RCDS blamiert sich und sein „Projekt Zukunft“

Es ist dieser Tage nicht leicht, aktives Mitglied beim RCDS zu sein. Pünktlich zum großen Fußballspektakel gibt man sich beim CDU-Studierendenverbund WM-fiebrig und publizierte einen eigenen Planer, der für Übersicht im Dickicht der sportiven Begegnungen sorgen soll.

Das Druckerzeugnis wurde heute Mittag auch in Greifswald von ambitionierten Hochschulpolitikern unter die Leute gebracht. Das Cover ziert eine Fußball gewordene Rückansicht einer weiblichen Hüfte, die zum Aufklappen einladen soll. Dem Versuch, ein aktuelles und an eine große Masse adressiertes Thema zu besetzen, ist allerdings das Potential zum Image-Fiasko eingeschrieben; das Werk ein papierner Griff ins Klo.

RCDS: Projekt Zukunft?

Bereits gestern wurden die ersten ablehnenden Reaktionen auf die Gestaltung des WM-Planers laut. Auf dem Medienwebblog der Trierer Universität wurde ein offener Brief an den RCDS veröffentlicht, der danach fragt, wie dieses Cover zu lesen sei: „Frauenärsche sollen aussehen wie Fußbälle, damit sie uns – die Männer – während der WM überhaupt noch interessieren? Oder seid ihr Befürworter einer Mangelernährung – die Oberschenkel der abgebildeten Dame sind etwa so dick wie mein Unterarm, wenn die Proportionen stimmen? Die Hotpants erinnern dann noch eher an Beachvolleyball, als an Fußball. Ein Fußball ist doch zum Schießen da, oder sehe ich das falsch?“

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Die inzwischen auch schon ergraute Maßgabe des RCDS, das Projekt Zukunft, wird auf dem gleichen Blog und unter Betrachtung des unsäglichen Covers folgendermaßen interpretiert: „Mädels macht Diät! Wenn uns danach ist dann haltet bittet den Po hin, zum Reintreten versteht sich. Oder gibt es da etwa noch die Metaebene? Das Demographieproblem vielleicht? Hat das Ding eigentlich auch einen Kopf? Kann es denken? Wahrscheinlich nicht!“ Wenn so Zukunftsvisionen aussehen, erscheinen Gegenwart und Vergangenheit plötzlich gar nicht mehr so übel wie bisher.

Willkommen im Mittelalter!

cooldrauf-rcdsAuch in der Greifswalder Twitter Community rumort es seit gestern. Dort wird der RCDS im Mittelalter willkommen geheißen, die entsprechenden Links werden als #fail verschlagwortet. Die Zuschreibungen sind überdeutlich; eine erfolgreiche Image-Offensive erzeugt ein anderes Echo. Auch hier werden die gleichen Fragen wie auf dem zitierten Blog laut: „Sollen Frauen fussballförmige Ärsche haben? Soll man ihnen in den Arsch treten? Was ist die christliche Botschaft?“ und dem Ärger über den offenkundigen Sexismus wird ganz zivilcouragiert über Twitter, Facebook und wie die neuen Medien alle heißen, Luft gemacht.

schwarze spitzeDabei stehen die jungen Konservativen mit ihrer tumben und sexistischen Werbung in selbstgenerierter Tradition. Die Greifswalder Sektion der Jungen Union beispielsweise warb vor etwa einem Jahr mit einem ganz ähnlichen Motiv für ihren Verbund. Damals ging es weniger um Sport als vielmehr um Dessous. Unter dem selbstüberschätzenden Titel Schwarze Spitze mussten ganz alte „sex sells„-Mechanismen bemüht werden, um den verstockten Wertekanon frisch und jugendlich erscheinen zu lassen.

Der Greifswalder RCDS wirkt derzeit auch eher von Dissens als von Übereinstimmung geprägt. Hochschulgruppenmitglied und AStA-Referent für Hochschulpolitik, Franz Küntzel, distanzierte sich vorsichtig von dem WM-Player und twitterte: „Bin ja mal gespannt, wie das „Feedback“ sein wird. Ich werde sie auf jeden Fall nicht verteilen! 🙂 [Franz Küntzel] ist der Meinung, dass er die RCDS-WM-Planer ganz klar sexistisch findet!“

Erst gestern berichtete der webMoritz von zwei – sich widersprechenden – Anträgen der konservativen Hochschulgruppe zum Thema Studiengebüren. Richtungsstreit liegt in der Luft, wenn sich im gleichen Lager zwei so unterschiedliche Positionen artikulieren. Richtungsstreit wäre für alle das Beste. Als aktiver RCDSler hat man es dieser Tage eben nicht leicht.

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19 Gedanken zu „RCDS blamiert sich und sein „Projekt Zukunft“

  1. Tja, da haben sich ja die Pappnasen vom güldenen Ring mal wieder was geleistet? Man fragt sich was die „größte Hochschulgruppe Greifswald“ denn überhaupt in diesem Semester schon geleistet hat außer durch puren SEXISMUS und merkwürdigen Diskussionen aufzufallen…
    Man mag ja über den Ideen der Mehrzweckkarte und des Semestertickets streiten, aber doch wurden wenigstens mal Denkprozesse angestoßen. Der RCDS erscheint mir tot und nur noch lächerlich.

    Man kann nur eins fordern: Abwählen.

    Des Weiteren ist es doch interessant, warum aktive RCDS´ler wie Konrad Ulbrich und Franz Küntzel sich von solchen peinlichen Aktionen distanzieren? Es scheinen wohl die Hackober-Zeiten angebrochen zu sein, wo es nur einen unfähigen großen Vorsitzenden und eine gleich geschaltete Stellvertreterin gibt..

    Gute Nacht RCDS!

  2. Meine Fresse, ist das billig….

    Von der blamablen „Message“ ma abgesehen, wirkt dieses Cover wie das Ergebnis eines langeweile-geschwängerten Photoshop- Experiments.

  3. mal ganz ehrlich, kann es nicht sein, dass die eigentliche intention des rcds-motives total verkannt wird?

    es ist statistisch erwiesen, dass gerade während fussball-em und -wm das schöne geschlecht bei den (fussballschauenden) herren der schöpfung stark in den hintergrund rücken muss – um platz für das virtuose ballspektakel zu machen.

    sowas darf nicht sein, deswegen appelliert das rcds cover ganz eindeutig dafür, frauen auch im angesicht von fussball-highlights nicht zu vernachlässigen und sie mit aufmerksamkeit zu beschenken.

    ein wirklich ehrenwerter akt!
    (und werbetechnisch auch noch ganz weit vorn.)

    😉

  4. Ach ja – mein Lieblingsthema 😀

    @Blogbetreiber: hätte es niemals für möglich gehalten, dass du einer CDU-sympathisierenden Vereinigung angehörst.. 🙂

    Finde das Motiv von der Idee her wirklich nett, muss man schließlich erstmal drauf kommen. Finde es persönlich dementsprache wage, einen unbedeckten Hintern zum Anlass zu nehmen über die bösen Sexisten herzuziehen. Ob eine Frau aus eigenen Stücken auf der Straße so rumläuft (meine Freundin gibt sich in diesem Punkt auch freizügig) oder sich in dieser Aufmachung auf ’nen Flyer drucken lässt – who cares. Um es also abschließend mit den Worten des Prekariats zu sagen: Titten raus, is‘ Sommer 😀

  5. „Titten raus, is‘ Sommer“ – gilt das auch für jene Mädchen und Frauen, die nicht den geläufigen Modelmaßen entsprechen bzw. die Glotz-kompatible Altersgrenze überschritten haben?

  6. Dass meine letzte Antwort und der letzte Teil meines erstens Postings sarkastisch gemeint waren versteht sich von selbst 😉 Ist denke ich jeder selbst überlassen, WIE freizügig sie sich gibt. Spricht ja nichts dagegen, wenn sich eine 35jährige Mutti mit 2 Kindern „glotzkompatibel“ wie du es meinst anzieht 🙂

  7. Schöner Flachschuss. Jeder Mensch hätte Unmengen kreative Ideen, wenn es immer nur Klischees zu bedienen gäbe *gähn*.
    Werbetechnisch ist das ganze konfus: Da wurde ja neben den völlig schwachen Inhalt (der Wortlaut der beschließenden Wertung das Ding in den Druck zu geben lautete bestimmt: Geil!) sogar die politische Farbenlehre ignoriert. Wieso is’n das Teil ausgerechnet in grün gehalten? Und blaues Logo auf grün funzt eh nicht (Mutti sagte immer: „Grün und blau schmückt die Sau“ … heutzutage den Eber bestimmt auch, eh ich jetzt noch aus Versehen ins Sexismus-Fettnäpfchen latsche.). Dabei wissen die Leutz doch, dass orange besser harmoniert – siehe deren Website. Das grafische Experiment an sich ist okay, obwohls besser geht, weil mies ‚abgewedelt‘ der übergang vom ball zum oberschenkel, besonders auffällig beim rechten backenball …
    na egal.

  8. ich habs versucht… und verbal eine gewischt bekommen, vielleicht zu recht?, aber ich will es euch nicht vorenthalten:
    Am 11. Juni 2010 08:21 schrieb Cindy Schmid :
    sehr geehrte damen und herren,
    als frau fühle ich mich vom design „verarscht“ und als grafikerin frage ich mich, wie man einem kunden, welcher für christliche werte steht, so etwas frauenverachtendes vorschlagen kann? darf ich erfahren, was damit bezweckt wurde?
    schade, dass sie ihre möglichkeiten als full service agentur nicht dahingehend ausschöpfen, ästhethik zu vermitteln anstatt sexismus zu propagieren!

    (http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/7604)

    Cindy Schmid
    swinxgrafix
    ————-
    Von: Stefan H. Eller
    Betreff: Re: wm-planer
    Datum: 11. Juni 2010 09:45:56 MESZ
    An: Cindy Schmid

    Sehr geehrte Frau Schmid,
    der Frage entnehme ich, dass sie offenbar noch nicht am aktiven Berufsleben in einer Agentur oder als selbstständige Grafikdesignerin teilnehmen.
    Dies soll nicht als Vorwurf oder Wertung verstanden werden, allerdings würden Sie ansonsten wissen, dass die kreativen Idealvorstellungen, wie man diese etwa im Studium ausleben darf und muss, nur allzu selten mit dem zu vereinbaren sind was der Kunde will. Sollten Sie davon ausgehen dies sei der einzige Entwurf gewesen, liegen Sie falsch, sollten Sie weiter davon ausgehen, dass die restlichen Entwürfe einen ähnlichen „Stil“ verfolgt haben, liegen Sie ebenso falsch. Allerdings denke ich nicht falsch zu liegen, dass sie sich mit Ihrer Herangehensweise an meine Agentur etwas weit aus dem Fenster lehnen. Sie sprechen hier lediglich Ihre Meinung aus was Ihr gutes Recht ist, allerdings möchte ich Ihnen für Ihr künftiges Berufsleben raten sich etwas detaillierter zu informieren und vor allem nicht die umsetzenden Agentur sondern die Entscheider, also den Kunden anzusprechen, dieser ist letzten Endes verantwortlich für Art und Inhalt des Mediums.

    Wenn Sie nun den rein „taktischen“ Hintergrund der Gestaltung erfahren möchten, so ist Folgendes zu sagen: Je mehr Polarisierung entsteht, je mehr Diskussion im positiven wie im Negativen generiert wird, desto eher hat der Kunde genau das erreicht was er wollte, er ist Thema und man setzt sich mit ihm auseinander.
    Überlegen Sie sich also ob Sie mit affektiertem Verhalten nicht eher denjenigen in die Hand spielen gegen welchen Sie argumentieren wollen.
    Hier gilt das alte Beispiele: „Denken Sie mal nicht an weiße Tauben“…
    Desweiteren ist das Motiv ein Motiv wie es, in welcher Form auch immer, in weit „anzüglicheren“ Arten und Weisen Verwendung findet und dies nicht nur bei Volleyballspielen, der Palmers-Werbekampagnen oder Ähnlichem.
    Wenn Sie sich als Frau angegriffen fühlen, verwenden Sie den Planer einfach nicht oder Sie überreden den Kunden uns mehr Geld zu geben und Sie bekommen ein Cover mit einem Männer-Hintern oder vielleicht mit einem rosa Pudel, mit was auch immer Sie wollen! 🙂

    In diesem Sinne, genießen Sie lieber den Tag, denn die Welt hat bei Gott wichtigere Probleme als einen verarschenden WM-Planer.

    Stefan H. Eller + Team

  9. „Wenn Sie sich als Frau angegriffen fühlen, verwenden Sie den Planer einfach nicht oder Sie überreden den Kunden uns mehr Geld zu geben und Sie bekommen ein Cover mit einem Männer-Hintern oder vielleicht mit einem rosa Pudel, mit was auch immer Sie wollen! :-)“

    Awesome 😀

  10. „Je mehr Polarisierung entsteht, je mehr Diskussion im positiven wie im Negativen generiert wird, desto eher hat der Kunde genau das erreicht was er wollte, er ist Thema und man setzt sich mit ihm auseinander.“

    Das sind ja Füchse! Danke für die erhellende Mail, aber was soll man auch für eine andere Reaktion erwarten?

    „Sehr geehrte Frau Schmid,
    Sie haben Recht, der WM-Planer ist mächtig daneben? Wir haben in unserem männlich dominierten Team gar nicht daran gedacht, dass sich jemand dadurch diskriminiert fühlen könnte und möchten uns bei ihnen entschuldigen?“

  11. ich habe es mir nicht nehmen lassen, zu antworten:
    Betreff: Re: wm-planer
    Von: Cindy Schmid
    Datum: 11. Juni 2010 11:14:48 MESZ
    An: Stefan H. Eller
    AUTSCH – das war aber eine verbale ohrfeige 😉
    lieber stefan, da du so persönlich wirst, duze ich dich einfach mal.
    ich nehme, entgegen deiner annahme, am berufsleben teil und weiß daher, dass es sehr wohl auch im bereich des möglichen liegt, dem kunden die vorteile einer guten gestaltung zu vermitteln. eine gute gestaltung spricht eine größere zielgruppe an, als eine schlechte: eine große zielgruppe sind z.b. männer UND frauen!
    desweiteren sollte man dem kunden vermitteln können, was ein imageschaden ist 😉
    liebe grüße
    cindy

  12. Die Jungs sind echt auf Zack, Zitat der website:

    „Mit der Anwendung von Kreativitätstechniken wird die Kreativität angeregt, um völlig neue, noch nicht realisierte Lösungen zu finden.“

    hui…

    Die Liste mit Referenzen kann sich aber sehen lassen.

  13. Also ich würde diese (gelinde gesagt) sau-freche E- Mail nicht als verbale Ohrfeige gegen „swinx“ werten, sondern es unter Armutszeugnis ablegen. Eine Agentur, die sich damit rausredet „auch schlechte PR ist immerhin PR für unseren Kunden“ und damit gleichzeitig alle Werte über Bord schmeißt zum Wohle der eigenen Kasse kann man getrost als scheiße bezeichnen! Mag sein, dass der RCDS Auftraggeber und Entscheider in dieser Sache war, aber irgendein so creative- Klaus hat sich ja rangesetzt und diesen Fussball- Po entworfen. Die Ausreden von Stefan Eller sind eine einfache Luftnummer. Sexismus und Diskrimierung ist denen sowas von egal. Aber was will man von Yuppies auch erwarten, die sich schon morgens mit Ritalin vollpumpen, dann vor ihrem MacBook sitzen, in ihrem weichgeflöteten Hirn nach Ideen kramen müssen und Aufträge vom RCDS annehmen.
    „Wenn Sie sich als Frau angegriffen fühlen, verwenden Sie den Planer einfach nicht oder Sie überreden den Kunden uns mehr Geld zu geben und Sie bekommen ein Cover mit einem Männer-Hintern oder vielleicht mit einem rosa Pudel, mit was auch immer Sie wollen!“ Wieviel Dummheit und Arroganz in diesem Satz steckt, erübrigt sich zu erörtern.

  14. Der absolut beste Kommentar. „p“, du hast meinen Tag gerettet. Ich verstehe allerdings den Zusammenhang zwischen einem weiblichen Gesäß und der Fußball-WM nicht. Wäre es eigentlich auch sexistisch, wenn auf dem Planer ein Scrotum mit Fußbällen als Hoden abgebildet wäre?

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