Wo wächst mein Gemüse? – Neugründung Solidarischer Landwirtschaft in Greifswald

Gastbeitrag von Deborah 

Mit Gift belastete Nahrungsmittel, vom Wind verwehte Ackerböden, lange Transportwege für Gemüse und Tiere, riesige monotone Flächen, die für kaum mehr als eine Kulturpflanze Lebensraum bieten – wenn diese und andere Konsequenzen konventioneller Agrargroßbetriebe verhindert werden sollen, müssen Lebensmittel ökologisch und kleinbäuerlich erzeugt werden. Doch die Hege und Pflege von Tieren und Pflanzen ist arbeitsaufwendig und Nahrungsmittel sollen möglichst immer billiger werden.

Solidarische Landwirtschaft Schafherde

Um diesem finanziellen Druck in der Landwirtschaft zu entkommen und Verbraucher/innen wieder mit der Produktion ihrer Nahrungsmittel zu verbinden, entstand das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi, engl. CSA – Community-Supported Agriculture). Hierbei werden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht konventionell vermarktet, sondern ein Kreis von Mitgliedern sichert den Landwirten/innen oder Gärtnern/innen vor Beginn der Saison einen festen monatlichen Beitrag für das Wirtschaftsjahr zu. Im Gegenzug erhalten die Mitglieder die erzeugten Lebensmittel ohne zusätzliche Kosten.

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Diese Idee wurde zuerst Mitte der 1960er Jahre unter dem Namen Teikei (dt. „Partnerschaft“) in Japan entwickelt. Davon unabhängig entstand 1978 im schweizerischen Genf die erste Kooperative, die nach diesem Konzept wirtschaftete. In Deutschland wurde die erste landwirtschaftliche Wirtschaftsgemeinschaft 1988 auf dem Buschberghof bei Hamburg gegründet. In den letzten Jahren ist die Zahl der Solawi-Höfe und -Gärtnereien in Europa stark gewachsen: So gibt es in Deutschland mittlerweile über 60 Solawi-Betriebe, 2013 gab es in Frankreich 2000 AMAP („Association pour la maintenance de l’agriculture paysanne„, dt. „Verbrauchervereinigung für die Beibehaltung der bäuerlichen Landwirtschaft“) und in Italien 1700 GAS („Gruppi di Acquisto Solidale„, dt. „Solidarische Einkaufsgruppen“).

Solidarische Landwirtschaft Ernte

SOLIDARISCHE LANDWIRTSCHAFT IM RAUM GREIFSWALD: „SCHWARZE SCHAFE“ UND „FRISCHES FÜR FREUNDE“ 

Seit 2013 gibt es auch in der Nähe von Greifswald eine Solawi, die Käse, Fleisch und Brot an ihre Mitglieder verteilt: den Hof Schwarze Schafe in Wangelkow. Zudem kann man ab dem nächsten Frühjahr an der Chausseestraße (Verlängerung der Loitzer Landstraße) dem Gemüse beim Wachsen zusehen, denn direkt hinter dem Ortsausgang von Greifswald gründet sich die Gärtnerei Frisches für Freunde. Beide Solawi-Betriebe suchen noch feste Mitglieder, die wissen wollen, wo und wie ihre Lebensmittel erzeugt werden.

Zur Neugründung gibt es drei Auftaktveranstaltungen:

  • Am 9.9.2014 um 19.30 Uhr wird in der Domstraße 13 (Gemeinderaum der Domgemeinde) ein Vortrag zu den Potentialen von Solidarischer Landwirtschaft für den Naturschutz stattfinden.
  • Am 18.10.2014 wird die Fläche der neuen Solawi-Gärtnerei erobert. Dazu gibt es eine Mitmachaktion: Aktive kommen um 10 Uhr mit Spaten zum Netto-Parkplatz an der Loitzer Landstraße (Einmündung Schillerstraße). Gemeinsam wird dann auf der neuen Fläche eine Hecke angelegt, um Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schaffen.
  • Wer noch mehr wissen möchte, hat am 8.11.2014 von 10 – 17 Uhr die Gelegenheit, in einem Tagesseminar im St. Spiritus alles über Solidarische Landwirtschaft zu erfahren. Mit dabei wird unter anderem Klaus Strüber vom Solawi Hof Hollergraben bei Eutin (Schleswig-Holstein) sein.

(Fotos: Deborah Bechtel)

Deborah Bechtel ist Diplom-Landschaftsökologin. Ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema „Potenziale von Solidarischer Landwirtschaft zur Realisierung von Naturschutzzielen in der Kulturlandschaft“ an der Universität Greifswald. Im Rahmen ihrer Recherchen besuchete sie zehn SoLawi-Betriebe in Deutschland und befragte knapp 300 SoLawi-Mitglieder.

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5 Gedanken zu „Wo wächst mein Gemüse? – Neugründung Solidarischer Landwirtschaft in Greifswald

  1. Wer klärt die Leute auf, daß ein Kernpunkt der Idee ist, daß gezahlt werden muß, EGAL OB WAS AM ENDE RAUS KOMMT? Das konnte ich so klar und deutlich nicht mal auf derer Seite lesen.
    Solidarität bedeutet, auch bei Bertiebsproblemen nicht auszusteigemn, weil mensch seinen Beitrag braucht, um woanders Lebensmittel zu kaufen.

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