Gut gebrüllt, Löwe! Klaus Gehre inszeniert „Surrogates — mein zweites Ich“ am Theater Vorpommern

Eine Theaterkritik von Florian Leiffheidt

Wer am Sonntag der Premiere von Klaus Gehres Inszenierung des Hollywood-Blockbusters Surrogates — mein zweites Ich am Theater Vorpommern beiwohnte, konnte erleben, dass man für spannungsgeladene, actionreiche Handlungen keinesfalls ein Feuerwerk an Spezialeffekten oder gar ein großes Budget benötigt. Ganz im Gegenteil: Gerade bei dieser Produktion zeigte sich das Reizvolle an sogenannten Low-Budget-Produktionen.

ZUKUNFTSVISION ALS DÜSTERE VIDEO-SOUND-LIVE-PERFORMANCE

Die Bühne gleicht einem wohlorganisierten, kreativen Chaos aus Hand- und Barbiepuppen, Körperteilen, einem Löwenkopf und vielerlei anderen Utensilien nebst einer Vielzahl von Videokameras. Emsig werden letzte Teile geschraubt, wird Holz den Sicherheitsanweisungen entsprechend glattgeschliffen. Es folgen letzte Absprachen, dann gibt Ronny Winter das entscheidende Kommando: „Action!“ „Gut gebrüllt, Löwe! Klaus Gehre inszeniert „Surrogates — mein zweites Ich“ am Theater Vorpommern“ weiterlesen

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Intendantengespräch: „Wieviel Spaß hat das Risiko gebracht?“

Morgen Abend lädt der Theaterförderverein Hebebühne zu einem öffentlichen Gespräch mit dem Intendanten Dirk Löschner (Theater Vorpommern) ein.

Dirk Löschner, Theater VorpommernIm Foyer des Großen Hauses soll ab 18 Uhr auf die zurückliegende erste Spielzeit des Intendanten, die unter dem Motto Kein Risiko stand, zurückgeblickt werden. Fragen gibt es viele, zum Beispiel, „wie er die erste Spielzeit unter seiner Intendanz einschätzt, welche Pläne er für die nächste hat, ob er sich in Greifswald einleben konnte, wie er die Schweriner Pläne zur Neuordnung der Theater- und Orchesterlandschaft einschätzt“.

Die Hebebühne möchte von Dirk Löschner, der das Spielplanheft mit einem markigen „No risk no fun“ einleitete, wissen, wieviel Spaß das Risiko nun gebracht habe. Das Gespräch wird Dr. Ulrich Rose vom Förderverein führen.

Fakten: 18.06. | 18 Uhr | Theaterfoyer | freier Eintritt

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Endgeil! – Wolfgang Herrndorfs TSCHICK beendet Spielzeit am Theater Vorpommern

Eine Theaterkritik von Florian Leiffheidt

Wer am vergangenen Donnerstagabend im ausverkauften Rubenowsaal des Theater Vorpommern in Greifswald der letzten Premiere dieser Spielzeit – der Bühnenfassung des Jugendromans TSCHICK von Wolfgang Herrndorf – beiwohnte, hatte das große Vergnügen, einen Höhepunkt des ersten Jahres unter der Leitung des neuen Intendanten Dirk Löschner erleben zu können.

EIN STÜCK ÜBER JUGEND — EIN STÜCK ÜBER FREUNDSCHAFT

Maik Klingenberg (Felix Meusel), 15 Jahre alt und somit mitten in den Wirren der Pubertät, ist ein ziemlicher Außenseiter in der Klasse: gemieden, ohne Spitznamen und nicht zuletzt ausgeschlossen von der Geburtstagsfeier seiner angebeteten Klassenkameradin. Sein neuer Mitschüler Tschick (Dennis Junge), ein Jugendlicher mit russischem Migrationshintergrund und einschlägiger Vergangenheit, entwickelt sich für Maik erst zu einem Verbündeten, dann — in den Sommerferien — schließlich zu einem sehr guten Freund, mit dem er in einem geklauten blauen Lada eine Art Roadtrip erlebt, der seinesgleichen sucht. „Endgeil! – Wolfgang Herrndorfs TSCHICK beendet Spielzeit am Theater Vorpommern“ weiterlesen

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„Rigoletto“ am Theater Vorpommern – Ein gelungener Abend trotz verwirrender Regie

Eine Theaterkritik von Georg Meier

Rigoletto — wir kennen ihn alle: ein Buffone, ein Spaßmacher, der sich gern auf Kosten anderer amüsiert, auch wenn die dann teuer dafür zahlen müssen. Der verliert also seinen einzigen Schatz, seine Tochter, durch eben jene Machenschaften, die ihn selbst auszeichnen. Große Verzweiflung und die Tochter stirbt in einer rekordverdächtig langen Sterbeszene. So der Klassiker.

RIGOLETTO TRÄGT SCHWARZ, ER IST JA AUCH DER BÖSE

Ganz anders am Theater Vorpommern: Die Hofgesellschaft des Herzogs von Mantua ist übersetzt in eine Modegesellschaft der 70er. Das sind aufwendige Kostüme und Tänze, die man gern sieht — das leuchtet ein. Hofgesellschaft in Mantua, das wären ja auch aufwendige Kostüme und Tänze. Das sieht vielversprechend aus, also freut man sich auf Rigoletto. Bestimmt das beste Kostüm. Leider nicht. Rigoletto trägt Schwarz, er ist ja auch der Böse. Und das ist noch nicht alles.

Rigoletto

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Mittelmaß! „Liebe Macht Tod/Romeo und Julia“ am Theater Vorpommern

Eine Theaterkritik von Florian Leiffheidt

Plakat zu Romeo und Julia

Kaum eine Liebestragödie begeistert und berührt so sehr wie Shakespeares Romeo und Julia — die Tragödie einer Liebe, welche durch den Streit zweier reicher verfeindeter Familien zum fatalen Scheitern verurteilt ist; und dies bereits von ihrem Beginn an. Dennoch erweckt dieses Stück seit Jahrhunderten die Hoffnung und den Glauben an aufrichtige, bedingungslose Liebe bis in den Tod.

Thomas Braschs Fassung des Shakespeare’schen Dramas kleidet bereits in seinem Titel die Liebesgeschichte in ein neues, ein anderes Gewand: LIEBE MACHT TOD. Diese Fassung glänzt nicht nur durch eine „kräftigere“ Sprache, sondern auch durch ihre Konzentration auf die Macht der jeweiligen Clans und ihrer Mitglieder sowie deren Umgang mit ihr.

OBERFLÄCHE STATT TIEFGANG – STANDBILDER STATT EMOTIONEN

In der Inszenierung am hiesigen Haus, welche am Samstag Premiere feierte, gelingt es dem Regisseur und designierten Oberspielleiter Andrè Rößler leider nur, diese Begriffe — wenn überhaupt — oberflächlich zu behandeln. Trotz vieler inszenatorischer Einfälle — wobei einige das „klassische“ Greifswalder Publikum sicher einer Geduldsprobe unterzogen — gelingt es nur selten, dass die erzeugten Bilder der Inszenierung Emotionen transportieren, geschweige denn auslösen können.

romeo und julia greifswald

Allzu oft wirken Situationen wie Standbilder, wie Momentaufnahmen — man vermisst tatsächlich körperliche Aktion. Selbst bei einer Kampfszene zwischen Tybalt (wunderbar machthungrig dargeboten von Alexander Frank Zieglarski) und Mercutio (pubertär hemmungslos: Dennis Junge), in welcher Schwämme mit Kunstblut statt Schwertern zum Einsatz kommen, kann nur wenig Spannung erzeugt werden. „Mittelmaß! „Liebe Macht Tod/Romeo und Julia“ am Theater Vorpommern“ weiterlesen

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Gehört „Das Fest“ zu den zehn wichtigsten Inszenierungen des vergangenen Theaterjahres? Nachtkritik bittet zur Wahl

Die nachtkritik, eines der bedeutendsten deutschen Internetportale in Sachen Theater, ruft  ihre Leserinnenschaft zum virtuellen Urnengang auf und bittet  zur Abstimmung über die zehn wichtigsten Inszenierungen der vergangenen zwölf Monate.

Im Vorfeld verständigten sich Korrespondenten und Redakteure der Plattform demokratisch auf 48 Inszenierungen, die ihnen wichtig erschienen und auf die nun bei der Abstimmung bis zu zehn Stimmen verteilt — und nicht kumuliert — werden können. Zur Wahl steht dabei auch die Umsetzung des Dogma-Klassikers Das Fest, den Gastregisseurin Uta Koschel im Frühjahr 2012 in Greifswald inszenierte.

Katja Klemt Hannes Rittig Das Fest Uta Koschel(Vincent Leifer, Theater Vorpommern)

Nachtkritikerin Juliane Voigt sah bei der Premiere einen „finalen Gipfelsturm des durch den designierten Intendanten gekündigten Personals an diesem Haus“ — es war der letzte große gemeinsame Streich der Ensemble-Mitglieder, deren Arbeitsverträge vom neuen, nach Frischwind jagendem Intendanten Dirk Löschner nicht verlängert wurden. Die Abstimmung von nachtkritik läuft bis zum 7. Februar und ist hier zu finden. Mitwählen darf jeder, eine Registrierung ist dafür nicht notwendig. Die Ergebnisse werden am darauffolgenden Tag bekanntgegeben.

Eine wirklich lesenswerte Besprechung des Stückes schrieb Gastkolumnist Ferdinand Fantastilius im März 2012  für den Fleischervorstadt-Blog. Sie erschien unter dem Titel Familien, Feste und Verdrängung: Uta Koschel inszeniert “Das Fest” am Theater Vorpommern.

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