Podiumsdiskussion über bezahlbaren Wohnraum in Greifswald

Bei der Podiumsdiskussion über Wohnraum und Mieten in Greifswald werden sich heute Abend die Diskutanten keinen Zentimeter schenken! Das kündigt nicht etwa das vor kurzem gegründete Aktionsbündnis bezahlbarer Wohnraum für Greifswald (Facebook) an, das zu der Veranstaltung im Bürgerschaftssaal des Rathauses einlädt, sondern es lässt sich vielmehr zwischen den Zeilen einer Eilmeldung von Axel Hochschild — Vorsitzender des CDU-Stadtverbands und wichtigster Mann politischer Realsatire in der Hansestadt — herauslesen.

“Der Wohnungsmarkt ist keine Spielwiese für selbsternannte sozialistische Jungpolitiker!” (Axel Hochschild, CDU)

hochschild fck szlsms
(Montage: Fleischervorstadt-Blog)

Der Kommunalpolitiker, für dessen Partei es in den vergangenen Monaten in Greifswald nicht so gut gelaufen ist — nach verlorener Bürgerschaftsmehrheit und -präsidentschaft drohen jetzt schlimmstenfalls auch noch die Posten des Oberbürgermeisters und des ersten Dezernenten abhandenzukommen — meldete sich noch gestern Nacht mit einer Pressemitteilung auf die ihm eigene Art zu Wort: Das Aktionbündnis würde private Vermieter, Genossenschaftler, “ja selbst unsere WVG” diskreditieren und ihnen pauschal unterstellen, zu Lasten der Mieter Riesengewinne einzufahren.

Dabei würden die Organisatoren des Aktionsbündnisses suggerieren, dass es in Greifswald keinen bezahlbaren Wohnraum gäbe: “Sie appellieren an die niedrigsten Gefühle, an Neid und Missgunst! Ihnen geht es nicht um unsere Heimatstadt und unsere Bürger.“ Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Nein, geht es nicht! „Eine sozialistische Planwirtschaft und ein sozialistisches Wohnungsbauprogramm wird es mit uns nicht geben!“, schließt Axel Hochschild seinKommuniqué beruhigend ab.

oz-wvg-greifswald600(Schlagzeilen der Ostsee-Zeitung von 2012 und 2013 über die Bilanzen der WVG) 

Das Aktionsbündnis erklärt in seiner Einladung, dass die Mieten in Greifswald seit Jahren steigen würden und sich in der Hansestadt die Mietspirale sehr schnell nach oben bewegen würde — im bundesweiten Vergleich, wohlgemerkt. Auf der offenen Podiumsdiskussion, zu der unter anderem Andre Bleckmann (FDP), Oberbürgermeisterkandidat Stefan Fassbinder (Grüne), Jörn Kasbohm (Die Linke), Milos Rodatos (Piratenpartei), Michael Steiger (Alternative Liste) und Erik von Malottki (SPD) angekündigt werden, sollen mit allen Interessierten Maßnahmen diskutiert werden, mit denen man dem Anstieg der Mieten und der Knappheit von Wohnraum entgegensteuern kann.

  • Der Wohnungsmarkt ist keine Spielwiese für selbsternannte sozialistische Jungpolitiker! (CDU Greifswald, 09.04.2015)

Fakten: 10.04. | 18 Uhr | Rathaus

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23 Gedanken zu „Podiumsdiskussion über bezahlbaren Wohnraum in Greifswald

  1. Wenn es an Argumenten fehlt, wird eben die gute alte Pathoskiste aufgemacht und mit dem Gernegroßzauberstab drin rumgestochert.
    “Ihnen geht es nicht um unsere Heimatstadt und unsere Bürger.”
    Wenn es Dulli Hochschild und seinen korrupten Unionsgenossen mal um Stadt und Bürgerwohl gehen würde, hätten sie Ideen, Vorschläge, Strategien oder konsensuale Ansätze parat, um das Problem der hohen Mieten anzugehen. Da es ihnen aber wurst ist, werden Nebelkerzen gezündet und die arme arme WVG in Schutz genommen.
    Kann man drüber lachen, kann man aber auch ekelhaft finden.

  2. Hab ich das jetzt richtig verstanden: Bei der Diskussion* ist kein CDU’ler dabei?
    (Bearbeitet: *Ich meine hierbei die Podiumsdiskussion heute Abend)

    1. Ich habe es so verstanden, dass selbstverständlich auch die CDU eingeladen wurde — u.a. Axel Hochschild höchstpersönlich –, aber bis vorhin noch keine Bestätigung da war, dass jemand von den Christdemokraten kommen wird.

      1. Ja, die CDU und Axel Hochschild wurden eingeladen. Allerdings hatte von der gesamten CDU-Fraktion am Freitag bedauerlicherweise niemand Zeit, weshalb man freundlicherweise auf die hier besprochene Pressemitteilung verwies. 😉

  3. Meine persönliche Meinung ist, dass es in der CDU eine klare Aufgabenteilung gibt: Herr Hochheim kann sich als verträglicher Kandidat präsentieren. Er ist höflich und besonnen. Herr Hochschild hingegen ist da um auf die Kacke zu hauen und somit auch Wähler an die CDU zu erinnern, die eben auf diesem Niveau denken.

    Der Zusammenhang ist glaub ich nicht klar und müsste viel klarer werden. Wer den netten Herrn Hochheim kauft, kauft eben auch den prolligen Hochschild.

    Das gleiche auf Bundesebene: Der Mist, den die CDU macht, bleibt nie an Merkel haften – im Gegenteil wird die CDU ja wegen Merkel gewählt. Ich finde das Paradox.

    1. Sie haben völlig recht: ” ….er ist höflich, nett und besonnen….”und damit wird er auch ein sehr guter Oberbürgermeister für alle Greifswalderinnnen und Greifswalder!
      GREIFSWALD-GEMEINSAM-GESTALTEN !

      1. Zum Glück ist aber auch Herr Fassbinder höflich und besonnen (Sie haben mich da falsch zitiert) und steht somit Herrn Hochheim in diesem Punkt nicht nach.

        Herrn Fassbinder traue ich aber mehr zu als ein “weiter so” und darum ist er für mich der geeignetere Kandidat. Vor allem aber sehe ich nicht, dass die CDU in Greifswald sich um alle Greifswalder gleichermaßen bemüht. Als Student habe ich mich häufig als Bürger zweiter Klasse behandelt gefühlt. Das muss endlich aufhören.

        1. Wo habe ich Sie falsch zitiert?
          Sie hatten um 3:49 pm folgendes geschrieben: ” Herr Hochheim kann sich als verträglicher Kandidat präsentieren. Er ist höflich und besonnen.”
          Wie Sie jetzt plötzlich Herrn Fassbinder in die Geschichte zaubern ist schon “Großes-Kino”.
          Das Sie als Student hier in HGW offenbar gelitten haben, tut mir aufrichtig leid. Wie äußerte sich denn dieses Gefühl, ein Bürger zweiter Klasse zu sein? Vielleicht kann man das irgendwie gemeinsam aufarbeiten.

          1. Ich glaub es ist müßig Ihnen das genauer zu erklären.

            Auch an einer Aufarbeitung mit Ihnen bin ich nicht interessiert. Gestern wäre ja eine Chance gewesen sich inhaltlich auseinanderzusetzen, aber die große CDU hat ja eine offene Diskussion gemieden.

            1. Schade, ich wollte Ihnen doch nur helfen.
              Welchen gestrigen (Samstag) Termin meinen Sie? Ich war gestern mit ca. 100 netten Greifswaldern auf einem sehr schönem CDU-Frühlingsfest. Mehr Termine hatte ich Samstag nicht.

              1. Sind sie es wirklich? Wenn ja, das nenne ich dreist. Seit Jahren beschimpfen sie Studierende für Ihr politisches Engagement. (Übrigens auch oben im Beitrag.) Fahren mit der CDU Greifswald seit Jahren eine gegen Studierende gerichtete Politik(Wohnraum, Abschaffung Wohnsitzprämie, Hühnerplakat usw.) und fragen hier auch noch so scheinheilig warum man sich als Bürger zweiter Klasse fühlt.

                1. Hallo grüner Berliner. Ja ich bin es wirklich. Ich bin richtig stolz auf unsere Studierenden an unser Ernst Moritz Arndt Universität.
                  …Hühnerplakat?

                1. Sie können gar nicht der echte Hochschild sein, der ist nämlich auch nur ein Hologramm aus längst vergangenen Tagen.

    1. Es gab da einen Übertragungsfehler zwischen Planung und Ausführung. Geplant war es, die Fraktionen der Bürgerschaft einzuladen, tatsächlich wurden aber alle Parteien/Wählergruppen kontaktiert.

  4. @FBMri:
    Ein wirklich interessanter Vergleich, denn es stimmt – die Kanzlerin und der OB-Kandidat erscheinen höflich und besonnen.
    Aber – die Kanzlerin kann sich von dem Hardliner in der schwarzen Fraktionsgemeinschaft auf Bundesebene recht einfach distanzieren, so dass dessen Aussagen (im Namen der Schwesterpartei) nicht von ihrer Person (und Partei) geschultert werden müssen.
    Auf Lokalebene in Greifswald dürfte vom Hardliner jedoch eine Menge abfärben. Denn dieser spielt als Vorsitzender des CDU Stadtverbandes eine wesentliche Rolle in der Greifswalder CDU. Demzufolge muss auch der hiesige CDU-Kandidat dessen Reputation mittragen.

    @Alle:
    Da es absolut nicht sein kann, dass die für das teuer vermietende »Klientel« gemachten Aussagen zur Mietpreisbremse von der teuer mietenden »Mehrheit« unbemerkt bleiben, sollte diese offensichtliche Klientelpolitik für die Mehrheit in einer familienfreundlichen Universitätsstadt ja wohl absolut unwählbar sein.

    Theoretisch hat also »Der auf die Kacke hauenden Malermeister« seinem CDU-Kandidaten einen Bärendienst erwiesen. Verdient wäre es – denn vor einem verdienten Fall kommt ja bekanntlich immer ein Herr Hochmut. 😉

    -FIN-

    1. Lieber kapitulist,

      so richtig Ihre Analyse ist, so wenig wird sie wohl gehört werden. Warum? Wir haben es in Greifswald sehr heftig mit der so genannten Gatekeeper Problematik zu tun (http://de.wikipedia.org/wiki/Gatekeeper_%28Nachrichtenforschung%29). Es gibt keinen Meinungspluralismus in Greifswald, weil es nur eine lokales Blatt gibt. Dieses lokale Blatt ist fast druchgängig besetzt mit Parteigängern vor allem der FDP und CDU in den meinungsbildenden Stellen (Chefredakteur/Lokalredakteure). Das Blatt nutzt seine Monopolstellung auch ungeniert dazu aus, um die politische Richtung im öffentlichen Diskurs zu bestimmen und gegenläufige Meinungen zu marginalisieren. Was im Endeffekt einer Unterdrückung anderer Meinungen gleichkommt. Allein im diesjährigen OB-Wahlkampf ließen sich unzählige Beispiele dafür bringen.

      Aktuellstes Beispiel die Story um das Philipp-Müller-Stadion:

      Eine Partei, die den Wirtschaftsminister stellt, geht zu *einem* Verein in dem dieser mal gekickt hat und rät diesem einen sehr aussichtsreichen Fördermittelantrag zu stellen, bei dem der Verein 10% der Summe selbst aufbringen muss. Ich vermute mal, dass das mal wieder über den Wirtschaftsrat der CDU lief (https://www.wirtschaftsrat.de/wirtschaftsrat.nsf/id/was-ist-der-wirtschaftsrat-de?open&ccm=000100010). Das ist der Hinterzimmerparteisozialismusverein der Unternehmern in der CDU, dessen Rolle viel zu wenig beachtet und verfolgt wird. Bis zum Entscheid in der Bürgerschaft wusste NIEMAND außer der CDU, dass der Verein die Eigenmittel aufbringt. Es stellte sich für die Bürgerschfat also so dar, als ob die Stadt dies tragen müsste. Und dann muss die die Bürgerschaft natürlich gucken, für was sie das Geld einsetzt. Und das PM-Stadion steht/stand nicht auf der Prioritätenliste der Stadt. Nachdem die Enstcheidung also gegen das PM-Stadion fiel, macht die CDU öffentlichen Radau und tut so, als rette sie den Verein und alle anderen würden den armen Fußballern nichts gönnen (OZ 15.4.).
      Wie hätten Sie denn entschieden unter der gegebenen Sachlage? Wer hat hier wen ausgetrickst? Hinweis: Die Verwaltung hat den Auftrag sachgerecht und umfassedn zu informieren, vorab! Insbesondere über finanzielle Aspekte.

      Ich fände es Klasse, wenn Jockel als gelernter Kommunikationswissenschaftler hier mal mehr Licht ins Dunkel bringen könnte. Zumal ja sicherlich auch etliche Pressemeldungen bei Ihm auflaufen werden und er damt eine gute Position für eine mediale Input/Output Analyse hätte. Und die Techniken noch dazu.
      Wie dem auch sei, sie würden dies auch selber sehr schnell merken, wenn Sie sich mal testweise in die Niederungen der Lokalpolitik begeben und dort eine rudimentäre Input/Output Analyse vornehmen (http://le-bohemien.net/2011/02/12/der-mythos-der-freien-presse/).

      Mein Tipp: Besuchen sie einmal eine Bürgerschaftssitzung. Hören sie aufmerksam zu, behalten sie vor allem die Metabenene im Blick. WER sagt was, dann WAS gesgat wurde und vergleichen Sie, was Sie am nächsten oder übernächsten Tag davon in welcher Detung in der Zeitung steht.
      Sie werden nicht umhin kommen zu glauben, dass sie beide auf getrennten Veranstaltungen zugegen waren.

      1. Bei mir laufen grüne Pressemitteilungen auf, die CDU schickt mir keine, aber veröffentlicht viele auf ihrer Homepage. Ich freue mich über aktive Leser und Leserinnen und möchte dazu ermuntern, die Sache möglicherweise im Rahmen eines Gastbeitrags zu erforschen 😉

      2. Räuber:
        An dieser Stelle Entschuldigung meinerseits an Sie: Wenn man sich mit Ihrer umfassenden These länger auseinandersetzt, muss man an ihr nicht alles negieren.

        Meine genauere Betrachtung unserer Lokalpresse in jetzigen Wahlkampfzeiten finden Sie hier im Blog (Kommentar 11, 19. April). Diese können Sie gern mit Ihren Gedanken ergänzen. 😉

    2. Wir sind hier nicht in Pjöngjang,‚Räuber’ –
      und werden es auch niemals sein.

      Räuber. Ihre Gatekeeper-Paranoia teile ich nicht. Der Grund ist in der dritten Zeile Ihrer Quelle nachzulesen: „Mit dem Aufkommen des Internets […] wird die Gatekeeper-Funktion der Massenmedien jedoch in ihrer Wirkung zunehmend außer Kraft gesetzt.“.

      Natürlich liegen Sie richtig damit, wenn Sie der Ostsee Zeitung (OZ) das Monopol der lokalen Tagespresse zusprechen. Dieser Greifswalder OZ die journalistische Qualität abzusprechen ist ebenfalls legitim, denn das tun die meisten ihrer Leser/innen. Die Mehrheit der OZ-Lesergemeinde ist nicht begriffsstutzig wie es Ihr Kommentar impliziert.

      Verstehen Sie mich bitte nicht falsch:
      Ihre These, dass die OZ versucht die mehrheitliche Meinung für die OB-Wahl zur CDU hin zu manipulieren, halte ich für falsch und sie lenkt vom Wesentlichen ab! Es ging in Jockels Beitrag um ein Podium zum bezahlbaren Wohnraum. In meinem Kommentar gebe ich genau dazu ein Statement und eine Wahlempfehlung.
      Und dann kommen Sie ums Eck und schwadronieren von der bösen Macht der OZ. Geht’s noch …Damit machen Sie einen Nebenkriegsschauplatz auf, der von der Abwahl asozialer Klientel-Politik (FCK SCLSM ) einfach nur ablenkt.

      Deshalb mein Appell an Sie:
      „Ich … hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben“
      [Die Räuber V, 1 / Friedrich Schiller];)

      FAZIT:
      Ich glaube nicht an die böse Macht der OZ sondern an den gesunden Menschenverstand.
      Die wirklichen Probleme dieser Stadt sind offensichtlich: die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt springt jedem ins Auge. Diese belanglose „Stadion-Debatte“ ist doch auch nur so ein Nebenkriegsschauplatz, der ablenken soll.
      Wie schon der Malermeister in seinem Statement zum bezahlbaren Wohnraum durchblicken lässt: Ein CDU-Mann wird nicht dafür zu begeistern sein, soziale Missstände abzuschaffen, weil die CDU eben ihr vermietendes Klientel bedienen muss und dafür sorgen wird, dass „die Buddies aus der eigenen Reihe mal wieder was abbekommen.“ (Zitat aus einer messerscharfen Analyse von Räuber!). Die Mehrheit – wahlberechtigte Studierende, junge Familien, Arbeitnehmer in prekären Anstellungen und Erwerbslose – lebt in Mietwohnungen und hat kaum Geld, um es an diese Buddies zu verschenken.

      Entweder ändert sich am 26. April nichts, weil die Meisten wieder mal »Hochheim G gemeinsam W ählen«. Oder aber die Mehrheit folgt dem Kandidaten, der mit einer akkuraten Parole:
      »Ein Greifswald für Alle«(!) unterwegs ist.

      Die Wahl dürfte ziemlich einfach sein.

      -FIN²-

  5. Frage am Rande:

    Dass sich im CDU/Liskow-Haus am Markt 4 das Büro von Kabel Deutschland befindet und die städtische Wohnungsgesellschaft WVG alle Neumietverträge zwangsweise mit einem TV-Anschluss-Vertrag selbiger Firma versieht, ist sicher reiner Zufall oder?

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