Schmierfettkatastrophe: Verschmutzt der Bau von Nord Stream 2 die Boddenufer?

Seit vergangenem Donnerstag wurden an vielen Uferabschnitten des Greifswalder Boddens angespülte Schmierfettklumpen entdeckt. Die großflächige Verschmutzung steht mutmaßlich mit den Bauarbeiten für die Pipeline Nordstream 2 in Verbindung.

Der NABU Kreisverband Greifswald schätzt ihre Zahl am Badestrand Wampen auf 100.000. So viele bis zu walnussgroße Schmierfettklumpen seien seit Donnerstag dort angeschwemmt worden. Die Klumpen in den Farben rot bis gelb-durchsichtig seien vor allem im Spülsaum, auf vorgelagerten Sandbänken und schwimmend im Wasser vorgefunden worden. Neben dem Wampener Ufer seien auch andere Abschnitte des Boddens von der Verschmutzung betroffen, zum Beispiel der Struck, die Freesendorfer Wiesen und die Insel Koos. Bereits während des Pfingstwochenendes wurden an der südöstlichen Seite Rügens, konkret in der Nähe von Zudar, Stahlbrode und dem Naturschutzgebiet Palmer Ort die ersten Klumpen mit Schmierfett angespült.

Schmierfett Greifswalder Bodden Nord Stream 2

(Foto: NABU Kreisverband Greifswald)


10 Tage Bauarbeiten für Nord Stream 2 und die Befürchtungen der Umweltschützer sind Realität geworden

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Das Landesumweltministerium bestätigte dem NABU, dass es sich hierbei um Maschinen-Schmierfett auf Mineralölbasis handelt. Verursacher der Verschmutzung ist nach Angaben des Ministeriums voraussichtlich ein Baggerschiff von Nord Stream 2. An der Ostsee-Pipeline wird seit dem 15. Mai im Greifswalder Bodden vor Lubmin gearbeitet.

Der NABU klagt gegen die Genehmigung und wollte den Baustart von Nord Stream 2 mit einem Eilantrag sowie einer Zwischenverfügung verhindern, da die Trassenführung der Pipeline durch fünf Meeresnaturschutzgebiete der Ostsee führt.  Die Naturschützer befürchten erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt und warnen vor irreparablen Schäden des maritimen Ökosystems. Zehn Tage nach Baubeginn zeigt sich, dass diese Bedenken realer sind als von vielen angenommen. Mehrere Naturschutzgebiete, Europäische Vogelschutzgebiete und FFH-Gebiete im Bereich des Greifswalder Boddens sind bereits von der Verschmutzung mit Schmierfett betroffen.

Laut NABU ist noch nicht absehbar, welche Folgen die Kontamination des Boddens auf Flora und Fauna haben wird, da die chemischen Analysen noch nicht abgeschlossen sind. Bekannt ist bereits, dass Mineralölverbindungen bei Mensch und Tier Reizungen der Lunge und bei Verschlucken Entzündungsreaktionen der Leber hervorrufen können. Halten Tiere die Schmierfettklumpen fälschlicherweise für Nahrung, kann das Öl so auch in die Nahrungskette und schließlich auf unsere Teller gelangen. Auch die regionale Fischwirtschaft und der Tourismus werden von den Verschmutzungen betroffen sein.

Bauarbeiten Nord Stream 2

Bauarbeiten für Nord Stream 2 vor Lubmin (Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Der NABU wiederholt seine Forderung nach einem sofortigen Baustopp und verlangt eine „lückenlose Aufklärung des Vorfalls“. Denn schon beim Bau des Vorgängerprojekts, Nord Stream 1, mussten Feuerwehrleute mehrere Strände von Schmierfetten befreien. Das Umweltrisiko war also bereits vor Beginn der Arbeiten für Nord Stream 2bekannt. Weiterhin fordern die Umweltschützer, dass die betroffenen Küstenabschnitte schnellstmöglich auf Kosten des Verursachers fachgerecht gereinigt werden. Derzeit unterstützt der NABU Kreisverband Greifswald die Erfassung betroffener Küstenabschnitte sowie die Organisation der Aufräumarbeiten durch die Behörden und Freiwillige. Die von Nord Stream 2 durchgeführten Beräumungsmaßnahmen werden wiederum vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Vorpommern begleitet.

Was tun, wenn man Schmierfett-Anlandungen findet?

Der Pipelinebauer hat eine Telefon-Hotline eingerichtet, unter der täglich rund um die Uhr ab sofort jedermann weitere Schmierfett-Funde melden kann. Die Hotline ist unter 030 – 28 87 58 116 erreichbar. Wer im Bereich des Greifswalder Boddens oder des östlichen Strelasunds Schmierfett entdeckt, wird dringend gebeten, solche Funde nicht nur bei dieser Hotline zu melden, sondern vor allem auch den NABU per E-Mail (greifswald@nabu-mv.de) oder via Gewässerretter-App zu informieren. Dabei ist es sehr hilfreich, wenn die Funde fotografisch dokumentiert werden, um Angaben über Menge und Größe der Fettklumpen machen zu können.

Mineralöl Nordstream 2 Bodden

(Foto: NABU Kreisverband Greifswald)

Das Umweltministerium bittet ausdrücklich darum, dass die Schmierfett-Anlandungen nicht berührt oder aufgenommen werden. Kommt man trotzdem damit in Berührung, wird eine gründliche Reinigung mit Wasser und Seife empfohlen. Sollten Teile der Substanz in die Atemwege oder die Augen gelangt oder verschluckt worden sein, so ist in jedem Fall unverzüglich ein Arzt aufzusuchen, da eine geringfügig toxische Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. Eltern sind aufgefordert, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder nicht in verschmutzten Bereichen spielen und die Verunreinigungen berühren oder aufnehmen. 

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