Einfühlsam: Die Greifswalder Innenstadt gibt es nun als Tastmodell

Tastmodelle sind die Antwort auf die Frage, wie man blinden Menschen die Architektur einer Stadt nahebringen und deren Dimensionen erfahrbar machen kann. Seit vergangenem Mittwoch gibt es nun auch in Greifswald ein Tastmodell der Innenstadt.

Die bronzene Skulptur wurde vom Bildhauer Egbert Broerken aus Welver (Nordrhein-Westfalen) geschaffen. Das Tastmodell stellt die Greifswalder Innenstadt maßstabgetreu dar; Hinweise mit Erläuterungen zu Kirchen, Straßen und Plätzen wurden auf dem Modell in Braille-Schrift notiert.

tastmodell stadt greifswald(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

AUF FINGERKUPPEN DURCH DIE STRASSEN FLANIEREN

Christina Spierling, Geschäftsführerin des Fremdenverkehrsvereins, ist froh über die neue touristische Attraktion: „Es ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen in einer einzigartigen Art und Weise, die historische Innenstadt von Greifswald besser kennenzulernen, quasi auf Fingerkuppen durch die Straßen zu gehen.“Das Bild des Flanierens auf Fingerkuppen wird immer wieder bemüht, wenn es darum geht, das Tastmodell einer Stadt zu erklären. Tatsächlich beschreibt es die Erfahrung, haptisch die räumliche Struktur einer Stadt entdecken, die Anordnung von Plätzen, den Verlauf von Straßen und Gassen, die erheblichen Größenunterschiede zwischen kleinen Häusern, großen Häusern und Gotteshäusern zu erfahren, recht genau. „Einfühlsam: Die Greifswalder Innenstadt gibt es nun als Tastmodell“ weiterlesen

Filmfestival Ueber Mut #5: „Antoine“

Laura Bari macht einen sechsjährigen Blinden zum Protagonisten ihres Films Antoine (CAN, 2008, 80 Min.), in dessen Verlauf der Junge die Grenzen seiner eingeschränkten Sinne überschreiten und eine Parallelwelt entdecken wird.

antoine filmplakat

Mit einem portablen Mikrofon ausgestattet, erkundet Antoine Houang seine Umgebung und konserviert diese Wahrnehmungen. Auf diesen Aufnahmen basiert auch der Soundtrack des Films, der mit deutschsprachiger Synchronisierung über der französischen Originalsprache gezeigt werden wird.

Antoine malt, übt Korbwürfe und fährt Schlittschuh. Ob eine Bewegung sitzt, muss der Sechsjährige fühlen oder hören. Er ist von Geburt an blind, aber er besucht eine normale Schule, wo ihn Lehrer und Mitschüler unterstützen. Auch die Regisseurin Laura Bari fordert Antoine heraus. Sie macht ihn zum Co-Autor ihres Films. Gemeinsam treiben sie die Idee auf die Spitze, dass ein blinder Junge das Gleiche tun kann wie ein Sehender. Privatdetektiv Antoine braust mit dem Auto über die Landstraße, auf der Suche nach der mysteriösen Madame Rouski, die sich beim Duschen in tausend Tropfen aufgelöst hat. Die Botschaft des verspielten Abenteuers: Was die Sinne nicht wahrnehmen, ersetzt die Fantasie.

Als Referent wird Bernd Uhlig vom Blinden- und Sehbehindertenverein Greifswald auftreten. Wie bei allen Veranstaltungen des Festivals ist der Film mit Audiodeskription versehen und für das anschließende Gespräch ist eine Gebärdensprachdolmetscherin vor Ort.

Fakten: 29.09. | 20 Uhr | IKUWO | 3,50 EUR (Arbeitslose & Flüchtlinge kostenlos)