Im Gespräch mit Susanne Wiest

Am 10. Dezember 2008 hob die Tagesmutter Susanne Wiest die Online-Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen aus der Taufe. Mehr als 50.000 Mitzeichner und Mitzeichnerinnen unterstützen Wiests Ansinnen und sorgten dafür, dass sich nun der Petitionsausschuss des Bundestages mit dem bedingungslosen Grundeinkommen auseinandersetzen muss.

Susanne Wiest wird darüber hinaus als unabhängige Einzelkandidatin bei der nächsten Bundestagswahl antreten. Ein Grund mehr, die sympathische Wahl-Greifswalderin zu einem Gespräch in ihrem Wiecker Domizil aufzusuchen. Die engagierte Tagesmutter war in Plauderlaune und unterhielt sich mit mir über ihren Alltag als Kandidatin, über das bedingungslose Grundeinkommen und seine Unterstützer, über Flächenwahlkreise, Arthur König und das gute Gefühl, von einer Idee getragen zu werden.

Es ist plötzlich, als hätte ich Werkzeug in der Hand

FLV: Du hast inzwischen regelmäßig Interview-Termine, Talkshow-Einladungen und dein Name ist jetzt untrennbar mit der Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen und dem Label ‚Tagesmutter aus Greifswald‘ verknüpft. Wie stark spürst Du die Veränderungen in Deinem Leben seit Dezember 2008?

SW: Es ist jetzt ein neues Tätigkeitsfeld hinzugekommen. Ich habe mich vorher auch schon politisch interessiert, aber jetzt mache ich ganz konkrete Dinge.

Es ist also nicht mehr nur so ein Interesse, wo ich weiß, das müsste anders sein oder ich wünsche mir das so, aber eigentlich bin ich ja ohnmächtig, etwas zu ändern. Es ist plötzlich, als hätte ich Werkzeug in der Hand. Ich kann gestalterisch tätig werden, z.B. indem ich jetzt die Direktkandidatur hier mache. Das ist einfach eine Aktion, die ich tue. Die Tat ist wichtig geworden. Die Petition war die erste Tat und durch diese eine folgen nun immer neue Taten und ich bin immer vor der Entscheidung: Ja oder nein, mache ich es oder mache ich es nicht? Das ist manchmal eine Frage des persönlichen Mutes. Trete ich vor Leute, spreche ich? „Im Gespräch mit Susanne Wiest“ weiterlesen

Greifswalder Arndt-Befürworter

Wer heute den Blick in die Ostsee Zeitung nicht scheut, kann in den Leserbriefen die Befindlichkeiten und Ressentiments überwiegend älterer Mitbürger entdecken. Ein kurzer Blick über die heute abgedruckten Leserreaktionen.

Kritiker können Arndt nicht das Wasser reichen

Prof. Joachim Buhrow empfindet den Namen Arndt als zeitgemäß und gibt zu Protokoll:

Wir armseligen Zeitgenossen können ihm (Arndt) 150 Jahre später allesamt das Wasser nicht reichen. Das gilt aber vor allem für die Zeitgenossen, die ihn kritisieren, diffamieren und seine Lebensleistung reduzieren.

Ist nicht gerade die überschaubare Lebensleistung neben Arndts Antisemitismus ein wichtiger Grund für die geforderte Umbenennung?

Ex-EMAUler Prof. Ulrich Guth mischt sich in die Arndt-Debatte mit völlig neuen Perspektiven und Argumenten ein:

Bitte immer den historischen Kontext beachten!

Historischer Kontext ist eine inzwischen zur Worthülse mutierte, inflationär gebrauchte Konstruktion im Zusammenhang mit Arndt. Hat nicht der Baden-Württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger schon versucht, den historischen Kontext eines Hans Filbingers zu beachten?

Idelogisch vorbelastete Wichtigtuer-Studenten

Der Greifswalder Hans-Jürgen Schumacher findet die

Hysterie ideologisch vorbelasteter Wichtigtuer-Studenten bezüglich einer möglichen oder wahrscheinlichen Umbenennung der alterwürdigen Greifswalder Alma mater […] für die Ur-Greifswalder kaum zu ertragen. Ich denke, wie die Uni heißen soll, ist auch ein wenig eine (zumindest moralische) Angelegenheit der Greifswalder Bevölkerung.

Schumacher knüpft damit unabsichtlich an einen Beitrag Ulrich Roses an. Der Antiquar stellte unlängst die Frage, wie und wann man eigentlich zum Einheimischen wird. Ich als Greifswalder finde die Diskussion wesentlich erträglicher als die heutigen vier Leserbriefe.

Diskutieren oder notbremsen?

Zum Abschluss meldet sich nochmal Bodo Müller aus Potthagen zu Wort:

Wer tatsächlich auf die Website „Uni ohne Arndt“ geht, erhält nicht die Möglichkeit zu diskutieren oder gar gegenteilige Meinungen abzugeben. Einzig und allein darf er abstimmen, dass er gegen den Namen Arndt ist und warum und Basta. Die Universität Greifswald sollte schnellstmöglich die Notbremse ziehen.

Mein liebes Lischen! Bodo Müller ist ja schon einmal mit einem desavouierenden Leserbrief aufgefallen. Jetzt trägt er seine mangelnde Medienkompetenz wütend und zeitungsöffentlich zur Schau, denn auf der genannten Website lässt es sich ganz herrlich mitdiskutieren.

Spannend dürfte es heute Abend im IKUWO werden, denn dort wird um 20 Uhr eine mit der Amadeu Antonio Stiftung organisierte Podiumsdiskussion zum Namenspatron stattfinden. Moderiert von Marcus Unbenannt werden Prof. Dr. Arno Herzig (Hamburg), Prof. Dr. Reinhard Bach (Greifswald), Prof. Dr. Werner Buchholz (Greifswald) und Prof. Dr. Thomas Stamm-Kuhlmann (Greifswald) als Diskutanten erwartet.

Arndt jetzt auch bei Spiegel Online

Hin und wieder schafft es Greifswald in die großen Medien. Jedoch sind diese Erwähnungen in der Regel Missständen zu verdanken und selten findet sich Erfreuliches in den Artikeln, die durch die ungeheure Leserschaft eine sehr große Reichweite haben. 1999 wurde zum Beispiel der geflohene Verbrecher Dieter Zurwehme in der Fleischervorstadt festgesetzt. Die abenteuerliche Geschichte kann hier in einem eigenen wikipadia-Artikel nachvollzogen werden.

Der Spendenskandal der hiesigen CDU um den „Gewerkschafter“ Wilhelm Schelsky und ein sogenanntes „Familiendrama“ um ein misshandeltes Kind waren die letzten beiden Fälle, die Greifswald überregionale Medienpräsenz einbrachten. Vor kurzem erschien auch noch ein Artikel über die Verglasung von Atomsuppe.

Und vor kurzem ist auf Spiegel Online auch ein Beitrag über den Streit um den Namenspatron der Universität Greifswald, Ernst Moritz Arndt, erschienen. Der Artikel portraitiert die Initiative zur Abschaffung des Namens, fokussiert dabei Sebastian Jabbusch und dürfte dazu beitragen, dass das Thema Arndt nicht stillschweigend ausgesessen wird.

Auf dem Blog der Initiative wird sich zu dem Spiegel-Artikel geäußert und es gibt einige Berichtigungen, die auch für Korrekturen am Originalartikel sorgten.

Universität klärt über Arndt auf

Seit kurzem ist auf der offiziellen Internetseite der Universität Greifswald ein Link zu finden, hinter dem sich eine knappe Auseinandersetzung mit dem kontroversen Namenspatron der Hochschule verbirgt. Die grundsätzliche Debatte zu Ernst-Moritz soll nicht an dieser Stelle geführt werden.

Merkwürdigerweise geht es in den Diskussionen ausschließlich um den Namen der Uni, nicht um die Arndt-Schule und die nach ihm benannte Straße.

Arndt Greifswald

In dem Artikel über Arndt werden viele das Wort „Antisemit“ vermissen, jedoch wird auf Arndts fragwürdige Einstellungen  eingegangen:

Zu einer Zeit, als noch darüber gestritten wurde, was und wer überhaupt die deutsche Nation ausmacht, vertraten Arndt und andere die Auffassung, dass Nationen vor allem durch die Sprache und Abstammung definiert werden und sich unvermischt erhalten müssten. Juden sollten in Deutschland keine staatsbürgerliche Gleichstellung erhalten. Über außereuropäische Völker äußerte sich Arndt im Zusammenhang zeitgenössischer Rassentheorien abwertend.

1933 beantragte der Senat auf Initiative des „Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten“ bei der preußischen Staatsregierung, Arndts Namen tragen zu dürfen. An dieser Stelle war das nationalistische Motiv zweifellos ausschlaggebend.

Damit ist ein erstes Ziel der Arndt-Gegnerinnen erreicht.

Aktuelles über den Widerstand gegen den Namenspatron findet sich auf dem Blog der Kampagne für die Umbenennung der Universität Greifswald.

Anzeige gegen Dr. Douglas Fernando

Aus einem Artikel in der Ostsee Zeitung von Benjamin Fischer geht hervor, dass Michael Steiger (Die Grünen) Anzeige wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung gegen den Geschäftsführer des Petruswerks, Dr. Douglas Fernando, erstattet hat.

Ungewohnt deutlich nahm die Lokalzeitung Stellung zum undurchsichtigen Treiben um das Haus. So heißt es in der Bildunterschrift: „Bloß schnell alles wegbaggern, ehe jemand was mitbekommt. Hinter der Stralsunder Straße 10 wurde ein Fachwerkgebäude plattgemacht.“

Gestern Abend fand mit dem Auftritt des WDR-Kabarettisten Jürgen Becker die erste Veranstaltung des Vereins Kultur- und Initiativenhaus Greifswald statt, die aber leider nicht in der Straze, sondern im Fremdsprachen- und Medienzentrum der Universität ablief und somit Exilcharakter aufwies. Der webMoritz hat dazu einen Podcast veröffentlicht.

Das Petruswerk besitzt inzwischen nicht nur die Straze, sondern auch den Komplex in der Anklamer Straße, dessen Sanierung den unter dem Haus befindlichen Club mira sein Obdach kosten wird. Heute Mittag wurde Fernando vor dem Anwesen in der Anklamer Straße in Begleitung eines Kamerateams gesichtet — offenbar interessiert sich jetzt sogar GTV für diese Angelegenheit.

*Update*

Eine aktualisierte und ausführliche Zusammenfassung der Immobiliengeschäfte, die das Petruswerk in Greifswald unternahm, ist im Beitrag Die Greifswalder Einkaufstour des Immobilienmagnaten Douglas Fernando zu finden.