Der Fleischervorstadt-Flohmarkt 2015 in bewegten Bildern

Zufriedene Gesichter, Glück mit dem Wetter und viele positive Rückmeldungen — viel mehr bleibt über den diesjährigen Fleischervorstadt-Flohmarkt an dieser Stelle kaum zu sagen, deswegen können die zusammengeschnittenen Bildeindrücke von Lucas Treise eigentlich auch ganz gut für sich allein sprechen.

Festgehalten: Huey Walker in der Alten Bäckerei

Am vergangenen Freitag waren viele Ausgehfreudige im Rahmen der Kulturnacht unterwegs und schlurften angeheitert durch den Abend. Huey Walker folgte diesem Beispiel erstmal nicht und richtete es sich stattdessen in der Alten Bäckerei behaglich ein.

Mit einstündiger Verspätung begann er seine Loop-Performance und schickte eine Raum- und Kopfgeburt aus Ambient, Firlefanz und Frickelei in die Welt. Aus der Verborgenheit des Schaufensters heraus konnte sich Walker im Laufe des Spätnachmittags in einige Wohnzimmer stehlen. Dorthin, wo die Empfangsgeräte auf den richtigen Kanal getrimmt waren.

Huey Walker in der Alten Bäckerei

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(Foto: © Mathias Strüwing)

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Von der Performance gibt es einen hier und da unterbrochenen Mitschnitt im Stream, der mit etwas Geschick auch heruntergeladen werden kann. Das erste Exzerpt wurde auch bereits bei Soundcloud veröffentlicht und kann dort gehört werden. Mehr Bilder gibt es auf Hueys Facebook-Seite. Go, Walker go!

Abeamsentpets by Huey Walker

Kurze Wege, lange Nächte – das Greifswalder Wochenende im Überblick #11

„So stehen wir vor den Himmelstoren / doch alles schweigt und unser Pochen bleibt ergebnislos / Wir wollten gerade wieder gehen / doch dann kam Lärm aus diesem zwielichtigen Kellerloch / Wir sehen das glühend rote Licht / das unterirdisch flackernd ist / die größte Party der Geschichte / ist scheinbar ohne uns in Gang“

kurze wege lange nächte 11Dieses Wochenende wird von der stadtweiten Kulturnacht dominiert, die nun zum neunten Mal stattfindet und eine Vielzahl von Veranstaltungen offeriert. Besondere Aufmerksamkeit sollte man dabei zwei Veranstaltungen zuteil werden lassen, die auf diametrale Arten mit dem Internet verwoben sind: Franziska Harnisch eröffnet eine Ausstellung, in der sie ihre prokrastinative Facebook-Welt auf die Leinwand hievt, während Huey Walker auf der anderen Gegenfahrbahn einen Ambient-Stream anzettelt und diesen ins Netz jagt.

„R.L. SOLL MAN K.“: VERNISSAGE IN DER NEUEN WIRKSTATT

franziska harnischR. L. soll man k. lautet der Titel, unter dem sich die Greifswalder Kunststudentin Franziska Harnisch mit Fragen von Repräsentation, Privatsphäre und Geschlecht auseinandersetzte. Ihre Arbeitsthese: „Frauen, die Lippenstift tragen, wollen damit nur auf ihre Vagina hinweisen“. Diese Ausstellung soll bereits in den vergangenen Monaten für Zündstoff gesorgt haben.

Die Vernissage wird von einer Lesung des hiesigen Autorens Jürgen Landt begleitet. Mit der Ausstellung wird in den Räumlichkeiten des früheren Malorts die sogenannte Wirkstatt eröffnet.

Fakten:
16.09. | 18 Uhr (Vernissage) | Wirkstatt (Gützkower Str. 83)
16.09. | 20 Uhr (Lesung) | Wirkstatt

Hinweis: In einer früheren Version des Beitrags ging es um eine andere Ausstellung Harnischs, die sich tatsächlich mit den Facebook-Profilbildern auseinandersetzte. Bild und Text wurden verändert.

IMMER IN BEWEGUNG: HUEY WALKER

Genau entgegengesetzt agiert Wunderwuzzi Huey Walker aka Lofi Deluxe aka Fantaghiro Konto, der sich schon am Nachmittag im entschleunigten Ruheraum der Alten Bäckerei einnistet und die aus der behaglichen Abgeschiedenheit herauswachsende Soundkulisse in einen Live-Online-Stream verwandelt.

huey walker cover„Über mehrere Stunden werden Huey und seine Instrumente sich in kontemplativer Einheit üben und in spontanen Rückkopplungen zwischen Mensch und Maschinen ein mehrstündiges Konzert zwischen Ambientmusik, Klangcollage und Geräuschgerumpel spielen.

Mit Loopmachine und Effektschleifen erzeugt Huey Walker ein ausgedehntes Klangland, in dem die Töne mal wild und Haken schlagend in der Gegend herumtollen, mal beharrlich in sich selbst verweilen und als cosmic drone in den Eigendynamiken der schwingenden Frequenzen mäandern.“

Walker wird aus diesen Aufnahmen die Mini-CD Abeamsentpets herausschälen, die kurz darauf veröffentlicht werden soll. Die Performance, die er selbst in der Bewegungsreihe der Alten Bäckerei verortet, findet im Schaufenster des Kunstraums statt. Für diesen Aufruhr gibt es sogar einen Videotrailer.

Der Live-Stream des Konzert wird ab 17 Uhr auf der Website des Künstlers realisiert und kann dort später auch heruntergeladen werden.

Fakten: 16.09. | 17 Uhr | Alte Bäckerei

FRÜH INS BETT: KULTURNACHT

Zur neunten Kulturnacht öffnen nicht weniger als 37 Veranstaltungsorte ihre Türen und bieten die unterschiedlichsten Bildungs- und Zerstreuungsofferten an. Die reichen vom noch immer musizierenden Puhdys-Nachwuchs Bell, Book and Candle („Rescue me“) über die klassische Kneipen-Blues-Band bis zum Kammerchorkonzert im Dom.

Außerdem werden Vorträge, Führungen, Ausstellungen und Lesungen angeboten, zum Beispiel im Erotikfachgeschäft Sarabande, das wie schon im letzten Jahr mit von der Partie ist und wo heute Abend die Kurzgeschichtensammlung Sexlibris vorgestellt wird. Die Geschichten der 30 Autorinnen malen um ein vielfältiges Bild von Erotik und Sexualität, es geht um „verbotene Begierden, Voyeurismus, Transvestiten, Telefonsex, lesbische Beziehungen, Bondage und  käufliche Liebe“.

kulturnacht greifswaldIn den Insomnale-Hallen am Bahnhof entgrenzen ab 18 Uhr die Kunstfreundinnen von Polly Faber den beschränkten Kosmos beliebter Gesellschaftsspiele. Tangoliebhaber kommen im Koeppen auf ihre Kosten, wo sich die Freunde des vollen Mondes ihrer Leidenschaft für sowohl klassisch-argentinische als auch melancholische Spielarten finnischer Schule hingeben werden.

Im Ravic geben sich traditionsgemäß die Hanselunken die Ehre und in der Museumswerft spielen ab 20.30 Uhr Pergünth. Für den Tanz danach sorgen dort die beiden DJs Horst e. und Mr. Burns.  Um Mitternacht wird das Spektakel an den meisten Orten vorüber sein, allerdings nicht in der Kulturbar, wo Silvio Marquardt noch in die Platten greifen wird.

Es ist viel los und irgendwie ist gleichzeitig alles verschlafen — wer gerne etwas später ins Bett geht und nicht auf Hardcore steht, wird sich an diesem Wochenende womöglich langweilen, bis die Beine bluten.

Das IKUWO startet in die Herbstsaison

Die Sommerpause ist vorüber und für das Internationale Kultur- und Wohnprojekt (IKUWO) steht die Herbstsaison ins Haus. Der besten Jahreszeit zum Scheitern wird dort heute Abend entschlossen und erhobenen Hauptes entgegengetreten.

The Beautiful Fall

Unter dem musikalischen Kommando von Lofi Deluxe, dem Kirschberger, HaNNaH und The Basstion geht es quer durch die verschiedenen Genres und Musikdekaden – einmal Rock ’n‘ Roll, Disco, Funk, House, Elektro, Drum ’n‘ Bass und zurück bitte und das Ganze ausschließlich auf Vinyl abgespielt, wenn es geht.

Die erste Sause nach der Pause und dann auch noch eintrittsfrei – da ist rechtzeitiges Erscheinen anzuraten,  wenn der Abend nicht in einer Warteschleife vor der Tür vergeudet werden soll. Wir sind wieder da!

Fakten: 08.10. | 22 Uhr | IKUWO (Goethe-Str.1) | Eintritt frei

Pop am Wochenende: Lofi Deluxe „Zilpzalp, Schachtelhalm & Trafomasten“

Die Reihe „Pop am Wochenende“ versammelt Greifswalder Musikgeschichte und hält über das klangliche Gegenwartstreiben in der wilden Provinz auf dem Laufenden.

Allen prognostizierten Wolkenlagen zum Trotz, wird sich der Sommer noch nicht so bald aus den ostvorpommerschen Gefilden zurückziehen. Mit dieser prinizipiell guten Nachricht geht auch das Bedürfnis nach saisonal angemessenem Klangfutter einher und hier tritt Lofi Deluxe auf den Plan, der sich bereits vor vier Wochen mit dem Mix Zilpzalp, Schachtelhalm & Trafomasten anschickte, das Sommerloch zu füllen.

NAHRUNG FÜR DEN „DÖSFLOOR“

Für den „Dösfloor“ konzipiert, fitzelte Lofi Deluxe einen Mix zusammen, bei dem es mehr um den „halbsomnischen, aber auch, mit 4/4-wanderwalzenden Leichtfuss-Grooves,  um die schläfrig-vergnügten Sommervibrationen … weniger um den Sangria-Haudrauf-Bratwurstgesicht-Sommer“ geht. lofi-schachtelhalm

Dabei herausgekommen ist klickrig-klackriges, zuweilen countryeskes Easy Listening, das im Laufe der 77 Minuten hörbar elektrifiziert wird. Hier wird insektenhaft leichtflügelig geschwebt, statt stoisch gestampft. Der krönende Abschluss dieser Laid-Back-Orgie erscheint schließlich in Gestalt – beziehungsweise Stimme – Blixa Bargelds, dessen Worte einen schwungvollen Beat reiten und dem großen Gedöse ein Ende setzen.

98eins: Weiterbildung in Sachen Hamburger Schule

Seit nunmehr 18 Jahren gibt es jetzt schon die Hamburger Band Die Sterne, die ja ursprünglich aus good old Bad Salzuflen in Ostwestfalen stammt. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichten die Urgesteine des deutschsprachigen Diskursrocks mit 24/7 eine neue Platte in zeitgemäßem Soundgewand; mehr Elektronik, weniger Gitarre, genausoviel Unbehagen. „98eins: Weiterbildung in Sachen Hamburger Schule“ weiterlesen