Dezente Eingriffe

Es ist noch nicht lange her, dass ich auf einen gutbetuchten Greifswalder hinwies und erwähnte, dass dieser die alte Villa in Eldena gekauft und abgerissen hätte. Ein Spaziergang in Eldena vor wenigen Tagen wurde gleichsam zu einer Ortsbegehung, als ich des Glaskastens gewahr wurde, den Michael Schmidt in unmittelbare Nähe zum Strand bauen ließ.

Unmittelbare Nähe meint, dass von der Grundstücksgrenze bis zum Strandsand etwa fünf Meter zu überwinden sind. Ärgerlicherweise befinden sich dort naturgemäß einige Bäume, die die herrliche Sicht auf den Bodden versperren. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass eben diese Bäume einer Rodungsaktion zum Opfer gefallen sind.

Jetzt ist das Boddenpanorama aus dem Glashaus perfekt in Szene gesetzt, ein Fernglas oder ein Teleskop ließ sich ebenfalls hinter einem der Fenster ausmachen. Ein Narr, wer Böses dabei denkt. Weiß jemand, ob es einen anderen Grund als die Panoramaoptimierung gibt, dass die Bäume dort gefällt wurden, aber 70 Meter weiter in Richtung Wieck noch stehen?

Straze – (keine) Entwicklungen

Wer heute in die Ostsee Zeitung schaut und den Artikel zur Straze liest — beziehungsweise das Bild ansieht — bekommt den Eindruck, als ginge dort richtig etwas. Der Verein, der das Haus retten und später betreiben will, erfährt eine Kurzvorstellung.

Der Eigentümer des Hauses, Douglas Fernando vom Petruswerk, sei in Verhandlung mit den Hausrettern. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis erstens das Nutzungskonzept ausgearbeitet ist und zweitens die Verhandlungen mit dem Eigentümer erfolgreich abgeschlossen werden. Soweit zur heutigen OZ.

FERNANDO VERWEIGERT BETRETUNGSERLAUBNIS

In der gestrigen Ausgabe stellte sich die Lage anders dar — wesentlich besorgniserregender. Die Verhandlungen sollen gar nicht erst in Gang kommen. Hausbesitzer Douglas Fernando verweigert nach Auskunft der Bürgerinitiative die Betretungserlaubnis, Fachleuten bleibt damit eine Begehung des Objektes verwehrt.

Die BI beklagt, dass ohne ebendiese Erlaubnis ein Sanierungskonzept nicht zu schreiben sei. Inzwischen ist auch durchgesickert, dass Fernando den Betrag für die Erbpacht mittlerweile verdreifacht habe, so dass ernste Zweifel aufkommen, ob der Katholik tatsächlich so hehre Ziele verfolge.

RELATIVIERUNG DES DENKMALSCHUTZES

Informationen der Bürgerinitiative zufolge, lässt Fernando derzeit ein Gutachten erstellen, das den Wert der denkmalgeschützten Substanz relativieren soll. Während der Erstellung des Gutachtens seien klassizistische Fresken zu Tage gekommen, von denen Bilder existieren.

Diese werden Teil einer Ausstellung, die der Verein im Rahmen der Greifswalder Kulturnacht heute Abend ab 19 Uhr in einem Zelt auf dem Marktplatz zeigen wird.

Man darf gespannt sein, ob in der Ausstellung auch die beiden denkmalgeschützten Immobilien, die Fernando in Berlin erwarb und zugunsten von Neubauten abriss, Erwähnung finden werden. Im Fall der Kirche St. Johannes Capistran in Berlin Tempelhof geschah dies sogar ungeachtet der gegenteiligen Empfehlung des dortigen Denkmalamtes.

DOPPELTES SPIEL DES INVESTORS ?

Die Bürgerinitiative wirft Fernando zu Recht vor, ein doppeltes Spiel zu spielen. Die Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Gebaren als Gutmenschen, dessen Ziel die Kooperation mit dem Verein und der Erhalt des Hauses ist, und dem Taktieren hinter den Kulissen, also die plötzliche Erhöhung der Erbpacht, die Verweigerung der Betretungserlaubnis und das stille Festhalten an den Abrissplänen, zeugt von einer gehörigen Portion Kalkül.

Mich wundert nur, dass alle darüber so überrascht sind. Ein Immobilienspekulant kommt in die Stadt, kauft ein Haus mit dem Ziel es abzureißen und später mit dem Neubau Geld zu verdienen. So sind Immobilienspekulanten, für sie sind Bürgerinitiativen und Denkmalämter Hindernisse, keine Partner.

Veranstaltungshinweis: „Neonazis in Nadelstreifen“

Morgen findet eine Buchvorstellung mit Autorengespräch statt. In dem von Andrea Röpke und Thomas Niehoff geschriebenen Neonazis in Nadelstreifen werden jüngste Entwicklungen der deutschen Rechtsextremen thematisiert.

In den letzten Jahren konnte die NPD nicht nur Wahlerfolge in Ost und West verbuchen. Gemeinsam mit den außerhalb der Parlamente agierenden “Freien Kameradschaften” ist es ihr gelungen, vielerorts eine rechte Alltagskultur zu etablieren. Der Grund dafür ist ein politischer Strategiewechsel, mit dem sie sich zugleich ein neues Image zu geben versucht: Sie greift soziale Ängste und regionale Probleme auf, und ihre Mitglieder engagieren sich verstärkt in Vereinen.

Dabei stützt sich die NPD auf ein bundesweites Netzwerk von Kameradschaften, Wirtschaftsunternehmen, Stiftungen sowie Organisationen, die oftmals als scheinbar harmlose Bürgerinitiativen agieren. Doch auch im Gewand des Biedermannes werden die alten völkischen Botschaften verbreitet, hinter der vermeintlichen Bürgernähe steht eine straff geführte Organisation, und die Zahl rechtsextremer Gewalttaten nimmt weiter zu. Dieses Buch gibt einen Überblick und deckt Hintergründe auf.

Fakten: 17.09. | 20 Uhr | Koeppenhaus

Gewitterklawitter

Wer sich trotz des ernsten Themas amüsieren will, sollte diesen Fünfminüter von extra3 über die HDJ sehen. Der Greifswalder Rechtsextremist Frank Klawitter – bis vor vor kurzem noch Mitglied beim THW Greifswald, inzwischen ausgeschlossen – findet dort auch Erwähnung.

Übrigens erfuhr Klawitter ein öffentliches Outing als Nazi durch einen Halloween-Besuch der Greifswalder Antifa.



HanseYachts auf Schlingerkurs

Vor einem Monat wies ich auf ein kleines Portrait über Michael Schmidt, Haupteigner und Kopf der HanseYachts AG hin.

Das Vorzeigeunternehmen wird aller Orten gerühmt. Watchblogger Ulrich Meyke hinterfragte auf seinem Blog gestern jene Journalisten, die voll des Lobes sind und darüber übersehen, dass das börsennotierte Unternehmen ein wenig ins Schlingern geraten ist.

Seit dem Börsengang vor 18 Monaten habe das Unternehmen 65% seines Wertes eingebüßt. Von diesen Verlusten war im heutigen Artikel in der Ostsee Zeitung keine Rede; thematisiert wurden lediglich Gerüchte um den Abbau von Arbeitsplätzen.

Die LeserInnen unserer Lokalzeitung wurden schlussendlich aber mit dem Hinweis beruhigt, dass am Standort Greifswald Millionen Euro investiert und etwa 200 Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Boxen als Gewaltprävention

Rückblickend sei noch mal auf den vergangenen Präventionstag hingewiesen, bzw. auf seine Perlen. Ich bin kein großer Verehrer des Boxsports und wenn man einzelne Zeilen des heutigen OZ-Artikels über die Boxer auf dem Markt aus dem Kontext löst und sie für sich stehen lässt, dann rumpelts in der Schädelkiste.

„Wie jedes Jahr freuten sich die Faustkämpfer des BC Greifswald wieder auf den Einsatz beim Präventionstag. Ganz stolz trugen sie dabei ihre T-Shirts mit der Aufschrift […] „ Ich spreche deine Sprache“. Selbst die Jüngsten, nämlich zwei süße Mädchen, zeigten schon, dass sie wissen, wie man die Fäuste gezielt einsetzt. Es ist schon schön, so manchem unentschlossenem Jugendlichen zu zeigen, was man so in seiner Freizeit alles anstellen kann, ohne negativ aufzufallen.“

Boxen Präventionstag Greifswald

Vom abendlichen Karat-Konzert war außerdem ein Video in miserabler Qualität – nicht nur was Ton und Bild angeht – auf der berühmtesten Video-Plattform der Welt zu finden.

Bin ich froh, dass das Leben in Greifswald durch die Arbeit des Präventionsrates so viel sicherer geworden ist. Auf dessen Internetpräsenz erfährt man auch, dass Prävention in Greifswald erstens auf solidem Fundament steht und sich zweitens sehen lassen kann. Na dann hoch die Tassen!