Neonazis „outen“ langj√§hrige Hochschulpolitiker

„Ein Outing funktioniert nur, wenn Menschen sich hinter ihren b√ľrgerlichen Fassaden verstecken und mit ihren Werten und Normen nicht √∂ffentlich auftreten. Ein Outing ist sinnlos bei Menschen, die seit Jahren (hochschul-)politisch aktiv sind, Vertreter des StuPa sind beziehungsweise waren und wenn ihr antifaschistisches Engagement in der Stadt bekannt ist.“

Flugblatt von Neonazis, um linke Studenten zu outen

Mit diesen Worten reagierte die Linksjugend [‚SDS] Greifswald auf das von Neonazis verantwortete Outing zweier Mitglieder, die heute durch eine Flugblattaktion in ihrem Wohnumfeld diskreditiert werden sollten. Offenbar kratzten die Neonazis schon im Vorfeld antifaschistische Aufkleber zusammen und verteilten diese im Hausflur der beiden Hochschulpolitiker Martin Grimm und Marvin Hopf. Die umliegenden Briefk√§sten wurden mit Flyern best√ľckt, die die Nachbarn √ľber den hochschulpolitischen Hintergrund der beiden Hausbewohner „aufkl√§ren“ sollten. Nicht die Neonazis seien f√ľr die im Hausflur verteilten Aufkleber verantwortlich, sondern die beiden Studierenden, die schon seit mehreren Legislaturen im Studierendenparlament sitzen und sich sowohl innerhalb als auch au√üerhalb der Hochschule politisch engagieren. „Neonazis „outen“ langj√§hrige Hochschulpolitiker“ weiterlesen

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Verfassungsschutzbericht 2012 ver√∂ffentlicht — wo lauert nun die gr√∂√üte Gefahr?

Gestern pr√§sentierte Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) den aktuellen Verfassungsschutzbericht f√ľr Mecklenburg-Vorpommern. Im Vergleich zum Bericht des Vorjahres, der nach einem l√§ngeren Rechtsstreit zwischen dem Innenministerium und drei alternativen Vereinen nur noch in stellenweise geschw√§rzter Fassung verbreitet werden darf, hat sich nicht viel ver√§ndert: die rechtsextreme Szene bleibt ein Problem, der sogenannte „Linksextremismus“ soll das Potenzial dazu haben; der Islamismus ist — gleich nach der Punkband Feine Sahne Fischfilet — die gr√∂√üte Gefahr f√ľr unsere Sicherheit und schlussendlich bedrohen Spione einheimische Technologieunternehmen.

GEWALTBEREITSCHAFT UND MITGLIEDERZAHLEN DER RECHTSEXTREMEN SZENE BLEIBEN KONSTANT „Verfassungsschutzbericht 2012 ver√∂ffentlicht — wo lauert nun die gr√∂√üte Gefahr?“ weiterlesen

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Greifswald im Radio: Rechtsextremisten an deutschen Hochschulen und das Outing des Neonazis Marcus G.

Der S√ľdwestdeutsche Rundfunk (SWR) sendete k√ľrzlich einen Beitrag √ľber Neonazis an deutschen Universit√§ten, in dem auch das Outing des in Greifswald studierenden Rechtsextremisten Marcus G. thematisiert wird. Im ¬†November 2011 machte eine Gruppe Verkleideter w√§hrend einer Vorlesung auf dessen neonazistische Aktivit√§ten √∂ffentlich aufmerksam.

marcus g. nsg(Foto: Indymedia)

Braune Kommilitonen — Rechtsextremismus an Hochschulen thematisiert zuerst den Potsdamer Praktikumsstreit zwischen der dortigen Hochschule und einem immatrikulierten NPD-Anh√§nger, der im Interview auch √ľber Schulungsbem√ľhungen in der rechten Szene spricht. Bernhard Wagner vom Aussteiger-Programm Exit¬†erg√§nzt dessen Ausf√ľhrungen aus anderer Perspektive und berichtet von curricularischen Aufzeichnungen ehemaliger Neonazis.

An der Otto-von-Guericke-Universit√§t in Magdeburg tritt eine rechte Hochschulgruppe, die ein NPD-Stadtratsmitglied gr√ľndete, bei den Gremienwahlen an. Das Thema Burschenschaften wird am Beispiel der Hochschule in Gie√üen behandelt, dann geht es schlie√ülich um Greifswald.

EINSCH√úCHTERUNGSVERSUCHE GEGEN DEN WEBMORITZ: „DIE FRIST WAR IRGENDWIE ACHT MINUTEN“

Mit Gabriel Kords, Simon Voigt und Felix Kremser wird ein Teil der ehemaligen und der gegenw√§rtigen Chefredaktion des webMoritz interviewt. Die Studenten sprechen √ľber ihre Berichterstattung zur Causa Marcus G. und die juristischen Drohungen, mit denen der Neonazi auf das mediale Interesse an seinen Aktivit√§ten reagierte. „Greifswald im Radio: Rechtsextremisten an deutschen Hochschulen und das Outing des Neonazis Marcus G.“ weiterlesen

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Von gerissenen Wölfen und furchtsamen Schafsköpfen. Eine Retourgutsche

F√ľr immatrikulierte Neonazis wird es an deutschen Universit√§ten langsam ungem√ľtlich, denn in j√ľngster Zeit h√§ufen sich Aktionen, in deren Verlauf Studierende und Dozenten darauf aufmerksam gemacht werden, wer mit ihnen gemeinsam die Hochschulbank dr√ľckt und wessen Geistes Kinder diese junge M√§nner sind. Seit Novemberbeginn widerfuhr dies sowohl Daniel F. ¬†(Universit√§t Rostock) als auch Manuel T. ¬†(Uni Leipzig).

nazi outing greifswaldDer Startschuss f√ľr die neuerliche Transparenzoffensive an ostdeutschen Hochschulen wurde allerdings am 1. November in Greifswald abgegeben, als eine etwa zwanzigk√∂pfige Gruppe die Einf√ľhrungsvorlesung der Politikwissenschaft f√ľr knapp zwei Minuten unterbrach und die Anwesenden dar√ľber informierte, dass unter ihnen ein aktiver Neonazi s√§√üe. Die Gruppe bewarf Marcus G., der sich in Sekundenbruchteilen vermummte, mit Konfetti, verteilte flugs die mitgebrachten Flyer und verlie√ü den H√∂rsaal ebenso schnell, wie sie ihn betreten hat. Der Dozent setzte seine Vorlesung anschlie√üend fort.

(Foto: Indymedia)

STELLUNGNAHME VON G. UND DER VERZICHT AUF EINE KRITISCHE EINORDNUNG 

Wenig sp√§ter begl√ľckw√ľnschte man sich f√ľr das gelungene Outing, das obendrein auch gefilmt wurde. Dieses Video verbreite sich wie ein Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke und erntete Wohlwollen und Zustimmung. Doch neben allem Zuspruch wurde auch Kritik an der Aktion laut.

Damit ist nicht nur die tumbe Pressemitteilung des RCDS gemeint, in der die gewaltfreie Aktionsform als „Anstiftung zu Gewalttaten“ stilisiert wird, man sich gro√üz√ľgig der undurchdachten Links-Rechts-Gleichsetzung bedient und schon mal die Extremismuskeule aus dem Nachtschrank holt, sondern auch der webMoritz, dessen Redaktion sich 73 Jahre nach der Reichspogromnacht kein passenderes Datum als den 9. November f√ľr die Ver√∂ffentlichung einer Stellungnahme des Neonazis aussuchen konnte.¬†Das Portal publizierte damit den nunmehr zweiten Artikel zum Thema, in dem der Autor die negative Kritik an der Aktion zusammenfasst — die Welle positiver Resonanzen blendet er jedoch vornehm aus.

stellungnahme marcus g.Es ehrt zwar den journalistischen Ethos der Redaktion, dem Geouteten — der auf die Publikation des ersten webMoritz-Artikels umgehend mit juristischen Drohungen antwortete — eine Gegendarstellung einzur√§umen. Doch ohne eine kritische Einordnung n√ľtzt das wenig und am Ende geriert sich ein mutma√ülicher T√§ter als Opfer. Alles vertauscht?

SICH SELBST INS AUS MAN√ĖVRIERT

Dabei zieht sich ein grundlegender Denkfehler durch die in Greifswald gef√ľhrte Debatte um das Outing von Marcus G., denn dieser Begriff wird vorschnell als diffamierender und verleumderischer Akt √ľbersetzt, mit dem der Neonazi gesellschaftlich sanktioniert und ausgeschlossen werden soll. Dabei wird ausgeblendet, dass es G. selbst war, der sich zielsicher ins Abseits jener demokratischen Gesellschaft man√∂vrierte, die er in dieser Form gerne √ľberwunden s√§he. Denn auch nachdem er seine Heimatstadt Berlin und damit die 2005 verbotene, rechtsextreme Kameradschaft Tor hinter sich gelassen hat, nutzte er die Chance nicht, Leben und Denken neu zu sortieren und das Nazi-Kapitel zu beenden — im Gegenteil.

anklam npd-demoIn Greifswald kn√ľpfte er Kontakte zur rechten Szene Mecklenburg-Vorpommerns und trieb den Aufbau rechtsextremer Strukturen vor Ort voran. Diese Entwicklung ist vielfach belegt und straft die Stellungnahme von Marcus G. L√ľgen.

Der geoutete Neonazis weist in seinem Text zwar „jegliche Extremismusvorw√ľrfe“ zur√ľck, doch das √§ndert nichts daran, dass sein neonazistisches Wirken und Vernetzen dokumentiert ist. Sei es als Fotograf bei NPD-Demonstrationen wie in Teterow, beim Plausch mit dem Rechtsextremisten Frank Klawitter (NPD-Demo Anklam 2010, siehe Foto), beim Konzertbesuch im KLEX mit dem rechtsextremen Kampfsportler Siegfried H. aus Rostock und dem Nazi-Aktivisten Reik P. aus Teterow oder beim gescheiterten Infiltrierungsversuch des st√§dtischen B√ľndnisses Greifswald ist bunt ‚Äď kein Ort f√ľr Neonazis.

UNI GREIFSWALD: KEIN ORT F√úR NEONAZIS!

Die Transparenzoffensive an der Greifswalder Universit√§t ist in erster Linie als deutliches Signal an den fr√ľheren Jurastudenten Marcus G. zu verstehen, dem vielleicht schon jetzt einleuchtet, dass sich ein ungest√∂rtes Studium nur schwer mit seiner antidemokratischen Ideologie in Einklang bringen l√§sst. Seine Kommilitoninnen sind vor ihm gewarnt und wissen nun, dass neben ihnen im Seminar ein Neonazi Platz nimmt, der sich nicht nur mit Outings auskennt, sondern vielleicht auch etwas √ľber Othering erz√§hlen kann.

Ob man die Aktion uneingeschr√§nkt bef√ľrwortet oder in allen Punkten kritisiert, √§ndert erstmal nichts an der Tatsache, dass mit Marcus G. gewiss nicht der Falsche um seine Anonymit√§t gebracht wurde. Ein warmes Wort des Dankes an die Aktivistinnen w√§re da vielleicht angebrachter gewesen als die doch relativ einseitig ausgefallene Berichterstattung im zweiten webMoritz-Artikel zum Vorfall. Eine deutliche Positionierung in dieser Sache leistet sich das gerade umstrukturierte studentische Portal leider nicht.

Im zweiten webMoritz-Artikel wurde eine Man√∂verkritik des Fleischervorstadt-Blogs, die sich an der pommernprinzenhaften P√∂belei und der Lust an der eigenen √úberlegenheit reibt, leider unvollst√§ndig und missverst√§ndlich zitiert; sie ist beim Kombinat-Fortschritt als Kommentar in ungek√ľrzter Fassung sichtbar.¬†

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Gewitterklawitter

Wer sich trotz des ernsten Themas am√ľsieren will, sollte diesen F√ľnfmin√ľter von extra3 √ľber die HDJ sehen. Der Greifswalder Rechtsextremist Frank Klawitter – bis vor vor kurzem noch Mitglied beim THW Greifswald, inzwischen ausgeschlossen – findet dort auch Erw√§hnung.

Übrigens erfuhr Klawitter ein öffentliches Outing als Nazi durch einen Halloween-Besuch der Greifswalder Antifa.

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