Umfrage: Steinkohlekraftwerk oder doch eher Zwischenlager Lubmin?

Dieser Tage dreht sich in Greifswald alles um den bevorstehenden Castor-Transport, der voraussichtlich am Donnerstag durch die Stadt rollen wird. Menschen tragen das gelbe Kreuz wie sonst die rote Schleife, in diesem Augenblick löst sich eine Lichterkette auf, die von der Wolgaster Straße bis nach Eldena reichte.

Das Thema Atompolitik ist wieder hochaktuell, nicht nur durch diesen Castor-Transport, auch die beschlossene Laufzeitverlängerung erregt sehr viele Gemüter. Die Anti-Atom-Bewegung hat mit den Massenprotesten im Wendland eine Renaissance erfahren. Sie ist inzwischen auch in bürgerliche Milieus vorgedrungen, womöglich beschleunigten die Bilder der Protestbewegung gegen das gigantische Bahnhofsprojekt Stuttgart21 diese Entwicklung.

ENTSCHEIDUNG ZWISCHEN PEST UND CHOLERA

oskar gulla lubminAm vergangenen Wochenende stand Oskar Gulla (SPD) auf der Kundgebung zur Greifswalder Auftaktdemonstration gegen den Castor-Transport am Rednerpult. Er gehört zu den meistabgelichteten Vertretern der Bürgerinitiative gegen den Bau des vom dänischen Energiekonzerns DONG geplanten Steinkohlekraftwerks Lubmin und tritt damit schon gegen zwei energiepolitische Projekte an („Der Kampf gegen das Steinkohlekraftwerk war umsonst, wenn der Kampf gegen das Zwischenlager verloren wird, weil es keine Garantie dafür gibt, dass aus dem Zwischenlager kein Endlager wird„).

Dieser von Gulla hergestellte Zusammenhang ist eine Steilvorlage für eine lange zergrübelte Frage, die an dieser Stelle in den Raum geworfen werden soll. Wenn man sich entscheiden müsste, neben einem Zwischenlager oder einem Steinkohlekraftwerk zu leben, welche Option wäre erträglicher? Pest oder Cholera?

protest lubmin castor

Wenn du dich entscheiden müsstest, was wäre für dich das kleinere Übel?

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Ist das Aus für das Steinkohlekraftwerk noch nicht besiegelt?

Das Gejubel über den angekündigten Rückzug des dänischen Energiekonzernes DONG aus dem Projekt Steinkohlekraftwerk Lubmin war groß und unüberhörbar.

kein steinkohlekraftwerk lubminEtwas stutzig wurde ich allerdings, als ich vor wenigen Tagen eine Pressemitteilung zu Gesicht bekam, in der es hieß, dass die Projektgesellschaft Dong Energy Kraftwerke Greifswald & Co. KG (DKG) ihre Anträge zum Bau eines Steinkohlekraftwerks in Lubmin vorerst nicht zurückzöge.

Und erst hier begann ich zu begreifen, dass nicht DONG Energy den Antrag für den Bau des Kraftwerkes stellte, sondern die Projektgesellschaft Dong Energy Kraftwerke Greifswald & Co. KG (DKG):

Der dänischen Staatskonzern hält derzeit 74,9 Prozent der Anteile an der Projektgesellschaft. 25,1 Prozent liegen bei der WV Energie AG Frankfurt/Main, an der neben der Wintershall AG mehrere kommunale Versorgungsunternehmen beteiligt sind, darunter Stadtwerke in Berlin und München.

Auf dem Blog der Greifswalder Grünen wird verlautbart, dass der Unternehmerverband Mecklenburg Vorpommern nach einem Nachfolger für DONG und damit nach einem neuen Investor suche. Da man der Ostsee-Zeitung wie gewohnt diesbezüglich nichts informatives entnehmen kann, möchte ich auf den Ostsee-Zeitung-Blog verweisen. Dort wird Arndt Müller, Naturschutzexperte des BUND und Bearbeiter des Genehmigungsverfahrens zitiert:

„Wir verstehen nicht, woher die verbliebenen Investoren ihren Optimismus nehmen. Das jahrelange Hin und Her, die fortwährenden Nachforderungen der Behörden an DONG Energy und die Ablehnung … Angesichts dieser Ansage der Investoren führen auch wir selbstverständlich unsere Arbeit weiter und erwarten die angekündigten Unterlagen.“

Von der Bürgerinitiative Rügen heißt es:

steinkohlekraftwerk lubmin„Bei uns hat sich noch keiner zur Ruhe gelegt. Wir werden nicht nachlassen und arbeiten bis zum dem Tag, an dem einem Kohlekraftwerk Lubmin endgültig der Totenschein ausgestellt wird. Entgegen der Äußerungen der Projektgesellschaft Dong Energy Kraftwerke Greifswald GmbH sei auf  Nachfrage auch in den Stadtwerken München, dem größten kommunalen Unternehmen Deutschlands, keine Beteiligung am Kraftwerksprojekt Lubmin vorgesehen.“

Es bleibt also zu hoffen, dass die Bemühungen des Unternehmerverbandes und der Projektgesellschaft das letzte Aufbäumen darstellen und nicht als zweite Runde zu betrachten sind.

DONG gibt auf – kein Steinkohlekraftwerk Lubmin!

Es passieren doch trotz aller Widrigkeiten schöne Dinge. Der dänische Energiekonzern hat heute via Pressemitteilung von seinen Plänen, ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin zu bauen, Abstand genommen. Wahnsinn!

In der Pressemitteilung heißt es: „Due to recent indications from the state government of Mecklenburg-Vorpommern, DONG Energy no longer believes that the project has the necessary political backing. dongIn addition, since the initial project application was filed three years ago, the case processing has been making slow progress with no prospects for a decision being made in the near future.“

Widerstand lohnt sich!

DONG zieht sich zurück

Die dänischen Experten für nachhaltige Energiegewinnung treten den Rückzug an. Wurden in den vergangenen Wochen mehrere Kraftwerksprojekte eingestellt, hielten die Dänen bis zuletzt an den Plänen für ein Steinkohlekraftwerk in Lubmin fest. Nun beginnen hoffentlich die Rückzugsgefechte.

dong energyErinnern wir uns kurz. DONG hat sich nicht nur mit dem Versprechen, unzählige Arbeitsplätze in der Region aufzubauen, in die Herzen der Lokalbevölkerung zu schleichen versucht. Der Konzern bediente sich auch der ebenso klassischen wie perfiden Strategie, durch die finanzielle Unterstützung von Sportvereinen Sympathien zu kaufen. Diese Maßnahmen waren auch erfolgreich und so wurden die Klimasünder im Juli 2007 zum Hauptsponsor des GSV 04. „DONG zieht sich zurück“ weiterlesen

DONG und Vattenfall schließen Lubmin-Vertrag

Das geplante Steinkohlekraftwerk in Lubmin ist noch nicht einmal genehmigt, aber der dänische Konzert DONG ENERGY hat bereits einen Vertrag mit dem Stromnetzbetreiber Vattenfall abgeschlossen, indem festgehalten wurde, dass

„Vattenfall Europe Transmission nach dem Energiewirtschaftsgesetz für Netzanschluss und Netzzugang aller Anschlussnehmer zuständig“

sei. dong vattenfall

So melden es gerade die Lübecker Nachrichten. Ob die durch die Einfädelung des Vertrages angefallenen Projektkosten später als Argument gegen eine Genehmigungsverweigerung für das Kraftwerk ins Feld geführt werden, vermag noch niemand sagen, verwundern würde es mich aber nicht.

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