Was aus dem ehemaligen Schlecker in der Gützkower Straße wird

Das Jahr 2012 begann in der Fleischervorstadt ohne Drogerie, denn am 31. Dezember 2011 öffnete der Schlecker in der Gützkower Straße zum letzten Mal. Der Konzern, dessen betriebliche Praxis in der Vergangenheit immer wieder für negative Schlagzeilen sorgte, meldete zu Jahresbeginn Insolvenz an und entließ etwa 25.000 der vornehmlich weiblichen Angestellten.

ERMITTLUNGEN WEGEN UNTREUE UND INSOLVENZVERSCHLEPPUNG

Im Juli 2012 eröffnete die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen Konzernvater Anton Schlecker und dreizehn weitere Beschuldigte wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott. Schlecker wird vorgeworfen, schon Jahre zuvor vom finanziellen Ruin des Unternehmens gewusst zu haben und an den darauf folgenden Vermögensverschiebungen beteiligt gewesen zu sein.

guetzkower strasse greifswald(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

KETTEN UND KNOCHEN STATT KLOPAPIER UND BABYCRÈME     

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Nach acht Monaten Leerstand wird nun in der früheren Schlecker-Filiale in der Gützkower Straße wieder gearbeitet und die Vorbereitungen zur Eröffnung eines neuen Geschäfts laufen auf Hochtouren. Inzwischen sind die Fenster mit Papier abgeklebt und die Veränderungen im Inneren des Ladens sind nicht mehr so leicht nachzuvollziehen wie zu Beginn der Arbeiten.

Fakt ist allerdings, dass dort in Zukunft statt Klopapier und Babycrème vorwiegend Fahrräder und die dazugehörigen Ersatzteile verkauft werden. Der siebente Fahrradladen in Greifswald, der zweite in der Gützkower Straße — viel Erfolg!

6 Gedanken zu „Was aus dem ehemaligen Schlecker in der Gützkower Straße wird

  1. Das Jahr 2012 begann in der Fleischervorstadt ohne Drogie, denn am 31. Dezember 2011 öffnete der Schlecker in der Gützkower Straße zum letzten Mal.

    An dieser Stelle ist es journalistisch sehr unsauber, einen Zusammenhang mit der Insolvenz des Schlecker Konzerns zu ziehen. Dieser Schlecker Markt wurde bereits vor der Insolvenz aufgrund ausbleibender Kundschaft geschlossen. Genau wie die anderen Versuche dort einen Tante Emma Laden zu halten.

    1. Das sehe ich etwas anders. Die Insovlenz ist ja nur logische Konsequenz aus der wirtschaftlichen Krise des Konzerns, der bereits 2011 tausende Schlecker-Beschäftigte zum Opfer fielen. Und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart gehen in die gleiche Richtung. Dort will man schon seit 2008 ungewöhnliche Vermögenstransaktionen (weg von der Schlecker hin zur Familie) feststellen können, die beweisen sollen, dass die Insolvenz schon lange vorher klar war und das versucht wurde, der Insolvenzmasse Vermögen zu entziehen.
      Diese Filiale war ja nicht die einzige Schlecker-Filiale, die in Deutschland vor 2012 geschlossen wurde.

  2. Es könnte ein Fehler sein, bei der Betrachtung eines Geschäfts, von oben nach unten zu sehen. Nur aus Filialen, die Gewinn erwirtschaften lässt sich auch etwas abzweigen. Diese Filiale hat aber keinen Gewinn erwirtschaftet. Da kann es keine Kompromisse geben. Wir sollten auch die Veränderung der Gützkower Str. durch den geschlossenen Bahnübergang berücksichtigen. Du selbst schriebst einmal zum Thema : “
    Ich bin mir nicht sicher, ob es nur am geschlossenen Bahnübergang liegt. Bis Sommer 2006 war im Nebenhaus ein Frischemarkt und man konnte in der Fleischervorstadt Lebensmittel (zu sehr üppigen Preisen) kaufen. Ich denke, hier gibt’s kaum Kunden und die Frequentierung ist nicht vergleichbar mit dem Schlecker in der Langen Straße.“

    Damit ist eigentlich auch alles gesagt. Als Schlecker versucht hat sich von den Filialen zu befreien, die keinen Gewinn erwirtschafteten, ging es wahrscheinlich noch darum, eine Insolvenz abzuwenden.

    1. Als Schlecker versucht hat sich von den Filialen zu befreien, die keinen Gewinn erwirtschafteten, ging es wahrscheinlich noch darum, eine Insolvenz abzuwenden.

      Oh Nee, Claus – das geht nun wirklich nicht.
      Das ist mal total unwahrscheinlich – deine Vermutung eines Insolvenzabwendung-Versuchs (ergo: Sanierung) – und dann verklärst du das noch so nett mit „befreien“ und „abwenden“. Du stellst damit irgendwie (unbedacht) Raffzahn Anton S. als gescheiterten Helden hin, der alles versucht hätte. Und das ist blanker Hohn – erst recht für seine Ex-Belegschaft. Mit Sanierung hätte Jahre früher begonnen werden müssen und können – hätte Anton S. mal Jahre vorher bei Zahlungsunfähigkeit die Insolvenz beantragt (sowas kann man nicht abwenden, einfach anmelden!), hätte vielleicht ein Insolvenzplan zu’ner erfolgreichen Sanierung führen können. Irgendwann gibts nichts zu sanieren – und das wusste Anton S., der ist ja kein Dummer. Der denkt nur anders: soviel Vermögen wie möglich rausziehen und nach mir die Sintflut – das war doch die ganze Zeit Anton S. sein Motto. Für sowas gibts dann den bösen Begriff Insolvenzverschleppung. Und niemand in Greifswald weiß was gewesen wäre, wenn Anton S. menschlich eher wie Götz W. Werner (DM-Gründer) gestrickt wäre … vielleicht gäbe es den Schlecker in der Gütze noch, vielleicht nicht. Den Schlecker in der Langen Straße gäbe bestimmt weiterhin und viele andere Filialen in Deutschland. Es hätten jedenfalls nicht alle 13.000 Arbeitsplätze ‚über den Jordan gehen‘ müssen. Also weg mit dem noch so kleinen Heiligenschein für Herrn Raffzahn Anton S. – der hat nichts versucht abzuwenden.

      Hier zum recherchieren:
      Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen schon über Jahre Verluste angehäuft hatte.

      1. Sicher ist die Schließung des Bahnübergangs negativ gewesen, andererseits wurde ja nun in unmittelbarer Nachbarschaft der früheren Schlecker-Filiale das YOUNIQ-Wohnheim eröffnet.

        Wie im Artikel und in meinem ersten Kommentar beschrieben, wird gegen Schlecker wegen Insolvenzverschleppung ermittelt und dem Verdacht nachgegangen, dass Schlecker schon Jahre vorher von der Pleite wusste. Wenn das stimmt, kann es nicht mehr darum gegangen sein, die Insolvenz abzuwenden. Wie auch immer, ohne konkrete Zahlen werden wir uns hier wohl kein Urteil über die Rentabilität der Filiale erlauben können. Aber eigentlich geht es im Artikel weniger um die seit achteinhalb Monaten geschlossene Schlecker-Filiale, als vielmehr darum, dass dort ein Fahrradladen einziehen wird.

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