es die gab? das is das, was ich nich verstehe.

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