Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #39

Es könnte wieder schlaflos werden: deutsch-dänischer Freejazz, die inzwischen großelterlichen Folkpunker von Mutabor, Soli-Techno und Dubstep im IKUWO, Techno in den Bahnhofshallen, die schwedische Soulband Combo de la Musica und schließlich ein von Jugendlichen organisiertes Benefizkonzert zur Flüchtlingshilfe. Eine Übersicht.

Kurze Wege lange Nächte Candelilla

KEIN PFUSCH: DÄNISCH-DEUTSCHER FREE-JAZZ

FUSK – das ist ein kollaborativer deutsch-dänischer Zusammenschluss aus Musikern verschiedener Jazzbands wie zum Beispiel Kran, QUARTz oder Hyperaktive Kid, die man bereits in Greifswald hören konnte. Kasper Tom Christiansen (dr, comp), Rudi Mahall (bcl), Philipp Gropper (ts) und Andreas Lang (b) erkunden zu viert die Grenzen ihres Genres und loten vorwiegend die Freiräume aus, die ihnen die zum Teil sehr gewagten Jazzkompositionen bieten. Hier paart sich Spielwitz mit komplexen Skalen und Strukturen. Der Bandname fungiert nicht als selbsterfüllende Prophezeiung, denn das Ergebnis ist alles andere als liederlich dahingespielt.

Fakten: 29.11. | 20 Uhr | Koeppen | 10/6 EUR

22. JUBILÄUM: GROSSELTERLICHE FOLKPUNKBAND MUTABOR 

Es gibt keine Liebe auf dieser Welt. Einmal nach Amsterdam fahren. Abgestandenes Bier schmeckt schal. Ich bin ein Lump. Die großen Hits der Folkpunkband mit unüberhörbarem Ska-Einfluss, Mutabor, dürften bekannt sein, sie werden ja auch schon lange genug gespielt. Seit 22 Jahren treiben Mutabor nun ihr Unwesen, heute Abend treten sie in der Mensa auf und versprechen ein Konzert, das definitiv in die Beine geht und die Schweißporen gründlich durchspülen wird.

Fakten: 29.11. | 20 Uhr | Mensa | 18/15 EUR

SOLIDARITÄT: UNSERE PARTY GEGEN IHRE REPRESSALIEN 

Repression? Ist das nicht diese Krankheit, von der auf politischen Flyern immer die Rede ist? Gewiss, der Repressionsapparat ist krank, trotzdem ist er keine theoretische Verschwörungskonstruktion, sondern ein ganz real beobachtbares Phänomen, auch in Mecklenburg-Vorpommern; ganz gleich, ob es um Hausdurchsuchungen, Bußgeldbescheide gegen Antiatomaktivistinnen, Anwerbeversuche vom Staatsschutz oder Knüppel, Pfefferspray und Strafverfahren gegen Menschen, die sich Nazis und ihrem beschränkten Weltbild entgegensetzen, geht.

Unsere Solidarität gegen eure RepressionGlücklicherweise gibt es auch im Nordosten Strukturen, die versuchen, linke Aktivisten bei ihrem Engagement für eine Welt ohne Unterdrückung, Diskriminierung und Ausbeutung, zu unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel die Schwarz-Rote-Hilfe in Rostock sowie die Rote Hilfe in Rostock, Wismar und Greifswald. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil linker Politik in Mecklenburg-Vorpommern und brauchen für ihre Arbeit — zum Beispiel der Einrichtung von Ermittlungsausschüssen bei Demonstrationen oder der Unterstützung von Aktivisten, denen der Staat die Zähne zeigt — finanzielle Mittel. Um diese zu akquirieren und um die Sensibilität für Repression und antirepressive Strukturen zu fördern, laden die roten Helferinnen zu einer Soliparty ins IKUWO.

Dort kann man neben dem Ravepop-Liveact Jång auch Syrender TAX, den IKUWO-Resident Mad Gyver (Dubsteb & D’n’B) sowie das hinlänglich bekannte DJ-Traumpaar Verschnibbt & Zugenäht (Tech House) erleben. Sparfüchse kommen nicht erst zur Party, sondern bereits um 18 Uhr zu einem Vortrag über Festnahmen und (Haus)Durchsuchungen und bezahlen dann für den ganzen Abend nur 2 Euro.

Fakten: 29.11. | 18/21 Uhr | IKUWO | 4/2 EUR +X

DIE ALLERLETZTE BAHNHOFSSAUSE: ROSA TECHON

Zum letzten Tanz in den Bahnhofshallen wurde ja bereits Anfang November eingeladen. Heute steigt dort die allerletzte Party, ehe es Mitte Dezember zur allerallerletzten kommt — dieses Spiel wird wohl bis zum Frühjahr so weitergehen.

Rosa in den Bahnhofshallen

Angekündigt werden Klangkünstler, Kotelett & Zadak, Binto und Moon in my Pocket. Frostbeulen sollten sich angesichts der Location und der Außentemperaturen sehr sehr warm anziehen oder verflucht schnell tanzen!

Fakten: 29.11. | 23 Uhr | Bahnhofshallen | 10/8 EUR

SOULPOWER: COMBO DE LA MUSICA 

Combo de la Musica aus Schweden waren bereits im vergangenen Jahr schon einmal im IKUWO und hinterließen dort einen bleibenden Eindruck. Ihre Musik — ein Bastard aus Soul, Latin, Funk und Jazz — geht in die Beine und brachte schon bei ihrem ersten Konzert in Greifswald das anwesende Publikum in Bewegung. Dafür ist nicht zuletzt die grandiose Sängerin und Frontfrau, Kristin Amparo, verantwortlich. Diese Musikerin hat soviel Soul im Blut, dass man sich fragt, ob sie als Kind nicht in irgendeinen Kessel gefallen sei. In Schweden und in der Soul-Jazzszene Europas werden die virtuosen Combo de la Musica spätestens seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle Why als musikalischer Geheimtipp gehandelt.

Fakten: 30.11. | 20 Uhr | IKUWO | 6 EUR 20:00

SOLIDARITÄT II: BENEFIZKONZERT FÜR FLÜCHTLINGSHILFE 

Mehr als 19.000 Flüchtlinge haben in den letzten 25 Jahren ihr Leben bei dem Versuch verloren, die Festung Europa zu überwinden – die meisten im Mittelmeer. In Hamburg fanden vor ein paar Monaten etwa 80 von 300 Überlebenden Unterschlupf in einer Kirchgemeinde in St. Pauli. Über das Greifswalder Projekt Lebenswelten – Jugend findet Stadt, haben sich in den vergangenen Monaten Jugendliche getroffen und vernetzt, denen das nicht egal ist und die vor Ort Kontakt zu Flüchtlingen aufgebaut haben und sie unterstützen. Da schimpfe mal noch jemand auf die Jugend!

Rassismus totetet

Und weil Solidarität praktisch werden muss, haben diese Jugendlichen ein Benefiz-Konzert mit nicht weniger als sechs jungen Greifswalder Bands auf die Beine gestellt. Angekündigt werden Eradication, Schuhkarton-Poesie, Sky Below, Sunshine Baggys, Two Inches Silence und Salt’n’Pepper. Vor dem musikalischen Reigen, der gleichsam als Nabelschau zum Stand junger Musik in der Hansestadt taugen kann, wird ein Vortrag über die Situation von Flüchtlingen in Europa informieren. Mit den Erlösen des Konzerts sollen Spenden für die direkte Hilfe gesammelt werden. Say it loud and say it clear, refugees are welcome here!

Fakten: 30.11. | 19 Uhr | KLEX | 3 EUR + X

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Das Titelfoto zeigt die Gruppe Candelilla aus München. Es wurde am 8. November 2013 bei ihrem Konzert im IKUWO von Maria-Friederike Schulze aufgenommen.

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