250 Personen demonstrierten gegen Kriminalisierung linker Räume

Auf der wohl heißesten Demonstration der jüngeren Stadtgeschichte protestierten gestern zahlreiche Greifswalder gegen rechte Meinungsmache und die Kriminalisierung linker Politik. 

Sonntag, 14 Uhr, Marktplatz. Die Sonne brennt. Erst auf den zweiten Blick nimmt man die Personen wahr, die sich auf der Suche nach Schatten an die Rathauswand schmiegen und darauf warten, dass ihre Versammlung beginnt. Anlass der Demonstration ist die Hausdurchsuchung im IKUWO vor gut einer Woche sowie die anschließende Berichterstattung von Polizei und Presse über den Raub eines Verbindungsbandes in der Nähe des alternativen Kulturzentrums.

Trotz Ferienzeit und tropischen Temperaturen haben sich etwa 250 Personen auf dem Markt versammelt. Auf Bannern und Pappen drücken die Teilnehmenden ihre Solidarität mit dem IKUWO aus und wehren sich gegen die rechte Kampagne, mit der zuletzt CDU und AfD versuchten, aus dem Vorfall politisch Kapital zu schlagen.

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Die Rechtspopulisten der AfD, darunter Landtagsmitglied Ralph Weber, der gescheiterte Landratskandidat Axel Gerold und AfD-Mann Nikolaus Kramer von der Schüler-Burschenschaft Ernst-Moritz-Arndt, waren ebenfalls auf dem Markt. Sie verschanzten sich in Sichtweite vor dem Alten Fritz hinter ihren Biergläsern. Der Redebeitrag wird lachend kommentiert. Weber verliert für einen Moment die Contenance und brüllt etwas Unverständliches auf die andere Seite des Markplatzes. Nacheinander erheben sich mehrere AfDler, nähern sich der Demonstration, machen ein paar Fotos und klopfen sich später ob der bestandenen Mutproben die Schultern. Viel mehr geschieht nicht.

Bei den Demonstrierenden fruchten die Provokationen nicht. Viele Leute aus der Greifswalder Initiativen- und Vereinsszene sind gekommen, auch Musikerinnen und Kommunalpolitiker (SPD, Grüne, DIE LINKE und forum 174), Bewohner anderer Hausprojekte, Geflüchtete, Familien und ältere Mitbürgerinnen. Zusammen bilden sie für etwa drei Stunden einen heterogenen Demonstrationszug, der seine Runde ohne Zwischenfälle oder Unterbrechungen durch die Stadt dreht. In mehreren Redebeiträgen werden natürlich die Hausdurchsuchung des IKUWO im Besonderen und repressive Tendenzen gegenüber linken Strukturen im Allgemeinen thematisiert.


Doch damit erschöpft sich das inhaltliche Programm allerdings noch nicht, denn auf der Demonstration waren auch Aktivistinnen der europaweiten Kampagne „SEEBRÜCKE – Schafft sichere Häfen“ vertreten. Vor dem NDR-Gebäude am Hafen problematisierte eine Sprecherin dieser Gruppe das hingenommene Sterben im Mittelmeer und forderte die Greifswalder Bürgerschaft in einem Redebeitrag dazu auf, dem Vorbild von Köln, Düsseldorf und Bonn zu folgen. Diese drei Städte wandten sich kürzlich in einem emotionalen Brief an Bundeskanzlerin Merkel und machten sich für die Aufnahme in Not geratener Geflüchteter in ihren Kommunen stark.

Die Demonstration bewegte sich anschließend weiter zum Markt und zog von dort durch die Innenstadt bis zur Bahnhofstraße. Nach etwa drei Stunden endete sie mit einer Abschlusskundgebung auf dem Bonhoeffer-Platz vor dem IKUWO. Der Verein bedankte sich anschließend bei allen, die sich für das Projekt und damit für einen Ort der Begegnung in der Stadt eingesetzt haben. Man versprach, sich auch zukünftig nicht einschüchtern zu lassen, wenn es darum geht, sich in Greifswald und darüber hinaus kulturell und politisch zu engagieren.

Die Demonstration war trotz der hohen Temperaturen, der Ferien- und Urlaubszeit sowie der kurzfristigen Organisation ein voller Erfolg. Sie unterstrich einerseits die breite Unterstützung für das IKUWO, und verdeutlichte andererseits den Zusammenhalt der alternativen Szene Greifswalds.

(Fotos: Fleischervorstadt-Blog)

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