Die Angst vor der Entmannung

Der folgende Beitrag ist als eine Art Doppel-Replik zu verstehen, die sich sowohl auf die am Montag erschienene und fehlerhafte Betrachtung zu geschlechtergerechter Sprache in der Schweiz als auch auf den j√ľngsten Antrag der Liberalen Hochschulgruppe Greifswald, das Landeshochschulgesetz zu entgendern, bezieht.

Sprachleitfäden, politische Korrektheit & der Kampf um den Zipfel

In Greifswald geht wieder die Angst vor der Entmannung um. Diesen Eindruck vermittelten zumindest die letzten schriftlichen Verlautbarungen von Patrick Kaatz, Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe (LHG), und Torsten H. (JU), seines Zeichens freier Lokalreporter bei der Ostsee-Zeitung.

guillotineDer Heiland griff vor wenigen Tagen wieder zur Feder und beschwor ein d√ľsteres Szenario schweizerischen Ursprungs herauf: Die Kastration der Sprache.

In der sich anschlie√üenden Betrachtung schwadronierte er dar√ľber, dass „wir M√§nner“ den „ersten Trend der Erneuerung […] ganz gut √ľberstanden“ h√§tten – gemeint sind das in der Schriftsprache verwendete Binnen-I und das Gender-Splitting, wie es zum Beispiel in der Form ‚Sch√ľlerinnen und Sch√ľler‚ praktiziert wird.

Mittlerweile bekomme der politisch korrekte Sprachgebrauch allerdings eine neue Qualität:

Denn seit 2009 gibt es in der Schweiz einen „Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren“. Der H√∂hepunkt in diesem Jahr: Die Schweizer Stadt Bern gibt einen „Sprachleitfaden f√ľr die Stadtverwaltung“ heraus. Mitarbeitergespr√§ch, Fu√üg√§ngerstreifen oder F√ľhrerschein ‚Äď die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Bern d√ľrfen diese W√∂rter nicht mehr verwenden. Stattdessen hei√üt es jetzt: Fahrausweis, Zebrastreifen oder Beurteilungsgespr√§ch. All das w√§re noch zu ertragen, doch die Schweizer Entmannung unserer Sprache geht weiter: Worte wie „Vater“, seien zu geschlechtsspezifisch. Besser ist, man schreibe „Elternteil“ oder „Elter“.

Torsten H. hat soviel Angst vor der politisch √ľberkorrekten Gender-Diktatur, dass er es nicht einmal gewagt hat, einen Blick in die beiden Leitf√§den zu werfen, die er zitiert. Anders lassen sich die im Artikel zusammengeschriebenen Falschinformationen nicht interpretieren. Dabei h√§tte es nur einer kurzen Online-Recherche bedurft, diesen Beitrag inhaltlich korrekt zu gestalten.

Gendern hat inzwischen Geschichte

Bereits 1994 hat der Gemeinderat der Stadt Bern beschlossen, alle Direktionen anzuweisen, „die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter in s√§mtlichen Schriftst√ľcken der Stadtverwaltung konsequent zu verwirklichen„. Das ist modern angesichts der Tatsache, dass in der Schweiz das Frauenwahlrecht erst 1971 eingef√ľhrt und im Ausnahmefall des Kantons Appenzell Innerrhoden sogar erst 1991 wirksam wurde.

Eine Vorreiterrolle hat die Schweiz damit allerdings nicht, denn schon seit den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in Gro√übritannien, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, den USA und in Deutschland Kommissionen f√ľr die Formulierung frauengerechter Berufs-, Dienstgrad- und Titelbezeichnungen eingesetzt. Die UNESCO ver√∂ffentlichte ihre Guidelines on Gender-Neutral Language und das Ministerkomitee des Europarates verabschiedete 1990 die Empfehlung On the Elimination of Sexism from Language.

Die Zielgruppen dieser Leitfäden und Richtlinien sind alle Personen, die professionell und offiziell geschriebene und gesprochene Sprache produzieren, die Рob im Kindergarten, an der Schule oder an der Universität РSprache lehren und die in den Medien, in der Verlagsarbeit und anderswo Sprache verbreiten.

Gisela Klann-Delius benennt in Sprache und Geschlecht (2005) vier Bereiche sexistischen Sprachgebrauchs: erstens die explizite Nichtbenennung von Frauen, zweitens die Darstellung von Frauen in Abh√§ngigkeit vom Mann, drittens die Darstellung von Frauen in ihren traditionellen Rollen mit sogenannten „typisch weiblichen Eigenschaften“ und Verhaltensweisen und schlie√ülich viertens die herablassende Behandlung und Degradierung durch abwertende Sprache.

Doing Gender Fair — ein Leitfaden

Zur√ľck nach Bern. Dort wurde 1996 erstmals ein Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen herausgegeben, der 2009 zum zweiten Mal aufgelegt wurde. Die Ver√∂ffentlichung ist also bereits 13 Jahre √§lter als uns Heil glauben machen will. Auf den 192 Seiten werden viele sehr dienliche Hinweise und Hilfestellungen gegeben, mit denen sich ein als gender fair charakterisierbarer Sprachgebrauch realisieren l√§sst. Hier werden auch geschlechtsabstrakte Personenbezeichnungen aufgef√ľhrt:

√úblicherweise haben Personenbezeichnungen im Deutschen eine geschlechtsspezifische Wortbedeutung: Ihr grammatisches Geschlecht (Genus) und ihr nat√ľrliches Geschlecht (Sexus) stimmen √ľberein (‚Der Vater‘ und ‚der Lehrer‘ bezeichnen M√§nner, ‚die Mutter‘ und ‚die Lehrerin‘ bezeichnen Frauen). Daneben gibt es einige Personenbezeichnungen, die zwar ein grammatisches Geschlecht, aber keine geschlechtsspezifische Wortbedeutung haben. Ihr grammatisches Geschlecht ist willk√ľrlich, hat also keinen Bezug zum nat√ľrlichen Geschlecht. Deshalb k√∂nnen sich diese Personenbezeichnungen unabh√§ngig von ihrem grammatischen Geschlecht sowohl auf M√§nner als auch auf Frauen beziehen. Sie sind geschlechtsabstrakt.

Dieser theoretischen Einf√ľhrung folgen einige konkrete Beispiele wie ‚die Person‘, ‚der Mensch‘, ‚der Gast‘, ‚das Opfer‘, ‚die Geisel‘, ‚die ‚Ķ-hilfe‘ (Haushaltshilfe, Aushilfe), ‚die ‚Ķ-kraft‘ (F√ľhrungskraft, Lehrkraft, Hilfskraft, Putzkraft), ‚die ‚Ķ-person‘ (F√ľhrungsperson, Vertrauensperson, Magistratsperson, Fachperson ‚Ķ), ‚der Elternteil‘ und schlie√ülich das von Torsten Heil aus der falschen Publikation (n√§mlich gerade nicht dem Sprachleitfaden f√ľr die Stadtverwaltung) zitierte ‚elter‚, dessen eingeklammerter Hinweis ’sehr selten‘ nat√ľrlich unterschlagen wurde.

Außerdem werden in diesem Leitfaden die Vor- und Nachteile geschlechtsabstrakter und geschlechtsneutraler Bezeichnungen diskutiert und entsprechende Verwendungsvorschläge unterbreitet.

Aktionsplan Bern

Der 2010 erschienene Sprachleitfaden f√ľr die Stadtverwaltung ist √ľbrigens aus dem Aktionsplan zur Gleichstellung von Frauen und M√§nner in der Stadt Bern entstanden. Er soll die Stadtverwaltung bei der Umsetzung des Grundsatzes der diskriminierungsfreien und geschlechtergerechten Kommunikation unterst√ľtzen und ist Teil des Berner Kommunikationskonzepts, an dessen Grunds√§tze sich der Gemeinderat und die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung bei der Kommunikation halten sollen und die √ľber diskriminierungsfreie Kommunikation weit hinaus gehen, da sie noch viel mehr Aspekte als nur Geschlechtergerechtigkeit beinhalten.

Spottschrift in gewohnt herablassender Tonalität

feminism

Torsten H. beendet seine Spottschrift, in der von den Ver√∂ffentlichungszeitr√§umen √ľber die zitierten Quellen, den Dekontextualisierungen und dem offensichtlichen Fehlen des entsprechenden Hintergrundwissens eigentlich alles schiefgegangen ist, was von einem Journalisten erwartet wird, mit der gewohnt herablassenden Tonalit√§t der Greifswalder Lokalredaktion – „Kleiner Hinweis: Gleichberechtigung ist nicht identisch mit Geschlechtslosigkeit„.

Ohne das sprachsch√∂pferische Engagement der feministischen Linguistik w√ľrden Frauen heutzutage wohl noch immer zum Kaufmann – vielleicht auch zum weiblichen Kaufmann – ausgebildet; nicht zur Kauffrau.

Es geht nicht darum, Geschlecht abzuschaffen, sondern dessen Unsichtbarmachung zu beenden. Denn Sprache wird nicht nur von unmittelbarer Realität geformt, sondern umgekehrt bestimmt und verändert sie unsere Wirklichkeit. Die Frage ist also, wem eigentlich unser vor Patriarchalismen strotzendes Sprachsystem gehört.

Liberale Hochschulgruppe beantragt „Entgenderung“

Unlängst äußerte sich auch die Liberale Hochschulgruppe aus Greifswald zum Thema geschlechtergerechte Sprache und schlug eine Art Entgenderung des Landeshochschulgesetztes Mecklenburg-Vorpommern vor, in dessen aktueller Fassung die beide Geschlechter ansprechenden, doppelten Formulierungen verwendet werden. Sie sollen gestrichen und durch die Nennung eines Geschlechts ersetzt werden.

Patrick Kaatz, Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe, zitiert sich in der von ihm geschriebenen Pressemitteilung zum Thema selbst und argumentiert gegen die geschlechtergerechte √úberfrachtung von Gesetztestexten:

„Ein Gesetz ist das Werkzeug eines Juristen. √úberfl√ľssige Wendungen erschweren, insbesondere f√ľr Laien, den Umgang mit dem Gesetzestext. Wir verzieren doch auch nicht die Werkzeuge eines Zimmermannes.“

Um den Gleichberechtigungsgedanken nicht v√∂llig aus dem Gesetz zu verbannen, solle zu Beginn mitgeteilt werden, dass die gew√§hlte Form alle Geschlechter umfasse. Diese L√∂sung wird generisches Maskulinum genannt. Hierbei wird also jedes Mal die maskuline Form verwendet, die aber ausdr√ľcklich alle Geschlechter miteinbeziehen soll.

Das mag theoretisch funktionieren, in der Praxis wird es hingegen komplizierter und Studien zeigten, dass das generische Maskulinum bei den Rezipienten Erwartungen in Richtung geschlechtlicher Männlichkeit auslösten Рeine neutrale Bezeichnung wirkt anders.

(Foto: arfism)

Schon 1990 wurde √ľbrigens der Bericht Maskuline und feminine Personenbezeichnungen in der Rechtssprache von der interministeriellen Arbeitsgruppe Rechtssprache vorgelegt, dessen Empfehlung 1993 vom deutschen Bundestag beschlossen wurde. Darin wird unter anderem ans Herz gelegt, „auf die Verwendung des generischen Maskulinums in der Amtssprache ganz, in der Vorschriftensprache so weit wie m√∂glich zu verzichten, wenn Gr√ľnde  der Lesbarkeit und der Verst√§ndlichkeit dem nicht entgegenstehen (Deutscher Bundestag, Drucksache 12/2775).

Wäre nicht das generische Femininum eine Lösung?

Im konkreten Antrag der LHG findet sich noch ein Satz, mit dem die Liberalen progressiv und trotzdem pragmatisch an die Gesetzes√§nderung treten k√∂nnten: „Auf welche [sic!] Geschlecht hierbei abgestellt wird, bleibt dem Gesetzgeber √ľberlassen„. Ein generisches Femininum, also die grunds√§tzliche Verwendung der – alle Geschlechter einbeziehenden –  femininen Formulierung im Landeshochschulgesetz, w√§re zwar ein starkes Signal, ist aber letztlich √§hnlich problematisch wie sein maskulines Pendant.

Da √Ąsthetik f√ľr Gesetzestexte ohnehin zweitrangig ist, schlage ich die schrecklich aussehende Unterstrich-L√∂sung (z.B. Studienbewerber_Innen) vor, die sich von den beiden generischen Varianten dadurch unterscheidet, dass sie nicht auf einer angenommenen Zweigeschlechtlichkeit fu√üt, sondern explizit auch alle (Zwischen)Geschlechter miteinbezieht.

Statt eine Entgenderung offizieller Texte zu fordern, w√§re es dar√ľberhinaus f√ľr die Sache der Geschlechtergerechtigkeit viel dienlicher, wenn sich die LGH zum Beispiel darum k√ľmmerte, dass endlich auch die letzten Formulare der Universit√§t geschlechtergerecht formuliert w√ľrden, wie zum Beispiel die Datenschutzbelehrung der Uni-Angestellten.

Personalbogen Uni Greifswald

Ist bei den Liberalen schon Wahlkampf?

Patrick Kaatz w√§re nat√ľrlich nicht Patrick Kaatz, beendete er sein Statement nicht mit einer entsprechenden Polterei:

„Grunds√§tzlich steht die LHG einem vorgeschriebenen „Gendern“ (Verwendung von jeweils beiden Geschlechtern beim Schreiben oder Sprechen) ablehnend gegen√ľber. Ein solch massiver Eingriff in die menschliche Individualit√§t erinnert an das „Neusprech“ in George Orwells „1984“. Auch dort wurde mittels Sprache versucht, Ideologie in den Menschen zu verankern.

Hier sei nochmals an die wortsch√∂pferische Kraft der geschlechtergerechtigkeitsinteressierten Linguistik verwiesen, die sich schon durch diese Produktivit√§t grundlegend von der reduktionistischen Intention des Orwellschen Neusprech unterscheidet. Ob der verordnete Abbau struktureller Diskriminierungen als ideologisch motivierter und „massiver Eingriff in die menschliche Individualit√§t“ oder der LHG-Antrag eher als vorwahlk√§mpferisches Gebell liberaler Freigeister, die einmal t√ľchtig auf den Putz hauen wollen, zu verstehen ist, sei jeder selbst √ľberlassen.

Gespannt sein d√ľrfen wir jedenfalls auf die Reaktion der Liberalen Hochschulgruppe, wenn der Antrag vom StuPa nicht angenommen wird, denn eine Null-Toleranz-Position gegen√ľber Gender-Formulierungen im Landeshochschulgesetz wird bereits angek√ľndigt: „Eine solche Beeinflussung wird durch Liberale nicht toleriert werden“.

*Update* 02.12.2010

Wie sich dann sehr schnell herausstellte, hat Torsten H. seinen Text gar nicht selbst geschrieben oder recherchiert, sondern stattdessen fast wortgleich aus dem Magazin der S√ľddeutschen Zeitung √ľbernommen, mehr dazu hier.

____________

√úber den Antrag der LHG √§rgerten sich auch die jungen Gr√ľnen und ver√∂ffentlichen ebenfalls einen eigenen Artikel dazu.

Da ich auf dem Fleischervorstadt-Blog das Binnen-I und den Unterstrich aus sprach√§sthetischen Gr√ľnden nicht verwende, sondern inzwischen relativ willk√ľrlich zwischen generischem Maskulinum und Femininum wechsle, sei darauf hingewiesen, dass diese Formulierungen alle Menschen einschlie√üen sollen.

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30 Gedanken zu „Die Angst vor der Entmannung

  1. Hey Joachim,

    erstmal Gratulation zu dem umfangreichen Text. Viel recherchiert, auch wenn es mich immer noch nicht so wirklich √ľberzeugt. √úbrigens auch danke, f√ľr die Korrektur – wir haben immer so wenig Zeit, das gegenzulesen (Studium und so, Ehrenamt). Ich hatte bei der Herausgabe der PM damals echt √ľberlegt, Dich in den Presseverteiler aufzunehmen. Vielleicht mach ich das in Zukunft ūüėČ

    Eine Anmerkung: Wer will den Antrag denn ins Stupa bringen? Der liegt längst woanders.

    Frage: Du verwendest selbst nicht die Dopplung oder alternative Formen, worauf Du ja, wie von uns f√ľr das LHG gefordert, sogar noch gesondert hinweist. Wo ist also Dein Problem, wenn wir √§hnliches in Gesetz schreiben lassen wollen? Und wieso verwendest Du die entsprechenden Formen eigentlich nicht?

    Du hast √ľbrigens den Sinn unseres Antrages sogar selbst genannt: „wenn Gr√ľnde der Lesbarkeit und der Verst√§ndlichkeit dem nicht entgegenstehen“ Ich verweise wieder auf meinen Liebling: ¬ß 55 LHG M-V

    Das Wort des Tages: geschlechtergerechtigkeitsinteressierten (40)

    Bei dem Orwell verweise ich mal auf das Zitat, denn dort steht „erinnert an“, nicht „ist gleich“.

    Das Abschlusszitat ist aus dem Kontekt gerissen und bezieht sich auf die Unterbrechung und best√§ndige Hinweisung eines Redners/Schreibers / einer Rednerin/Schreiberin (hab ich aus dem Leitfaden gelernt ;-)) auf die Anwendung geschlechtergerechter Sprache. Wir haben bei den JuLis einige ehemalige Gr√ľne (http://bit.ly/eHPDSB), f√ľr die das teilweise sogar Ausstiegsgr√ľnde waren. Nicht die Genderung an sich, sondern die Bevormundung. Hei√üt Du das ernsthaft gut?

    Beste Gr√ľ√üe

    PJK

    PS: Wir befinden uns noch nicht im Wahlkampf. Nur das LHG ist ja gerade f√§llig. (Bsp. haben die Gr√ľnen hier Wahlkampf, wenn sie gegen den Castor mobil machen?) Aber freu Dich schon mal auf unser n√§chstes, gr√∂√üeres Projekt. Wei√ü nur nicht, ob wir das dieses Jahr noch schaffen. W√ľrde mich freuen, wenn Du dich dann wieder kritisch damit auseinandersetzt.

  2. Meine Welt sind die Paragraphen,
    erf√ľllt von Verordnungen und Strafen.
    Die Wirklichkeit ist dort beschrieben,
    inklusive Ursache, Gr√ľnde und Trieben
    Mehr brauch man nicht, mehr kann ich nicht,
    das verrät die Ehrlichkeit in meinem Gesicht.
    Ich mache mir die Welt, nicht so wie sie mir gefällt
    sondern so, wie sie sich juristisch darstellt,
    ihr könnt mich einfach nicht verstehen
    und deshalb möget ihr doch eurer Wege gehen.

    Oh weh oh weh,
    ihr kennt mich –
    und meine Freiheitskämpfer von der LHG

  3. @PJK:

    Eine Anmerkung: Wer will den Antrag denn ins Stupa bringen? Der liegt längst woanders.

    Mein Fehler, ich ging davon aus, dass der erst durchs StuPa ginge.

    Frage: Du verwendest selbst nicht die Dopplung oder alternative Formen, worauf Du ja, wie von uns f√ľr das LHG gefordert, sogar noch gesondert hinweist. Wo ist also Dein Problem, wenn wir √§hnliches in Gesetz schreiben lassen wollen?

    Ihr wollt das generische Maskulinum einf√ľhren. Mein Problem damit ist im Text erl√§utert, Stichwort: Bin√§res Geschlechtersystem.

    Und wieso verwendest Du die entsprechenden Formen eigentlich nicht?

    Auch das steht im Text:
    „Da ich auf dem Fleischervorstadt-Blog das Binnen-I und den Unterstrich aus sprach√§sthetischen Gr√ľnden nicht verwende, sondern inzwischen relativ willk√ľrlich zwischen generischem Maskulinum und Femininum wechsle…“

    Binnen-I und Unterstrich sehen nicht schick aus. In Gesetzestexten ist aber diese ästhetische Kategorie irrelevant. Viel wichtiger ist, dass alle vom Gesetz Betroffenen mit einem Begriff gefasst werden, der niemanden außen vor lässt. Deswegen schlug ich Euch die Variante mit Unterstrich vor, ansonsten bitte generisches Femininum!

    Du hast √ľbrigens den Sinn unseres Antrages sogar selbst genannt: ‚Äúwenn Gr√ľnde der Lesbarkeit und der Verst√§ndlichkeit dem nicht entgegenstehen‚ÄĚ Ich verweise wieder auf meinen Liebling: ¬ß 55 LHG M-V

    Es ist ein Gesetzestext. Mit Unterstrich oder generischem Femininum sind es weniger Zeichen und ein umfassenderes Adressat_Innenspektrum ūüôā

  4. Toller Artikel, danke Jockel!

    Es wird einem doch immer wieder brutal ins Ged√§chtnis gerufen, in was f√ľr einer patriarchalisch gepr√§gten Gesellschaft wir leben m√ľssen. Der Ruf nach Demokratie klingt f√ľr mich wie Hohn, wenn auf der anderen Seite suggeriert wird, dass man nur ein vollwertiger und ernstzunehmender Mensch ist, wenn ein paar Gramm runzelige Haut zwischen den Beinen baumelt.
    Was bilden sich M√§nner darauf ein? Warum kriegen wir diesen Schwachsinn nicht oder nur schwer aus unseren K√∂pfen? Was ist an Macht so geil und was hat das mit Schw√§nzen zu tun? Naja, ich m√∂chte nicht alle Fragen, die mir durch den Kopf gehen, hier niederschreiben. Aber darf ich noch einen Link einf√ľgen? Ich mach es mal. Wieder ma ein Rether ūüôā

    http://www.youtube.com/watch?v=gv2dS6IE4ow

  5. Ich hab zuletzt Sarah Kane gelesen, sie bedient sich einer sehr r√ľden „m√§nnlichen“ Sprache, nicht zart einf√ľhlsam, sondern direkt grob gewaltt√§tig, r√ľde plump, triebgesteuert. Trifft auf beide geschlechter zu.
    Sprache zeigt immer etwas auf, zur Sprache geh√∂rt im echten leben auch Gestik, Mimik etc… in der heutigen Zeit wird sehr viel versteckt, umerzogen von unserer K√∂rperlichkeit, es ist ein zwischenmenschlicher konsens der gefunden wird, jeder f√ľr sich, man bringt sich ein, zieht sich zur√ľck, oder schwebt dazwischen. Your choice every minute, ich wollt mal hallo sagen, hallo mensch.

  6. Hallo Joachim,

    kurzes Missverständnis: Mit entsprechende Formen meinte ich die bislang im LHG M-V verwendete, nämlich: Absolventen und Absolventinnen. Also diese Dopplung war gemeint und warum Du diese nicht verwendest.

    Binnen-I besteht Konsens Рunästhetisch. Aber eben genau der Punkt liest sich auch im Gesetz schwierig, zumindest aber unangenehm.

    Generisches Maskulinum oder Femininum – was am Ende im Gesetz steht, ist mir pers√∂nlich egal, solange es nur eine Form ist. So steht es letztendlich im Antrag. Der Vorzug der m√§nnlichen Form wurde als Wunsch erhoben und hat daher als „kann“-Regelung seinen Eingang auch nur in die Begr√ľndung gefunden („scheint [..] vorzugsw√ľrdig“).
    Beide Geschlechter werden durch die Pr√§ambel ber√ľcksichtigt.

    Beste Gr√ľ√üe

    Patrick

  7. @PJK:
    Wie gesagt, steht im Text:

    „Da √Ąsthetik f√ľr Gesetzestexte ohnehin zweitrangig ist, schlage ich die schrecklich aussehende Unterstrich-L√∂sung (z.B. Studienbewerber_Innen) vor, die sich von den beiden generischen Varianten dadurch unterscheidet, dass sie nicht auf einer angenommenen Zweigeschlechtlichkeit fu√üt, sondern explizit auch alle (Zwischen)Geschlechter miteinbezieht.“

    Kriege bitte jetzt keinen Schreck: es gibt mehr als zwei Geschlechter. Durch das Gender-Splitting (‚Absolventen und Absolventinnen‘) wird nur das herrschende Verst√§ndnis eines bin√§ren Geschlechtersystems reproduziert, alle dazwischen fallen raus, f√ľhlen sich nicht angesprochen, werden begrifflich nicht gefasst.

  8. Hi Joachim,

    danke nochmal f√ľr den Hinweis. Aber keine Angst, hab Fleischhauer auch gesehen und mich daher nicht erschreckt ūüėČ Wobei mir einige Hintergr√ľnde zum Transgender fehlen: Handelt es sich dabei um eine eigene Wahrnehmung oder doch schon um ein biologisches Geschlecht?

    Beim Gesetzestext geht es √ľbrigens nur zweitrangig um die √Ąsthetik. Der Mangel an solcher erschwert aber Lesbarkeit und Verst√§ndnis (insbesondere, wie gesagt, wenn man wirklich mal ein komplettes Gesetz durcharbeitet), wodurch das Ganze Hand in Hand geht (daher kann ich Deinem √Ąsthetikargument so bedingungslos zustimmen).

    VG

    PJK

  9. Ohne Scheiss, das ist wirklich der größte Bullshit den PJK hier von sich gibt und kann wirklich nur von einem angehenden Juristen kommen.
    Gesetzestexte sehen immer Scheisse aus, sind immer schwer verst√§ndlich und sind von den herrschenden Eliten zum Zweck ihres Machterhaltes geschaffen worden. Nat√ľrlich braucht eine Gesellschaft eine Rechtsordnung, aber das was wir hier in Deutschland haben, ist viel zu h√§ufig die juristische Legitimation von Unrecht. Und die Manifestation von Unterdr√ľckung. Daher fordere ich, keine Gnade f√ľr Jurist_innen und die Auff√ľhrung aller m√∂glichen Identit√§ten, Augen- und Haarfarben. Falls dies nicht geschieht werde ich mich niemals auch nur irgendeines Deliktes schuldig bekennen, weil die entsprechende Rechtsnorm nicht auf bisexuelle Transfrauen mit rosa Augen und blauem Haar zutrifft.
    note to myself: Gendern von Gesetzestexten durchsetzen, dadurch Juristen ihr Handwerkszeug entreissen, Weltherrschaft erlangen, gerechte Rechtsordnung installieren.

  10. @PJK:
    Transgender ist ein Sammelbegriff, unter dem vieles subsummiert werden kann, dazu k√∂nnen nat√ľrlich auch Leute gez√§hlt werden, die ihr biologisches Geschlecht gewechselt haben, bzw. dabei sind. Hier gibts was zu lesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Transgender

    Mir ging es aber auch nochmal darum, dass Thema Intersexualit√§t, Zwischengeschlechtlichkeit und bin√§res Geschlechtssystem in den Raum zu werfen. Heinz-J√ľrgen Vo√ü hat zum biologischen Geschlecht promoviert und sehr interessante Erkenntnisse dazu anzubieten: http://www.heinzjuergenvoss.de/

    Ich finde Gender-Splitting √ľbrigens nicht un√§sthetisch.

  11. in der tat sehr interessant, vielen dank f√ľr den hinweis.

    auch wenn das bem√ľhen um nicht-diskriminierende sprache hier seltsame fr√ľchte tr√§gt:

    in den anmerkungen zu diesem aufsatz
    http://www.schattenblick.de/infopool/geist/philo/gpthe011.html
    liest man, dass der autor das generische femininum benutzt:

    „(1) In diesem Aufsatz werden verallgemeinernde geschlechtsspezifische Bezeichnungen stets weiblich genutzt.“

    …was ja ganz unproblematisch w√§re, w√ľrde er nicht an mancher stelle im text offenbar die notwendigkeit sp√ľren, dann doch zu pr√§zisieren:

    „Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang auch √úberlegungen zu Zeugung und Vererbung. Diese stellten f√ľr antike (m√§nnliche) Naturphilosophinnen, von denen uns Schriften √ľberliefert sind, einen prominenten Zugang zu Geschlechterbetrachtungen dar.“

    „antike (m√§nnliche) naturphilosophinnen“ ist in meinen augen eine in vielerlei hinsicht misslungene konstruktion. f√ľr meine begriffe h√§tte man entweder (ehrlich) schreiben sollen: „antike naturphilosophen“, und h√§tte dabei der tatsache rechnung getragen, dass es keine einzige biologisch weibliche antike naturphilosophin gibt, von der wir irgendwas √ľberliefert h√§tten, oder man h√§tte (mutig) im generischen femininum „antike naturphilosophinnen“ schreiben sollen – dies f√ľhrt, wie auch die erste variante, ebenfalls nicht zu missverst√§ndnissen, da ja ohnehin nur biologisch m√§nnliche personen gemeint sein k√∂nnen. aber diese pr√§zisierung durch die hintert√ľr ist sprachlich mindestens un√§sthetisch, ganz abgesehen davon, dass sie v√∂llig √ľberfl√ľssige inhaltliche unsauberkeiten schafft.

  12. @wayne

    Schade, dass ich nicht wei√ü, was Du beruflich machst oder studierst, sonst w√ľrde ich Dir da ein Beispiel suchen.
    Deine Pauschalisierung von Gesetzestexten teile ich √ľbrigens nicht, da es gen√ľgend F√§lle gibt, die eindeutig sind oder in denen man mit den Grundkenntnissen der Subsumtion schon sehr viel anfangen kann. Was Deine Systemkritik mit der Schreibweise einer Norm zu tun haben soll, verschleiert sich mir.

    Jedoch will ich Dich auch drauf hinweisen, dass es Leute gibt, die ihren Beruf oder ihr Studium ernst nehmen (Joachim z. B., der immer so nett meine Texte kontrolliert, sodass ich dann die Originale korrigieren kann) und Du hier dem Juristen nur unn√∂tig Arbeit aufb√ľrdest. Ich kann mich nat√ľrlich einerseits mit der Entzifferung der Norm besch√§ftigen – oder mit ihrer Auslegung und Anwendung auf die Realit√§t. Da, wie Du selbst schreibst, die Rechtsordnung unerl√§sslich ist, w√ľrde ich darauf abstellen, dass Letzteres wohl die wichtigere Aufgabe des Rechtsanwenders ist.

    Im √ľbrigen brauchst Du nicht auf den angehenden Juristen abstellen, denn der Antrag ist in der LHG durchgesprochen worden. Dumm daran: Mit Ausnahme der Theologie haben wir aus jeder Fakult√§t Mitglieder, die sich ihrerseits mit ihren speziellen Kenntnissen einbringen. Daneben hat mich dieses Problem schon zu Berufszeiten gest√∂rt – und da war ich noch weit von Jura entfernt.

    @Joachim

    Hmm… Wird durch die Betonung verschiedener Geschlechter nicht eigentlich gerade auf Geschlechtlichkeit abgestellt? Ich wei√ü, es hab ich schon h√§ufiger erw√§hnt, aber ich sehe mich in erster Linie als mich, dann als Mensch und irgendwo weit dahinter k√∂nnen wir mal √ľber Mann, Liberaler, Deutscher etc. sprechen – wenn es denn noch von Relevanz w√§re. Umgekehrt ist ja mit Ausnahme der Gesetzestexte in denen es explizit erw√§hnt wird, auch jeder Mensch im Geltungsbereich des Gesetzes gemeint und es wird nicht noch mal gesondert auf Deutsche, T√ľrken, Franzosen etc. abgestellt. Misst man der Geschlechtertrennung nicht also noch einmal gesonderte Bedeutung zu, in dem man beide so offensichtlich trennt (deutlicher als durch Erw√§hnung aller geht ja nun wirklich nicht)?

    Zum Transgender. Soweit ich das herausgelesen habe, liegt hier in der Mehrheit der F√§lle eine Orientierung an den klassischen beiden Geschlechtern vor. Einzige Ausnahme waren jene, die sich absichtlich keinem Geschlecht zuordnen lassen wollten, wobei wikipedia hier die Begr√ľndung schuldig bleibt. In den anderen F√§llen konnten die Transgender aber tendenziell immer wieder dem einen oder anderen Geschlecht zugeordnet werden (manchmal dann halt auch beiden) oder taten dies sogar selbst. Folglich bleibt dar√ľber hinaus nur der wirklich geringe Anteil, der eine Geschlechtszuordnung kategorisch ablehnt. Ist ihr gutes Recht, nur scheint mir dies wenig Grund eine komplette Sprachordnung auf eine absolute Minderheit auszudehnen. Ziel sollte, um an den oberen Absatz anzukn√ľpfen, dann doch eher eine Vermenschlichung der Sprache sein, deren Folge w√§re, das jeder Mensch sich, unabh√§ngig vom Geschlecht angesprochen f√ľhlt. Insoweit w√ľrde ich bei Formulierungen von Studenten zu Studierende schon mitgehen, aber dar√ľber hinaus greifen wir immer wieder k√ľnstlich in die Sprache ein, nur um ja niemanden in einer Aussage zu vergessen. Nun gut, wenn ich den Gedanken dogmatisch weiterdenke, komme ich wieder in den Grundsatz: Frei von jedem nicht zwingend notwendigen Eingriff kontra Regulierung wenn m√∂glich…
    Hmm, d. h. Missstand gesehen, Missstand behebt sich nicht (offensichtlich) von selbst, Eingriff… (ich denke gerade mal laut), folglich kein Vertrauen in Selbstregulierungskr√§fte, daher Eingriff. Ok, habe den grunds√§tzlichen Gedanken begriffen, daher folgende Frage: Ist es nicht m√∂glich, dass durch zunehmende Weiterentwicklung der Gesellschaft, durch gleiche Chancen, gleiche M√∂glichkeiten die Gleichstellung von Mann und Frau sich nicht irgendwann selbst erledigt?

    Beste Gr√ľ√üe und ich meld mich dann mal ab ins Wochenende

    P.

  13. @PJK

    Misst man der Geschlechtertrennung nicht also noch einmal gesonderte Bedeutung zu, in dem man beide so offensichtlich trennt

    Nein. Mit der Unterstrich-Form verwendet man einen Begriff, der ALLE einschlie√üt. Das generische Maskulinum (wenn es denn √ľberhaupt schon generisch ist) bezieht einfach nicht alle mit ein. Geschlecht soll ja nicht abgeschafft, sondern einfach anders begriffen werden.

    Ist es nicht möglich, dass durch zunehmende Weiterentwicklung der Gesellschaft, durch gleiche Chancen, gleiche Möglichkeiten die Gleichstellung von Mann und Frau sich nicht irgendwann selbst erledigt?

    Ich weiss ja nicht, wie lange wir damit noch warten wollen. Jahr f√ľr Jahr werden doch ungleiche Chancen und M√∂glichkeiten reproduziert. Guck dir z.B. doch die Einkommensunterschiede an. Oder wirf mal einen Blick in die Gremien der Uni, der Anteil weiblicher Hochschullehrenden (Im Iran √ľbrigens vor einigen Jahren 70%) etc…

    Auf Selbstregulierungskr√§fte vertraue ich nicht, bin doch kein Liberaler ūüėČ Menschen verhalten sich doof und brauchen deswegen leider Regeln, damit ein gerechtes Zusammenleben organisiert werden kann, so sehe ich das. Wieviele w√ľrden im Land der Steuerfl√ľchtigen noch Steuern zahlen, g√§be es keine Steuerpflicht?

    @Ralph

    oder man h√§tte (mutig) im generischen femininum ‚Äúantike naturphilosophinnen‚ÄĚ schreiben sollen ‚Äď dies f√ľhrt, wie auch die erste variante, ebenfalls nicht zu missverst√§ndnissen, da ja ohnehin nur biologisch m√§nnliche personen gemeint sein k√∂nnen. aber diese pr√§zisierung durch die hintert√ľr ist sprachlich mindestens un√§sthetisch, ganz abgesehen davon, dass sie v√∂llig √ľberfl√ľssige inhaltliche unsauberkeiten schafft.

    Ich stimmte dir in diesem speziellen Fall zu. Das generische Femininum w√§re hier der konsequenteste Weg gewesen. Voss selbst bezeichnete sich √ľbrigens unl√§ngst bei seinem Vortrag im Rahmen der interdisziplin√§ren Gender-Ringvorlesung als ‚Humangenetikerin‘ – diese konsequente Umsetzung des g.F. war da schon sehr skurril und sorgte f√ľr allgemeine Heiterkeit, auch bei ihm.

  14. An der Stelle kaper ich den Beitrag mal, um hier eine Diskussion anzubringen, die wir heut morgen im Webmoritz unter http://www.webmoritz.de/2010/12/10/stadt-bereitet-sich-auf-castor-gegner-vor/
    vom Zaun gebrochen haben.

    17vier
    ‚ÄĘ vor einer Stunde
    Dembski ist √ľbrigens nicht nur f√ľr die √∂ffentliche Ordnung zust√§ndig, sondern Dezernent f√ľr Jugend, Soziales, Bildung Kultur und √∂ffentliche Ordnung.
    Au√üerdem w√§re neben dem B√ľrgerinnen-Telefon auch ein Hinweis auf das Infotelefon der Greifswalder Anti-Atom-Gegnerinnen angebracht, das hole ich mal hiermit nach: 0170 – 1223239.
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    Varnhagen
    ‚ÄĘ vor 40 Minuten
    Sexismus!!! Beharre doch wenigstens auf dem Binnen-I, dann erkennt wenigstens jeder den Rechtschreibfehler sofort. So könnte mancher ausländische Mitlesende sich im Spracherwerb befindende noch denken, die Deutsche Sprache funktionierte so.
    In der Schule nie √ľber genus und sexus gesprochen? Wahrscheinlich in der letzten Bank gekichert…
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    17vier
    ‚ÄĘ vor 33 Minuten
    Kollege, du musst vielleicht etwas fr√ľher aufstehen, 11 Uhr ist eindeutig zu sp√§t, um mir in die Parade zu fahren. Rechtschreibfehler? Generisches Femininum, aber das kennst du vermutlich (noch) nicht.
    Wieso ich das Binnen-I ablehne? Hier findest du zwei Gr√ľnde: http://blog.17vier.de/?p=11634

    Weil Du hier auf diesen Artikel verwiesen hast, scheint mir dies der beste Ort. Erst mal Kritik am Artikel. Drei Punkte:
    „√úblicherweise haben Personenbezeichnungen im Deutschen eine geschlechtsspezifische Wortbedeutung: Ihr grammatisches Geschlecht (Genus) und ihr nat√ľrliches Geschlecht (Sexus) stimmen √ľberein“
    Du zitierst diese Passage. Sie ist Grundpfeiler feministischer Linguistik. Feministische Linguisten sind aber den Beweis f√ľr diese These stets schuldig geblieben. Wenn genus=sexus was ist dann mit generischem neutrum? Dichotomien spielen sich in der Natur immer zwischen m√§nnlich und weiblich ab oder werden beiden Wirkungsmustern zugeschrieben. Wieso die Notwendigkeit des Neutrums im Haus aber nicht in der H√∂hle. Dass genus=sexus sei ist Grundlage aller Genderphantasmagorien zur Verhunzung der Sprache. Richtig ist sie aber nicht. Am Anbeginn der Sprache ist sexus ganz sicher Vorbild f√ľr genus gewesen, aber willst Du allen Ernstes die letzten 50000 Jahre Sprache einfach mal unter den Tisch fallen lassen? Wir schreiben heute auch nicht mehr mit Hieroglyphen, obwohl sich das Alphabet aus solchen entwickelt hat. Kritik an Sexus=Genus bitte den Neandertaler-Dioramen beliebiger Museen vortragen.

    „Um den Gleichberechtigungsgedanken nicht v√∂llig aus dem Gesetz zu verbannen, solle zu Beginn mitgeteilt werden, dass die gew√§hlte Form alle Geschlechter umfasse. Diese L√∂sung wird generisches Maskulinum genannt. Hierbei wird also jedes Mal die maskuline Form verwendet, die aber ausdr√ľcklich alle Geschlechter miteinbeziehen soll.“
    Auch wenn das jetzt verbl√ľffend klingt: generisch kommt von genus und hei√üt „dem grammatikalischen Geschlecht gem√§√ü“. Es ist keine moderne Erfindung zur abermaligen Exklusion des weiblichen, sondern geht von einer Funktion des genus aus, die abgetrennt vom sexus besteht. Durch Verwenden des nicht-sexistischen genus, so die Annahme, sind ohnehin alle Geschlechter und angesprochenen Personen inkludiert eine Aufnahme zus√§tzlicher Formulierungen zur sexistischen, dezidierten Inklusion der nat√ľrlichen Geschlechter, wie von den Gender-Apologeten gefordert, ist unn√∂tig. Bei stringenter Analyse k√∂nnte einem auffallen, dass aus der Gleichsetzung genus=sexus der Sexismus √ľberhaupt auch erst in die Sprache eingef√ľhrt wird.
    „Ein generisches Femininum, also die grunds√§tzliche Verwendung der ‚Äď alle Geschlechter einbeziehenden – femininen Formulierung im Landeshochschulgesetz, w√§re zwar ein starkes Signal“ Das generische Femininum gibt es auch schon deutlich l√§nger. Oder ist ihnen neu, dass die Fabrik weiblichen Geschlechts ist? Super-Gender-Feministen ger√§ten jetzt wohl ins Schw√§rmen √ľber das sprachliche Bild der weiblichen Fabrik, die durch die Penetration des m√§nnlichen Phallus in Form m√§nnlicher Arbeiter jeden Tag aufs Neue vergewaltigt w√ľrde. Aber ich hielte das f√ľr einen Ausdruck dissoziativer Geistesst√∂rung, Ausdruck progressiven Schwachsinns.
    Warum aber ist Anwendung des generischen Femininums auf Personengruppen problematisch? Wenn man annimmt, dass die männliche Grundform, das generische Maskulinum, beiderlei sex. Geschlechter einbezieht, dann,… jetzt wird’s kritisch … anders:
    Wir haben ein Wort das jemanden beschreibt, der einer T√§tigkeit nachgeht, diese aber nicht zwingend die ganze Zeit aus√ľbt (Widerstreit zwischen Student und Studierendem: Der Student bleibt Student auch wenn er feiert; der Studierende wird zum Feiernden.).
    Der Arbeiter kann m√§nnlich und weiblich sein. Zur zus√§tzlichen Qualifizierung wird bei Bedarf ein weibliches Suffix angeh√§ngt. Suffixe haben linguistisch die Funktion einer Qualifizierung des Wortes, Pr√§fixe dienen der Pr√§-determination. Wenn die weibliche Qualit√§t der Betonung bedarf, wird ein -in rangeh√§ngt und beschreibt ausschlie√ülich nur sexuell weibliche Wesen. „Der Mutterschutz ist f√ľr die Arbeiterin eine wichtige gesellschaftliche Errungenschaft.“ Der Arzt, kann m√§nnlich und weiblich sein, die √Ąrztin nur weiblich. Die Pluralbildung weiblicher Personengruppen ist auch exklusiv des m√§nnlichen und wird dadurch sexistisch. Mit generischem Femininum im eigentlichen Wortsinne und analog zu maskulinem Femininum hat das herzlich wenig zu tun.

    „Da √Ąsthetik f√ľr Gesetzestexte ohnehin zweitrangig ist, schlage ich die schrecklich aussehende Unterstrich-L√∂sung (z.B. Studienbewerber_Innen) vor,“
    richtig erkannt, sie sieht schrecklich aus. Aber genauso wie beim Binnen-I ,und jetzt kommen wir auf den Rechtschreibfehler, stellt sie eine Verletzung s√§mtlicher orthographischer Konventionen dar und hat keinerlei Begr√ľndung im Linguistischen. Es ist eine politische Forderung. Ausdruck einer politischen Ideologie und dadurch weder wissenschaftlich noch f√ľr alle verbindlich vorschreibbar. Die Konvention des Gro√üschreibens ist nur im Wortanfang m√∂glich, urspr√ľnglich sogar nur im Satzanfang. Entwicklung von Sprache und Schrift geben Auskunft dar√ľber, welchem Zweck die Gro√üschreibung dient: Zur Kenntlichmachung des gesamten Wortes, nicht der Betonung bestimmter wortimmanenter Kategorien! Daf√ľr gibt es die Suffixe. Wenn man aber die Sprache mit einem solch arbitr√§ren Konstrukt wie patriarchalischem Sexismus in der Personenbeschreibung befrachtet, muss man sich nicht wundern, wenn man in gesprochener Sprache beiderlei Formen in expressis verbis bedarf und im Schriftbild auf graphische Anpassung setzen muss. Mit Sprache hat das nichts zu tun. Es ist Politik, Ideologie, Unterdr√ľckung, Vergewaltigung.
    Zur Zweigeschlechtigkeit: Die Dichotomie Mann, Frau ist nicht willk√ľrlich. Sie existiert. Zwischengeschlechtlichkeit existiert nicht. Ungeschlechtlichkeit existiert nicht! Wenn die schwachsinnige Lehrstelle sein muss, damit sich Transsexuelle, Intersexuelle, Homosexuelle und andere mit unklarer und abnormer sexueller Identit√§t von der Sprache integriert f√ľhlen wollen: Gl√ľckwunsch! Das gibts bereits! Es nennt sich generisches Maskulinum. Und das was als Zwischengeschlechtlichkeit beschrieben wird, ist im Grunde nur ein verschiedener Anteil in dezidiert m√§nnlichen und weiblichen Eigenschaften, Zuschreibungen und Wahrnehmungen. Ein befreundeter Theologe hat das mal so ausgedr√ľckt: Der ideale Mann ist 100% m√§nnlich, die ideale Frau 100% weiblich. Doch was ist mit empfindsamen M√§nnern und herrischen Frauen. Mit empathischen m√§nnlichen Homosexuellen und schroffen, aggressiven Weiblichen? in ihnen zeigt sich der Unterschiedliche Anteil des m√§nnlichen, wie des weiblichen in der menschlichen Seele.
    In der Tat halte ich diese Konstruktion f√ľr deutlich sinnvoller, weil sie die jahrhunderlang gewachsenen „Vorurteile“, die ja im Grunde auch nur Beurteilungen sind, besser in den Kontext integriert. Die Zwischengeschlechtliche Position versucht alles umzurei√üen und neu zu gestalten und vergisst dabei, dass sie grade f√ľr Intersexuelle eine perverse, rohe, halt- und Identit√§tslose Realit√§t zusammenschraubt, an der solche Menschen zu Grunde gehen. Schon mal aufgefallen, dass es im queer nur die Lauten, aber nicht die Empfindsamen gibt. Nur die knalligen aber nicht die unauff√§lligen? Die bleiben in der Masse verschwunden oder bleiben zu Hause.
    Eine Geschlechterpolitik ohne m/w ist menschenverachtend.
    Ich will an der Stelle auch auf die Bekannteste Transsexuelle Deutschlands hinweisen: Tanja Krienen, hat nach einem bewegten Leben, viele gut lesenswerte und aufschlussreiche Artikel zu dieser Thematik verfasst, die allesamt √ľber das internet auffindbar sind.

    Zum Abschluss eine kleine Denksportaufgabe:
    Hund/Katze,
    Tag/Nacht,
    Mann/Frau,
    Ja/Nein

    Beste Gr√ľ√üe

    PS Um diesen Artikel wissenschaftlich zu gestalten fehlen mir zeit und Ressourcen, auf Literatur habe ich bewusst verzichtet, um mir Aufwand zu ersparen.

  15. Viele Worte geschrieben aber offenbar nicht genau gelesen:

    Durch Verwenden des nicht-sexistischen genus, so die Annahme, sind ohnehin alle Geschlechter und angesprochenen Personen inkludiert eine Aufnahme zus√§tzlicher Formulierungen zur sexistischen, dezidierten Inklusion der nat√ľrlichen Geschlechter, wie von den Gender-Apologeten gefordert, ist unn√∂tig.

    Ich verweise auf die angesprochenen Studien, dass das gM in der Theorie funktionieren mag, in der praktischen Anwendung aber andere Erwartungen produziert. Insofern ist das gM f√ľr mich inakzeptabel.

    Oder ist ihnen neu, dass die Fabrik weiblichen Geschlechts ist? Super-Gender-Feministen ger√§ten jetzt wohl ins Schw√§rmen √ľber das sprachliche Bild der weiblichen Fabrik, die durch die Penetration des m√§nnlichen Phallus in Form m√§nnlicher Arbeiter jeden Tag aufs Neue vergewaltigt w√ľrde. Aber ich hielte das f√ľr einen Ausdruck dissoziativer Geistesst√∂rung, Ausdruck progressiven Schwachsinns.

    Naja, ich verorte den Schwachsinn an anderer Stelle…. Niemand regt sich heute √ľber den m√§nnl. Tisch und die weibl. Fabrik auf (berechtigte Ausnahme: Hoch/Tief/Wettersprache)

    Ich zielte mit meinem Satz auf die Fabrikarbeiterin, die nicht zwangl√§ufig rein weiblichen Geschlechts sein muss (so es das √ľberhaupt gibt).

    Aber genauso wie beim Binnen-I ,und jetzt kommen wir auf den Rechtschreibfehler, stellt sie eine Verletzung s√§mtlicher orthographischer Konventionen dar und hat keinerlei Begr√ľndung im Linguistischen.

    Jetzt kommst du schon wieder auf den Rechtschreibfehler, den ich nicht erkenne. Du glaubst offenbar, ein Binnen-I zu lesen, wo keins steht. Dabei h√§tte dir inzwischen aufgefallen sein m√ľssen, dass ich das in der Regel nicht verwende.

    Es ist eine politische Forderung. Ausdruck einer politischen Ideologie und dadurch weder wissenschaftlich noch f√ľr alle verbindlich vorschreibbar.

    Sprache schafft Realit√§t und ist selbstverst√§ndlich verbindlich vorschreibbar, zum Beispiel f√ľr alle kommunikativen beh√∂rdlichen Prozesse, Stellenausschreibungen etc. Wie dir sicher entgangen ist, geschieht genau das auch schon.

    Zur Zweigeschlechtigkeit: Die Dichotomie Mann, Frau ist nicht willk√ľrlich. Sie existiert. Zwischengeschlechtlichkeit existiert nicht. Ungeschlechtlichkeit existiert nicht!

    Ok, ich konnte nicht erwarten, dass du die verlinkten Texte liest. Ich war im Juni bei einer Anh√∂rung des Ethikrates zum Thema Intersexualit√§t. Die nicht existenten Intersexen vor Ort habe ich genauso wahrgenommen wie die Juristin Frau Prof. Konstanze Plett, die √ľbrigens im Januar in Greifswald einen Vortrag zum Thema halten wird. Ich empfehle nochmal eine Besch√§ftigung mit dem verlinkten Heinz-J√ľrgen Voss, dann wirst du merken, dass es hier nicht um Seele oder Charakter, sondern um Biologie geht!

    Die Zwischengeschlechtliche Position versucht alles umzurei√üen und neu zu gestalten und vergisst dabei, dass sie grade f√ľr Intersexuelle eine perverse, rohe, halt- und Identit√§tslose Realit√§t zusammenschraubt

    Falsch, diejenigen, die sich f√ľr die Rechte Intersexueller engagieren, wollen diese Menschen das erste Mal aus der geschlechtlichen Ausgeschlossenheit herausholen und zum Beispiel die Verst√ľmmelungen im Kindesalter thematisieren. Auch hier√ľber hat vor kurzem ein interessanter Vortrag von Ulrike Kl√∂ppel in HGW stattgefunden.

    „Tag und Nacht“ ist √ľbrigens ein sch√∂ner Abschluss. Bekanntlich ist es ja knallhell und dann auf einen Schlag dunkel, da gibts kein dazwischen, keine Sonnenfinsternis, keine D√§mmerung etc…

    PS Um diesen Artikel wissenschaftlich zu gestalten fehlen mir zeit und Ressourcen, auf Literatur habe ich bewusst verzichtet, um mir Aufwand zu ersparen.

    Na super, und damit disqualifizierst du deinen ganzen hochtrabenden, in höchstem Maße konservativen, ewiggestrigen und patriarchialen Kommentar. Einfach mal einen rausblöken!
    Ich versuche normalerweise hier zu allen Menschen so h√∂flich wie m√∂glich zu sein, aber du passtest mir schon auf dem webMoritz nicht, nicht zuletzt aufgrund deines peinlichen, unversch√§mten und piet√§tlosen HJ-Vergleiches („Aber erz√§hlt den Kindern ruhig, dass Atomkraft b√∂se ist, Menschen und Tiere vergiftet und qualvoll zu Grunde gehen l√§sst, schreckliche Entstellungen verursacht und lasst die 10j√§hrigen sich dann eine eigene Meinung bilden. F√ľr mich dr√§ngt sich da nur der Vergleich auf: Wurden in der HJ nicht auch Kinder zur Erreichung politischer Ziele indoktriniert?“) und ich wei√ü nicht, wie lange ich dich hier dulden und wann ich von meinem digitalen Hausrecht Gebrauch machen werde.

  16. Ich werd mich hier nicht lang rumtreiben, es ging nur um die Auslagerung der Debatte.
    Antworten werd ich Dir, wenn ich Zeit hab, jetzt ruft der bahnhof. Beste gr√ľ√üe

  17. „Sprache schafft Realit√§t und ist selbstverst√§ndlich verbindlich vorschreibbar, zum Beispiel f√ľr alle kommunikativen beh√∂rdlichen Prozesse, Stellenausschreibungen etc. Wie dir sicher entgangen ist, geschieht genau das auch schon.“

    Ein letztes noch (Zug ick hör Dir tuten!)

    Du gehst davon aus, dass Bewusstsein Sein schafft. Das ist ebenfalls eine nicht belegbare Behauptung wurzelnd im marxistischen und der Frage nach dem Richtigen und falschen Bewusstsein.
    Wenn Du dank Dr. Voss so biologie-affin bist, dann sollte Dir auch bekannt sein, dass es sich anders verhält. Sein bestimmt Bewusstsein. Der Mensch ist ein reagierendes Wesen.

    Das Problematische an der Genderforschung ist, dass Sie, wie die feministische Lingusistik auf falschen Axiomen beruht. Und damit hat es sich mit der Wissenschaftlichkeit.
    Studien und Betrachtungen die auf der Grundlage des (widerlegten!) mars’schen „falschen bewusstseins“ oder aus der Kongruenz genus=sexus fu√üen m√ľssen falsche Ergebnisse haben. Aus einem Fehler folgt immer ein Fehler?
    Wo warst du im ersten Semester Wissenschaftsphilosophie?

    beste Gr√ľ√üe

  18. „Ich will an der Stelle auch auf die Bekannteste Transsexuelle Deutschlands hinweisen: Tanja Krienen, hat nach einem bewegten Leben, viele gut lesenswerte und aufschlussreiche Artikel zu dieser Thematik verfasst, die allesamt √ľber das internet auffindbar sind.“

    Von dieser Dame findet man noch viel mehr, allerdings nichts positives.

  19. Pingback: journalizzm

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