Gremienwahlen an der Universität: „Democratic Avengers“ und die bittersüße Rache der Demokratie

Heute haben die Gremienwahlen an der Universität Greifswald begonnen. Studierende können nun bis zum 17. Januar ihre Stimmen für die Zusammensetzung des Studierendenparlaments (StuPa), des akademischen Senats, der fünf Fakultätsräte sowie mehrerer Fachschaftsräte abgeben und bestimmen, wer in den nächsten Monaten miteinander das trockenste Brot des Uni-Lebens brechen muss.

KONSERVATIVE SUPERSTARS AUF RACHEFELDZUG 

Bei der Wahl des akademischen Senats konkurrieren 44 Studierende um die zu vergebenden 12 Mandate. Davon tritt der größte Teil (27) auf der Liste „Solidarische Universität“ an. Für den Senat bewerben sich bedeutend mehr Konservative als für das StuPa. So zählt die Liste — bitte an dieser Stelle kurz innehalten, gegebenenfalls austrinken und tief durchatmen — „Democratic Avengers“ insgesamt 13 Kandidierende. Das Feld der „demokratischen Rächer“ reicht von A wie Amthor bis V wie Vierkant, von der Jungen Union bis zum RCDS, von der katholischen Studentenverbindung Alemannia bis zur Burschenschaft Markomannia. Außerdem stellen sich drei Kandidaten von der zur Partei DIE PARTEI gehörenden Hochschulgruppe (HSG DIE PARTEI) sowie ein freier Bewerber zur Wahl.

Democratic Avengers Konservative Liste Senatswahl Greifswald Universität(Montage: Fleischervorstadt-Blog, Original: Disney)

Noch weniger spannend als die Senatswahl wird wohl die Bestimmung des zukünftigen Studierendenparlaments ausfallen. Bei dieser Wahl ringen in diesem Jahr 30 Kandidierende um 27 Mandate — das sind noch drei Bewerber weniger als beim vorletzten Votum im Januar 2012, als sich nur 33 Studierende zur Wahl stellten. Diese spärliche Auswahl hat zur Folge, dass mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch all jene früher oder später ins Parlament nachrücken dürfen, denen durch die Wahl eigentlich kein Platz vergönnt war — ist das nicht ein bittersüßer Racheakt der Demokratie? Konservative Kandidaten werden davon allerdings kaum profitieren, denn mit Matias M. Bluhm (JU) und Adrian Schulz (RCDS) stehen ohnehin nur zwei Studierende aus dem konservativ-bürgerlichen Lager zur Wahl, die vermutlich genügend Stimmen rechts der Mitte auf sich vereinen werden und nicht darauf angewiesen sind, nachzurücken.

FREUT EUCH AUF DIE KANDIDATINNEN DER HOCHSCHULGRUPPE DIE PARTEI!

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Dem gegenüber stehen sechs Kandidaten des SDS, acht Jusos, fünf Hochschulpiraten sowie mehrere Bewerberinnen ohne eindeutige parteipolitische Verortung. In der extremen Mitte möchte es sich die HSG DIE PARTEI gemütlich machen, die ihrerseits fünf Studierende ins Rennen schickt. Zu den Forderungen des jungakademischen Flügels der Sonnebornianer gehören unter anderem die Errichtung einer Barbecue-Mensa, die Umwandlung der Rubenowstraße in eine Spielstraße der Wissenschaft, eine Schwebebahn über der Europakreuzung anstelle der Diagonalquerung oder Mittagsschlaf in der Bibliothek.

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Angesichts der oben skizzierten Quasi-Mandatsgarantie darf sich das StuPa in der kommenden Legislaturperiode über eine Häufung ernstgemeinter Anträge und kurze Sitzungen bis in den frühen Vorabend freuen — auch wenn die PARTEI inzwischen eigentlich kein Pop mehr ist.

Gewählt werden kann bis Freitag täglich von 9 Uhr bis 16 Uhr in den beiden Mensa-Gebäuden. Mehr Informationen über den Ablauf der Wahl und die Kandidierenden für die jeweiligen Gremien findet ihr hier:

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10 Gedanken zu „Gremienwahlen an der Universität: „Democratic Avengers“ und die bittersüße Rache der Demokratie

  1. Es ist schon fast nicht zu fassen.

    Es gab vor einiger Zeit ein Treffen derer die von 1989 bis ca 2000 in der Hochschulpolitik in Greifswald waren.

    Entsetzen, oder besser blankes Entsetzen war unsere einhellige Meinung angesichtes dessen was heute.

    Damals.

    Gab es Meinungen aber keine Politischen Hochschulgruppen, waren wir meist klar links, haben uns aber um unsere EMAU und deren Angehörigen gekümmert.

    Traurig und Schade.

    1. Muss auch sagen das ich deinen Beitrag ziemlich schade finde.

      Vorweg ich bin Mitglied des Senats und der Jusohochschulgruppe, also aus deiner Sicht wahrscheinlich Teil des Problems?!

      Ich habe ziemlichen Respekt vor der Arbeit von euch damals und vor denen die danach kamen oder sich davor engagiert haben. Denn meistens ist die Arbeit unbezahlt und wird einem nicht gedankt. Ich denke dieses Phänomen gab es früher auch schon 🙂

      Was ich nicht verstehe ist, warum euch (also die ehemaligen) das blanke Entsetzen packt. Geht es rein darum das sich die Studierendenschaft jetzt stärker in Hochschulgruppen organisiert? Oder geht es darum das ihr meint das darunter das Engagement für die Uni und die Studierendenschaft leidet? Das zweite könnte ich verstehen, das erste aber nicht.

      Die Greifswalder Studierendenschaft ist eine im Landes und im Bundesvergleich relativ stark aufgestellte Studierendenschaft. Vor 2 Jahren konnten wir die Pläne des Bidlungsministeriums verhindern das Lehramt abzuschaffen und vor ein paar Monaten haben wir in Schwerin eine der größten (Bildungs-)Demonstrationen der letzten Jahre auf die Beine gestellt. Und ich würde behaupten das uns die Unileitung und die Professorinnen sowohl als Partner aber auch als Gegner sehr Ernst nehmen.

      Ach ja und im Sommer konnten wir das Wasserverbot in der Bibliothek kippen 🙂

      Deswegen finde ich fehlt es deinem Beitrag in gewisser Weise an Respekt denen gegenüber die diese Arbeit( eure damalige Arbeit?) heute leisten.

      Die Entwicklung hin zu (linken) Hochschulgruppen, kam übrigens auf als das StuPa und der AStA durch viele Liberale und Konservative geprägt war und den Bildungsstreik 2009 nicht ausreichend unterstützt hat( meine Meinung).

      Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, das unsere Uni über die Jahre gewachsen ist(2000 waren wir glaube ich 6000, heute 12000) und dadurch eine Bildung von Gruppen zur besseren Identifikation der politishcne Ziele notwendig geworden ist.

      Ich finde das jetzige System, mit einer Personenwahl und einem heterogenen offenen Bündnis vieler progressiver Hochschulgruppen und von progressiven Freien, bei gleichzeitiger Offenheit für Vorschläge aus dem anderen politischen Raum für kein so schlechtes System.(Koalitionsverträge oder sowas wir an großen westdeutschen Unis gibs nicht)

      Ich hoffe, ich konnte ein bißchen für Verständnis werben. Ihr könnt ja mal gerne das StuPa oder den AStA besuchen und eure Erfahrungen loswerden.

      Erik von Malottki

      Studentischer Senator und Sprecher der LKS im letzten Studienjahr 🙂

  2. Lieber Fleischervorstadt-Blog,

    Ich gehöre auch ins Lager des RCDS. Sorry 😉 Bin leider kein Mitglied der JU MV bzw. der JU Greifswald.

    Viele Grüße,

    Euer Avenger Aka Maciek Aka der Typ aus dem aus dem konservativ-bürgerlichen Lager mit Migrationshintergrund aus Berlin Nordneukölln .

    Ps: Danke für den Beitrag! 😀

      1. wie siehts den eigentlich mitm copyright auf das verfremdete original aus? ich dachte ja immer, die konservativen wären die avenger der urheber. da könnte marvel ja sogar wegen rufschädigung aktiv werden… hat ja bei der norwegischen nationalflagge und thor steinar auch funktioniert^^

  3. Pingback: webMoritz.de

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