„Du weinst ja nicht mal.“ — Rezension zur jĂŒngsten Premiere des Theaters H2B

Eine Premierenrezension von Dominik Wachsmann

Wer ist eigentlich diese Marie, von der gerade alle reden?

Marie ist zu einer lokalen BerĂŒhmtheit geworden. Die ganze Schule spricht von ihr, das heißt, eigentlich mehr ĂŒber sie. Mit ihr selbst spricht niemand und auch sie spricht mit niemandem.

Marie ist gerade 16 Jahre alt geworden. Ihre Mutter, die hinter ihrem Smartphone verschwunden ist und die Maries abwesenden Vater tief zu hassen scheint, weiß wohl gerade noch, wie alt ihre Tochter geworden ist. Maries beste Freundinnen haben ihr ein tolles Kleid geschenkt. Drei Tage nach ihrem Geburtstag geht sie in diesem Kleid auf eine Party. Am Ende der Party ist nicht nur Maries Kleid zerrissen, sondern auch ihre Seele.

Flyer zum StĂŒck "Du weinst ja nicht mal"

Chronik eines zerstörten Lebens

Marie ist zu Beginn des StĂŒckes ein lebensfrohes, selbstbewusstes MĂ€dchen. Nach der Party im Haus von Peters Eltern gehört sie zu den ĂŒber 70 % Frauen, die in ihrem Leben mindestens einmal sexuelle Gewalt erfahren haben und von denen es nur eine Handvoll schafft, zur Polizei zu gehen. Warum erstatten die Betroffenen so selten Strafanzeige? „„Du weinst ja nicht mal.“ — Rezension zur jĂŒngsten Premiere des Theaters H2B“ weiterlesen

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Greifswalder Koeppentage 2015

Vor genau 109 Jahren wurde Wolfgang Koeppen in Greifswald geboren. Mit den Koeppentagen erinnert ein jÀhrlich stattfindendes Literaturfestival an Leben und Werk des Schriftstellers, der zu einem der bedeutendsten Romanciers der deutschen Nachkriegsliteratur werden sollte.

Unter dem Titel „Der geborene Leser, fĂŒr den ich mich halte
“ prĂ€sentiert das Koeppenhaus anlĂ€sslich der diesjĂ€hrigen Koeppentage vom 23. Juni bis zum 1. Juli ein wohlkuratiertes Programm. Dazu gehören zwei Ausstellungseröffnungen, Lesungen und GesprĂ€chsrunden mit zeitgenössischen Autoren wie Judith Schalansky und Hans-Ulrich Treichel, ein Vortrag mit dem Leiter des GĂŒnter Grass Hauses in LĂŒbeck und eine literarische FriedhofsfĂŒhrung.

koeppentage greifswald 2015 Die Koeppentage beginnen am Dienstagabend um 19 Uhr mit einer Ausstellungseröffnung des Wolfgang-Koeppen-Archivs der UniversitĂ€t Greifswald, die Einblicke in das passionierte, nicht auf den Bereich der Literatur beschrĂ€nkte Leserleben Wolfgang Koeppens gewĂ€hrt und anhand von FundstĂŒcken aus seiner vielseitigen Privatbibliothek aufzeigt, wie Rezeption und Produktion von Literatur bei Koeppen ineinander ĂŒbergehen. Eine thematische EinfĂŒhrung liefern Philip Koch und Archivleiter Prof. Eckhard Schumacher.

Schumacher hat zusammen mit Katharina KrĂŒger die Koeppen-Ausgabe der literaturwissenschaftlichen Fachzeitschrift TEXT+KRITIK herausgegeben. Beide Herausgebenden werden den „Abend fĂŒr Wolfgang Koeppen“ moderieren, der im Anschluss an die Ausstellungseröffnung um 20 Uhr beginnen wird. Als GĂ€ste werden Raimund Fellinger, langjĂ€hriger Cheflektor im Suhrkamp Verlag, und die ebenfalls wie Koeppen in Greifswald geborene Schriftstellerin Judith Schalansky (Der Hals der Giraffe) angekĂŒndigt. Die Autorin wird einen Text lesen, in dem sie sich und ihr Schreiben in ein VerhĂ€ltnis zu Koeppen setzt. In der darauf folgenden GesprĂ€chsrunde wird Koeppen als Schriftsteller, Briefautor und Leser vorgestellt.

Judith Schalansky Greifswald Judith Schalansky (Foto: Fleischervorstadt-Blog, 2015)

„Lesen mit Koeppen“ heißt die Devise, wenn die beiden Schauspieler Christian Holm und Katja Klemt am Mittwoch jene Autoren in AuszĂŒgen vorstellen werden, denen Koeppen besonders nahe stand. „Greifswalder Koeppentage 2015“ weiterlesen

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Kurze Wege, lange NĂ€chte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #33

Nur vier Monate sind hier seit der letzten Kulturschau aufs Greifswalder Wochenende vergangen, nichtsdestotrotz soll diese Serie wieder reaktiviert werden, um ausgehfreudigen Kleinstadtstromern einen Überblick potenzieller Ziele an die Hand zu reichen und Veranstaltungen zu empfehlen, fĂŒr deren die Besuch die einen zu alt und die anderen noch zu jung sind.

Kurze Wege lange NĂ€chte #33

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Kurze Wege, lange NĂ€chte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #28

Noch bevor der Morgen graut / werden vereinzelt Stimmen laut / daß man sich zwar nicht sicher sei / doch man sei auf jeden Fall dabei / Man wisse zwar nicht / wann und wie es passiert / und ob man gewinnt / oder ob man verliert / Man sei durchaus bereit ein anderes Leben zu fĂŒhren / Im Augenblick stĂŒnde man zwar noch zwischen den TĂŒren (…) / In der Stunde nach Sonnenuntergang / kĂŒndigte sich eine VerĂ€nderung an (…) / draußen wo sich die Nacht mit dem Tageslicht bricht / scheint etwas vor sich zu gehen, daß auch mit betrifft*

kurze wege lange nÀchte header

Die letzten Zuckungen des SpĂ€tsommers fallen am Freitagabend mit der Greifswalder Kulturnacht zusammen. In dieser Konstellation eröffnen sich drinnen wie draußen viele Verheißungen, die fĂŒr wenig Schlaf an einem trotzdem erholsamen Wochenende sorgen werden. Eine Übersicht. „Kurze Wege, lange NĂ€chte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #28“ weiterlesen

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Intendantenwechsel: Ein Ensemble verabschiedet sich

Vor gut einer Woche verabschiedeten sich die nichtverlÀngerten Mitglieder des Ensembles nach der letzten Vorstellung der Koschel-Inszenierung Das Fest von ihrer SpielstÀtte und vom Greifswalder Publikum. Mit dem Arbeitsbeginn des neuen Intendanten Dirk Löschner endet ihr Engagement am Theater Vorpommern.

TOSENDER BEIFALL ZUR LETZEN EHRE

theater vorpommern greifswaldDer Regionalsender Greifswald TV zeichnet in einem ungewohnt umfangreichen Portrait ihr Wirken nach. Darin sind auch die emotionalen Abschiedsszenen festgehalten, in denen nach der letzten AuffĂŒhrung ein sichtlich ergriffenes Publikum „ihr“ scheidendes Ensemble — unter anderem  Eva-Maria Blumenrath, Marta Dittrich, Anke Neubauer sowie Grian Duesberg — feierte.

Diese Aufnahmen wurden mit Archivmaterial ergĂ€nzt und mit aktuelleren Interviews verwoben, in denen die Schauspieler Katja Klemt, Hannes Rittig und Christian Holm sowie die Dramaturgin Catrin Darr und Schauspieldirektor Matthias Nagatis auf ihre Arbeit in Greifswald zurĂŒckblicken, eine Prognose zur Zukunft des Schauspielhauses jedoch vermeiden und ĂŒber die eigene wenig zu sagen vermögen. Willkommen in der PrekaritĂ€t!

Bessere Nachrichten als das BeschĂ€ftigungsende dieser Menschen gibt es indes fĂŒr die Freundinnen des TresenLesens: Die seit 2004 im CafĂ© Koeppen beheimatete Lesereihe bleibt erhalten und wird unter anderem Namen weitergefĂŒhrt. Katja Klemt, Hannes Rittig, Christian Holm, Eva-Maria Blumenrath, Marta Dittrich, Anke Neubauer und Grian Duesberg bleiben dann also vorerst doch noch zu erleben sein.
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LÖSCHNER WIRD BRELIEREN

Unterdessen prÀsentierte das Theater Vorpommern das vom Illustratoren Michael Hahn neuentwickelte Design. Er wird ab der kommenden Spielzeit alle grafischen Arbeiten des Theaters verantworten.

Passend zur thematischen Leitlinie dieser Spielzeit, kein risiko, soll das neue Logo fĂŒr einen „ebenso anspruchsvollen wie risikobereiten Umgang mit dem schwer zu bĂ€ndigenden Element Feuer“ stehen. So richtig mag der Funke allerdings nicht ĂŒberspringen.

kein risiko theater

Das Programm fĂŒr die kommende Spielzeit steht bereits fest. Die beiden Löschners bringen mehrere StĂŒcke aus Stendal mit — hervorhebenswert dabei der Auftritt des Intendanten selbst, der sich in seiner Rolle als Jaques Brel-Chanteur bereits in Stendal bewĂ€hrte. Und wer unmittelbar nach der TanZZeiT 2013 mit Bandscheibenvorfall, einem „Abend fĂŒr Leute mit HaltungsschĂ€den“, aufwartet, beweist wenigstens Humor.

(Abbildungen: Michael Hahn, Theater Vorpommern)

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Kurze Wege, lange NĂ€chte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #27

Es ist das Chaos in den Köpfen / das uns heut Nacht zusammenbringt / In fremden Zungen, fremden Sprachen / we will turn daemons into kings / Man sieht, womit wir also brachen / It’s every song that each man sings / Wir werden kommen, jeden Dienstag / auf einen Schluck vom Elixier*

kurze wege lange nĂ€chteTote Tiere auf heißen Öfen, lauwarmes Bier im Dauerdurchfluss — von den wenigen Konstanten studentischer Feierei kann man sich dieses Wochenende ein differenziertes Bild machen: drei große Veranstaltungen dieser Art werden an diesem Wochenende stattfinden, außerdem ein Goa-Open-Air im Museumshafen, eine Strandsause vom Forellenfriedhof und eine Swingparty im IKUWO. Daneben lĂ€uft der Bundeskongress kritischer Jurastudierender, eine Demo gegen das Handelsabkommen ACTA und das TresenLesen — leider zum vorerst letzten Mal. Eine Übersicht. „Kurze Wege, lange NĂ€chte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #27“ weiterlesen

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