Vortrag ĂŒber digitale Gewalt und die Struktur diskreditierender Online-Diskurse

Heute Abend spricht Prof. Dr. Konstanze Marx im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg ĂŒber diskreditierende Online-Diskurse und digitale Gewalt in der technisch vermittelten Gegenwart.

Die Deutung und Besetzung des Begriffs FĂŒnfte Gewalt ist nicht eindeutig. WĂ€hrend die einen den spĂ€t ergĂ€nzten BĂŒrzel der Gewaltenteilung dem organisierten Lobbyismus zuschreiben und dem Mediensystem den Platz der Vierten Gewalt zuweisen, empfinden andere die Rolle der organisierten Interessenvertreter als ĂŒberbewertet. Professorin Dr. Konstanze Marx, die heute Abend im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg ĂŒber die Struktur und Funktion diskreditierender Online-Diskurse sprechen wird, stellt ihrem Vortrag die Frage voran, ob nicht mittlerweile die digitale Gewalt der vielen dem Lobbyismus als FĂŒnfte Gewalt den Rang abgelaufen hat.

Konstanze Marx

(Foto: Konstanze Marx)

Professorin Dr. Konstanze Marx (UniversitĂ€t Mannheim) versteht digitale Gewalt im Zeitalter sozialer Medien als diejenige Gewalt, die ĂŒblicherweise sprachlich ausgeĂŒbt wird und dadurch zu einem linguistischen Forschungsgegenstand wird. Ihr Vortrag basiert auf der qualitativen und quantitativen Analyse von als Shitstorms und HateSpeech deklarierten diskursiven Ereignissen. „Zuschreibungen wie Shitstorm oder HateSpeech erfolgen allerdings oftmals im Diskurs selbst und tendieren zum einen oder anderen Extrem: entweder wird HateSpeech unter dem Deckmantel berechtigter Kritik verharmlost oder konstruktive Kritik wird mit einer Shitstorm-Etikettierung aus dem Diskurs verbannt.“ „Vortrag ĂŒber digitale Gewalt und die Struktur diskreditierender Online-Diskurse“ weiterlesen

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Netzfeministin Anne Wizorek im Koeppenhaus: „Weil ein #Aufschrei nicht reicht“

Netzfeministin Anne Wizorek liest am Montag im Koeppenhaus aus ihrem Buch Weil ein #Aufschrei nicht reicht. Wie sieht er aus, der „Feminismus von heute“?

Im Januar 2013 löste ein Artikel der Journalistin Laura Himmelreich ĂŒber den damaligen FDP Spitzenkandidaten Rainer BrĂŒderle eine Debatte ĂŒber das Thema Alltagssexismus aus. Kurz darauf initiierte die Netzfeministin Anne Wizorek den spĂ€ter mit dem Grimme Online Award ausgezeichneten Hashtag #aufschrei, mit dem daraufhin tausende Frauen ihre Erfahrungen mit dieser Diskriminierungsform im Internet teilten und kanalisierten.

Anne Wizorek Aufschrei

(Foto: Anne Koch)

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Profx Lann Hornscheidt und die Vision einer diskriminierungsfreien Sprache

Mit dem Vorschlag, sich geschlechtsneutral als „Profx“ ansprechen zu lassen, löste Prof. Dr. Lann Hornscheid (HU Berlin) im vergangenen Jahr eine Lawine der EntrĂŒstung in ihrer unappetitlichsten Art und Weise aus, die von Morddrohungen bis zu VergewaltigungsankĂŒndigungen reichte.

Lann Hornscheidt wird am Dienstag im Greifswalder Audimax einen Vortrag („Von BĂŒrgerInnen zu BĂŒrg_erinnen zu BĂŒrgx – was können und sollen solche SprachverĂ€nderungen?“) halten und darin die Geschichte feministischer und antirassistischer SprachverĂ€nderungsvorschlĂ€ge der letzten 40 Jahre nachvollziehen. Dabei sollen die Logiken, Ziele und die Argumentationen, denen diese in unterschiedlichen Öffentlichkeiten wie Medien, Gesetzen oder Wissenschaft begegnen, diskutiert werden.

lann hornscheidt buergx

Lann Hornscheidt wird im Vortrag die impliziten wie expliziten Vorstellungen zu Sprache, gesellschaftlicher VerĂ€nderung, Subjekt, Handlung und Diskriminierung/Gewalt analysieren und Visionen fĂŒr antidiskriminierende SprachverĂ€nderungen formulieren. Die Formulierung „Profx“ geht auf den von Lann Hornscheidt und der AG „Feministisch Sprachhandeln“ an der HU Berlin entwickelten Leitfaden Anregungen zum antidiskriminierenden Sprachhandeln (PDF, 24,5 MB) zurĂŒck und lieferte im vergangenen Jahr das griffige Schlagwort zum Shitstorm.

Der Vortrag wird vom Greifswalder Sprachwissenschaftler Prof. Dr. JĂŒrgen Schiewe moderiert. Die Veranstaltung findet in Kooperation zwischen dem InterdisziplinĂ€ren Zentrum fĂŒr Geschlechterforschung (IZfG) und dem Institut fĂŒr Deutsche Philologie statt.

Fakten: 02.06. | 18 Uhr | Audimax (Rubenowstr. 1), HS 5

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Kein ruhiges Hinterland: Initiative gegen rechte Strukturen an der UniversitĂ€t Greifswald gegrĂŒndet

In der vergangenen Woche grĂŒndeten Studierende der UniversitĂ€t die Initiative Uni ohne Nazis Greifswald, um gemeinsam rechten Strukturen und Ideologien an ihrer Hochschule entgegenzuwirken.

Das Szenario vom organisierten Neonazi, der neben seinen Kommilitonen die Hochschulbank drĂŒckt, ist hier ganz real

„Das Problem muss dort geĂ€ußert werden, wo es ist“, erklĂ€rte einer der beteiligten Studenten und einer seiner Kommilitonen ergĂ€nzt: „Leitbilder dĂŒrfen keine leeren Forderungen bleiben, sondern mĂŒssen umgesetzt werden. Aber was macht man, wenn man mit bekennenden Rechtsextremisten im Seminar sitzt?“

An der Greifswalder Hochschule muss dieses Szenario nicht erst konstruiert werden, um sich vorstellen zu können, was fĂŒr ZwĂ€nge sich aus solchen Konstellationen ergeben können — der organisierte Neonazikader, der schweigend die Hochschulbank drĂŒckt und am Wochenende als Anti-Antifa-Fotograf auf NPD-Veranstaltungen in Erscheinung tritt oder außerhalb der Alma Mater linksalternative Kommilitonen bedroht oder verletzt, ist am Institut fĂŒr Politikwissenschaften lĂ€ngst RealitĂ€t. Die PrĂ€senz eines schweigsamen Neonazis in Seminaren — in Lernsituationen also, in denen normalerweise angeregt diskutiert wird und bei denen die Teilnehmenden mitunter auch persönliche Informationen preisgeben, ist einigen Studierenden unheimlich.

marcus gutsche

(Foto: Hans Schlechtenberg)

Als ebenjener Neonazi in der vergangenen Woche ein Referat ĂŒber Benjamin R. Barber und die partizipatorische Demokratie halten musste, setzten vier seiner Kommilitonen ein Signal und verließen das Seminar. Man könne den Neonazi, der seinen Vortrag halten muss, nicht einfach aus dem Seminar werfen, wohl aber könne man das Seminar mit möglichst vielen anderen Studierenden verlassen und fĂŒr die von ihm referierten Inhalte eine Alternativveranstaltung organisieren. „Kein ruhiges Hinterland: Initiative gegen rechte Strukturen an der UniversitĂ€t Greifswald gegrĂŒndet“ weiterlesen

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Junger Mann auf dem Wall angegriffen — weil er ein Kleid trug

Die Serie unerfreulicher Polizeimeldungen ĂŒber Verbrechen in Greifswald reißt leider nicht ab. Heute wird ĂŒber einen gewalttĂ€tigen Übergriff auf dem Wall berichtet, den man in den USA wohl unter hate crime — also als aufgrund von Hass oder Vorurteilen begangenes Delikt — verbuchen wĂŒrde.

Polizei MVAm Sonntag, 04:30 Uhr, kam es vor der Mensa und im Bereich des MĂŒhlentores/Wallanlage zu tĂ€tlichen Auseinandersetzungen, bei der zwei Frauen (19, 22 Jahre) und zwei MĂ€nner (23, 26 Jahre) verletzt wurden. Zuvor hatten drei MĂ€nner einen auf dem Heimweg befindlichen 23-jĂ€hrigen Gast der „KostĂŒm Party“, der sich als Frau verkleidet hatte, obszön/diskriminierend/sexistisch beschimpft und angegriffen. Dabei tat sich laut Zeugenaussagen ein 25 bis 30 Jahre und ca. 160 cm großer junger TĂ€ter hervor, der u. a. versuchte, einem zur Hilfe eilenden jungen 26-jĂ€hrigen Mann mit einem Schlagring anzugreifen. Der Schlag traf jedoch eine 23-jĂ€hrige Frau, die zu Boden ging und kurzzeitig bewusstlos wurde. Eine weitere 19-jĂ€hrige junge Frau erlitt ebenfalls Schlagverletzungen.

Die Polizei konnte die TÀter, zu denen bereits sehr gute Zeugenhinweise vorliegen, vor Ort nicht mehr stellen. Ein gerufener Rettungswagen versorgte die GeschÀdigte am Wall ambulant.

In Deutschland gibt es keinen eigenen Staftatbestand fĂŒr Hassverbrechen. 2012 scheiterte eine Gesetzesinitiative, die eine Änderung des Strafgesetzbuchs vorsah, um Taten aus menschenverachtenden Motive hĂ€rter zu bestrafen. Dem Themenfeld HasskriminalitĂ€t werden politisch motivierte Straftaten zugeordnet, die sich gegen eine Person aufgrund ihrer politischen Einstellung, NationalitĂ€t, Volkszugehörigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung, ihres Ă€ußeren Erscheinungsbilds oder ihres gesellschaftlichen Status richten.

  • Polizei ermittelt nach Körperverletzungen (PM Polizei, 03.03.2014)

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Intern: Fleischervorstadt-Blog gerÀt in die Kritik

Schon fĂŒnf Wochen her und beinahe untergegangen: Der Fleischervorstadt-Blog geriet in die Sprachkritik und wurde von den kommunalen GrĂŒnen krĂ€ftig in die Zange genommen. Gregor Kochhan bemĂ€ngelte, dass die Berichterstattung des Blogs im Zusammenhang mit dem Überfall auf die Sparkasse im November diskriminierend und mit dem Pressekodex unvereinbar gewesen sei.

Die Berichterstattung ĂŒber KriminalitĂ€t […] unterliegt gewissen Grenzen. Merkmale, die nichts mit der (mutmaßlichen) Tat zu tun haben, sollten im Bericht nicht auftauchen. Alter, NationalitĂ€t oder Ähnliches haben in Artikeln nichts zu suchen, wenn diese Merkmale nicht zur Besonderheit der Tat gehören. Auch die Hervorhebung der Zugehörigkeit zu einer Gruppe kann laut Pressekodex diskriminierend sein […].

Die mehrfache Verwendung des Wortes “GrĂŒn” (grĂŒnes Fahrrad, grĂŒne Jacke) halten wir in der Berichterstattung des FVB im Zusammenhang mit der TatausfĂŒhrung (Fahrrad) fĂŒr diskriminierend. Sicher sind wir fĂŒr COÂČ-Reduzierung und -Vermeidung in allen gesellschaftlich relevanten Bereichen, von dieser Tat distanzieren wir uns.

ÖKOSPIESSERVERBOTSPARTEI NERVT SATIRISCH

Wahlplakat der Gruenen Montage BankĂŒberfall Und du?

Das Ergebnis solcherlei Textproduktion habe man an Kommentaren bei Facebook ablesen können, in denen von einem “umweltfreundlichen BankĂŒberfall” die Rede gewesen sei. Die GrĂŒnen hĂ€tten sich fragen lassen mĂŒssen, ob sie nicht schon immer „prinzipiell fĂŒr Umverteilung“ gewesen seien und es sich bei dem BankĂŒberfall nicht um eine „Versöhnung von Ökologie und sozialer Gerechtigkeit“ gehandelt hĂ€tte. Weil dann auch noch die BĂŒrgerinitiative fĂŒr die Diagonalquerung diskreditiert wurde („der RĂ€uber sei quer ĂŒber die Europakreuzung gefahren“), reichte es den linken Ökospießern: Sie entschieden sich fĂŒr hĂ€rtere Methoden und forderten vom Fleischervorstadt-Blog, dass dieser sich an den eigenen MaßstĂ€ben in Sachen Political Correctness messen ließe. „Intern: Fleischervorstadt-Blog gerĂ€t in die Kritik“ weiterlesen

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