Jetzt ist es amtlich: die Straze wird gerettet!

Die gute Nachricht gleich vorneweg: die Straze ist vorerst gerettet. Gestern setzte Douglas Fernando seine Unterschrift unter den Vertrag. Die Initiative, die sich seit Jahren um den Kauf des denkmalgeschützten Gebäudes bemüht, hat damit einen essentiellen Schritt nach vorn gemacht und kann endlich loslegen!

Stralsunder Strasse 10 Greifswald(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Dabei wurde es auf dem letzten Meter noch einmal knapp, denn Fernando ließ den für Donnerstag vereinbarten Notartermin, bei dem der Verkauf eigentlich besiegelt werden sollte, platzen. Gestern, also einen Tag später, erschien er jedoch und unterschrieb. Der Kaufpreis soll zwischen 350.000 und 400.000 Euro liegen. Dieses Geld wurde über Leih- und Schenkgemeinschaften organisiert. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes werden auf vier Millionen Euro geschätzt — dieses Geld soll ebenfalls über Leih- und Schenkgemeinschaften akquiriert werden. „Jetzt ist es amtlich: die Straze wird gerettet!“ weiterlesen

Realistische Hoffnung für neuen Freiraum: Straze soll nun doch an Verein verkauft werden

Ein neues Licht am Ende des Tunnels? Wie die Ostsee-Zeitung heute meldete, sei der Verkauf der Straze an den Verein Kultur- und Initiativenhaus, der sich schon lange und ausdauernd um das seit sechs Jahren leerstehende, frühere Gesellschaftshaus Zum Greif bemüht, „beschlossene Sache“. Es werde zwar noch an den rechtlichen Details gefeilt, doch sollen Grundstück und Gebäude innerhalb der nächsten Wochen ihren Besitzer wechseln.

Foto vom Kultur- und Initiativhaus Greifswald "Zum Greif" in der Stralsunder Straße 10(Foto: Fleischervorstadt-Blog)

Mit dem Verkauf, so dieser in der angekündigten Form vollzogen würde, könnte einer der bislang langwierigsten Immobilienstreits zwischen Stadtverwaltung, Investor und Bürgerinitiative endlich ein halbwegs gütliches Ende finden. 2007 wurde das Gebäude, in dem einst viele Vereine ihren Sitz hatten, leergezogen und zum Verkauf ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt im Januar 2008 das Petruswerk aus Berlin. Die Angaben über den Kaufpreis sind widersprüchlich; er soll aberzwischen 160.000 Euro und 300.000 Euro gelegen haben. Nachdem der Investor — das Petruswerk — festgestellt hatte, dass Sanierung und Betrieb des denkmalgeschützten Gebäudes zu teuer seien, präsentierte es in Windeseile Neubaupläne und setzte auf Abriss. „Realistische Hoffnung für neuen Freiraum: Straze soll nun doch an Verein verkauft werden“ weiterlesen

Rückschlag für Douglas Fernando: Kaufvertrag mit Petruswerk wird rückabgewickelt!

Im nichtöffentlichen Teil der Greifswalder Bürgerschaftssitzung wurde gestern Abend beschlossen, dass dem Petruswerk keine weitere Verlängerung der Zahlungsfrist für das Areal in der Hafenstraße eingeräumt wird. Der Vertrag zwischen der Stadt und dem Immobilienunternehmen von Douglas Fernando soll nun rückabgewickelt werden.

KONKURS IN ÖSTERREICH UND EINE ASIATISCHE FRISCHGELDKUR

Ende 2012 verstrich Fernandos letzte Frist, um die fälligen 1,6 Millionen Euro für die erworbenen sechs Hektar Land zu bezahlen. Das Petruswerk plante, dort auf einer Fläche von insgesamt 13 Hektar ein Wohngebiet am Ryck zwischen der Marienstraße und An den Wurthen zu errichten.

buergerschaft greifswald douglas fernandoNoch vor einer Woche berichtete die Ostsee-Zeitung, dass das Petruswerk das notwendige Geld inzwischen beisammen hätte — ein asiatischer Großkonzern sollte die für die Investition notwendigen 120 Millionen Euro beisteuern.

Doch an der finanziellen Vitalität des Petruswerks bestehen erhebliche Zweifel — nicht zuletzt deswegen, weil es im vergangenen Jahr in Österreich heftig ins Straucheln geriet. Gegen das von Fernando vor vier Jahren übernommene Unternehmen Aktivbau wurde im November 2012 sogar ein Konkursverfahren eröffnet; die Verbindlichkeiten sollen sich dort mittlerweile auf über sechs Millionen Euro belaufen. Ein Insolvenzverfahren gegen das Petruswerk wies das Linzer Landgericht zwar Ende des vergangenen Jahres ab, die Angelegenheit ist allerdings noch nicht vom Tisch.

ENDLICH EIN DEUTLICHES ZEICHEN DER GREIFSWALDER STADTVERWALTUNG

Im Januar 2013 empfahl der Finanzausschuss der Bürgerschaft die nun beschlossene Rückabwicklung des Vertrages. Das Petruswerk besitzt trotzdem noch drei Hektar Land am Hafen und den Alten Speicher in der Marienstraße. Dessen Abriss wurde im April 2012 genehmigt; er soll einem großen Hotelbau weichen. Außerdem gehört dem Unternehmen seit Januar 2008 das denkmalgeschützte Gebäude in der Stralsunder Straße 10 (Straze), das seit dem Kauf und einem abgelehnten Abrissantrag langsam, aber stetig verfällt.
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Vermisste man in der Vergangenheit eine selbstbewusste Haltung der Stadtverwaltung gegenüber dem Petruswerk, so wurde jetzt endlich einmal ein deutliches, längst überfälliges Zeichen gesetzt. Douglas Fernando steht es natürlich frei, sich zeitungsöffentlich über Zweifel an der „Finanzkraft und Seriosität seines Unternehmens“ zu ärgern — ein kurzer Ausflug in das durch ihn blockierte Initiativhaus Stralsunder Straße 10 hilft jedoch ungemein dabei, das zögerlich aufsteigende Mitleid zu überwinden.

(Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de)

Mehr dazu: 

  • Die Greifswalder Einkaufstour des Immobilienmagnaten Douglas Fernando (Fleischervorstadt-Blog, 08.02.11)
  • Petruswerk hat Finanzprobleme in Österreich (daburna, 18.11.12)
  • Greifswalder Bürgermeister behält zwei Beigeordnete (webMoritz, 26.02.13)

Abriss auf Raten: Alarmierende Fotos aus der Straze

Eine anonyme Gruppe verschaffte sich unlängst Zutritt zur Straze und dokumentierte  mit bedrückenden Fotografien den vorangeschrittenen Verfall des Hauses. Das Gebäude wurde 2008 an das Berliner Petruswerk verkauft, das nun schon mehr als viereinhalb Jahre keine Bemühungen für den Erhalt des ehemaligen Gesellschaftshauses Zum Greif erkennen lässt.

Die Greifswalder Bauaufsichtsbehörde lehnte vor einem halben Jahr einen Abrissantrag des neuen Eigentümers ab. Eine Bürgerinitiative versucht seit Jahren, das Haus zu kaufen. Die Fotos aus dem Inneren des Gebäudes, für dessen Begehung es nach Aussage der Fotografen nicht nötig war, Türen, Fenster oder Mauern zu beschädigen, zeugen davon, wie sehr die Substanz des Hauses unter dem halben Jahrzehnt des Leerstands gelitten hat.

Die Gruppe resümiert: „Das Dach der Straze ist undicht. Große Löcher klaffen dort. Niederschläge dringen dadurch ungehindert ein. Auch durch undichte Schornsteine gelangt Wasser in das Gebäude und bahnt sich seinen Weg durch alle Geschosse des Hauses. Einige Räume sind stark vom Verfall betroffen, andere (besonders im Erdgeschoss) dagegen weisen kaum Spuren des Verfalls auf. Die Beschädigungen durch Vandalismus halten sich in Grenzen. Nur wenige Graffiti oder Beschädigungen durch Vandalismus sind sichtbar, dafür aber in fast jedem Raum Löcher, die auf eine Gutachtenerstellung zurückzuführen sein sollen. Das Betreten des Gebäudes ist an einigen Stellen sichtlich gefährlich. Die Decke ist eingestürzt oder gibt bei Schritten bereits spürbar nach. Eine Hälfte des 1. Obergeschoss riecht streng nach Schimmel, sie befindet sich unter dem nicht ausgebauten Speicher, in dem die größten Löcher im Dach sind.  In diesem Teil des Hauses sind auch die meisten Fotos von Deckeneinstürzen und Wassereinbrüchen entstanden.“

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Verfall der Straze

Bild 1 von 13

(Foto: anonym)

Die Fotografen weisen in ihrem Anschreiben ausdrücklich darauf hin, dass sowohl Aufnahme als auch Veröffentlichung der Fotos „ohne Mithilfe oder Mitwisserschaft von Mitgliedern der Bürgerinitiative zur Rettung des Hauses“ stattgefunden habe.

  • Bildergalerie
  • Aus dem Inneren der Straze – Fotos des Verfalls (daburna, 01.11.12)
  • Neue Fotos dokumentieren Verfall der Stralsunder Straße 10 (webmoritz, 02.11.12)

Streetart-Protest gegen Straze-Verfall: „Wir würden lachen, wenn wir nicht weinen müssten“

Letzte Nacht und pünktlich vor der heutigen Podiumsdiskussion begann die Straze zu weinen. Auf dem Blog der Hedonistischen Internationalen Greifswald meldet sich die neue Sektion Schöner wohnen zu Wort und merkt voller Zynismus an, dass man lachen würde, wenn man nicht weinen müsste:

„Fast 5 Jahre ist es nun her, dass die Uni das Haus Stralsunder Straße 10/11 an den Berliner Investor Douglas Fernando und seine Immobilienfirma “Petruswerk” verkaufte. Zur gleichen Zeit war weder die Uni noch die Stadt Greiswald gewillt, mit dem extra gegründeten Verein “Kultur- und Initiativenhaus” zu reden, bzw. deren Kaufangebote auch nur in Erwägung zu ziehen. Nach 5 Jahren Leerstand und Verfall findet heute der mindestens 100. Versuch statt, bei dem die Gruppe “Kultur- und Initiativenhaus e.V.” auf diesen Missstand hinweisen will. RETTET DIE STRAZE!“

stralsunder strasse 10 traenen(Foto: HIHGW, CC-Lizenz)

  • Schöner wohnen (HIHGW, 24.10.12)
  • Podiumsdiskussion zur Zukunft der Straze (Fleischervorstadt-Blog, 23.10.12)

Fakten: 24.10. | 18 Uhr | St. Spiritus

Podiumsdiskussion zur Zukunft der Straze

Am Mittwoch findet im St. Spiritus eine Podiumsveranstaltung zur Zukunft des ehemaligen Gesellschaftshauses Zum Greif, den meisten eher als Straze bekannt, statt.

 VERFALL MIT KALKÜL NACH ABLEHNUNG DES ABRISSANTRAGS? 

Das Gebäude in der Stralsunder Straße wurde im Januar 2008 an ein Berliner Immobilienunternehmen verkauft und verfällt seitdem zusehends. Das Bemühen einer in der Zwischenzeit gegründeten Bürgerinitiative, das Haus vom Neueigentümer — Douglas Fernando (Petruswerk) — zu erwerben, blieb bis heute ohne Erfolg. Das Petruswerk hat seit der nicht erteilten Abrissgenehmigung nichts für den Erhalt des Gebäudes unternommen – sein Zustand leidet entsprechend.

stralsunder strasse(Foto: Fleischervorstadt-Blog, 05/2012)

Aus Sicht der Veranstalterinnen ist es höchste Zeit, mit allen beteiligten Akteuren eine gemeinsame Lösung zu finden, um den Verfall des Hauses aufzuhalten. Die Podiumsdiskussion soll so „verschiedene Möglichkeiten zum Erhalt des Hauses aufzeigen, den Austausch der Akteure fördern und der Beratung des weiteren Vorgehens dienen.“

GEHEN ZERFALL UND ABRISS DER GREIFSWALDER ALTSTADT WEITER?

Der Abend wird von Ines Yitnagashaw (Architektin, Altstadtinitiative Greifswald e.V.) eingeleitet, die eine Einführung in die Geschichte des Hauses geben und aktuelle Entwicklungen und Perspektiven erläutern wird. Anschließend sollen Unterschriften Greifswalder Bürgerinnen übergeben werden, die den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses fordern. Bei der anschließenden Diskussion sitzen neben einem Vertreter des Petruswerks folgende Personen auf dem von Thorsten Erdmann (freier Mitarbeiter NDR) moderierten Podium:

  • Prof. Dr. Horst Wernicke (Historisches Institut, Universität Greifswald)
  • Michael Bräuer (Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Ortskuratorium Rostock, Vorsitzender der Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz)
  • Jörg Hochheim (Bausenator und 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters)
  • Erik von Malottki (studentischer Senator des akademischen Senats und Vorsitzender des Verwaltungsrates des Studentenwerks)
  • Thomas Schmidt (Kultur- und Initiativenhaus Greifswald e.V.)
  • Dr.-Ing. Michael Bednorz (Direktor des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV)
  • Ines Yitnagashaw (Architektin, Altstadtinitiative Greifswald e.V.)

Das überwältigende Interesse an der Ausstellung Heimatkunde, die den Greifswalder Abrisswahnsinn der Achtziger Jahre dokumentiert und noch bis Ende Januar im Pommerschen Landesmuseum zu sehen ist, verdeutlichte die Anteilnahme der hiesigen Bürger am Verlust der historischen Bausubstanz ihrer Stadt.

FERNANDO VERSPIELT SEINEN POLITISCHEN KREDIT 

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Währenddessen verspielt das Petruswerk seinen politischen Kredit in der Stadt, da der Kaufpreis für ein erworbenes Grundstück am Ryck bis heute nicht bezahlt wurde. Nach dem auch das zweite Ultimatum zahlungslos verstrich, schwindet Fernandos Unterstützung in der Greifswalder Bürgerschaft weiter. Die Podiumsdiskussion verspricht also nicht zuletzt deswegen spannend zu werden, weil ein Vertreter des Unternehmens auf dem Podium sitzen wird. Die Häuser denen, die sie brauchen!

Hintergründe über die bisherigen Immobiliengeschäfte des Petruswerks und seine Verbindungen in die Greifswalder Kommunalpolitik sind im ausführlichen Artikel Die Greifswalder Einkaufstour des Immobilienmagnaten Douglas Fernando (Fleischervorstadt-Blog, 08.02.2011) zu finden.

Fakten: 24.10. | 18 Uhr | St. Spiritus (Lange Straße 49/51)