Greifswalder Professorin in Sachverständigenkommission der Bundesregierung berufen

Am vergangenen Freitag fand die konstituierende Sitzung der Sachverständigenkommission für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung statt, auf der Manuela Schwesig (SPD) den Sachverständigen den Berichtsauftrag für ihr Gutachten erteilte. In die zwölfköpfige Kommission wurde mit Prof. Dr. Eva Blome auch eine Wissenschaftlerin der Universität Greifswald berufen.

Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) verspricht sich von dem Gutachten entscheidende Impulse für die Gleichstellungspolitik in Deutschland: „Für mich ist Gleichstellungspolitik moderne Gesellschaftspolitik. Für Frauen und Männer, für die Vielfalt der Lebensentwürfe und Lebensläufe.“ Die Sachverständigen sollen bei ihrer Arbeit der Frage nachgehen, welche konkreten politischen Schritte es Frauen und Männern ermöglichen, sich in der Arbeitswelt und in der Familie tatsächlich auf Augenhöhe zu begegnen. Der Erste Gleichstellungsbericht, vorgelegte 2011, hatte gezeigt, dass punktuelle Lösungen bei der Verwirklichung der Gleichstellung von Frauen und Männern nicht ausreichen.

mitglied-sachverständigenkommission-eva-blome600(Foto: Kilian Dorner, Universität Greifswald)

Besonderer Handlungsbedarf bestehe vor allem bei den Übergängen im Lebensverlauf, bei denen sich aus unterschiedlicher Geschlechterperspektive verschiedene Anforderungen ergäben. „Greifswalder Professorin in Sachverständigenkommission der Bundesregierung berufen“ weiterlesen

Gender Bender Action Days 2014: Stricken für Männer, Frauen in der Wissenschaft und handfeste Selbstbehauptung

Heute beginnen die Gender Bender Action Days 2014. Die queer-feministischen Tage finden in diesem Jahr bereits zum vierten Mal statt und bereichern die Greifswalder Pfingsttage mit einem vielseitigen Programm und vielen Workshops und Vorträgen sowie der inzwischen traditionellen Abschlussparty.

Programmheft der Greifswalder Gender Bender Action DaysIn den Workshops und Gesprächsrunden werden unterschiedliche Themen angepackt, die vom gemeinsamen Austausch über Lookismus, der emanzipatorischen Elternschaft oder der männlichen Sozialisation im Patricharchat bis hin zum Strickkurs für Männer, einem DIY-Schlagzeug-Workshop oder einem Krav Maga bewehrten Selbstbehauptungstraining reichen. Einige dieser Veranstaltungen sind an ein eingeschränktes Publikum adressiert, nähere Informationen dazu sind im Programmheft vermerkt.

Um die berühmte gläserne Decke wird es bereits heute Abend beim moderierten Podiumsgespräch zum Thema „Frauen in der Wissenschaft“ gehen, bei dem mehrere Akademikerinnen der Greifswalder Universität über Gleichstellungspolitik im Wissenschaftsbetrieb diskutieren werden. Am Sonnabend wird es etwas subkultureller, denn der partizipative Abendvortrag wird sich mit Fragen von Geschlechtskonstruktion und den damit verbundenen Herrschaftsstrukturen im Hardcore beschäftigen, ehe auf der Abschlusssause die Nacht zum Tag gemacht wird.

Absahnen #18: Universitätspreis für geschlechterbezogene Abschlussarbeit

Seit 2006 prämiert die Universität Greifswald jedes Jahr wissenschaftliche Arbeiten, in denen die Geschlechterperspektive in besonderer Weise berücksichtigt wird. Diesen mit 300 Euro dotierten Universitätspreis vergeben die Gleichstellungskommission des Senats und das Rektorat, die bei ihrer Entscheidung die Qualität der wissenschaftlichen Darstellung und deren originären Ansatz besonders gewichten.

unipreis geschlecht(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Die Preisträger der vergangenen Jahre beschäftigten sich in ihren Arbeiten mit so unterschiedlichen Themen wie der Wirkung von Frauenförderung durch eine transnationale NGO in Indien, dem deutschen und europäischen Frauenstrafvollzug oder der Identitätsproblematik in zeitgenössischen literarischen Texten.

Für den Wettbewerb sind alle aktuellen wissenschaftlichen Abschluss- und Promotionsarbeiten aus den Fakultäten der Universität Greifswald einschließlich der Universitätsmedizin zugelassen. Um teilzunehmen, ist die Bewerbung mit der Arbeit bis zum 25. Mai 2012 in gebundener Form und als pdf-Dokument an das Büro der Gleichstellungsbeauftragten zu richten. Mehr zum Preis und ein ausführlicherer Rückblick auf die Preisträgerinnen der letzten Jahre findet sich auf der Homepage der Universität Greifswald.

Im Gespräch mit den Gender Bender Action Days

Am 17. Mai beginnt mit den Gender Bender Action Days (G*B*A*D) ein viertägiger Veranstaltungsmarathon mit Vorträgen, Workshops, Parties und Konzerten, der dieses Jahr in nunmehr zweiter Auflage stattfinden wird. Neun Tage sind es noch bis zur Auftakt-Party — Zeit genug, um mit den beiden Mitorganisatorinnen Piet und Charly über verbogene Rollen, Polyamorie und Selbstverteidigung zu sprechen.

gender bender

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Riot Grrrl Revisited: „Revolution Girl Style Now!“

Popkulturlehrstunde  mit dem testcard-Autoren Dr. Jonas Engelmann (Ventil Verlag). Es geht um Punk und Feminismus, um DIY und Selbstermächtigung, um Rebellion und Subkultur. Der Mitherausgeber des Sammelbands Riot Grrrl Revisited stellt sowohl Geschichte als auch Gegenwart dieser vor über zwanzig Jahre in den USA gewachsenen Bewegung dar.

„1990 gründeten sich Bikini Kill und Heavens to Betsy, aus denen später Sleater-Kinney hervorgingen. Damals hätte wohl keine der Beteiligten geahnt, dass 20 Jahre später eine Frau zum Superstar avancieren würde, die sich auf eben diese Bands beruft: Es gibt kaum einen Musikpreis, den Beth Ditto mit ihrer Band The Gossip in den letzten Jahren nicht bekommen hätte, kaum eine Musikzeitschrift, auf deren Cover sie nicht abgebildet war.

Riot Grrrls revisited

Höchste Zeit also, zurückzublicken und das Standardwerk zur Geschichte dieser Bewegung dem deutschen Publikum zugänglich zu machen: Riot Grrrl! erzählt die Entwicklung aus der Perspektive von Frauen, die in ihrer Wut auf den Sexismus der Punkszene und die gesellschaftlich vorgegebenen weiblichen Rollenmuster kurzerhand ihre eigene Szene gründeten – unter dem Schlachtruf: Revolution Girl Style Now!

Der durch  Filmausschnitte und Hörbeispiele ergänzte Vortrag findet in Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung (IZfG) statt.

Fakten: 03.05. | 21 Uhr | IKUWO | Eintritt frei

Journalizzm im Interview mit Prof. Schiewe: „Die Professorin war die Frau des Professors“

Auf dem noch relativ jungen Greifswalder Blog journalizzm erschien heute unter dem Titel Zwischen Hirn und Gesellschaft ein lesenswertes Interview mit Prof. Dr. Jürgen Schiewe, Lehrstuhlinhaber für Germanistische Sprachwissenschaft an der Uni Greifswald,  über geschlechtergerechte Sprache.journalizzzmIm Interview geht der Germanist auf die Grundlagen und Ziele einer Sprache ein, die in dieser Form erst von der feministischen Sprachkritik  in den späten Siebziger Jahren gefordert wurde, und spricht sich gegen die Verwendung des generischen Maskulinums aus.

„ERSTER SCHRITT ZU EINER SOZIAL GERECHTEREN GESELLSCHAFT“

Für ihn ist ein „geschlechtergerechter Sprachgebrauch der erste Schritt zu einer sozial gerechteren Gesellschaft“, doch er beobachtet unter seinen Studierenden ein nachlassendes Interesse am Thema, für das früher mit Vehemenz gestritten wurde. Diesen Bedeutungsverlust erklärt Schiewe unter anderem mit dem sprachlichen Mehraufwand geschlechtergerechter Sprache und einem veränderten Bewusstsein für die Notwendigkeit, die Sichtbarkeit von Frauen auch sprachlich zu erkämpfen.

juergen schiewe greifswald

„Gleichstellung wird heute in der Universität zwar groß geschrieben – nicht zuletzt, weil von wichtigen Institutionen, potentiellen Geldgebern, dieses Thema stark befördert und gefordert wird. Dass Gleichstellung aber zunächst einmal im Kopf und damit auch in der Sprache beginnen muss, diese Erkenntnis hat sich noch nicht durchgesetzt oder wird wieder — wie vor den 1970er Jahren — ignoriert.“

Das ausführliche Interview ist in leicht gekürzter Form bei journalizzm online abrufbar und liegt als sechsseitiges pdf-Dokument (0,09MB) außerdem in vollständiger Version vor. Es ist kurzweilig und dürfte auch für jene interessant sein, die sich bislang noch nicht mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

(Foto: idw, privat, nicht unter CC-Lizenz)

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Auf dem Fleischervorstadt-Blog wird aus ästhetischen Gründen auf den alles einschließenden Unterstrich ebenso verzichtet, wie auf das dualistische Binnen-I oder die Doppelnennung, die hier mit geschlechtspolitischer Absicht vermieden werden. Stattdessen wird versucht, so willkürlich wie möglich zwischen generischem Maskulinum und Femininum zu changieren, um so auf Sichtbarkeiten und sprachliche Repräsentation aufmerksam zu machen. Selbstverständlich sind mit diesen Formen alle Menschen unabhängig von ihren Geschlechtern gemeint.

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