Menschen – Tiere – Sensationen: Circus Berolina

Ein Gastbeitrag von Nasti van der Weyden

Zirkus ist Magie. Artisten, Glitzer, Feuer – das lässt die Zuschauer in einen Strudel von Anziehungskraft und Bewunderung eintauchen. Zirkus mit Tierdressur ist Tierquälerei. Elefanten, Bären, Kamele – sie führen vor uns ein antrainiertes, freundliches Schauspiel auf, welches nichts von Tierfolter und Misshandlung vermuten lässt.

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Zurückgebissen: Waidmänner gestoppt — Welt so gut wie gerettet!

Man kann beruhigt ins Wochenende hinübergleiten, denn die Welt ist durch eine direkte Aktion von Aktivistinnen der internationalen Tierrechtsorganisation Animal Liberation Front (ALF) ein lebenswerterer Ort geworden.

JÄGER: SIE TÖTEN AUS LUST UND VERBREITEN HUNDERTTAUSENDE WAFFEN

animal liberation frontEine unter dem Namen ALF und ELF firmierende Gruppe zerstörte in der Nähe von Greifswald vier Hochsitze, um endlich was gegen die Jäger zu tun. Die Waidmänner seien schlecht für Mensch und Natur, weil sie an der Ausrottung zahlreicher Arten beteiligt wären, aus Lust Tieren ohne Not „unzählbares Leid“ antun würden und verantwortlich für die „Existenz und Verbreitung hunderttausender Waffen“ seien. Seit 2002 hätten mindestens 245 Menschen in Deutschland ihr Leben durch eine Jagdwaffe verloren.

Man könnte nun erwidern, dass die größten Waffenhändler keineswegs die flintengeilen Grünröcke, sondern Regierungen und Rüstungsindustrielle sind. Dass es überall Unfälle gibt — auch im Wald –, aber dass der in Flaschen abgefüllte Jägermeister im gleichen Zeitraum bestimmt mehr Menschen ins Grab geschickt hat. Vielleicht wird man sich dann irgendwann sogar dabei ertappen, wie man die mitunter begründete Tötung bestimmter Tier in Nutzwäldern rechtfertigt.

KLARE KANTEN UND DEUTLICHE ZEICHEN

Bequemer wäre allerdings ein Hinweis auf die weit größeren Tierrechts-Baustellen der Region, wie zum Beispiel die geplante Ferkelzuchtanlage in Alt Tellin, wo vielleicht bald jährlich eine Viertelmillion Schweine „produziert“ werden. Im knapp 15 Kilometer entfernten Ludwigsburg sollen auf einer Fläche von 65 Hektar bis zu 150.000 Hennen im Akkord Eier legen. Gegner des Projekts schätzen den jährlichen Kotausstoß der Tiere, die dort auf viel zu kleinem Raum gehalten werden, auf bis zu 7.500 Tonnen pro Jahr.
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Zurück zu den ALF-Aktivistinnen, die ihre Aktion „allen Gefangenen, die wegen ihrer Liebe zum Blauen Planeten weggeschlossen sind“, widmeten und in ihrem Bekennerinnenschreiben ankündigen, dass dies weder das erste noch das letzte Mal gewesen sei, dass zurückgebissen wurde. Den Tierrechtlerinnen bleibt indes zu wünschen, dass sie ihren Aktivismus dann an anderer Stelle kanalisieren — neu sortiert und womöglich auch durchdacht. Zurück bleibt heute erstmal nur die klare Kante, die den Jägern und allen anderen gezeigt wurde, das deutliche Zeichen, das unüberhörbare Signal. Endlich mal was losgemacht!

Grausame Botschaft an das IKUWO

Entsetzen lag in der Luft, als mehrere Personen am Abend des 30. Vorjahres-Dezembers im IKUWO eine grausige Entdeckung machen mussten. Unmittelbar vor der Eingangstür des Kulturzentrums wurde ein Plastiksack mit einer toten Katze abgelegt.

Botschaften wie im Mafiafilm

Es ist die in Gangsterfilmen tausendfach kolportierte Methode, jemanden zu warnen oder ihn einzuschüchtern. Man platziert übel zugerichtete Körperteile oder eben tote Tiere im möglichst privaten Umfeld desjenigen, dem man etwas ausrichten möchte.

Im Falle der vor dem IKUWO abgelegten Katze wurde dabei besonders grausam vorgegangen. Dem Tier – steif vor Kälte oder Totenstarre – wurde ein Nagel in den Kopf geschlagen und mit ihm ein Aufkleber, dessen Popularität sich an vielen Laternen der Innenstadt ablesen lässt.

Katze IKUWO

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Alt Tellin: Der Ton wird rauer

Nachdem hier schon gestern Kritik an lokalen Tierrechtlern geübt wurde, sollen heute Aktionsformen von antispeziezistischen, emanzipatorischen und antikapitalistischen Individuen vorgestellt werden, die unabhängig von sämtlichen Organisationen, Stiftungen, Gruppierungen oder Parteien arbeiten.

In den vergangenen Wochen drängten die Gegner der geplanten Ferkelzuchtanlage in Alt Tellin erfolgreich in die Öffentlichkeit. In dem unweit von Demmin gelegenen Ort soll nach dem Willen eines niederländischen Investors die größte Ferkelzuchtanlage Europas entstehen. „Alt Tellin: Der Ton wird rauer“ weiterlesen

Tierrechtler attackierten Greifenfleisch

Tierrechtsaktivisten haben laut Ostsee Zeitung am Wochenende die Fleischerei in der Wolgaster Straße mit Farbe attackiert:

greifenfleisch greifswald logoMauerwände, Werbeschilder und die Eingangstür zum Verkaufsraum wurden mit Schriftzügen wie „Viehmörder“ u.ä.  ersehen. Zudem kippten die Täter schwarze Farbe auf die Straße unmittelbar vor dem Komplex.

greifenfleisch greifswaldWie groß mag das Weltveränderungspotential solcher Aktionen wirklich sein? Sensibilisiert man auf diese Art die Greifswalder Normalbevölkerung für Tierrechtsfragen? Die temporäre Umbenennung der innenstädtischen Fleischerstraße in Tofustraße vor einigen Wochen war ja noch einigermaßen lustig und schmerzfrei, aber wem ist mit dieser Farbattacke geholfen?

Wieso wählten die Verantwortlichen ihre Aktionsform mit derartiger Kurzsichtigkeit?

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