Polizei beendet in Greifswald Konzert mit 500 Teilnehmern der rechten Szene

Wie die Polizeiinspektion Anklam heute Morgen mitteilte, wurde in der Nacht von Freitag auf Sonnabend ein nicht angemeldetes Konzert der rechten Szene in Greifswald beendet, das in einer alten Halle am Gorzberg auf dem vormals vom Schaper Großmarkt genutzten Gelände stattgefunden hat.

Die Veranstaltung wurde von einem Großaufgebot von 200 Polizeibeamten aufgelöst, die den über 500 Konzertbesuchern — die unter anderem aus Berlin, Brandenburg, Sachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein angereist waren — eine Frist zum Verlassen des Geländes ausgesprochen haben. Beim Abzug der Teilnehmer soll es vereinzelt zu Stein- und Flaschenwürfen gekommen sein, die die Polizei mit dem Einsatz von Reizstoffen beantwortet haben soll. Die Bilanz des Abends: 256 Identitätsfeststellungen, zwei leichtverletzte Beamte und drei Anzeigen wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung sowie Verstoß gegen das Vermummungsverbot.

Kellerkonzert mit Polarkreis-Gitarrist Lestat Vermon *Update*

Philipp Makolies kommt zurück in die Stadt und tritt heute Abend im Kontor-Keller auf. Das letzte Mal stand der Gitarrist im Oktober 2007 auf einer Greifswalder Bühne, als er mit seiner inzwischen auf Eis gelegten Band Polarkreis 18 im Klex spielte.

Lestat Vermon Official photoMittlerweile agiert der Musiker aus Dresden, der sein Solo-Programm unter dem Pseudonym Lestat Vermon bestreitet, auch in einer anderen Band — Woods of Birnhammit der er zuletzt am Staatsschauspiel Dresden die Musik zu einer Hamlet-Inszenierung beisteuerte.

Dank einer großzügig bemessenen Portion Kitsch, die zuweilen ins Schmalzige abzudriften droht, werden heute Abend im Kontor-Keller nicht nur Singer/Songwriterfans auf ihre Kosten kommen, sondern auch Freundinnen von harmonisch-verträumtem Indiepop. Wer sich in dieser Zielgruppe irgendwie wiederfindet, wird den heutigen Montagabend in Greifswald kaum besser verbringen können!

Fakten: 05.05. | 21 Uhr | Kontorkeller | 9/7 EUR (erm.)

*Update*

Das Konzert fällt wegen gesundheitlicher Probleme des Künstlers aus.

Festgehalten: Candelilla im IKUWO

Die Gruppe Candelilla, ausgestattet mit Gitarren, Schlagzeug, Bass und Klavier — vor allem aber mit einer ertüchtigenden Menge Energie — beehrte am vergangenen Freitag das IKUWO. Die vier Bajuwarinnen, in deren Songtiteln man vergeblich nach Worten sucht, präsentierten dort nicht nur Stücke ihres letzten Albums Heart Mutter, sondern überraschten auch mit bärtigen Fragmenten aus grauer Bandvorzeit sowie taufrischem Material aus dem Jetzt. Ganz wundervoll!

Candelilla im IKUWO

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(Foto: Maria-Friederike Schulze)

Vier Wände und ein Halleluja: Wohnzimmerkonzert führt zusammen, was zusammengehört

Ausgehen, Bier trinken, Wohngemeinschaft, Live-Konzert, Teppichboden (nebeneinander und so), Kloschlange, Rotweinrest und dann noch eine Zugabe — Wohnzimmerkonzerte führen zusammen, was im Grunde zusammengehört. So rar dieses eindrückliche Kulturformat in Greifswald auch ist, am Freitagabend gibt es auf jeden Fall die Gelegenheit, in sehr intimer Atmosphäre Teil eines solchen Konzert zu werden.

elyas(Foto: elyaskhan.com)

Eine eigens ins Leben gerufene Initiatorinnengruppe für Wohnzimmerkonzerte lud für diesen Abend den World-Country-Blues-Barden Elyas Khan (UK) ein, der in klassischer Singer/Songwriter-Manier auftritt, aber trotzdem ganz schön verrücktes Zeug macht. Dazu gesellt sich der Leipziger Me and Oceans (Analogsoul), dessen entschleunigter Pop im wärmestens empfohlenen Polonaise Blankenese fast wie ein Tête-à-tête von Rainald Grebe und Marcus Wiebusch klingt. Kann man machen!

Video (03:05) 
[youtube iKnf75Rkz54]

Wer Teil dieses Abends werden will, wendet sich bitte per elektronischer Briefpost an die Gastgeberinnen (Wohnzimmerkonzert_hgw[ät]yahoo.de), um anschließend nähere Informationen zur höchst klandestinen Privatveranstaltung zu erfahren. Vor Ort wird dann je nach Bereitschaft und Vermögen für den Abend gespendet, der schon vorab verspricht, eine gute Gelegenheit zu werden, die man wahrnehmen sollte!

Fakten: 02.08. | 20.30 Uhr | irgendwo in Greifswald | Spendenempfehlung 6-12 EUR

Taschenlampenkonzert: A Drone in the Dark

The Splendid Ghetto Pipers Art CubeWer P365 –die Ausstellung zum ganzjährigen Kunstprojekt der Greifswalder Künstlerin swinx, die Anfang Mai in den Räumen von Polly Faber eröffnet wurde — noch nicht gesehen hat, kann das heute in einmaligem Ambiente nachholen, wenn die Greifswalder The Splendid Ghetto Pipers Geräuschflächen und Echochochochos durch die Halle pumpen werden.

Das Greifswalder Psycho-Drone-Duo changiert zwischen „wohltemperiertem Lärm, entschlacktem Zeitlupen-Shoegaze und echotischen Geräuschteppichen“ — zu ihrem KnartzIV-Gedeck gehören neben zwei Gitarren, einem Synthie und dem obligatorischen Notebook vor allem Legionen analoger und digitaler Effektgeräte. Für ihr Konzert haben sich die beiden Botschafter der entschleunigten Klanglandschaften ein besonderes Format überlegt: ihr Auftritt wird in nebelgefluteter Dunkelheit stattfinden. Die Beleuchtung wird das Publikum erledigen, das mit mitgebrachten Leuchtwerkzeugen die Ausstellung und die musikalische Performance erkunden kann, um die Kunstwerke von swinx in ganz neuem Licht zu entdecken.

Einen ersten Eindruck der Gestalt dieser Erkundungsreise fördert das folgende Video zutage, das Appetit auf einen erlebnisreichen Abend macht. Packt also Taschenlampen und Kopfstroboskope ein und vergesst nicht, sie ausgiebig zu gebrauchen!

 (Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Fakten: 17.05. | 21.30 Uhr | Polly Faber | frei

Film: „Blut muss fließen“

Der Dokumentarfilm Blut muss fließen (D, 2012, 87min) ist auf dreitägiger Tournee durch Mecklenburg-Vorpommern und wird heute Abend in Anwesenheit des Regisseurs Peter Ohlendorf im CineStar gezeigt.

AGITATION MIT MUSIKGEWORDENEM HASS

Ohlendorf begleitete den Undercover-Journalisten Thomas Kuban, der mit seiner versteckten Kamera in den vergangenen sechs Jahren auf rund 40 Neonazi-Konzerten drehte. Die zu Tage geförderten Eindrücke aus Rechtsrockhausen sind düster und erregen Besorgnis.

blut muss fliessen(Filmstill)

Ein Lied, das dem Journalisten bei seinen gefährlichen Recherchen immer wieder begegnete, ist heute der Titel des Films. Die 1989 gegründete Rechtsrockband Tonstörung ließ in Blut muss fließen ihrem Hass freien Lauf, das mitgrölende Publikum ist außer sich.

Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig / Lasst die Messer flutschen in den Judenleib / Blut muss fließen knüppelhageldick / Und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik / […] / In der Synagoge hängt ein schwarzes Schwein / In die Parlamente schmeißt die Handgranaten rein / Zerrt die Konkubine aus dem Fürstenbett / Schmiert die Guillotine mit dem Judenfett

Der auf der letzten Berlinale gezeigte Dokumentarfilm (Alternativer Medienpreis 2012 in der Kategorie Video) versammelt brisantes und einzigartiges Material, das einen schonungslosen Einblick in die subkulturellen Outputs der Neonazi-Szene ermöglicht, zumindest der Rechtsrock-Szene.

NEONAZI-KONZERTE AUCH IN MV

Nazikonzerte finden auch in Mecklenburg-Vorpommern statt. Im vergangenen Jahr soll es offiziellen Angaben zufolge 26 rechtsextreme Musikveranstaltungen im nordöstlichsten Bundesland gegeben haben — die Dunkelziffer dürfte weit darüber liegen. Zuletzt spielte die neue Band Lunikoff Verschwörung des früheren Landser-Sängers Michael Regener beim Pressefest der Deutschen Stimme in Viereck bei Pasewalk.

blut muss fliessen nazis

Die Filmtour zu Blut muss fließen wird von den Jusos M-V in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung und Endstation Rechts organisiert. Bei der Vorführung gestern in Rostock soll es so voll gewesen sein, dass sogar Stehplätze verkauft wurden, pünktliches Erscheinen ist also angeraten! Die Veranstaltenden weisen darauf hin, dass „Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, der Zutritt zur Veranstaltung“ verwehrt wird.

  • „Blut muss fließen“ – Undercover unter Nazis (Publikative.org, 08.03.12)
  • „Blut muss fließen – Nazis undercover“: Filmemacher Thomas Kuban im Interview (Ruhrbarone, 09.08.12)
  • Blut muss fließen (Taschenbuch bei Amazon)

Fakten: 15.08. | 18 Uhr | Cinestar | 3 Euro