Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #33

Nur vier Monate sind hier seit der letzten Kulturschau aufs Greifswalder Wochenende vergangen, nichtsdestotrotz soll diese Serie wieder reaktiviert werden, um ausgehfreudigen Kleinstadtstromern einen Überblick potenzieller Ziele an die Hand zu reichen und Veranstaltungen zu empfehlen, für deren die Besuch die einen zu alt und die anderen noch zu jung sind.

Kurze Wege lange Nächte #33

NO-BUDGET-KOMÖDIE: DICKE MÄDCHEN

Die No-Budget-Produktion Dicke Mädchen (D, 2012, 76 min), die Filmemacher Axel Ranisch mit nur etwas mehr als 500 Euro auf die Beine stellte, erzählt die Geschichte Sven Ritters, dessen Mutter Edeltraut an Demenz erkrankt ist.

Die beiden leben zusammen in einer Wohnung. Während Sven tagsüber arbeitet, kümmert sich Pfleger Daniel um Edeltraut. Plötzlich jedoch macht sich die betagte Frau aus dem Staub und verschwindet — auf der Suche nach ihr entdecken die beiden Männer ihre gegenseitige Zuneigung. Der vielversprechende Trailer deutet bereits an, dass dieser Film amüsant werden könnte!

Fakten: 11.04. | 21 Uhr | IKUWO | 3 EUR (Spendenempfehlung)

BASAR DER MÖGLICHKEITEN & ALTERNATIVE ERSTIPARTY

Ach ja, das Sommersemester hat ja vor einer Woche begonnen. Um den Neuankömmlingen und anderen Interessierten einen schnellen Start und einen einfachen Zugang zu alternativen Initiativen zu ermöglichen, findet heute Abend im Klex der Basar der Möglichkeiten statt.

Flyer Nacht der MöglichkeitenDort präsentieren sich ab 18 Uhr verschiedene Gruppen und Vereine wie zum Beispiel GrIStuF, Attac, der Arbeitskreis kritischer Juristinnen (AKJ), die Hedonistische Internationale Sektion Greifswald, Viva con Agua oder das antifaschistische Bündnis, Greifswald Nazifrei. Zum Begleitprogramm gehören Kurzfilme, Workshops und ein kulinarisches Angebot, der Eintritt hierfür ist natürlich frei.

Danach beginnt um 22 Uhr die Alternative Erstiparty, auf der die beiden Tanzflächen von verschiedenen DJs bespielt werden, entsprechend vielfältig wird die Musik ausfallen, von Russendisko bis Elektro ist mit allem zu rechnen.

Fakten: 11.04. | 18 Uhr | KLEX | 2 EUR (ab 21 Uhr 3 EUR)

IMPROTHEATER: MA’ MA ERNST!

Die Improgruppe Ma’ Ma Ernst! des Studententheaters müsste inzwischen ja eigentlich jeder schon mal gesehen haben. Wer hier noch etwas nachzuholen hat, kann das am Freitagabend machen. Beim Improvisationstheater gibt es keinen vorgefertigten Masterplan — das Geschehen auf der Bühne wird maßgeblich vom Publikum beeinflusst, das als Stichwortgeber die Richtung vorgibt und so leider mitbestimmen kann, ob der Abend erfolgreich wird oder nicht.

Stuthe Impro

Fakten: 12.04. | 20 Uhr | Stuthe (Mehring-Str. 48) | 6/4 EUR (erm.)

SINGER/SONGWRITER: ARPEN & THE VOLUNTEERS

In der Kulturbar wird nach wie vor an Singer/Songwriterkonzerten im Schankraum festgehalten. Dieses Wochenende sind Arpen & The Volunteers aus Leipzig zu Gast, die ihr Genre entspannt, womöglich sogar eine Dosis zu affektiert, bedienen.

Fakten: 12.04. | 21 Uhr | Kulturbar | freier Eintritt

DOKUMENTARFILM: IM SCHATTEN DES BÖSEN

Im Schatten

Amnesty International zeigt in der Brasserie Hermann Susanne Babilas Dokumentarfilm Im Schatten des Bösen – der Krieg gegen die Frauen im Kongo (D, 2007, 59min), der in den Nordosten der Demokratischen Republik Kongo führt, wo Milizen einen Bürgerkrieg gegen die Zivilbevölkerung führen. Im Mittelpunkt des Filmes steht das Schicksal von 4 Frauen, die Opfer dieser Gewalt wurden.

Fakten: 12.04. | 20 Uhr | Brasserie Hermann

TANZTEE & FORELLENFRIEDHOF 

forellenfriedhof ueberlaut In den beiden Geokellern darf man auf eine schräge Kombination gespannt sein. Das Veranstaltungskollektiv Forellenfriedhof Ueberlaut macht es sich bei den Geologen gemütlich und kündigt an, sich dort am Tag der Kosmonauten mit David Bowie und Post-Punk aus der Ostzone ein bisschen dichter an den Erdkern kuscheln zu wollen.

Bei den Geographinnen soll indes der große “Pogotanzteeabend voller Punkrock, Ska, Oi, Psychobilly und ganz viel Assipopmusik” steigen. Beide Partys beginnen um 22 Uhr, die Forellen halten jedoch für Frühausgeher bereits ab 20 Uhr eine Überraschung bereit.

Fakten: 12.04. | 22 Uhr | Geologenkeller | 1,50 EUR (für jeden Keller)

TANZZEIT & PREMIERENDUSEL

Getanzt wird auch am Theater Vorpommern, wo die 17. TanZZeiT ihre Premiere feiert und in diesem Rahmen zwei zeitgenössische Choreographien uraufgeführt werden.
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Bei der TanZZeiT arbeiten Mitglieder des hiesigen Tanzensembles mit freien Choreographen zusammen: “In Verbindung mit interdisziplinären Arbeitstechniken und Videoinstallationen entsteht eine choreographische Variante der Konzeptkunst. Praxis und Theorie, Kunst, Wissenschaft und Forschung, sowie Thai Chi, Capoeira, Hip-Hop, Break Dance und Körperwahrnehmungstechniken prägen den zeitgenössischen Tanz in all seinen Variationen.”

Aufgeführt werden Urban Wolf von Yaron Shamir (ISR) und Imperceptible traces of normality von Katarzyna Gdaniec (PL) und Marco Cantalupo (ITA). Wer die Premiere besuchen möchte, sollte sich so schnell wie möglich um eine Karte bemühen.

Fakten: 13.04. | 19.30 Uhr | Theater Vorpommern | 15,5 EUR

JAZZ IM KOEPPENHAUS

Jazzpolizisten sollten am Sonnabend unbedingt das Koeppenhaus meiden, denn dort wird das Mira Falk Quartett auftreten und es könnte ans Eingemachte gehen.

mira falk

Die in Köln geborene Sängerin Mira Falk reist mit dem Kontrabassisten Pat Cleaver, dem Pianisten Kristján Martinsson und dem Schlagzeuger Efraim Schulz-Wackerbarth an. Zusammen präsentieren sie Eigenkompositionen und interpretieren Stücke von Tom Waits bis Benjamin Britten.

Fakten: 13.04. | 21 Uhr | Koeppenhaus | 10/6 EUR (erm.)

ROMEO UND JULIA

Am 2. März wurde Romeo und Julia — Liebe Macht Tod zum ersten Mal dem Greifswald Theaterpublikum vorgestellt und sorgte dabei für ein geteiltes Echo. Die von André Rößler inszenierte Liebestragödie wurde sprachlich modernisiert, in ein aus der Gegenwart gerutschtes Jetzt übersetzt und mit popkulturellen Fingerzeigen angereichert.

romeo und julia

(Foto: muTphoto)

Fakten: 14.04. | 16 Uhr | Theater Vorpommern | 13,50 EUR

SONDERHOLM #7: ORNITHOLOGEN AM SCHEIDEWEG

Zehnmal besser als jeder Tatort ist natürlich das Liveprogramm des Schauspielers Christian Holm, der seinen Sonderholm am Sonntagabend im Koeppenhaus in nunmehr siebenter Variation auf das Publikum loslässt. Sonderholm bewegt sich irgendwo zwischen ganz großer Kleinkunst, Singer/Songwriting, Kabarett, Entertainment und Absurdistan.

Sonderholm(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Sein siebentes Programm heißt Ornithologen am Scheideweg und enthält unter anderem das Live-Hörspiel Teil 7, das Deutsche Filmpreis-Bashing Teil 1, ein Zombie-Protestsong und natürlich: den Verfassungsschutz. Wer am Sonntag keinen Platz abbekommt, hat vielleicht bei der Wiederholung am 17. April mehr Glück.

Fakten: 14.04. | 20.30 Uhr | Koeppen | 5 EUR

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*Der voranstehende Foto-Ausschnitt zeigt das Greifswalder Projekt The Splendid Ghetto Pipers, hinter dem Huey Walker und Bassbees stecken, bei ihrem letzten Konzert am 5. April 2013 im IKUWO. Das Originalfoto wurde von Maria-Friederike Schulze aufgenommen. Eine Aufnahme des Abends findet ihr hier.

4 Gedanken zu „Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #33

    1. tolle vorschau … dieses wochenende scheint ja wirklich (fast) jedes pläsirchen bedient zu werden

      @emma: c u in the hauptstadt … dort ist wie immer “techno all night/day long”

  1. Danke für die schöne Veranstaltungsübersicht! Kleine Korrektur: Kombieintritt gibt’s diesmal allerdings nicht, die 1,50€ gelten für beide Keller getrennt. Unsere Empfehlung: beides mitnehmen und assipunkmäßig durch den Kosmos driften!

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